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    Chipknappheit, ©Porsche AG

Ausblick 2022: Ein gutes Jahr für die deutschen Autohersteller – Und auch für einige Aktien…

2021-12-30T08:47:54+01:0029. Dezember 2021|

2021 war ein Top-Akti­en. Trotz aller Gegen­win­de. Doch die Auto­mo­bil-Bran­che bekam unter­schied­lich viel Lor­beer ab. Der Gegen­wind war enorm. Die Kon­kur­renz schlief nicht. Neue Play­er kamen auf die Stre­cke. Was kön­nen Auto-Akti­en 2022 zwi­schen Chip-Kri­se, irren Roh­stoffprei­sen und enor­mem Wettbewerb?

Von Ant­je Erhard

2022 wird ein Jubi­lä­ums­jahr in der Auto­bran­che: Opel wird 160 und Fer­ra­ri fei­ert 75. Geburts­tag. Jagu­ar wird 100, Toyo­ta 85. Und auch eini­ge der Top-Model­le des auto­mo­bi­len Zeit­al­ters kom­men in die Jah­re und zu neu­en Jubi­lä­en: So wird der Mase­ra­ti 3500 GT schon 60 und Por­sches 911 Car­re­ra RS 50! Wie die Zeit ver­geht! 

Doch schau­en wir auf die jüngs­te Ver­gan­gen­heit. Der Blick in den Rück­spie­gel lässt die Investor:innen von Auto­mo­bil-Titeln über­wie­gend zufrie­den sein, darf aber nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die Bran­che ein schwie­ri­ges Jahr hin­ter sich hat. Und vor sich. Zum Teil möch­te man mei­nen, dass die Bewer­tun­gen an den Bör­sen da eine völ­lig ande­re Welt abbil­den. Bei­spiel Tes­la: 

Tesla viermal mehr Wert als VW, Daimler und BMW zusammen?! 

Sei­en wir ehr­lich: Wer hät­te in die­sem Jahr nicht ger­ne Tes­la-Akti­en im Depot gehabt?! Wer im Früh­jahr zu 563 US-Dol­lar gekauft hat, hat­te sein Geld in weni­gen Mona­ten ver­dop­pelt: Bis zu 1.230 US-Dol­lar war eine ein­zi­ge Tes­la-Aktie teu­er. Zum Jah­res­en­de steht weni­ger auf der Kurs­ta­fel – den­noch: Da reibt man sich doch ver­wun­dert die Augen. Denn es bedeu­tet: Elon Musks klei­nes E‑Au­to-Unter­neh­men ist vier­mal mehr Wert als eta­blier­te Her­stel­ler Daim­ler, VW und BMW zusam­men.  

„Die For­mel für 2021 lau­te­te: Je elek­tri­scher ein Auto­her­stel­ler, des­to höher ist er bewer­tet“, sagt Jür­gen Pie­per, Auto­mo­bil-Ana­lyst beim Bank­haus Metz­ler.  Also ist die Bil­lio­nen-Bewer­tung von Tes­la gerecht­fer­tigt? „Die Tes­la-Aktie ist ratio­nal exor­bi­tant teu­er“, sagt der Exper­te im Gespräch mit courage-online.de. Aber er ver­steht den „Hype“ um Tes­la: „Wer auf Pio­nier­geist, einen star­ken CEO und gutes Mar­ke­ting set­ze, hat hier eine Lieb­ha­ber­ak­tie.“ Aber er sagt zugleich: „Auch wenn man Tes­la einen hohen Wert zubil­ligt, ist die Gefahr eines star­ken Rück­schlags groß“. Doch was sind die Alter­na­ti­ven in der Bran­che? Wo blei­ben die deut­schen Her­stel­ler? 

Der Chef­an­la­ge­stra­te­ge der Deut­schen Bank für Pri­vat­kun­den, Dr. Ulrich Ste­phan, schätzt, dass die Bran­che mit­tel­fris­tig von weni­ger Lie­fer­ket­ten­pro­ble­men und höhe­rer Chip-Pro­duk­ti­on pro­fi­tiert. Das Pro­blem der Chip-Knapp­heit sei damit auf abseh­ba­re Zeit „noch nicht voll­stän­dig gelöst“ aber mit dem grö­ße­ren Ange­bot von Halbe­lei­tern aus Asi­en soll­te sich die Auto­pro­duk­ti­on in Euro­pa und den USA „bald erho­len“. „Das könn­te den Geschäfts­zah­len und den Akti­en der Fahr­zeug­her­stel­ler Rücken­wind ver­lei­hen.“ Er erwar­tet welt­weit eine 12 Pro­zent höhe­re Auto­mo­bil­pro­duk­ti­on. 

Jür­gen Pie­per sieht „ein sehr gutes Jahr“ für Daim­ler, BMW und VW. Ins­be­son­de­re für den Wolfs­bur­ger Mas­sen­her­stel­ler sieht er eine höhe­re Bewer­tung – sprich die Aktie soll­te 2022 wei­ter stei­gen. Das ist sie zwar auch 2021, aber Daim­ler und BMW haben VW abge­hängt. „VW hat 2021 ent­täuscht, hat aber auch die Power, um da raus­zu­kom­men.“ Aus­wir­kun­gen wer­de aber die geplan­te Abspal­tung von Por­sche haben: „Por­sche ist für die Bewer­tung von VW sehr wich­tig, die Abspal­tung wird Spu­ren hin­ter­las­sen.“  

Chips bleiben ein Thema 

Die drei Haupt-Pro­ble­me nimmt die Bran­che aber mit ins neue Jahr. Punkt eins: Die Chip­kri­se. „Die Chip­kri­se wird sich all­mäh­lich im Jah­res­ver­lauf 2022 lösen.“, sagt Jür­gen Pie­per. Die Bran­che selbst ist weni­ger opti­mis­tisch: Daim­ler-Vor­stands­chef Ola Käl­le­ni­us hat­te auf einer Bran­chen-Kon­fe­renz bekräf­tigt, er erwar­te, dass Halb­lei­ter im kom­men­den Jahr knapp blei­ben. Nach Ein­schät­zung von Con­ti­nen­tal wür­den zu weni­ge Halb­lei­ter und teu­re Roh­stof­fe auch 2022 die Bran­che „belas­ten“. Das bedeu­tet, dass Kund:innen nach wie vor lan­ge – bis zu ein­ein­halb Jah­re – auf ihre Neu­wa­gen war­ten müs­sen. Vie­le Autos blei­ben auf Hal­de wegen feh­len­der Chips. Fak­tor zwei: Roh­stoff­prei­se. Roh­stof­fe blei­ben teu­er, wer­den in Ein­zel­fäl­len sogar noch teu­rer als 2021. Jür­gen Pie­per: „Das wird die Her­stel­ler zwi­schen 0,5 und einem Pro­zent Mar­ge kos­ten.“ 

China: Schwer einzuschätzen 

Das drit­te Pro­blem sei „sehr schwer ein­zu­schät­zen“, so Jür­gen Pie­per: Chi­na. Noch sei nicht aus­zu­ma­chen, wel­che Fol­gen die poli­ti­sche Front gegen Chi­na haben wer­de. Dass Chi­na ein Wachs­tums­markt blei­be, sei vor allem für die Pre­mi­um­her­stel­ler wie Por­sche und Audi aus­ge­mach­te Sache. „Da ist prak­tisch kei­ne Kon­kur­renz vor­han­den.“ Schwie­rig wer­de es für VW: Hier kämen die Elek­tro-Model­le nicht mehr so gut in Chi­na an und VW sei inzwi­schen einer hei­mi­schen Elek­tro-Kon­kur­renz in Chi­na aus­ge­setzt, die groß sei. 

Hohe Nachfrage – Hohe Preise – Gute Aussichten? 

Auf der Haben­sei­te ver­bu­che die Bran­che aber eine hohe Nach­fra­ge: „Der Nach­fra­ge­stau ist groß. Ich erwar­te eine Erho­lung 2022 und 2023. Zwei­ter Plus­punkt: Gestie­ge­ne Prei­se: Die Her­stel­ler könn­ten stei­gen­de Kos­ten zum Teil wei­ter­ge­ben. „Die Kon­stel­la­ti­on aus gestie­ge­nen Prei­sen und hoher Nach­fra­ge ist eine sehr gute Nach­richt für die Bran­che.“ 

Drit­ter Plus­punkt: Bis­he­ri­ge Kos­ten­ein­spa­run­gen: Die tra­gen all­mäh­lich Früch­te. Außer­dem müs­se „nicht mehr ganz so viel“ in For­schung & Ent­wick­lung wie bis­her inves­tiert wer­den. Vor allem Daim­ler sei hier sehr gut vor­an­ge­kom­men. „Mit­tel­fris­tig sind die Kos­ten gerin­ger als für Ver­bren­ner.“ Und auch wenn viel neue E‑Konkurrenz auf­tau­che: „20 Pro­zent der Neu­lin­ge wer­den sich durch­set­zen.“ Der Druck für Rivi­an, Fis­ker und Co sei hoch – aber es gäbe auch Chan­cen.  

Grund­sätz­lich posi­tiv bewer­tet die Bran­che die Ent­schei­dung der Bun­des­re­gie­rung, die finan­zi­el­le För­de­rung von Elek­tro-Autos in Deutsch­land zu ver­län­gern: Bis Ende 2022 wer­den rei­ne E‑Autos sowie Hybrid-Fahr­zeu­ge wie bis­her mit bis zu 9.000 bzw. 6.750 Euro geför­dert, aber 2023 wird sich vor allem die För­de­rung von Hybrid-Autos ändern, die dann eine höhe­re Reich­wei­te rein elek­trisch vor­wei­sen müs­sen. VDA und Impor­teur­ver­band VDIK sind mit der Ent­schei­dung zufrie­den.  Der Ver­band der Inter­na­tio­na­len Kraft­fahr­zeug­her­stel­ler (VDIK) wag­te für 2022 bereits eine Pro­gno­se und erwar­tet eine deut­li­che Absatz­erho­lung mit einem Anstieg um 15 Pro­zent auf etwa drei Mil­lio­nen Pkw. 

Jür­gen Pie­pers Fazit: Die tra­di­tio­nel­len Her­stel­ler hät­ten 2022 die Chan­ce, auf­zu­ho­len, vie­le sei­en unter­be­wer­tet. Sein Top Pick: Nicht mehr VW, son­dern Daim­ler. 

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