• Zwischen Studium und Beruf
    Zwischen Studium und Beruf, ©vladans/iStock

Zwischen Studium und Beruf Teil 1: Wovon leben?

2022-02-18T10:01:34+01:0023. Februar 2022|

Das Stu­di­um ist erfolg­reich abge­schlos­sen, nun liegt die Berufs­welt vor einem. So viel­ver­spre­chend die­se Lebens­pha­se ist so unsi­cher ist sie, gera­de auch finan­zi­ell. Wo fin­den Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten Unter­stüt­zung: für ihren Lebens­un­ter­halt und für ihre Arbeits­su­che?  

Von Gise­la Haberer

In Deutsch­land schlie­ßen pro Jahr rund eine hal­be Mil­li­on jun­ger Men­schen ihr Hoch­schul­stu­di­um ab. Ihre nächs­te Auf­ga­be: Den Ein­stieg in den Beruf zu fin­den. Dabei steht natür­lich die Job­su­che im Vor­der­grund. Doch wol­len auch die Tage, Wochen oder Mona­te bis zum Antritt der ers­ten Stel­le gemeis­tert sein. Courage-online.de klärt, auf wel­che Unter­stüt­zung Jung-Aka­de­mi­ke­rin­nen und Aka­de­mi­ker auf Arbeits­su­che Anspruch haben könn­ten.  

Haben Hochschulabsolventinnen und ‑Absolventen Anspruch auf Arbeitslosengeld?

In der Regel nein. Ein Anspruch auf die­se Ver­si­che­rungs­leis­tung ent­steht erst durch eine ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung aus­rei­chen­der Dau­er. Dies könn­te aber der Fall sein, wenn Stu­die­ren­de neben ihrem Stu­di­um mehr als Mini- oder Feri­en­jobs aus­ge­übt hat­ten. Oder wenn sie ein dua­les Stu­di­um absol­vier­ten, beglei­tend zu einer sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Stel­le. Ent­schei­dend sind die 30 Mona­te bevor sie sich arbeits­su­chend mel­den. Waren sie in die­sem Zeit­raum min­des­tens zwölf Mona­te sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäf­tigt oder zusam­men­ge­rech­net sechs Mona­te, in denen min­des­tens eine Stel­le auf höchs­tens 14 Wochen befris­tet war, dann erhal­ten sie Arbeits­lo­sen­geld I.  

Lohnt sich der Gang zur Arbeitsagentur überhaupt für Jung-Akademikerinnen und Akademiker?

Die Bun­des­agen­tur für Arbeit emp­fiehlt dies allen, die Arbeit suchen. Denn die Agen­tu­ren bie­ten eine Rei­he unter­stüt­zen­der Dienst­leis­tun­gen, dar­un­ter Bera­tung, Hil­fe bei der Erstel­lung eines Bewer­ber­pro­fils und bei der Stel­len­su­che, auch durch Ver­mitt­lungs­vor­schlä­ge. Außer­dem kön­nen Arbeits­su­chen­de das Berufs­in­for­ma­ti­ons­zen­trum nut­zen sowie even­tu­ell wei­te­re beruf­li­che Qua­li­fi­zie­rung erhal­ten. Unab­hän­gig von der Mel­dung als arbeits­su­chend steht die Job­bör­se der Arbeits­agen­tur allen offen.  

Gibt es eine Pflicht, sich nach dem Hochschulstudium arbeitssuchend zu melden?

Solan­ge kein Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld besteht, Nein. Ansons­ten muss man sich drei Mona­te vor der Exma­tri­ku­la­ti­on bei der ört­li­chen Arbeits­agen­tur zu mel­den. 

Besteht noch Anspruch auf Unterhalt durch die Eltern?

Eltern kön­nen ihren Nach­wuchs so lan­ge frei­wil­lig unter­stüt­zen wie sie wol­len. Aber: Sobald der ange­streb­te Abschluss erreicht ist, ist wei­te­rer Unter­halt Ver­hand­lungs­sa­che. Recht­lich sind Eltern „nur“ ver­pflich­tet, ihren Kin­dern eine ers­te Aus­bil­dung oder ein Erst­stu­di­um zu ermög­li­chen – soweit sie finan­zi­ell dazu in der Lage sind. Zum Erst­stu­di­um kann auch ein Mas­ter­stu­di­um gehö­ren. Vor­aus­set­zung: Bache­lor und Mas­ter ste­hen inhalt­lich in engem Zusam­men­hang und wer­den zügig hin­ter­ein­an­der absol­viert. Selbst ein Stu­di­en­fach­wech­sel in den ers­ten drei Semes­tern oder ein Stu­di­um im Anschluss an eine Leh­re sind Unter­halts­pflich­ti­gen zuzu­mu­ten. Bum­meln Stu­die­ren­de jedoch oder wech­seln stän­dig das Stu­di­en­fach, dann ver­wir­ken sie ihr Recht auf Unter­halt. Außer­dem endet die Unter­halts­pflicht der Eltern, sobald ihr Kind den Mas­ter­ti­tel erreicht hat. Die Finan­zie­rung einer Pro­mo­ti­on oder Habi­li­ta­ti­on müs­sen Akademiker:innen selbst erwirt­schaf­ten.  

Haben Hochschulabsolventinnen und Absolventen Anspruch auf Grundsicherung?

Even­tu­ell kann beim ört­li­chen Job­cen­ter Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de bean­tragt wer­den. Wegen der Coro­na-Kri­se wur­de der Zugang erleich­tert, aktu­ell zeit­lich befris­tet bis 31. März 2022, eine Ver­län­ge­rung wird dis­ku­tiert. Eine der Erleich­te­run­gen: Erschei­nen dem Job­cen­ter die Anga­ben zu ver­wert­ba­rem Ver­mö­gen plau­si­bel, wird nicht wei­ter geprüft. Dann muss Erspar­tes auch nicht auf­ge­braucht wer­den, bevor Grund­si­che­rung bewil­ligt wird. Vor­teil der Grund­si­che­rung: Dar­über sind auch Sozi­al­ver­si­che­run­gen abge­deckt, außer­dem wer­den Wohn­kos­ten über­nom­men. Bis 31. März 2022 sogar in vol­ler Höhe.  

Wovon leben, wenn Eltern und Staat nicht (mehr) zahlen?

Gibt es nach Abschluss des Stu­di­ums kei­ne wei­te­re Geld­quel­le, bleibt nichts ande­res übrig, als neben der Arbeits­su­che zu job­ben. Das ist ein Draht­seil­akt. Frisst der Neben­job zu viel Zeit und Ener­gie, rückt der Traum­job im schlech­tes­ten Fall in uner­reich­ba­re Fer­ne. Auch ein (bezahl­tes) Prak­ti­kum nach dem ande­ren zu absol­vie­ren, ende­te für so man­che Akademiker:innen bereits in der Prak­ti­kums­fal­le – ohne Aus­sicht auf eine fes­te Stel­le.  

Pri­vat Kran­ken­ver­si­cher­te müs­sen zudem auf die Dau­er ihres Neben­jobs ach­ten: Sind sie einen Monat und einen Tag sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäf­tigt, erlischt ihre Befrei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV). Dann kön­nen sie ver­pflich­tet sein, in die GKV zu wech­seln.  

Unterm Strich bleibt zwi­schen Stu­di­um und Berufs­ein­stieg oft nur: genüg­sam leben und sich auf die Suche nach einer Anstel­lung zu kon­zen­trie­ren. Oder ein Geschäfts­mo­dell zu ent­wi­ckeln, um sich selb­stän­dig zu machen.    

Wie finden Hochschul-Absolventinnen und Absolventen ihren Traumjob?

Für Aka­de­mi­ke­rin­nen und Aka­de­mi­ker ist die Arbeits­agen­tur nur eine von vie­len Mög­lich­kei­ten, eine Stel­le zu fin­den. Die meis­ten Fir­men unter­hal­ten eige­ne Kar­rie­re­sei­ten, meist mit der Mög­lich­keit, sich online zu bewer­ben. Auch Job-Por­ta­le gewin­nen an Bedeu­tung. Ein Bei­spiel: Im Janu­ar 2022 ver­zeich­ne­te die Agen­tur für Arbeit 12.045 offe­ne Stel­len in Mün­chen, die Job­sei­te Inde­ed dage­gen 40.000 Stel­len­an­ge­bo­te. Bran­chen­spe­zi­fi­sche Job-Por­ta­le bie­ten häu­fig wei­te­ren Mehr­wert. So erhält man zum Bei­spiel bei Job­vec­tor, dem Kar­rie­re­por­tal für Ingenieur:innen, Informatiker:innen, Mediziner:innen und Naturwissenschaftler:innen, bei vie­len Stel­len­an­ge­bo­ten zudem Gehalts­ver­glei­che zur Ori­en­tie­rung. Head­hun­ter sur­fen Online-Netz­wer­ke ab, auch auf der Suche nach Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten. Daher kann es loh­nen, Pro­fil und Lebens­lauf in Kar­rie­renetz­wer­ke wie XING und Lin­kedIn ein­zu­stel­len. 

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