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Annalena Baerbock wird erste Kanzlerkandidatin der Grünen

2021-05-07T16:15:26+02:0019. April 2021|

Noch vor drei Jah­ren war Anna­le­na Baer­bock in der Öffent­lich­keit weit­hin unbe­kannt, nun schreibt sie für die Grü­nen Geschich­te. Die 40-Jäh­ri­ge ist die ers­te Kanz­ler­kan­di­da­tin ihrer Par­tei. Mit der Real­po­li­ti­ke­rin will die eins­ti­ge Öko- und Frie­dens­par­tei bei der Bun­des­tags­wahl im Sep­tem­ber zur stärks­ten poli­ti­schen Kraft aufsteigen.

Die Völ­ker­recht­le­rin ist ehr­gei­zig, gilt in der Par­tei als team­fä­hig, sehr gründ­lich und sat­tel­fest in allen wich­ti­gen The­men. Seit sie gemein­sam mit Robert Habeck im Janu­ar 2018 an die Par­tei­spit­ze gewählt wur­de, hat sie sich viel Zuspruch erar­bei­tet. In einem Kabi­nett saß sie aller­dings noch nicht. Mit Baer­bock gren­zen sich die Grü­nen klar von Uni­on und SPD ab, die das Kanz­ler­amt mit regie­rungs­er­prob­ten Män­nern fort­ge­schrit­te­nen Alters erobern wol­len. “Ich tre­te an für Ver­än­de­rung. Für den Sta­tus Quo ste­hen ande­re”, sag­te sie.

Mat­thi­as Jung von der For­schungs­grup­pe Wah­len sagt, mit der Kanz­ler­kan­di­da­tur ent­ste­he eine ganz ande­re Sicht­wei­se bei den Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern. “Die Hür­den wer­den hoch gelegt. Man muss alle The­men glaub­wür­dig und mit Kom­pe­tenz reprä­sen­tie­ren kön­nen.” Das muss die gebür­ti­ge Nie­der­säch­sin, die mit ihrer Fami­lie in Pots­dam lebt, nun unter Beweis stel­len. “Nie­mand ist so tief in den Details drin wie sie”, sagt eine Grü­nen-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te. Sie mache ihre Haus­auf­ga­ben, ergänzt ein Frak­ti­ons­kol­le­ge, und kom­me damit auch bei der Wirt­schaft gut an. Vor allem bei Frau­en, die die Grü­nen über­durch­schnitt­lich oft wäh­len, und Fami­li­en könn­te sie punk­ten. In der Coro­na-Kri­se hat die mit einem Unter­neh­mens-PR-Mana­ger ver­hei­ra­te­te Mut­ter zwei­er Töch­ter immer wie­der Ver­säum­nis­se in Schu­len und Kitas angeprangert.

Als Frau hat sie ein Allein­stel­lungs­merk­mal im Kanz­ler­kan­di­da­tu­ren-Trio von Grü­nen, Uni­on und SPD. Baer­bock ließ offen, wel­che Aspek­te aus­schlag­ge­bend gewe­sen sei­en bei der Fra­ge, wer für das Kanz­ler­amt kan­di­die­re. “Aber natür­lich hat auch die Fra­ge der Eman­zi­pa­ti­on eine zen­tra­le Rol­le bei die­ser Ent­schei­dung gespielt”, gestand Baer­bock zu. Das soll für die Ent­schei­dung, mit Baer­bock statt Habeck Kurs auf die Nach­fol­ge der CDU-Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel zu neh­men, aber nicht die ent­schei­den­de Rol­le gespielt haben. “Das kann, muss aber nicht zwin­gend ein Vor­teil sein”, sagt Infra­test-Wahl­for­scher Ste­fan Merz. “Auch den Alters­un­ter­schied könn­te sie ausspielen.”

In Umfra­gen zur Kanz­ler­kan­di­da­tur wur­de Baer­bock zuletzt für geeig­ne­ter gehal­ten, vor allem bei Anhän­gern der Par­tei hat­te sie einen kla­ren Vor­sprung. Sie hat­te in den ver­gan­ge­nen Jah­ren an Popu­la­ri­tät und Anse­hen deut­lich zuge­legt und zum 51-jäh­ri­gen Habeck auf­ge­schlos­sen, der sechs Jah­re Umwelt­mi­nis­ter in Schles­wig-Hol­stein war.

“Ich bringe Entschlossenheit, Durchsetzungskraft und einen klaren Kompass und Lernfähigkeit mit”

Baer­bock räum­te ein, dass sie kei­ne Regie­rungs­er­fah­rung mit­brin­ge. Ein Neu­an­fang sei nötig: “Und dafür brin­ge ich Ent­schlos­sen­heit, Durch­set­zungs­kraft und einen kla­ren Kom­pass und Lern­fä­hig­keit mit — ich glau­be all das, was es für ein sol­ches Amt braucht.” Im Bun­des­tag war sie seit 2013 zunächst kli­ma­po­li­ti­sche Spre­che­rin ihrer Frak­ti­on und besetz­te damit das Ur-The­ma der Grü­nen. 2018 gelang ihr mit der Wahl zur Par­tei­che­fin der Über­ra­schungs­coup. Den hat­te sie nach Anga­ben aus der Par­tei durch ein enges Netz­werk vor allem in der Frak­ti­on vor­be­rei­tet und besie­gel­te das Gan­ze mit einer lei­den­schaft­li­chen Bewer­bungs­re­de. Damals bra­chen die Grü­nen mit dem Prin­zip, die Dop­pel­spit­ze mit Ver­tre­tern bei­der Flü­gel — Rea­los und Fun­dis — zu beset­zen. Denn Baer­bock und Habeck gehö­ren bei­de zu den Real­po­li­ti­kern. Seit die­ser Ent­schei­dung ist es mit den Grü­nen in Umfra­gen steil nach oben gegan­gen, auch weil das Spit­zen­duo mit­ein­an­der konn­te und nicht gegen­ein­an­der arbeitete.

Unter­stüt­zer ihrer Kanz­ler­kan­di­da­tur las­sen nicht gel­ten, dass feh­len­de Regie­rungs­äm­ter eine Schwä­che dar­stell­ten. Regie­rungs­er­fah­rung sam­me­le man im Amt. Ihr Auf­stieg bei den Grü­nen bele­ge Baer­bocks Durch­set­zungs­fä­hig­keit. Ein ande­res Par­tei­mit­glied ver­weist dar­auf, dass auch die Mit­be­wer­ber von Uni­on und SPD noch nie Kanz­ler gewe­sen sei­en. Als Mut­ter zwei­er Töch­ter, von denen die jüngs­te erst noch ein­ge­schult wer­de, sei Baer­bock zudem nahe an den Erfah­run­gen gro­ßer Tei­le der Bevölkerung.

Es gebe Momen­te im Leben, da gel­te es, auf die inne­re Stim­me zu hören, sag­te Baer­bock im Herbst 2020 in einem Inter­view, “und zu sagen: ‘Jetzt sprin­ge ich.’ ” In ihrer Jugend betrieb sie Tram­po­lin­sprin­gen als Leis­tungs­sport, gewann Bron­ze bei Deut­schen Meis­ter­schaf­ten. Sie habe gelernt, ihre Stär­ken ein­zu­schät­zen: “Man muss Mut haben, aber kei­nen Über­mut.” Ihren Mut kann sie nun im Wahl­kampf unter Beweis stel­len — auch im direk­ten Duell mit SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Olaf Scholz, der wie Baer­bock in Pots­dam um ein Direkt­man­dat für den Bun­des­tag kämpft.

rtr/fh

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