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    Altersarmut, © PeopleImages/iStock

Altersarmut Teil 1: Mein Problem? Ein ernstzunehmendes Problem?

2021-11-19T13:48:26+01:0019. November 2021|

Rund die Hälf­te der Frau­en in Deutsch­land schafft es nicht, Rück­la­gen für das Alter zu bil­den. Wie will die nächs­te Bun­des­re­gie­rung gegen­steu­ern, damit wir alle von unse­ren Alters­ein­künf­ten leben kön­nen? Ist Alters­ar­mut überhaupt ein Pro­blem oder schürt die Finanz­bran­che hier unse­re PanikWie erkennt frau das Risi­ko Alters­ar­mut und wie kann man — auch in der Lebens­mit­te oder spä­ter — gegen­steu­ern? Neh­men wir unse­ren Mut zusam­men und schau­en gemein­sam in zwei Tei­len auf ein Pro­blem und sei­ne mög­li­che Lösung.

Von Ant­je Erhard

Für die meis­ten von uns ist es noch eine Wei­le hin bis zur Ren­te. Doch reicht die staat­li­che Leis­tung, wenn es eines Tages so weit ist? Die­se Fra­ge schei­nen vie­le zu ver­drän­gen: 56 Pro­zent der Frau­en in Deutsch­land legen kein Geld für den Ruhe­stand zurück. Das ergab eine Umfra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut You­Gov unter 2.000 Deut­schen. Auch 49 Pro­zent der Män­ner sor­gen nicht pri­vat vor. 

Sechs Prozent setzen auf ihren Partner – acht Prozent trauen den Vorsorge-Angeboten nicht 

Die Grün­de sind viel­fäl­tig: Fast die Hälf­te, 48 Pro­zent der Frau­en, gab an, kei­ne Liqui­di­tät zu haben, um zu spa­ren. Doch auch ande­re Moti­ve ste­hen dem Spa­ren fürs Alter ent­ge­gen. 22 Pro­zent glau­ben, sie haben genug staat­li­che Ren­te (Män­ner: 25 Pro­zent), sechs Pro­zent ver­las­sen sich auf ihren Part­ner. Jeder zehn­te Befrag­te will län­ger als bis zum gesetz­li­chen Ren­ten­ein­tritts­al­ter arbei­ten und acht Pro­zent gaben an, den pri­va­ten Vor­sor­ge-Ange­bo­ten nicht zu trau­en. 

Dabei ist die Angst, im Alter arm zu sein, bei vie­len durch­aus da: Die gene­rel­le Skep­sis gegen­über der gesetz­li­chen Ren­te geht mit einer aus­ge­präg­ten Sor­ge vor Alters­ar­mut ein­her“, ermit­tel­te das Deut­sche Insti­tut für Ver­mö­gens­bil­dung und Alters­si­che­rung (DIVA) für den zwei­mal jähr­lich erschei­nen­den Alters­vor­sor­ge-Index unter 2.000 Deut­schen. Am größ­ten ist die Sor­ge bei den Mill­en­ni­als. Grund­sätz­lich ist die Sor­ge vor Alters­ar­mut bei Frau­en (58 Pro­zent) grö­ßer als bei Män­nern (47,6 Pro­zent). Und das sei auch Rea­li­tät, weil Frau­en sich viel län­ger absi­chern müs­sen: „Nicht nur erhal­ten Frau­en auch auf­grund unter­schied­li­cher Erwerbs­bio­gra­fien weni­ger monat­li­che Ren­te. Im Ren­ten­ein­tritts­al­ter von 67 Jah­ren kön­nen Frau­en zudem eine wei­te­re durch­schnitt­li­che Lebens­dau­er von 17 Jah­ren, Män­ner nur von 12 Jah­ren erwar­ten. Frau­en leben also bei Ren­ten­ein­tritt im Durch­schnitt über 40 Pro­zent län­ger. Das bedeu­tet, dass ihre gesetz­li­che Ren­ten­lü­cke, die sie pri­vat absi­chern müs­sen, über 40 Pro­zent höher ist im Ver­gleich zu Män­nern.“ 

Rente – Ein Problem für uns alle 

Also ist Vor­sor­ge doch uner­läss­lich. Vor allem die pri­va­te. Denn die Ren­te ist längst ein drin­gen­des gesell­schaft­li­ches Pro­blem: Mit dem demo­gra­phi­schen Wan­del sinkt die Zahl von uns Beitragszahler:innen rapi­de: Waren es laut Sta­tis­ta 1962 noch sechs Arbeitnehmer:innen pro Senior:in, sind es heu­te nicht ein­mal mehr zwei. 2050, so die Pro­gno­se, wird noch gut ein:e Beitragszahler:in für eine:n Renter:in sor­gen kön­nen (1,3). 

Die­ses Ver­hält­nis wird sich des­halb wei­ter ver­schlech­tern, weil die gebur­ten­star­ken 60er Jah­re, die so genann­ten Baby-Boo­mer, nun suk­zes­si­ve in Ren­te gehen. Und selbst zu weni­ge Nach­kom­men hin­ter­las­sen. Zugleich wer­den wir alle im Durch­schnitt immer älter. Doch damit steigt auch die Dau­er, wäh­rend der wir Ren­te bezie­hen: So haben Senior:innen im Jahr 1960 im Schnitt laut Sta­tis­ta 9,9 Jah­re lang staat­li­che Ren­te bezo­gen. Bis 2019 hat sich die­ser Wert auf 19,9 Jah­re ver­dop­pelt.  

Den­noch: Die Ren­ten­lü­cke, die Span­ne zwi­schen dem letz­ten Net­to­ge­halt aus Berufs­tä­tig­keit und Ren­te, liegt in Deutsch­land bei 48 Pro­zent. Aber selbst die­ser Wert ist laut Expert:innen nicht rea­lis­tisch: 

Expertin: 35 Jahr in die Rente einzahlen – Für viele Frauen nicht realistisch 

„48 Pro­zent — das ist natür­lich eine fal­sche Fähr­te“, sagt die pro­mo­vier­te Sozi­al­wis­sen­schaft­le­rin Bir­git Hap­pel, die das Por­tal Geld­bio­gra­fien gegrün­det hat und Frau­en bei der Finanz­bil­dung beglei­tet. „Es han­delt sich dabei um das Ver­hält­nis von Stan­dard­ren­te und Durch­schnitts­ver­dienst der Ver­si­cher­ten. Um die Stan­dard­ren­te zu erhal­ten, müs­sen 35 Jah­re lang Bei­trä­ge in Höhe des Durch­schnitts­ver­diens­tes in die Ren­ten­kas­se ein­ge­zahlt wor­den sein. Gera­de mit Blick auf weib­li­che Erwerbs­bio­gra­fien ist das lei­der recht unrea­lis­tisch, vor allem wenn Frau­en Erzie­hungs- und Pfle­ge­ver­ant­wor­tung über­nom­men haben. Eine Stu­die des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend aus 2016 zur finan­zi­el­len Situa­ti­on von Frau­en zwi­schen 30 und 50 Jah­ren ergab, dass 63 Pro­zent der Frau­en unter 1000 Euro Net­to­ein­kom­men hat­ten, das heißt dem­entspre­chend nied­ri­ge Ren­ten­bei­trä­ge gezahlt wur­den.“ 

Selbst für berufs­tä­ti­ge Frau­en ist es also schwer, Geld bei­sei­te zu legen und im Alter finan­zi­ell klar­zu­kom­men: Im Schnitt ver­dient eine Frau in Deutsch­land Voll­zeit brut­to 3.578 Euro laut Sta­tis­ta. Eine heu­te 30-jäh­ri­ge Frau, die mit 67 in Ren­te geht, wür­de dar­aus im Jahr 2058 rund 1.747,51 Euro Brut­to-Ren­te erhal­ten. Nach Abzug von Sozi­al­ver­si­che­rung und Steu­ern blei­ben 1.398,28 Euro. Laut Ren­ten-Rech­ner ergibt sich eine Ren­ten­lü­cke von 545,77 Euro zum letz­ten Net­to-Gehalt.  

Es ist also kei­ne Fra­ge mehr, dass wir drin­gend eine Ren­ten­re­form und mehr Alters­vor­sor­ge brau­chen. Wie wir das selbst in die Hand neh­men kön­nen, das klä­ren wir in Teil 2: Ab 23.November auf courage-online.de 

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