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Woran scheitern weibliche Führungskräfte am häufigsten, Frau Bauernfeind?

2021-04-19T13:39:48+02:0019. April 2021|

Jac­que­line Bau­ern­feind bringt Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen. Sie weiß, wor­auf es
ankommt, wenn man es an die Spit­ze schaf­fen und dort bestehen will. Doch nicht alle Frau­en haben Lust dar­auf, sich das anzu­tun und extrem viel zu arbeiten.

Von Mari­ka Schaertl

Courage: Frau Bauernfeind, warum
sind so wenig Frauen in Spitzenpositionen, obwohl sie die besseren Abschlüsse haben?

Jac­que­line Bau­ern­feind: Schul- oder Uni­ver­si­täts­ab­schlüs­se haben nicht direkt etwas mit den Chef­eta­gen zu tun. Natür­lich mögen in die­sen vie­le über­durch­schnitt­lich intel­li­gen­te Köp­fe sit­zen. Aber jemand mit höchs­tem IQ kann super­gut in einem For­schungs­la­bor tätig sein und trotz­dem nicht als Füh­rungs­kraft tau­gen. In Chef-eta­gen braucht es zusätz­li­che Qualitäten.

Welche sind das? 

Das beginnt mit Cha­ris­ma, Per­sön­lich­keit, Auto­ri­tät und der Fähig­keit zur Kom­mu­ni­ka­ti­on. Frau­en haben all die­se Fähig­kei­ten. Aber es braucht auch den Wunsch zu füh­ren, die Bereit­schaft, Feh­ler zu machen und dafür kri­ti­siert zu wer­den, sowie die Moti­va­ti­on, Poli­tik zu betreiben.

Woran scheitern weibliche Führungskräfte am häufigsten?

Genau an die­sen Kri­te­ri­en. Aber manch­mal haben sie auf vie­le Din­ge, die man in Chef­eta­gen machen muss, auch gar kei­ne Lust. Auf der mitt­le­ren Ebe­ne gelingt es Frau­en unter ande­rem durch ihre sozia­le Kom­pe­tenz oft gut, sich durch­zu­set­zen. Sie ver­fü­gen über sehr gute
Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten und sind gut im Team­buil­ding. Aber auf der Top-Ebe­ne müs­sen sie auch extrem viel arbei­ten und vie­le Opfer brin­gen. Das wol­len sich nicht alle Frau­en antun. Man­che Din­ge sind Frau­en zum Teil ein­fach nicht so wichtig.

Das Gehalt zum Beispiel?

Eher die Eitel­keit, ihr Gesicht immer in vor­ders­ter Rei­he zu zei­gen, scheint mir bei Frau­en weni­ger aus­ge­prägt zu sein als bei Män­nern. Ich erle­be auch immer wie­der, dass Män­ner abends sehr viel Zeit im Büro ver­brin­gen, die nicht unbe­dingt dort ver­bracht wer­den muss. Da gehen Frau­en lie­ber nach Hau­se und küm­mern sich um ihre Fami­li­en. Sie reden abends nicht am liebs­ten mit dem wich­tigs­ten Geschäfts­part­ner, son­dern mit ihrem Lebenspartner.

Sind Männer ehrgeiziger?

Män­ner haben auf jeden Fall oft einen gro­ßen Ehr­geiz, beruf­lich vor­an­zu­kom­men, und scree­nen ihre Umge­bung stän­dig nach Optio­nen und Leu­ten, die wich­tig für ihre Kar­rie­re sind. Frau­en gehen in die­ser Zeit viel­leicht lie­ber mit der Freun­din essen oder suchen mit ihrer Toch­ter Schu­he aus.

Sind Frauen mit Kindern nicht oft die geeigneteren Führungskräfte, weil sie gelernt haben, gut organisiert zu sein?

Berufs­tä­ti­ge Frau­en mit Kin­dern sind extrem bewun­derns­wert und leis­ten einen gro­ßen Spa­gat. Wahr­schein­lich sind sie bes­ser orga­ni­siert als ande­re. Aber ist man des­halb eine tol­le Spit­zen­kraft? Viel­leicht. Aber ich habe auch vie­le Chao­ten in Top-Posi­tio­nen gese­hen. Ob Kin­der ein beson­de­res Asset für eine Füh­rungs­kraft sind? Da habe ich noch mei­ne Zwei­fel. In der Rea­li­tät sehen wir sehr vie­le kin­der­lo­se Top­ma­na­ge­rin­nen. Man macht eher trotz statt wegen der Kin­der Karriere.

Fehlt Frauen noch der Wille zur Macht?

Frau­en mögen auch Macht. Die Fra­ge ist, wie sehr sie dafür kämp­fen. Da sind Män­ner fokussierter.

Was schaffen Männer oft besser?

Män­ner haben weni­ger Selbst­zwei­fel. Frau­en haben mehr Pro­ble­me, etwas zu wagen. In der Tier­welt bal­zen vie­le Männ­chen, wer­den abge­wie­sen und ver­su­chen es dann halt beim nächs­ten Weib­chen. Schei­tern gehört dazu. Die­se evo­lu­tio­nä­re Erfah­rung haben wir Frau­en nicht. Mög­li­cher­wei­se haben wir daher mit dem Schei­tern grö­ße­re Pro­ble­me. Genau­so wie Frau­en immer noch ler­nen müs­sen, leich­ter mit Kri­tik umzugehen.

Haben Sie ein Beispiel weiblichen Scheiterns im Spitzenjob?

Da gab es eine Top-Frau, die frisch in den Vor­stand eines gro­ßen deut­schen Unter­neh­mens geholt wur­de, augen­schein­lich um die Quo­te zu erfül­len. Sie schei­ter­te nicht fach­lich, son­dern weil sie von drau­ßen kam, unpo­pu­lä­re Maß­nah­men durch­set­zen muss­te und wohl auch kein Back-up vom Auf­sichts­rat bekam. Sie hat­te kei­nen Stall­ge­ruch, kein Netzwerk.

Warum ist Netzwerken so wichtig?

Sie brau­chen Leu­te, die mit Ihnen mar­schie­ren. Ver­trau­en der Mit­ar­bei­ter ist toll, aber Sie brau­chen auch das Ver­trau­en von Leu­ten, die mit Ihnen etwas bewe­gen. Ver­än­de­run­gen, die weh­tun und etwas kos­ten, kön­nen Sie nicht allein durch­zie­hen. Da müs­sen Sie immer über­le­gen: Wer sind mei­ne wich­tigs­ten Teil­ha­ber? Graue Emi­nen­zen, Leu­te im Unter­neh­men, die Mei­nung machen und dafür sor­gen, dass man Ihnen zuhört. Man muss Poli­tik machen.

Was können Unternehmen tun, um mehr Frauen als Führungskräfte zu gewinnen?

Sie müs­sen genau die­sen Bereich, in dem Frau­en oft noch nicht so gut sind, för­dern. Zum Bei­spiel Men­to­ren stel­len, jün­ge­re Frau­en mit älte­ren, erfah­re­nen Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten im Unter­neh­men zusam­men­brin­gen. Oder gemisch­te Teams von Frau­en und Män­nern bil­den, die gemein­sam Zie­le vor­an­brin­gen müssen.

Gibt es in männerlastigen Branchen wie Automobil oder IT inzwischen genug geeignete Frauen für Spitzenjobs?

Es gibt sicher genug qua­li­fi­zier­te Frau­en. Und die sind in die­sen Berei­chen oft beson­ders gut. Aber sicher ist ein Groß­teil der Frau­en bei ande­ren The­men prä­sen­ter. Das fin­de ich gar nicht so schlimm.

Worauf achten Sie selbst besonders bei einem Lebenslauf?

Ich muss in einem Lebens­lauf eine Geschich­te, eine Ent­wick­lung und Sta­bi­li­tät lesen kön­nen. Ich möch­te sehen, dass jemand in einer Fir­ma auch eine Wei­le geblie­ben ist und dort Erfol­ge erzielt hat. Und ich gucke dar­auf, bei wel­chen Unter­neh­men jemand gewe­sen ist. Wenn ich sehe, dass jemand mit ande­ren her­aus­ra­gen­den Köp­fen gear­bei­tet hat und sich in einem außer­ge­wöhn­li­chen Wett­be­werb durch­set­zen kann, dann zeigt mir das eine Qua­li­fi­ka­ti­on. Wenn jemand län­ger bei einem Top­un­ter­neh­men mit beson­de­rem Spi­rit war, zeigt das, dass ein Kan­di­dat Leis­tungs­druck aus­hal­ten kann.

Wie wichtig ist Weiterbildung für die Karriere?

Wei­ter­bil­dung, die vom Unter­neh­men geför­dert wird, ist ein sehr gutes Zei­chen. Wenn ein Unter­neh­men in die Wei­ter­bil­dung einer Mit­ar­bei­te­rin inves­tiert, dann ist das ein Qua­li­täts­zei­chen für die Betref­fen­de. Aber auch da gucke ich auf gro­ße Namen. Wenn jemand drei Mona­te etwas in Har­vard gelernt hat, sagt mir das mehr, als wenn er sich in einem unbe­kann­ten Schu­lungs­zen­trum wei­ter­ge­bil­det hat.

Coachings sind aktuell sehr gefragt. Was halten Sie davon?

Es kommt auf das Coa­ching an. Wenn jemand 100 Rhe­to­rik­kur­se macht, bin ich skep­tisch. Wenn ich mir man­chen Moti­va­ti­ons­trai­ner anhö­re, kommt bei mir kein gro­ßer Respekt auf. Da den­ke ich eher: „Die armen Leu­te, die sich das als Schu­lung antun.“ Ich fin­de Wei­ter­bil­dung „on the job“ effi­zi­en­ter als noch ein Diplom oder Schein an einer Pri­vat-Uni. Ich habe Leu­te gese­hen, die viel gelernt hat­ten, aber sie haben die PS nicht auf die Stra­ße gebracht. Lie­ber das eine oder ande­re Pro­jekt im Unter­neh­men mehr über­neh­men und mehr Visi­bi­li­tät bekom­men – das ist für die Kar­rie­re viel­leicht entscheidender.

Sie erwähnten die Frauenquote. Was halten Sie davon?

Natür­lich bin ich dafür. Ich hat­te neu­lich ein Abend­essen mit tol­len stu­dier­ten Frau­en. Die waren etwas befrem­det, als ich sag­te: „Na klar, dann bin ich eben eine Quo­ten­frau, wenn ich so an die Spit­ze gekom­men bin. Es ist mir doch egal, ob ich über die Quo­te hoch­kom­me oder über den Vor­stands­vor­sit­zen­den, weil der mich nett fin­det oder ich mit dem Golf spie­le, wie das auch bei Män­nern der Fall ist.“

Zählen also oft persönliche Kontakte?

Zu den­ken „Nur über mei­ne tol­le Leis­tung kom­me ich nach oben“ ist eine Illu­si­on. Wenn es einen Stroh­halm gibt, der uns wei­ter­bringt, dann soll­ten wir uns den grei­fen. Es wird immer jeman­den geben, der Nega­ti­ves sagt wie: Ihr Rock ist zu kurz, Sie haben mit dem und dem geflir­tet, Sie sind eine Quo­ten­frau. Egal! Wenn ich erst in der Posi­ti­on bin, kann und muss ich bewei­sen, was ich kann. Bis dahin müs­sen wir auf fal­schen Stolz verzichten.

Zur Person

Jac­que­line Bau­ern­feind ist Volks­wir­tin. Im Jahr 2003 grün­de­te sie die Per­so­nal­be­ra­tung Board Con­sul­tants Inter­na­tio­nal in München

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