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Bausparen: Wann es sich lohnt

2021-08-30T16:35:45+02:0020. August 2021|

Bau­spar­ver­trä­ge zäh­len zu den belieb­tes­ten Spar­for­men der Deut­schen. Sie bie­ten vie­le Vor­tei­le wie die staat­li­che För­de­rung – haben aber auch Nach­tei­le. Courage-online.de erklärt, wann sie sich loh­nen – und wann nicht.

Von Gise­la Haberer

Fes­te Zin­sen und eige­ne vier Wän­de: bei­des sym­bo­li­siert für vie­le Sicher­heit. Bau­spar­ver­trä­ge ermög­li­chen, mit fes­ten Zins-Sät­zen Wohn­ei­gen­tum zu finan­zie­ren – dop­pel­te Sicher­heit sozu­sa­gen. Auf den ers­ten Blick. Auf den zwei­ten lohnt es, genau nachzurechnen.

Bausparen: so funktioniert es 

Durch regel­mä­ßi­ge Ein­zah­lun­gen wird ein Gut­ha­ben auf­ge­baut, meist über sie­ben bis zehn Jah­re. Damit wird zugleich der Anspruch auf ein zins­güns­ti­ges Dar­le­hen erwor­ben. Min­dest­gut­ha­ben und Höhe des Dar­le­hens wer­den bei Abschluss des Ver­tra­ges fest­ge­schrie­ben: Bei­des zusam­men ergibt die Bau­spar­sum­me. Die­se steht zur Ver­fü­gung, sobald der Ver­trag zuge­teilt wird.

Bausparverträge: für jetzt oder für später

Die meis­ten Bau­spar­kas­sen bie­ten auch fle­xi­ble Tari­fe. Dann kann zum Bei­spiel die Bau­spar­sum­me nach­träg­lich erhöht oder das Dar­le­hen vor­zei­tig in Anspruch genom­men wer­den. Bei einem soge­nann­ten „Kom­bi-Ver­trag“ wird sofort ein til­gungs­frei­er Hypo­the­ken­kre­dit auf­ge­nom­men und gleich­zei­tig ein Bau­spar­ver­trag abge­schlos­sen. Sobald die­ser zutei­lungs­reif ist, löst der Bau­spar­ver­trag das Hypo­the­ken­dar­le­hen ab.

Vorteil: Zinssicherheit

Bei Abschluss des Ver­tra­ges wer­den die Zin­sen für die gesam­te Lauf­zeit fest­ge­schrie­ben: sowohl die Zin­sen für das Gut­ha­ben als auch die zur Rück­zah­lung des Dar­le­hens. Damit ist von vor­ne­her­ein klar, womit zu rech­nen ist.

Vorteil: Zinsen für die Zukunft sichern

In einem Bau­spar­ver­trag wer­den die heu­te nied­ri­gen Zin­sen für das Dar­le­hen von mor­gen fest­ge­schrie­ben. So las­sen sich die aktu­ell güns­ti­gen Zins-Sät­ze in die Zukunft fort­schrei­ben. Wer Sor­ge hat, dass Bau­geld in abseh­ba­rer Zeit teu­rer wird, kann sich auf die­se Wei­se absichern.

Vorteil: flexible Sondertilgungen

Bausparer:innen kön­nen einen uner­war­te­ten Geld­re­gen sowohl als Son­der­zah­lung auf ihr Bau­spar­kon­to ein­zah­len als auch als Son­der­til­gung zur Rück­zah­lung ihres Dar­le­hens nut­zen. Das ist jeder­zeit kos­ten­frei mög­lich. Anders bei der Rück­zah­lung übli­cher Hypo­the­ken­dar­le­hen: Hier sind Son­der­til­gun­gen in der Höhe begrenzt. Für alles, was dar­über hin­aus­geht, wird eine soge­nann­te Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung verlangt.

Vorteil: günstige Kleindarlehen

Für klei­ne­re Hypo­the­ken­kre­di­te erhe­ben Ban­ken oft höhe­re Zin­sen oder sie ver­ge­ben nur einen gewöhn­li­chen Raten­kre­dit, der eben­so rela­tiv teu­er ist. Dage­gen lässt sich ein Bau­spar­ver­trag auch über eine klei­ne­re Sum­me abschlie­ßen, etwa wenn damit „nur“ eine Reno­vie­rung oder Moder­ni­sie­rung finan­ziert wer­den soll.

Vorteil: (Staatliche) Förderungen

Beim Bau­spa­ren kann man sich vom Chef und vom Staat hel­fen las­sen. Denn auf einen Bau­spar­ver­trag kön­nen ver­mö­gens­wirk­sa­me Leis­tun­gen (VL) des Arbeit­ge­bers flie­ßen. Der Staat för­dert Bausparer:innen sogar auf drei Wegen: über die Arbeit­neh­mer­spar­zu­la­ge, die Wohn­bau­prä­mie und den Wohn­ries­ter. Je mehr För­de­run­gen genutzt wer­den (kön­nen), des­to eher lohnt sich ein Bausparvertrag.

Nachteil: Kosten

Bau­spar­ver­trä­ge sind teu­er. Für den Abschluss des Ver­tra­ges wird eine Gebühr fäl­lig, meist zwi­schen einem und 1,6 Pro­zent der Bau­spar­sum­me. Bei einer Bau­spar­sum­me von 100.000 Euro also bis zu 1.600 Euro . Für die Füh­rung des Bau­spar­kon­tos wer­den jähr­lich zwi­schen sie­ben und 30 Euro ver­langt. Wird kein Bau­spar­dar­le­hen in Anspruch genom­men, kos­tet die Kün­di­gung des Guthabens.

Nachteil: Zinsverlust

Auf das ange­spar­te Gut­ha­ben gibt es nur Mick­erzin­sen, meist zwi­schen 0,01 und 0,1 Pro­zent. Wer kein Dar­le­hen braucht, kann lukra­ti­ver Ver­mö­gen anspa­ren, etwa über einen Fonds-Spar­plan.

Nachteil: Mehr Kosten als Zinsen aufs Guthaben

Die Zeit­schrift Finanz­test errech­ne­te, das Bausparer:innen bis zur Zutei­lung ihres Ver­tra­ges mehr Gebüh­ren zah­len als sie an Zin­sen bekom­men. Selbst nach zehn Jah­ren Spar­zeit lie­ge ihr Gut­ha­ben noch unter den ein­ge­zahl­ten Sparbeiträgen.

Nachteil: Zinshöhe

Bau­spar­ver­trä­ge bie­ten nicht unbe­dingt güns­ti­ge­re Zin­sen als übli­che Immo­bi­li­en­kre­di­te. Verbraucher:innen infor­mie­ren sich bes­ser vor­ab, etwa über Ver­gleichs­por­ta­le wie www.fmh.de  und biallo.de oder über Kre­dit­ver­mitt­ler wie Inter­hyp und baufi24.

Nachteil: Zuteilung

Bausparer:innen kön­nen ihr Gut­ha­ben nicht ein­fach abhe­ben. Brau­chen sie kein Dar­le­hen, müs­sen sie es kün­di­gen. Dafür gel­ten Fris­ten. Wol­len sie ein Bau­spar­dar­le­hen, müs­sen sie war­ten, bis ihnen Gut­ha­ben und Dar­le­hen zuge­teilt wer­den. Wann ein Ver­trag zutei­lungs­reif ist, bestimmt die Bau­spar­kas­se. Dies geschieht zwar nach einem vor­ab fest­ge­leg­ten Sys­tem, doch haben Bausparer:innen dar­in nicht den vol­len Einblick.

Bausparen oder höher tilgen?

Im Ein­zel­fall kann es güns­ti­ger sein, einen übli­chen Hypo­the­ken­kre­dit höher zu til­gen als ein Bau­spar­dar­le­hen zu nut­zen. Ein Rechen­bei­spiel von der unab­hän­gi­gen FMH-Finanz­be­ra­tung: Ein Hypo­the­ken­kre­dit über 100.000 Euro mit zehn Jah­ren Lauf­zeit kos­tet bei einem Zins von einem Pro­zent und einer Til­gungs­ra­te von drei Pro­zent pro Monat 333 Euro. Am Ende der Lauf­zeit sind 68.500 Euro an Schul­den übrig. Wird zur Ablö­sung die­ser Rest­schuld gleich­zei­tig ein Bau­spar­ver­trag abge­schlos­sen, sind dar­auf monat­lich 230 Euro ein­zu­zah­len. Nach zehn Jah­ren beträgt das Bau­spar­gut­ha­ben (ohne Berück­sich­ti­gung der Kos­ten) etwa 27.600 Euro. Dafür wird ein Bau­spar­dar­le­hen von fast 41.000 Euro gewährt. Mit Gut­ha­ben und Dar­le­hen wird die Rest­schuld von 68.500 Euro begli­chen. Flie­ßen die 230 Euro jeden Monat jedoch nicht in den Bau­spar­ver­trag, son­dern gleich in die Til­gung des Hypo­the­ken­dar­le­hens, beträgt die Rest­schuld nach zehn Jah­ren nur noch 39.500 Euro. Es kann also loh­nen­der sein, höher zu til­gen als einen Bau­spar­ver­trag zu nutzen.

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