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Zinserhöhungen in den USA: Lohnen sich Anleihen wieder?

2022-11-10T12:07:31+01:0010. November 2022|

Die US-Noten­bank FED hat zum sechs­ten Mal in die­sem Jahr die Leit­zin­sen erhöht. Loh­nen sich Anlei­hen denn dann wie­der? 

Von Ant­je Erhard

Seit März erhöht die US-Noten­bank die Leit­zin­sen. Im Novem­ber zum sechs­ten Mal. Damit liegt der Leit­zins in der größ­ten Volks­wirt­schaft der Welt, in den USA, zwi­schen 3,75 und vier Pro­zent. Ziel ist, mit den Erhö­hun­gen die Infla­ti­on zu bekämp­fen. Die ist wei­ter­hin noto­risch hoch. In Deutsch­land bei 10,4 Pro­zent. Es wird also wei­te­re Zins­er­hö­hun­gen geben, denn die FED beton­te, dass sie die Infla­ti­on an ihr 2‑Pro­zent-Ziel zurück­brin­gen wol­le. Viel­leicht aber stei­gen künf­tig die Zin­sen nicht mehr in ganz so gro­ßen Schrit­ten.  

Leit­zin­sen sind die Zin­sen, zu denen sich die Ban­ken bei der Noten­bank Geld lei­hen und für höhe­re Zin­sen als Kre­di­te an ihre Kund:innen aus­ge­ben. Doch mit den Leit­zin­sen ver­än­dern sich auch Zin­sen auf Ein­la­gen etwa dem Tages­geld­kon­to. Und so gibt es aktu­ell für Fest­geld über zwei bei ver­ein­zel­ten Ban­ken in Deutsch­land bis zu 2,5 Pro­zent Zin­sen, bis zu 1,7 Pro­zent auf Tages­geld. Und Anlei­hen? 

Renditen dürften weiter steigen 

Die Ren­di­ten am Anlei­hen­markt sind auf Niveaus hoch­ge­schos­sen, die vor weni­gen Mona­ten noch undenk­bar waren: Vom nega­ti­ven Ter­rain vor einem Jahr sind allein zehn­jäh­ri­ge Bund­ren­di­ten auf über zwei Pro­zent gestie­gen. 2,4 Pro­zent waren das vor­läu­fi­ge Hoch. Ein Ende ist nach Ein­schät­zung von Mar­tin Hart­mann, Ren­ten-Exper­te der Com­merz­bank, nicht in Sicht, solan­ge die Infla­ti­on so hoch bleibt: „Der all­ge­mei­ne Ren­di­te­an­stieg dürf­te noch andau­ern. Daher sind kur­ze Lauf­zei­ten für eine Anla­ge am attrak­tivs­ten.“  

Erst wenn es genü­gend Hin­wei­se gäbe, dass der Ren­di­te­an­stieg zu einem Ende kommt, böte sich eine Lauf­zei­tenver­län­ge­rung an. „Der Wen­de­punkt der Ren­di­ten dürf­te vor dem Höhe­punkt der Leit­zin­sen erreicht wer­den. Mit dem Höhe­punkt der Leit­zin­sen rech­nen wir in den meis­ten Indus­trie­staa­ten im 1. Quar­tal 2023.“ 

In den USA wer­fen Anlei­hen indes­sen schon deut­lich mehr ab: Über vier Pro­zent für einen Zeit­raum von zehn Jah­ren sind hier drin, mehr sogar für kür­ze­re Lauf­zei­ten. Sind die Zin­sen für kur­ze Lauf­zei­ten höher als für lan­ge, spricht man von einer inver­sen Zins­kur­ve und die ist ein Rezes­si­ons­si­gnal. Das umge­kehr­te Zins­ni­veau bedeu­tet, dass die Anleger:innen und Investor:innen lang­fris­tig nied­ri­ge­re Leit­zin­sen in den USA erwar­ten. 

Real ist nach wie vor nichts zu holen

Doch solan­ge die Infla­ti­on pro­zen­tu­al zwei­stel­lig oder auch gering­fü­gig nied­ri­ger bleibt, sind die rea­len Zin­sen nega­tiv. Das heißt: Anleger:innen ver­lie­ren Geld. Mit­tel­fris­tig erwar­ten die Exper­ten aber eine deut­lich nied­ri­ge­re Infla­ti­on dies- wie jen­seits des Atlan­tiks. Und dann sind Zins­pa­pie­re mit vier Pro­zent attrak­ti­ver als zwei Pro­zent in Deutsch­land, die kaum die Kauf­kraft erhal­ten. 

Wer aus dem Euro­raum anlegt und Zins­pa­pie­re in den USA kauft, hat aller­dings ein Wäh­rungs­ri­si­ko. Wenn der Dol­lar fällt, zehrt das an den Ren­di­ten. Aktu­ell ist der US-Dol­lar enorm stark. Und Exper­ten sehen hier auch noch kurz­fris­tig Poten­ti­al, weil er als sicher gilt und die Zin­sen wei­ter stei­gen dürf­ten. 

Mehr Ren­di­ten ver­spre­chen Staats­an­lei­hen mit höhe­ren Risi­ken, etwa aus Ita­li­en oder Spa­ni­en. Oder Unter­neh­mens­schuld­pa­pie­re. Doch auch da ist gesun­de Skep­sis ange­sagt: Die Wirt­schaft im Euro­raum wird im Schluss­quar­tal in die Rezes­si­on rut­schen, schät­zen Kon­junk­tur­ex­per­ten. Die­se Sor­ge spie­gelt sich schon seit Wochen in den stark gestie­ge­nen Risi­ko­auf­schlä­gen von Unter­neh­mens­an­lei­hen. „Damit sind die Ein­stiegs­ren­di­ten sehr viel attrak­ti­ver gewor­den“, kom­men­tiert Mar­tin Hart­mann. Er rät zu kur­zen bis mitt­le­ren Lauf­zei­ten.  

Fazit: Die Ren­di­ten von Staats­an­lei­hen wer­den von den Zins­er­hö­hun­gen der Noten­ban­ken wei­ter getrie­ben. Kurs­ver­lus­te dro­hen. Attrak­ti­ver als Staats­an­lei­hen sind nach Exper­ten­sicht Unter­neh­mens­an­lei­hen guter Bonität.

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