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  • Sigrid Niederlintner, Prokuristin bei WIWIN, ©WIWIN/Michael Zellmer

WIWIN-Prokuristin Niederlintner: “Der Tesla unter den Anbietern grüner Investments”

2022-06-29T09:15:22+02:0028. Juni 2022|

Nach­hal­ti­ge Invest­ments wer­den immer stär­ker nach­ge­fragt und immer mehr Anbie­ter kom­men auf den Markt. Wir haben Sig­rid Nie­der­lint­ner, Pro­ku­ris­tin des Finanz­un­ter­neh­mens WIWIN gefragt, was sie von ande­ren Unter­neh­men unter­schei­det, was sie zu Green­wa­shing-Skan­da­len sagt und wie Privatanleger:innen nach­hal­tig inves­tie­ren kön­nen.  

Von Isa­bell Angele

courage-online.de: Frau Niederlintner, was genau macht WIWIN?

Sig­rid Nie­der­lint­ner: WIWIN ist eine Online-Platt­form für nach­hal­ti­ges Inves­tie­ren. Wir haben drei Stand­bei­ne: nach­hal­ti­ge Crowd­in­vest­ments, unse­ren Impact-Akti­en­fonds sowie den Bereich Cor­po­ra­te Finan­ce. Im Fokus steht dabei immer der Impact, also der posi­ti­ve Ein­fluss auf die Nach­hal­tig­keits­wen­de. Des­halb suchen wir Pro­jek­te und Unter­neh­men, in die man über WIWIN inves­tie­ren kann, nach stren­gen Kri­te­ri­en aus. 

Wie können Privatanleger:innen partizipieren?

Sie kön­nen sich ganz ein­fach auf wiwin.de über die aktu­el­len Crowd­in­ves­ting-Kam­pa­gnen infor­mie­ren und in ent­spre­chen­de Pro­jek­te und Start-ups inves­tie­ren. Beson­ders hoch im Kurs ste­hen erneu­er­ba­re Ener­gien wie Wind­kraft und Solar­ener­gie. Aber auch nach­hal­ti­ge Start-ups und ener­gie­ef­fi­zi­en­te Immo­bi­li­en, sowohl Neu­bau­ten wie auch Bestands­im­mo­bi­li­en sind sehr gefragt. Wich­tig ist uns eine hohe Trans­pa­renz: Zum Bei­spiel wis­sen die Anleger:innen immer, wo und durch wen die Pro­jek­te umge­setzt wer­den. Auch Start-ups geben an, wie das ein­zu­sam­meln­de Geld im Unter­neh­men inves­tiert wird und die Gel­der sind dann ent­spre­chend zweck­ge­bun­den. Darüber hin­aus kön­nen Privatanleger:innen auch in unse­ren Akti­en­fonds “WIWIN just green impact!” inves­tie­ren. Das läuft wie bei jedem ande­ren Fonds über die Depot­bank oder den Bro­ker.   

Nachhaltige Investments werden zunehmend nachgefragt und die entsprechenden Anbieter werden immer mehr. Wie unterscheiden Sie sich von ihnen?

Wir sind das Ori­gi­nal, sozu­sa­gen der Tes­la unter den Anbie­tern nach­hal­ti­ger Invest­ments. Nach­hal­tig­keit war von Beginn an unse­re DNA. Genau wie sich inzwi­schen die meis­ten Auto­bau­er Elek­tro­mo­bi­li­tät auf die Fah­ne geschrie­ben haben, aber mit Ver­bren­nungs­mo­to­ren groß gewor­den sind, ist es auch bei den meis­ten Invest­ment­an­bie­tern: Sie sind mit einem kon­ven­tio­nel­len, nicht nach­hal­ti­gen Ange­bot groß gewor­den und ver­su­chen jetzt mehr oder weni­ger halb­her­zig auf die Nach­fra­ge der Anleger:innen zu reagie­ren. Wir dage­gen haben schon immer aus­schließ­lich grü­ne Invest­ments ver­mit­telt. 

Wie stellen Sie sicher, dass die Projekte und Start-ups auch wirklich nachhaltig sind?

Zunächst ein­mal gibt es eine Rei­he har­ter Aus­schluss­kri­te­ri­en, bei­spiels­wei­se fos­si­le Ener­gie, Rüs­tung und Mas­sen­tier­hal­tung. Dar­über hin­aus über­prü­fen unse­re Exper­ten indi­vi­du­ell jedes Unter­neh­men und jedes Pro­jekt. So kön­nen wir Unter­neh­men und Pro­jek­te aus­schlie­ßen, die ledig­lich einen grü­nen Anstrich bekom­men haben. Um Ihnen eine Vor­stel­lung zu geben: Von 100 Anfra­gen, die uns errei­chen, lan­den am Ende nur ein bis zwei Pro­jek­te auch auf unse­rer Platt­form.   

Welches sind die Hauptabsagegründe für Anfragen aus den Bereichen Immobilien und Start-ups?

Etwa ein Drit­tel der Start-up- und Immo­bi­li­en-Anfra­gen wird abge­lehnt, weil sie nicht dem hohen Nach­hal­tig­keits­an­spruch von WIWIN ent­spre­chen. Bei Pro­jek­ten aus dem Bereich erneu­er­ba­re Ener­gien ist Nach­hal­tig­keit eher sel­ten ein Pro­blem. Ande­re Pro­jek­te kön­nen sich nicht durch­set­zen, weil sie sich noch in einer zu frü­hen Pha­se befin­den oder die Pro­fi­ta­bi­li­tät nicht stimmt. Hier wäre das Risi­ko für die Crowd zu hoch. 

Apropos grüner Anstrich: Wie wirken sich die Durchsuchungen und der Rücktritt des DWS-Chefs auf nachhaltige Investments aus?

Wir bei WIWIN stel­len hier kei­ne Aus­wir­kun­gen fest, was vor allem an unse­rer ohne­hin kom­pro­miss­los grü­nen Grund­aus­rich­tung liegt. Der Fall ver­deut­licht aber wie­der, wie wich­tig Trans­pa­renz und tat­säch­li­che Nach­hal­tig­keit in der Bran­che sind. Ich hof­fe sehr, dass sich Anleger:innen wegen sol­cher Nega­tiv-Bei­spie­le nicht von nach­hal­ti­gen Invest­ments abwen­den, son­dern ein­fach genau­er hin­schau­en, wo sie ihr Geld inves­tie­ren.  

Wollen Sie vor diesem Hintergrund Ihre Finanzprodukte künftig einer noch strengeren Prüfung unterziehen?

Grund­sätz­lich sind wir in dem Bereich sehr gut auf­ge­stellt. Den­noch arbei­ten wir immer dar­an, die Aus­wahl wei­ter zu opti­mie­ren. Vor allem wol­len wir noch trans­pa­ren­ter und leich­ter ver­ständ­lich wer­den. Dabei soll künf­tig ein Impact-Sco­ring auf unse­rer Platt­form hel­fen, mit dem Anleger:innen auf einen Blick sehen kön­nen, wel­chen posi­ti­ven Impact ein Pro­jekt oder Start-up hat. Die­se Funk­ti­on soll in zwei bis drei Mona­ten zur Ver­fü­gung ste­hen.  

Im ersten Quartal dieses Jahres hat WIWIN rund zehn Millionen Euro Kapital an nachhaltige Projekte und Start-ups vermittelt. Wie hoch sind die Gelder je Projekt oder Start-up?

Die Volu­mi­na wer­den je nach Pro­jekt indi­vi­du­ell fest­ge­legt. Die meis­ten lie­gen zwi­schen 500.000 und zwei Mil­lio­nen Euro je Pro­jekt. Wir hat­ten aber auch schon grö­ße­re Crowd­kam­pa­gnen mit bis zu acht Mil­lio­nen Euro.  

Gab es auch schon Projekte, die nicht finanziert werden konnten?

In der Ver­gan­gen­heit war das Pro­blem eher, dass wir den Anleger:innen nicht aus­rei­chend pas­sen­de Pro­jek­te und Unter­neh­men anbie­ten konn­ten. Man­che waren schon inner­halb von Minu­ten voll­stän­dig plat­ziert. Die­se Eng­päs­se konn­ten wir inzwi­schen aus­räu­men. Dass Pro­jek­te bei­spiels­wei­se nur zu 80 Pro­zent finan­ziert wer­den, ist die Aus­nah­me.   

Sie selbst sind seit etwa zwei Jahren bei WIWIN und sind heute Prokuristin sowie verantwortlich für einen Teil des operativen Geschäfts. Wie kam es dazu?

Ich bin prak­tisch eine dop­pel­te Quer­ein­stei­ge­rin. Zuvor war ich weder im Nach­hal­tig­keits­be­reich noch in der Finanz­bran­che tätig, son­dern kam aus den Berei­chen Food und Auto­mo­bil. Gut ein­brin­gen konn­te ich mich in den Berei­chen Digi­tal­mar­ke­ting, IT-Platt­form und Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung. Aber auch mei­ne Exper­ti­se aus den Berei­chen Food und Mobi­li­tät hat sich in der Zusam­men­ar­beit mit ver­schie­de­nen Start-ups bereits aus­ge­zahlt. An der Finanz­bran­che hat mich die Mög­lich­keit fas­zi­niert, die Welt zu ver­bes­sern, indem man Finanz­strö­me in etwas Sinn­vol­les umlei­tet. Das ist ein gro­ßer Hebel, mit dem man wirk­lich viel bewe­gen kann. Aber selbst­ver­ständ­lich kann und soll­te jeder auch im Klei­nen sei­nen Teil zur Nach­hal­tig­keits­wen­de bei­tra­gen.   

Sie setzen sich vor allem dafür ein, dass noch mehr Menschen ihr Geld nachhaltig investieren und wollen Frauen einen besseren Zugang zur Finanzwelt ermöglichen. Wie wollen Sie das erreichen?

Ich ver­su­che als Role Model zu agie­ren und möch­te zei­gen, dass ich als Frau mei­ne Finan­zen selbst in die Hand neh­me. Das liegt auch heu­te noch viel zu oft aus­schließ­lich in der Hand der Part­ner und Ehe­män­ner. Auch, dass ich als Quer­ein­stei­ge­rin in die Finanz­bran­che gekom­men bin und dort heu­te in lei­ten­der Posi­ti­on tätig bin, zeigt hof­fent­lich, was alles mög­lich ist. Auf unse­rer Platt­form möch­ten wir Frau­en vor allem durch ein hohes Maß an Trans­pa­renz errei­chen. Außer­dem hal­te ich es für wich­tig, aus dem Inves­tie­ren kei­ne künst­li­che Wis­sen­schaft zu machen.  

Was versuchen Sie persönlich zur Nachhaltigkeitswende beizutragen?

Im Pri­va­ten set­ze ich auf ein gesun­des Maß und mache mir die 80/20-Regel zunut­ze. Mit 20 Pro­zent des Auf­wands kann ich 80 Pro­zent des Impacts errei­chen. Kon­kret sieht das bei mir in etwa so aus: Zunächst ein­mal inves­tie­re ich mein Geld natür­lich nach­hal­tig. Ich ver­zich­te über­wie­gend auf tie­ri­sche Lebens­mit­tel und habe die Fahr­ten mit dem Ver­bren­nungs­mo­tor durch Elek­tro­mo­bi­li­tät ersetzt (natür­lich kein gro­ßer Elek­tro-SUV, der immer noch viel zu viel Strom frisst). Außer­dem ver­su­che ich wei­test­ge­hend Flü­ge zu ver­mei­den und so viel wie mög­lich gebraucht zu kau­fen – bei­spiels­wei­se Elek­tro­nik oder Klei­dung. Wenn wir alle unse­ren per­sön­li­chen „80/20-Sweet-Spot“ fin­den, kön­nen wir ins­ge­samt sehr viel errei­chen. 

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