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Kfz-Policen regelmäßig zu überprüfen lohnt sich

2020-11-13T09:12:33+01:009. November 2020|

Es ist sin­nvoll, seine Kfz-Poli­cen regelmäßig zu über­prüfen. Denn viele Aut­o­fahrer kön­nen kräftig sparen, mitunter mehrere Hun­dert Euro im Jahr. Dazu müssen sie nur bere­it sein, den Ver­sicher­er zu wech­seln.

Wer das zum 1. Jan­u­ar tun möchte, muss seine Ver­sicherung bis spätestens 30. Novem­ber kündi­gen. Andern­falls ver­längert sich der Ver­trag automa­tisch um ein Jahr. Courage klärt auf, welch­er Schutz der richtige ist.

Von Mar­tin Reim

Frauen zahlen mehr als Männer

Die Nachricht klingt beden­klich: Frauen zahlen für ihre Kfz-Ver­sicherung pro Jahr 57 Euro mehr als Män­ner, meldet der Ver­trags­man­ag­er Vold­ers. Das Unternehmen hil­ft via Inter­net bei Kündi­gun­gen und hat nach eige­nen Angaben fest­gestellt, dass bei Frauen im Durch­schnitt 795 Euro fäl­lig wer­den, und bei Män­nern lediglich 738 Euro. Am größten sei die Dif­ferenz mit rund 345 Euro aus­gerech­net beim Branchen­primus HUK-Coburg: Kundin­nen zahlen dem­nach durch­schnit­tlich 1033 Euro, Kun­den 688 Euro.

Allerd­ings ist fraglich, ob die Zahlen tat­säch­lich repräsen­ta­tiv sind. Ein Sprech­er der HUK-Coburg kann zwar gegenüber courage-online.de keine exak­ten Dat­en nen­nen, betont jedoch, dass Kundin­nen seines Haus­es „ein­deutig weniger“ als Män­ner bezahlten.

Dafür gebe es min­destens drei Gründe: Frauen benutzen eher einen Zweit­wa­gen, sie fahren kleinere Autos, und sie haben mehr unfall­freie Jahre mit entsprechen­den Rabat­ten. Er ver­weist darauf, dass Preisun­ter­schiede auss­chließlich nach dem Geschlecht geset­zlich ver­boten sind. Zudem seien die genan­nten Prämien­höhen unplau­si­bel: Ein durch­schnit­tlich­er Ver­trag bei der HUK-Coburg koste rund 500 Euro.

Somit kön­nten die Dat­en von Vold­ers eher darauf hin­deuten, dass dort vor allem Frauen kündi­gen, wenn sie über­teuerte Verträge haben. Plau­si­bil­ität hin oder her – auf jeden Fall ist es sin­nvoll, seine Kfz-Poli­cen regelmäßig zu über­prüfen.

Versicherer wechseln

Ver­sicherte soll­ten daher in den kom­menden Wochen her­aus­find­en, ob sie kündi­gen kön­nen und ob die Prämie zu hoch ist. Die entsprechen­den Angaben ste­hen in den Ver­sicherung­sun­ter­la­gen. Manch­mal gibt auch der anges­tammte Ver­sicher­er einen Nach­lass, wenn man ihm das gün­stigere Ange­bot eines Konkur­renten vor­legt.

Viele Wech­sel­willige nutzen den Preisver­gle­ich auf Onlinepor­tal­en wie verivox.de oder check24.de. Ein Ver­gle­ich­stest von €uro am Son­ntag (die Finanzzeitschrift erscheint wie Courage im Finanzen Ver­lag) und dem Deutschen Kun­denin­sti­tut ergab, dass check24.de das beste Por­tal ist. Eine Such­maske unter­stützt die Recherche nach indi­vidu­ellem Bedarf.

Doch Achtung: Nicht bei jedem Kfz-Ver­sicher­er sind dort Poli­cen abschließbar. So fehlen die HUK-Coburg und der Branchen­zweite Allianz, sowohl deren Stam­m­marken als auch die Onlinela­bels HUK24 beziehungsweise Allianz Direct (die Tochterge­sellschaft hieß bis vor einem Jahr Allse­cur). Auch die LVM, immer­hin Num­mer 5 der Branche, bleibt außen vor.

Haupt­grund für die Absenz: Ver­sicherte, die von Ver­gle­ich­sportal­en an die Asseku­ranz ver­mit­telt wer­den, kom­men diese teur­er als jene Kun­den, die direkt beim Ver­sicher­er abschließen. Das liegt an den Pro­vi­sio­nen, die die Por­tale von den Gesellschaften ver­lan­gen. Sie sind im Netz höher als bei Ver­mit­tlern vor Ort. Ander­er­seits wer­den immer mehr Poli­cen online abgeschlossen. Das drückt auf die Mar­gen der Ver­sicher­er, und zwar seit Jahren.

Gut zu wis­sen: Neu­tral ver­hal­ten sich die Por­tale nicht. Als Mak­ler leben sie von den Pro­vi­sio­nen der Fir­men. Möglicher­weise spülen sie ver­meintliche „Preis-Leis­tungs-Sieger“ auf Platz 1 der Ran­gliste.

Auch kön­nen Vor­e­in­stel­lun­gen wie etwa eine – prinzip­iell unnötige – Insasse­nun­fal­lver­sicherung das Suchergeb­nis verz­er­ren, warnt die Stiftung War­entest. Die Ver­brauch­er­seite finanztip.de emp­fiehlt, zwei Por­tale und zusät­zlich einen nicht gelis­teten Direk­tver­sicher­er par­al­lel zu nutzen.

Welcher Schutz ist der richtige?

Bei alten Autos reicht es häu­fig, lediglich eine Kfz-Haftpflicht­po­lice abzuschließen. Ver­brauch­er­schützer empfehlen, dass ein Fahrzeug zumin­d­est in den ersten drei Jahren vol­lka­skover­sichert sein sollte, während nach etwa zehn Jahren selb­st der Teilka­skoschutz nicht mehr unbe­d­ingt nötig ist.

Der Bund der Ver­sicherten (BdV) rät zu ein­er Selb­st­beteili­gung von 150 Euro in der Teilka­sko und von max­i­mal 500 Euro in der Vol­lka­sko, um die Beiträge zu senken.

Vor­sicht: Man sollte nicht sein ver­ringertes Fahrver­hal­ten wegen Coro­na in Anschlag brin­gen, son­dern eher die durch­schnit­tliche Fahrleis­tung der Vor­jahre. Son­st kann es zu Nach­forderun­gen durch den Ver­sicher­er kom­men oder der Schutz schlimm­sten­falls kom­plett weg­fall­en.

Haftpflicht

Sie ist geset­zlich vorgeschrieben und deckt Schä­den beim geg­ner­ischen Unfal­lopfer ab. Auch die Insassen des eige­nen Fahrzeugs sind geschützt. Der Fahrer selb­st und Schä­den am eige­nen Auto bekom­men keine Deck­ung. Die Police wirkt außer­dem wie eine Rechtss­chutzver­sicherung, weil sie unberechtigte Ansprüche Drit­ter abwehrt.

Vor­sicht: Unfälle durch Alko­hol oder Dro­gen reg­ulieren die Gesellschaften zwar, doch wer­den sie ver­suchen, sich das Geld vom Ver­sicherten zurück­zu­holen. Die geset­zliche Min­dest­deck­ung beträgt 7,5 Mil­lio­nen Euro für Per­so­n­en­schä­den, eine Mil­lion Euro für Sach- und 50.000 Euro für Ver­mö­genss­chä­den. Wenn etwa der Geschädigte einen Flug ver­säumt und Schaden­er­satz fäl­lig wird.

Doch sollte man weit darüber hin­aus­ge­hen. Bei Per­so­n­en­schä­den sind min­destens 50 Mil­lio­nen Euro empfehlenswert, bei Sach­schä­den zehn Mil­lio­nen Euro.

Weitere wichtige Kriterien sind:

Mal­lor­ca-Police: Diese Option erhöht die Deck­ung für Miet­wa­gen im europäis­chen Aus­land auf deutsches Niveau. Die Mal­lor­ca-Police kostet meis­tens keinen Auf­schlag.

Ver­spätete Anzeige: Bis zu welch­er Höhe reg­uliert der Ver­sicher­er einen Schaden, den der Ver­sicherte selb­st tra­gen will, dann aber doch ver­spätet ein­re­icht?

Ver­let­zung der vorver­traglichen Anzeigepflicht: Welche Nachzahlung wird fäl­lig, wenn der Kunde im Antrag falsche Angaben gemacht hat, etwa wenn die tat­säch­liche durch­schnit­tliche Lau­fleis­tung höher liegt als angegeben?

Teilkasko

Sie zahlt, wenn das eigene Auto gestohlen oder durch bes­timmte Ursachen beschädigt wird, etwa wenn Hagel Spuren im Lack hin­ter­lässt oder bei Sturm ein Ast auf den Wagen fällt. Eben­falls eingeschlossen sind Glas­bruch sowie Kabelschä­den durch Kurz­schluss.

Weitere wichtige Kriterien sind:

Marder­bisse: Schä­den an Schläuchen und der Verk­a­belung sowie deren Fol­gen. Bei manchen Ver­sicher­ern sind allerd­ings die Sum­men, die erstat­tet wer­den, begren­zt.

Erweiterung der Ele­men­targe­fahren: Welche Gefahren sind zusät­zlich zu Über­schwem­mungen als Basiss­chutz mitver­sichert? Großzügige Ver­sicher­er zahlen auch bei Law­inen, Dachlaw­inen, Erd­beben, Erdrutsch, Muren oder Stein­schlag.

Vollkasko

Sie zahlt, wenn das eigene Auto durch eigenes Ver­schulden beschädigt wird oder wenn Dritte das Fahrzeug mutwillig beschädi­gen. Außer­dem ist der volle Teilka­skoschutz inbe­grif­f­en.

Weitere wichtige Kriterien sind:

Wild­schaden­klausel: In der Regel sind nur Zusam­men­stöße mit Haar­wild ver­sichert, also etwa mit Wild­schweinen, Rehen und Hasen. Die Police sollte jedoch für alle Tiere gel­ten, so beispiel­sweise auch für Vögel, Hunde, Katzen und Pferde.

Neuw­er­tentschädi­gung: Inner­halb welch­er Frist nach Neukauf wird bei Totalschaden der kom­plette Neupreis erset­zt? Gute Poli­cen leis­ten noch nach 18 Monat­en.

Kaufw­er­tentschädi­gung: Inner­halb welch­er Frist nach Gebrauchtkauf wird der kom­plette Kauf­preis erset­zt? Hier sind bei leis­tungsstarken Anbi­etern 14 Monate drin.

Grobe Fahrläs­sigkeit: Üblicher­weise leis­tet der Ver­sicher­er nicht, wenn der Kunde etwa eine rote Ampel über­fährt und verunglückt. Deshalb sollte der Anbi­eter auf den soge­nan­nten Ein­wand der groben Fahrläs­sigkeit verzicht­en.-

Vor­sicht: Das ist kein Freib­rief. Beson­ders grobe Schnitzer muss sich der Fahrer nach wie vor zuschreiben lassen, bei einem Dieb­stahl etwa das Steck­en­lassen des Schlüs­sels oder Unfälle unter Ein­fluss von Alko­hol und Dro­gen.

Telematik

Ein spezielles The­ma sind die Telematik-Tar­ife. Hier wird mit­tels einge­bauter Tech­nik das Fahrver­hal­ten gemessen und in die Prämien­berech­nung ein­be­zo­gen. Beispiel­sweise hat die Allianz bere­its mehr als 100.000 dieser Verträge verkauft. Der BdV rät laut ein­er Sprecherin von solchen Ange­boten generell ab: „Es ist nicht ein­deutig nachvol­lziehbar, welch­es Fahrver­hal­ten in welchem Umfang die Prämie reduziert.“

Auch seien die Telematik-Tar­ife selb­st bei gün­stigem Fahrver­hal­ten nicht in jedem Fall bil­liger als tra­di­tionelle Poli­cen. Weit­eres Gege­nar­gu­ment: „Man gibt bei der Telematik viele Dat­en preis und sollte daher kri­tisch hin­ter­fra­gen, welche Regelun­gen hier vere­in­bart wer­den.“

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