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Adena Friedman, die Nasdaq und die Vielfalt in Verwaltungsräten

2022-05-16T09:33:20+02:0015. Mai 2022|

Ade­na T. Fried­man, die jun­ge Che­fin der „Nasdaq“, hat­te eine Idee. Ihr Vor­schlag: bör­sen­no­tier­te Unter­neh­men dazu zu ver­pflich­ten, deren „Diver­si­ty“-Daten über die Ver­wal­tungs­rä­te offen­zu­le­gen. Bedeu­tet: Fir­men ohne min­des­tens zwei diver­sen Direk­to­ren müs­sen seit August 2021 jenen Viel­falts­man­gel erklä­ren. Wie funk­tio­niert Fried­mans Plan und ist das eine gute Idee? 

Von Mat­thi­as Lauerer

3.249 Fir­men sind an der elek­tro­ni­schen Bör­se „Nasdaq“ notiert, die seit 1971 exis­tiert. Nun wur­de es Zeit für eine Neue­rung an der „Natio­nal Asso­cia­ti­on of Secu­ri­ties Dea­lers Auto­ma­ted Quo­ta­ti­ons“. Fir­men müs­sen nun min­des­tens eine Frau und ein „diver­ses“ Vor­stands­mit­glied vor­wei­sen und Daten zur Viel­falt in den jewei­li­gen Vor­stän­den vor­le­gen. Kommt man dem nicht nach, droht eine Stra­fe. Und um den Unter­neh­men Zeit zu geben, die Anfor­de­run­gen zu erfül­len, müs­sen sie ihre Daten zur Viel­falt in den Vor­stän­den inner­halb eines Jah­res nach der Geneh­mi­gung durch die US-Bör­sen­auf­sichts­be­hör­de „S.E.C.“ ver­öf­fent­li­chen. Fir­men, die sich den gewünsch­ten Infor­ma­tio­nen ver­wei­gern, droht die Ein­stel­lung der Bör­sen­no­tie­rung, also der Raus­wurf. Doch was geschieht mit den Fir­men, die ihre Daten mel­den, jedoch die gewünsch­ten Stan­dards nicht erfül­len? Die erklä­ren öffent­lich, wor­an es hapert. Der Schritt wäre das ers­te Mal, dass eine gro­ße Bör­se mehr Offen­le­gung von Fir­men ver­langt, als es das Gesetz vor­schreibt. Da stellt sich doch die span­nen­de Fra­ge: Könn­ten Bör­sen welt­weit nicht auch ihre jewei­li­gen Zulas­sungs­re­geln dafür nut­zen, um ande­re Maß­nah­men wie etwa beim Kli­ma­wan­del zu erzwin­gen? Frei nach dem Mot­to: Und bist Du nicht wil­lig, so brauch´ ich Gewalt?

Kind der „Wall Street“

Es klingt nach einer klei­nen Revol­te, aus­ge­löst von einer Frau. Nur: Wer ist die­se Ade­na T. Fried­man? Laut „New York Times“ wuchs sie mit ihrem Vater auf dem Bör­sen­par­kett auf. Als sie 1993 zur „Nasdaq“ kommt, steigt sie rasch in den Rän­gen auf, wird zur Lei­te­rin der Unter­neh­mens­stra­te­gie und über­nimmt schließ­lich vor 13 Jah­ren den Pos­ten des „Chief Finan­cial Offi­cer“. Heu­te ver­sucht sie, die Unter­neh­mens­kul­tur der „Nasdaq“ fri­scher zu gestal­ten und mehr Frau­en die Mög­lich­keit zu geben, im Finanz­we­sen durch­zu­star­ten. Ihre eige­nen Anfän­ge vor 29 Jah­ren waren da noch deut­lich schwie­ri­ger. „Es gab nicht vie­le Frau­en im Büro und ich mach­te ein­fach mei­ne Arbeit. Als ich mei­ne ers­te Beför­de­rung bekam, war ich sogar schwan­ger. Mein Chef sag­te nur: ´Oh, das ist in Ord­nung. Du bist drei Mona­te weg, dann kommst du wie­der´“, erin­nert sie sich. 

Neues Gesetz in Kalifornien

Der Schritt der US-Bör­se fin­det nicht im Vaku­um statt, denn da exis­tiert noch ein neu­es kali­for­ni­sches Gesetz, wel­ches Unter­neh­men mit Haupt­sitz in Kali­for­ni­en eine Min­dest­an­zahl von Min­der­hei­ten in den Vor­stän­den vor­schreibt. Seit 2020 in Kraft, müs­sen in Kali­for­ni­en ansäs­si­ge Akti­en­ge­sell­schaf­ten seit­dem min­des­tens einen Direk­tor in ihren Vor­stän­den haben, der sich bei­spiels­wei­se als „Afro­ame­ri­ka­ner, His­pano­ame­ri­ka­ner und Asia­te“ oder sich als „schwul, les­bisch, bise­xu­ell oder trans­se­xu­ell“ iden­ti­fi­ziert. Die wei­te­re Pla­nung: bis Ende 2022 soll­te sich jene Zahl auf zwei Direk­to­ren ver­dop­peln. Und wer sich nicht an das neue Gesetz hal­ten woll­te, muss­te mit einer Geld­stra­fe von bis 300.000 US-Dol­lar rech­nen. Nun wur­de das Gesetz unlängst von einem Rich­ter kas­siert. Es bleibt span­nend zu sehen, was mit dem Gesetz nun geschieht und wie es mit der Idee der diver­sen Vor­stän­de weitergeht. 

Starker Anstieg 2020

Auch in Deutsch­land bewegt sich etwas. Laut der 2021er-Stu­die der „All­B­right Stif­tung“ ist die Zahl „der Frau­en in den Vor­stän­den der 160 bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men in Deutsch­land 2020 stär­ker gestie­gen als jemals zuvor.“ So zogen „25 Frau­en neu in den Vor­stand eines der bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men Deutsch­lands ein“, wie es die „Per­so­nal­wirt­schaft“ schrieb. Doch von einer „Gleich­ver­tei­lung der Geschlech­ter“ sei­en die Vor­stän­de „noch weit entfernt.“

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