Startseite/Wohn-Riester: Ein Baustein zum Wohneigentum?

Wohn-Riester: Ein Baustein zum Wohneigentum?

2021-09-02T12:10:09+02:002. September 2021|

Vie­le wün­schen sich, miet­frei zu woh­nen. Die­ses Lebens­ziel för­dert der Staat zum Bei­spiel durch den „Wohn-Ries­ter“. Courage-online.de klärt die wich­tigs­ten Fra­gen und damit auch Vor- und Nach­tei­le die­ser Förderung.

Von Gise­la Haberer

Pri­va­te Vor­sor­ge staat­lich för­dern, um Ein­schnit­te bei der gesetz­li­chen Ren­te aus­zu­glei­chen: Das war die Idee des frü­he­ren Bun­des­ar­beits­mi­nis­ters Wal­ter Ries­ter. Ursprüng­lich gab es die „Ries­ter-Ren­te“ nur als pri­va­te Ren­ten­ver­si­che­rung, Bank- oder Fonds­spar­plä­ne. Spä­ter kam der „Wohn-Ries­ter“ dazu, auch Eigen­heim­ren­te genannt.

Wie viel Förderung gibt es?

Der Staat för­dert durch Zula­gen und Steu­er­vor­tei­le. Erwach­se­ne Riester-Sparer:innen erhal­ten eine Grund­zu­la­ge von maxi­mal 175 Euro pro Jahr. Für Kin­der bis Jahr­gang 2007 gibt es bis zu 185 Euro, für spä­ter Gebo­re­ne bis 300 Euro. Vor dem 25. Geburts­tag gibt es bei Abschluss eines Ries­ter-Ver­trags ein­ma­lig maxi­mal 200 Euro.

Wie bekommt man die volle Förderung?

Die Zula­gen gibt es in vol­ler Höhe, wenn jeweils vier Pro­zent des Brut­to­ein­kom­mens vom Vor­jahr in einen Ries­ter-Ver­trag ein­ge­zahlt wer­den: Min­des­tens 60 Euro, höchs­tens 2.100 Euro. Staat­li­che Zula­gen zäh­len als „eige­ne“ Ein­zah­lun­gen. Wer­den die Bei­trä­ge bei der Steu­er­erklä­rung als Vor­sor­ge­auf­wand ange­ge­ben, prüft das Finanz­amt auto­ma­tisch, was güns­ti­ger ist. Die Zula­ge oder der Abzug der Auf­wen­dun­gen unter „Son­der­aus­ga­ben“. Ist die Steu­er­erspar­nis höher als die Zula­gen, min­dert sie die Steu­er­last um die Differenz.

Was ist ein Wohn-Riester?

Der Wohn-Ries­ter soll schul­den­frei­es Woh­nen im Eigen­tum ermög­li­chen, spä­tes­tens ab 68 Jah­ren. Die För­de­rung darf ver­wen­det wer­den, um Wohn­ei­gen­tum zu schaf­fen, zu kau­fen, zu ent­schul­den oder umzu­schul­den. Außer­dem geför­dert. Ein bar­rie­re­frei­er Umbau, der vor­ge­ge­be­nen Nor­men ent­spricht, sowie der Erwerb eines Wohn­rech­tes, etwa in einer Wohn(bau)genossenschaft oder in einem Senio­ren- oder Pfle­ge­heim. Nicht geför­dert wird der Erwerb einer Feri­en­im­mo­bi­lie oder eines Zweitwohnsitzes.

Wie geht „Wohn-Riestern“?

Wohn-Ries­tern lässt sich grund­sätz­lich über zwei Pro­duk­te: über ein Annui­tä­ten-Dar­le­hen oder über Bau­spar­ver­trä­ge. Beim Bau­spa­ren wer­den die Zula­gen erst zu Son­der­zah­lun­gen fürs Bau­spar­gut­ha­ben, dann zu Son­der­til­gun­gen des Bau­spar­dar­le­hens. Beim Annui­tä­ten-Dar­le­hen flie­ßen die Zula­gen als Son­der­til­gung in den Ver­trag. Die För­de­rung hilft also, rascher schul­den­frei zu werden.

Sind Voraussetzungen zu erfüllen?

Ja, eini­ge. Die Immo­bi­lie muss selbst bewohnt wer­den. Immo­bi­li­en­kre­di­te sind bis zum 68. Lebens­jahr zu til­gen. Ansons­ten gel­ten die­sel­ben Vor­aus­set­zun­gen wie für ande­re Ries­ter-Ver­trä­ge. För­der­be­rech­tigt sind danach fast alle Erwerbs­tä­ti­gen außer Selb­stän­di­gen. Die­se kön­nen nur über för­der-berech­tig­te Ehepartner:innen riestern.

Können auch andere Riester-Verträge Wohneigentum mit-finanzieren?

Ja. Aus Ries­ter-Ver­trä­gen auf Ver­si­che­run­gen, Fonds- oder Bank­spar­plä­ne darf zu die­sem Zweck Gut­ha­ben ent­nom­men wer­den: min­des­tens 3.000 Euro. Bei einer teil­wei­sen Ent­nah­me des Gut­ha­bens müs­sen 3.000 Euro im Ries­ter-Ver­trag ver­blei­ben. Nur Ries­ter-Ver­trä­ge zur betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung las­sen sich nicht zum „Wohn-Ries­ter“ umfunktionieren.

Wo ist der Haken?

Lei­der gibt es meh­re­re Haken: Steu­er­last und Auf­la­gen. Auf einem fik­ti­ven Wohn­för­der­kon­to wer­den staat­lich geför­der­te Leis­tun­gen zur Til­gung der Bau­fi­nan­zie­rung ver­merkt, maxi­mal 2.100 Euro im Jahr, und mit zwei Pro­zent ver­zinst. Da kann eini­ges zusam­men­kom­men. Nach 30 Jah­ren zum Bei­spiel bis zu 86.000 Euro.

Wie hoch ist die Steuer?

Wer es sich leis­ten kann, darf die Steu­er­schuld sofort beglei­chen und erhält dann einen Rabatt von 30 Pro­zent. Ansons­ten wird auf je fünf Pro­zent des Gesamt­be­trags über 20 Jah­re der per­sön­li­che Steu­er­satz fäl­lig. Der ist im Alter zwar meist nied­ri­ger, trotz­dem ist die Aus­ga­be ein­zu­pla­nen. Unver­steu­er­tes Rest-Gut­ha­ben kann jeder­zeit ein­ma­lig ver­steu­ert wer­den. Auch dann gibt es den Rabatt von 30 Pro­zent. Der Rabatt ver­pflich­tet aber, die Immo­bi­lie für wei­te­re 20 Jah­re nicht zu verkaufen.

Wann wird die Steuer auf die Förderung fällig?

Die Steu­er ist in der Regel ab Ein­tritt in den Ruhe­stand fäl­lig. Sie kann aber auch sofort fäl­lig wer­den, etwa bei einem vor­zei­ti­gen Ver­kauf oder einer län­ge­ren Ver­mie­tung der Immobilie.

Was gefährdet die Förderung?

Bei einem vor­zei­ti­gen Ver­kauf, etwa wegen einer Schei­dung, bei Ver­mie­tung für mehr als zwölf Mona­te oder bei einem Umzug ins Heim muss die För­de­rung even­tu­ell zurück­ge­zahlt werden.

Lässt sich der Verlust der Förderung beim vorzeitigen Verkauf vermeiden?

Unter Umstän­den. Beim vor­zei­ti­gen Ver­kauf der Immo­bi­lie bleibt die För­de­rung erhal­ten, wenn bin­nen vier Jah­ren erneut eine Immo­bi­lie oder ein Wohn­recht mit Ries­ter-För­de­rung erwor­ben wer­den. Zwei­te Mög­lich­keit: Ein Teil des Erlö­ses aus dem Ver­kauf der geför­der­ten Immo­bi­lie wird in Wohn­ei­gen­tum oder Wohn­recht inves­tiert, der Rest fließt in einen ande­ren Riester-Vertrag.

Lässt sich die Förderung erhalten, wenn ein Umzug notwendig wird?

Bei einem beruf­lich beding­ten Umzug darf die geför­der­te Immo­bi­lie befris­tet ver­mie­tet wer­den. Geför­der­te müs­sen dem Finanz­amt aber glaub­haft machen, dass sie spä­tes­tens mit 67 Jah­ren wie­der ein­zie­hen. Auch der Ver­bleib eines Ehe­part­ners oder einer Part­ne­rin in der Ries­ter-Immo­bi­lie bis zur voll­stän­di­gen Ver­steue­rung der För­de­rung kann die­se erhal­ten, etwa nach Aus­zug eines der bei­den wegen Schei­dung, nach Umzug ins Heim oder im Todesfall.

Lohnt der Wohn-Riester überhaupt?

Er kann loh­nen, etwa bei ent­spre­chen­der Lebens­pla­nung mit Fami­lie und (orts­treu­em) Beruf. Im Gegen­satz zur Arbeit­neh­mer-Spar­zu­la­ge und der Wohn­bau­prä­mie unter­liegt der Wohn-Ries­ter kei­nen Ein­kom­mens­gren­zen und ist mit die­sen ande­ren staat­li­chen För­de­run­gen kom­bi­nier­bar. Aber: Da Ries­ter den Anbie­tern Mühe macht, ver­schlech­tern vie­le ihre Kon­di­tio­nen für geför­der­te Dar­le­hen und Bau­spar­ver­trä­ge. Es gilt also genau nach­zu­rech­nen. Dabei hel­fen zum Bei­spiel Kre­dit­ver­mitt­ler, die Hun­der­te von Ange­bo­ten ver­glei­chen, wie Inter­hyp, Dr. Klein, End­er­lein oder baufi24.

Bleib immer informiert!

Noch mehr Infos für dich

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben