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Auch für Anfänger:innen: Investier doch mal in Kunst

2022-07-08T12:12:14+02:008. Juli 2022|

Wer vom Schö­nen begeis­tert und für Mög­lich­kei­ten offen ist, das eige­ne Anla­ge­portfo­lio zu diver­si­fi­zie­ren, kann sich mit Kunst­in­ves­ti­tio­nen befas­sen. Die wich­tigs­ten Infos.

Von Ines Baur

Auf der „Art Basel“ schlug er zu. Brad Pitt kauf­te sich das Gemäl­de „Etap­pe“ von Neo Rauch, dem bekann­tes­ten Ver­tre­ter der soge­nann­ten Neu­en Leip­zi­ger Schu­le. Viel­leicht hängt das zwei mal drei Meter gro­ße Werk aus dem Jahr 1998 jetzt über sei­nem Sofa und ist mitt­ler­wei­le das Drei­fa­che wert? Man weiß es nicht. Sol­che Sto­rys aus der Regen­bo­gen­pres­se befeu­ern den Glau­ben, dass ein Invest­ment in Kunst nur was für Super­rei­che ist. Bit­te strei­chen. In Kunst inves­tie­ren kann, wer ein Fai­ble für Kunst hat.

Gemälde, Objekte, Grafiken – reale Kunstwerke kaufen

Kunsthistorikerin Dr. Ruth Polleit Riechert, Copyright: Ruth Polleit Riechert, Foto: Anne Simon

Kunst­his­to­ri­ke­rin Dr. Ruth Polleit Rie­chert, Copy­right: Ruth Polleit Rie­chert, Foto: Anne Simon

Irgend­wo fängt jede und jeder mal an. Nur wo? „Ich emp­feh­le allen, die in dem Bereich bis 10.000 Euro anle­gen wol­len, in eine Kunst­aka­de­mie zu gehen“, sagt Dr. Ruth Polleit Rie­chert, Kunst­his­to­ri­ke­rin und Autorin des Buches „Kunst kau­fen“. Dort gibt es jedes Jahr Abschluss-Aus­stel­lun­gen der Student:innen. „Bes­te Qua­li­tät zum fai­ren Preis.“ Wer sich hier in eine Arbeit ver­liebt und han­dels­ei­nig wird, soll­te zuschla­gen. „Sicher, das ist Spe­ku­la­ti­on“, stellt die Exper­tin klar, denn nie­mand kön­ne vor­her­se­hen, wie sich Künst­le­rin­nen oder Künst­ler wei­ter­ent­wi­ckeln. „Doch am Werk wer­den Sie sich freu­en und es besteht lang­fris­tig die Opti­on auf Wertsteigerung.“

Wer gewinn­brin­gen­der und ziel­ge­rich­te­ter in ein eige­nes Kunst­ob­jekt inves­tie­ren möch­te, kann als Alter­na­ti­ve Gra­fi­ken von inter­na­tio­nal erfolg­rei­chen, soge­nann­ten Blue-Chip-Künst­lern in Erwä­gung zie­hen. „Geht es tat­säch­lich um Invest­ment, muss es für das Kunst­werk eine trans­pa­ren­te Preis­his­to­rie geben. Hier­für bie­tet es sich an, bei Auk­tio­nen nach Edi­tio­nen von bekann­ten Künst­lern zu schau­en.“ Dort könn­ten Inter­es­sier­te Schnäpp­chen machen. „Wer­ke mit einer Auf­la­ge sind kei­ne Uni­ka­te und dar­um vom Preis her nicht so teu­er. Lang­fris­tig wer­den sie aber auch nicht glei­cher­ma­ßen an Wert stei­gen wie Uni­ka­te der­sel­ben Künstler.“

Drops, Token und Blockchain-Technologie – Kunst-Invest über Beteiligungen

Seit Jah­ren ver­öf­fent­licht das „Wall Street Jour­nal“ die pro­fi­ta­bels­ten Inves­ti­tio­nen. 2018 haben die soge­nann­ten Collec­ti­bles (Samm­ler­stü­cke) die Akti­en und Anlei­hen über­holt. Denn wäh­rend der S&P 500 um 5,1 und der DAX um 18,3 Pro­zent fie­len, konn­ten Per­so­nen, die zu Jah­res­be­ginn in Assets wie Kunst oder Collec­ti­bles inves­tiert haben, einen durch­schnitt­li­chen Gewinn von 10,6 Pro­zent ver­zeich­nen. Doch da ist es wie­der, das Bild im Kopf. Eine Plas­tik von Kaws oder ein Por­sche, wer soll das bezahlen?

Zwei Fin­techs wol­len Sach­wert­an­la­gen für alle rea­li­sie­ren. Die Anbie­ter Timeless und Fine­xi­ty ermög­li­chen Klein­an­le­ge­rin­nen und ‑anle­gern über die Block­chain Tech­no­lo­gie in Kunst und Collec­ti­bles zu gehen. Bei Fine­xi­ty sind sie ab 500 Euro und bei Timeless ab 50 Euro dabei. Unter­schie­de gibt es bei der Umset­zung. Bei Timeless wer­den Inves­tie­ren­de zur Mit­ei­gen­tü­me­rin bzw. zum Mit­ei­gen­tü­mer des Objekts. Bei Fine­xi­ty wer­den die Sach­wer­te von Zweck­ge­sell­schaf­ten gehal­ten, deren Gläu­bi­ge­rin­nen die Inves­tie­ren­den werden.

Geld ver­die­nen oder Gewin­ne erzie­len Inves­to­rin­nen und Inves­to­ren bei der Ver­äu­ße­rung des Collec­ti­bles durch das Unter­neh­men. Oder beim Han­del der Token auf der haus­ei­ge­nen Platt­form der Unter­neh­men mit ande­ren Mitgliedern.

„Grund­sätz­lich fin­de ich die Block­chain-Tech­no­lo­gie, die hin­ter NFTs steckt, groß­ar­tig. Ähn­lich wie die Erfin­dung der Druck­pres­se von Johan­nes Guten­berg bie­tet sie Künst­lern end­lo­se neue Mög­lich­kei­ten, für die Krea­ti­on, die Prä­sen­ta­ti­on und den Ver­kauf. Zudem kann sie digi­ta­le und ana­lo­ge Kunst fäl­schungs­si­cher und han­del­bar machen “, sagt Exper­tin Ruth Polleit Rie­chert. „Wich­tig ist, sich ganz genau das Klein­ge­druck­te im Kauf­ver­trag durch­zu­le­sen: Bin ich Mit­ei­gen­tü­mer oder Gläu­bi­ger? Was pas­siert bei Insol­venz, Betrug und Fäl­schungs­fäl­len? Zu wel­chem Preis wur­de das Werk ein­ge­kauft und ist die ver­spro­che­ne Wert­ent­wick­lung rea­lis­tisch? Wann und wo kann ich mei­nen Anteil ver­kau­fen?“

Exklusive Kunstfonds

Laut einem Bericht von Art Basel und UBS aus dem Jahr 2020 ist der Kunst­markt heu­te 64,1 Mil­li­ar­den US-Dol­lar wert. Die Prei­se schwan­ken wie bei jedem ande­ren Markt auch und beein­flus­sen Gewin­ne oder Ver­lus­te. Es gibt eini­ge exklu­si­ve Anbie­ter von Kunst­fonds. Die­se Unter­neh­men sind aller­dings wäh­le­ri­scher bei der Kli­en­tel und teu­rer beim Einstiegspreis.

Die Min­dest­be­tei­li­gung liegt zwi­schen 2.500 und über 1 Mil­li­on US-Dol­lar. Außer­dem ist eine Ver­wal­tungs­ge­bühr von etwa ein bis drei Pro­zent ange­setzt und der Fonds behält einen Pro­zent­satz der erziel­ten Gewin­ne. Doch darf man den Anga­ben glau­ben, machen sie gute Arbeit. Die Anthea Art Invest­ments AG hat bei­spiels­wei­se nach eige­nen Anga­ben zwi­schen 2013 und 2014 eine Ren­di­te von 23,4 Pro­zent erzielt. Die bes­te Anla­ge erwirt­schaf­te­te eine Ren­di­te von 404,3 Pro­zent. Die Fine Art Fund Group gibt eine Ren­di­te von 9 Pro­zent vor Gebüh­ren an. Auch attrak­tiv: Der Artemun­di Glo­bal Fund, soll sei­nen Inves­to­rin­nen und Inves­to­ren gestat­ten, die Kunst­wer­ke abwech­selnd in ihren Woh­nun­gen auszustellen.

Value Investing am Kunstmarkt

Beim Kauf von Kunst ori­en­tiert sich Ruth Polleit Rie­chert an der Anla­ge­stra­te­gie von Alt­meis­ter War­ren Buf­fett, dem Value Inves­ting. „Sie kön­nen zwar Kunst und Künst­ler nicht genau­so wie Unter­neh­men ana­ly­sie­ren, und es ist auch nicht mög­lich, die Zukunft feh­ler­frei vor­her­zu­sa­gen, aber Buf­fetts Value-Inves­ting-Ansatz hilft den­noch, um bes­ser beur­tei­len zu kön­nen, ob es über­haupt sinn­voll ist, ein Kunst­werk zu kau­fen“, schreibt sie in ihrem Buch „Kunst kau­fen – den Kunst­markt ver­ste­hen, Wis­sen auf­bau­en und klug investieren.“

Denn die Ren­di­te läge im Ein­kauf. „Nur ganz weni­ge Kunst eig­net sich als Invest­ment. Ein lang­fris­tig gutes Inves­ting kön­nen Sie nur dann machen, wenn Sie ein Werk güns­tig erwer­ben. Wenn Sie zu teu­er ein­kau­fen, wer­den Sie lang­fris­tig kei­ne gute Wert­ent­wick­lung haben – auch wenn es War­hol ist. Dann haben Sie schon zu viel Geld ausgegeben.“

Wo kann ich Kunst verkaufen?

Das Bild hängt an der Wand, doch das Geld wird gebraucht. Stellt sich die Fra­ge: Wo kann man Kunst­wer­ke ver­kau­fen? „Soll­ten Sie das Werk eines jun­gen Künst­lers bei einer Gale­rie gekauft haben, fra­gen Sie dort nach, ob es wie­der zurück­ge­nom­men wird“, erklärt Polleit Rie­chert. Oft sei es so, dass Gale­rien jun­ger Künst­ler ein Vor­kaufs­recht bei einem etwai­gen Ver­kauf inner­halb eines Zeit­raums von fünf Jah­ren mit einem Ver­merk in der Rech­nung ver­ein­ba­ren wür­den.  

„Ansons­ten kommt es dar­auf an, ob es für den Künst­ler des zu ver­kau­fen­den Wer­kes einen Markt gibt. Dazu ist Recher­che erfor­der­lich: Wo wer­den ähn­li­che Wer­ke ange­bo­ten, im Han­del, auf Auk­tio­nen, auf Platt­for­men?“ Wich­tig sei fer­ner, den rich­ti­gen Zeit­punkt zu wäh­len. Schnell ver­kau­fen, wie einen ETF, das funk­tio­niert nicht. „Sie brau­chen auf jeden Fall Geduld“, sagt die Kunst­markt­ex­per­tin, „sowohl beim Kauf, als auch beim Ver­kauf. Sie kön­nen kein Dayt­ra­ding machen und brau­chen unter Umstän­den einen lan­gen Atem, wenn Sie Ihr Kunst­werk zu dem Preis ver­kau­fen möch­ten, den Sie erwar­ten. Denn der Wert eines Kunst­wer­kes liegt vor allem im Auge des Betrach­ters. Die wich­tigs­te Regel von War­ren Buf­fett lau­tet daher auch, nur etwas zu kau­fen, das man eigent­lich nicht mehr ver­kau­fen möch­te.“ 

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