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Zirkus ohne Tiere: Wie Hologramme helfen

2022-09-08T12:54:09+02:008. September 2022|

Wer Zir­kus-Vor­stel­lun­gen besucht, der möch­te Tie­re sehen, oder? Nun kom­men die ers­ten Spek­ta­kel ohne Vier- oder Zwei­bei­ner aus. Doch was haben „Prince“, „Jus­tin Tim­ber­la­ke“ und die schwe­di­sche Pop­grup­pe „ABBA“ damit zu tun? 

Von Mat­thi­as Lauerer

L’É­cocir­que“ bie­tet alles, was Besu­cher unter einer Zir­kus­kup­pel erwar­ten: Luft­akro­ba­ten auf dem Hoch­seil, ein Jon­gleur, der meh­re­re Stä­be in Bewe­gung hält, und einen stäm­mi­gen Mann, der Kraft­ak­te voll­bringt und das Ade­nosin­tri­phos­phat zur Höchst­form auf­lau­fen lässt. Nur was ist dann das Beson­de­re in die­sem Zir­kus? Was lässt ihn beson­ders tier­freund­lich erschei­nen? Es ist die schlaue und inno­va­ti­ve Art und Wei­se, wie man dort „wil­de Tie­re“ ein­setzt. Denn die sind nicht echt.

Technologie statt Tiere

Statt leben­der Tie­re setzt „l’É­cocir­que“ teu­re 3‑D-Holo­gram­me ein. Die Show „100% Humain!“ des fran­zö­si­schen Unter­neh­mens zeigt pro­ji­zier­te Bil­der von Löwen, Ele­fan­ten und selbst Beluga­wa­le neben den mensch­li­chen Dar­stel­lern. Gegen­über dem US-Maga­zin „Bloom­berg Busi­ness­week“ erklär­te der Mit­grün­der: „Wir woll­ten nicht ein­fach eine tier­freie Show machen, son­dern eine Show mit dem gewis­sen Extra“, so André-Joseph Bou­glio­ne.

Vorreiter 2019

Bereits vor drei Jah­ren gab es beim deut­schen Zir­kus „Ron­cal­li“ Holo­gram­me statt Tie­ren zu sehen. Damals hieß es in der Pres­se dazu: „Durch einen Laser­bea­mer wer­den fünf Meter gro­ße Ele­fan­ten pro­ji­ziert.“ Schuld an jenem Umschwung trägt wohl der Auf­tritt von Jus­tin Tim­ber­la­ke beim ´Super Bowl´ 2018. Damals stand Jus­tin gemein­sam mit einem Holo­gramm des ver­stor­be­nem Musi­kers „Prince“ auf der Büh­ne. Die­se Idee ver­folgt auch die Pop­grup­pe „ABBA“ die ihre digi­ta­len, nicht geal­ter­ten Zwil­lin­ge seit 2022 auf eine neu­erbau­te Lon­do­ner Büh­ne ent­sen­det. Wes­halb jenes fei­ne Prin­zip nicht auch im Zir­kus ver­fol­gen? Dass das Novum nötig ist, bele­gen Zahlen.

Und in Deutschland?

Der „Focus“ schreibt zum The­ma Zir­kus und Tie­re im Netz: „In über 25 Län­dern, dar­un­ter Däne­mark, Bel­gi­en, Irland und den Nie­der­lan­den ist die Hal­tung von Wild­tie­ren im Zir­kus bereits ver­bo­ten. In machen Staa­ten wie Grie­chen­land, Zypern und Mal­ta gibt es über­haupt kei­ne Tie­re mehr in Zir­kus­sen zu sehen.“ Daher sei die Fra­ge erlaubt: Wes­halb hinkt Deutsch­land bei die­sem The­ma hinterher?

Hunderte Vorfälle mit geschundenen Tieren

In einem 2021er Bericht der NGO „Euro­group for Ani­mals“ heißt es wei­ter: „Die Ver­wen­dung von Wild­tie­ren in Zir­kus­sen ist nicht nur ein Pro­blem für das Wohl­erge­hen der Tie­re, son­dern auch eine Fra­ge für die öffent­li­che Sicher­heit. Wild­tie­re sind unbe­re­chen­bar und kön­nen für Men­schen sehr gefähr­lich sein. Die Wan­der­zir­kus­se und die unmit­tel­ba­re Nähe die­ser Tie­re zum Publi­kum bedeu­ten, dass die­se Art der öffent­li­chen Unter­hal­tung nie völ­lig sicher sein kann.“ Und dann: „In den ver­gan­ge­nen 24 Jah­ren wur­den in EU-Zir­kus­sen 478 Vor­fäl­le mit 889 Wild­tie­ren regis­triert.“ Eine wirk­lich erstaun­li­che Zahl, die nach dem Wis­sens­stand des Autors bis­her kaum publi­ziert wurde.

Spitzenreiter Bundesrepublik

Laut Stu­die lag die Anzahl von Zwi­schen­fäl­len mit 202 in Deutsch­land – nur im Zeit­raum 1995 bis 2019 – euro­pa­weit am höchs­ten. Danach folg­ten Frank­reich, Ita­li­en und Spa­ni­en. Alles Staa­ten, die bis heu­te kei­ner­lei Regle­ment für Wild­tie­re in den Mane­gen erlie­ßen. Klingt, als wäre die Sache mit den holo­gra­fi­schen Dar­stel­lun­gen von Wild­tie­ren als Ersatz eine gute Idee, um den Tie­ren gro­ßes Leid zu erspa­ren – und das Publi­kum den­noch zu begeis­tern. 

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