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Am eigenen Unternehmen beteiligen: Lohnen sich Mitarbeiter-Aktien?

2021-11-22T09:12:13+01:0021. November 2021|

BASF macht’s. Sie­mens macht’s. SAP und Zalan­do machen’s auch: Vor allem gro­ße Unter­neh­men betei­li­gen ihre Mitarbeiter:innen am Erfolg. Die Moti­va­ti­on für Mit­ar­bei­ter-Akti­en: Als Anteilseigner:innen sol­len sie sich stär­ker mit ihrem Unter­neh­men iden­ti­fi­zie­ren und moti­vier­ter sein. Aber lohnt sich das auch finan­zi­ell für die Beschäf­tig­ten? 

Von Ant­je Erhard

Alli­anz, Deut­sche Bank, Deut­sche Bör­se, Sie­mens, BASF, SAP, Voni­via, Fuchs Petrolub, Fra­port, MTU Aero Engi­nes, Zalan­do – allein 1,6 Mil­lio­nen Beschäf­tig­te in Deutsch­land haben Akti­en ihres eige­nen Unter­neh­mens. Das ergab eine Stu­die des Deut­schen Akti­en­in­sti­tuts 2020. Sie gehö­ren damit zu den 12,4 Mil­lio­nen Deut­schen, die über­haupt Aktionär:innen sind. Im Jahr 2019 waren es noch 9,7 Mil­lio­nen. 

Nun sind Akti­en in Deutsch­land ohne­hin mit gro­ßen Vor­be­hal­ten behaf­tet, aber für  Mit­ar­bei­ter-Akti­en sind vie­le Unter­neh­men schlicht zu klein.  

Mitarbeiter-Aktien – das können meist nur die Großen 

Die Grün­de für Akti­en – und damit eben auch für Mit­ar­bei­ter-Akti­en —  sind viel­fäl­tig: Null­zins-Umfeld und Straf­zin­sen, die Not­wen­dig­keit einer pri­va­ten Vor­sor­ge für spä­ter, die meist attrak­ti­ven Ren­di­ten. Und die Mög­lich­keit, über­haupt einen „klei­nen Teil“ am Unter­neh­men besit­zen zu kön­nen. Denn Mit­ar­bei­ter-Akti­en sind in Deutsch­land wenig ver­brei­tet. Vor allem gro­ße Unter­neh­men geben sie aus. Klei­ne und mitt­le­re Fir­men sind meist kei­ne Akti­en­ge­sell­schaf­ten, son­dern sie fir­mie­ren über­wie­gend als Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung, GmbH, oder als Per­so­nen­ge­sell­schaft. Auch Start-ups legen im All­ge­mei­nen nicht als AG, son­dern als GmbH, los. 

Beim Anwer­ben von Talen­ten ste­hen die Start-ups zwar in Kon­kur­renz zu den Gro­ßen, doch meist kön­nen sie noch nicht deren hohe Gehäl­ter zah­len. Gründer:innen geben des­halb viel öfter vir­tu­el­le Optio­nen (Vir­tu­al Stock Opti­ons) aus. Deren Aus­zah­lung wird zum Bei­spiel an einen Bör­sen­gang oder einen ande­ren Mei­len­stein geknüpft. Mitarbeiter:innen zu betei­li­gen, das machen erst 44 Pro­zent der Start-ups, ermit­tel­te der Digi­tal­ver­band Bit­kom.  

Ein Stückchen Unternehmen – eine Erfolgsbeteiligung. Aber eben nicht nur 

Wägen wir die Vor- und Nach­tei­le ab, die Mit­ar­bei­ter-Akti­en mit sich brin­gen. Zunächst das Posi­ti­ve: Ein Stück­chen Unter­neh­men, das heißt zum Einen eine Betei­li­gung am Erfolg des Unter­neh­mens. Außer­dem sind Mit­ar­bei­ter-Akti­en deut­lich güns­ti­ger als der aktu­el­le Kurs. Sie wer­den oft mit 30 Pro­zent Rabatt und mehr aus­ge­ge­ben. Dar­über hin­aus gibt es Unter­neh­men, die nach einer gewis­sen Hal­te­dau­er oder für eine bestimm­te Anzahl von Mit­ar­bei­ter-Akti­en wei­te­re Gra­tis-Antei­le zusätz­lich aus­ge­ben. Plus-Punkt drei von Mit­ar­bei­ter-Akti­en: Wer sie erwirbt, hat einen geld­wer­ten Vor­teil. Der muss zwar ver­steu­ert wer­den. Der Frei­be­trag hier­für ist aber zum 1. Juli die­ses Jah­res von bis­lang 360 Euro auf 1.440 Euro ver­vier­facht wor­den.   

Stif­tung Waren­test urteilt: „Vie­le Unter­neh­men ori­en­tie­ren sich erfah­rungs­ge­mäß am Frei­be­trag, wenn sie fest­le­gen, in wel­cher Höhe sie Ver­güns­ti­gun­gen gewäh­ren. Beschäf­tig­te kön­nen daher dar­auf hof­fen, dass ihr Arbeit­ge­ber die Rege­lun­gen ent­spre­chend anpasst.“ 

Rendite mit dem eigenen Unternehmen vs. Klumpenrisiko 

Nicht außer Acht zu las­sen ist die Ren­di­te. Nach Berech­nun­gen des Deut­schen Akti­en­in­sti­tuts  erzie­len 87 Pro­zent aller Mit­ar­bei­ter-Betei­li­gun­gen nach zehn Jah­ren min­des­tens fünf Pro­zent Ren­di­te jähr­lich. 55 Pro­zent kom­men auf eine Ren­di­te von elf Pro­zent pro Jahr. Bei fünf Pro­zent der Unter­neh­men erlit­ten die Mitarbeiter:innen über zehn Jah­re Anla­ge­ho­ri­zont Ver­lus­te. 

Gerät das Unter­neh­men in Schief­la­ge, ist also unter Umstän­den nicht nur der Job gefähr­det, son­dern auch die Akti­en-Betei­li­gung. Des­halb soll­te das eige­ne Depot nicht nur aus Mit­ar­bei­ter-Titeln bestehen, um das Klum­pen­ri­si­ko zu sen­ken. 

Nach­tei­lig beim Kauf von Mit­ar­bei­ter-Akti­en ist auch, dass es meist Hal­te­fris­ten von meh­re­ren Jah­ren gibt. Erst danach dür­fen die Akti­en ver­äu­ßert wer­den. Die Gewin­ne aus die­sen Wert­pa­pier-Geschäf­ten sowie Divi­den­den müs­sen – wie bei allen ande­ren Aktio­nä­ren – ver­steu­ert wer­den. Hier fal­len 25 Pro­zent Abgel­tungs­steu­er und ggf. Kir­chen­steu­er an. 

801 Euro gewährt das Finanz­amt hier­für als Frei­be­trag, bei gemein­sam ver­an­lag­ten Ehe­paa­ren und ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaf­ten ergibt sich ein Betrag von 1.602 Euro, der steu­er­frei bleibt. 

Ein bisschen Unternehmen – das ist noch relativ selten in Deutschland 

Trotz der vie­len Vor­tei­le sind Mit­ar­bei­ter-Akti­en in Deutsch­land noch rela­tiv sel­ten. In Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en oder Schwe­den sind Mit­ar­bei­ter-Betei­li­gun­gen viel wei­ter ver­brei­tet. Das Deut­sche Akti­en­in­sti­tut hob zwar den erhöh­ten Frei­be­trag als „wich­ti­ger Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung“ her­vor. Dr. Chris­ti­ne Bor­ten­län­ger, Geschäfts­füh­ren­de Vor­stän­din des Deut­schen Akti­en­in­sti­tuts, sieht aber Bedarf bei wei­te­ren Maß­nah­men, damit mehr Arbeitnehmer:innen Mit­ar­bei­ter-Akti­en in Betracht zie­hen: „Steu­er­po­li­ti­sche Stör­feu­er wie eine mög­li­che Finanz­trans­ak­ti­ons­steu­er auf Akti­en oder das Bei­be­hal­ten des Soli­da­ri­täts­zu­schlags auf Kapi­tal­erträ­ge sind für die stär­ke­re Betei­li­gung der Men­schen am wirt­schaft­li­chen Erfolg der Unter­neh­men kon­tra­pro­duk­tiv.“ 

Fazit: Mit Rabatt am eige­nen Unter­neh­men betei­li­gen – das ist meist nur Mitarbeiter:innen gro­ßer Unter­neh­men vor­be­hal­ten. Die Ren­di­te ist lang­fris­tig aber meist posi­tiv. Mit neu­en Steu­er­frei­be­trä­gen bleibt von die­ser Ren­di­te seit Juli die­ses Jah­res auch mehr bei den Mitarbeiter:innen.

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