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  • Lisa Wiethe (rechts) ist Community Managerin, ©Mindspace/Sofia Henriques

Wie Community Manager:innen das Coworking aufmischen

2022-12-23T12:07:38+01:0023. Dezember 2022|

Moder­ne Arbeits­land­schaf­ten, Cowor­king, Net­wor­king und Co. sind fes­ter Bestand­teil von Flexof­fices. Was das genau ist und wofür es hier ein Com­mu­ni­ty Manage­ment braucht, erklärt Lisa Wie­the im Inter­view. Sie ist selbst Com­mu­ni­ty Mana­ge­rin bei Mind­s­pace, einem welt­weit täti­gen Anbie­ter von Cowor­king Spaces. 

Von Isa­bell Angele

courage-online.de: Das Konzept „Flexoffice“ ist in Deutschland noch relativ neu. Können Sie kurz erklären, was das genau ist? 

Lisa Wie­the: Flexof­fices sind moder­ne Arbeits­land­schaf­ten für Unter­neh­men, die kein klas­si­sches Büro mie­ten wol­len, son­dern Fle­xi­bi­li­tät brau­chen. Das betrifft bei­spiels­wei­se die Ver­trags­lauf­zei­ten, die in die­sem Seg­ment je nach Fall bei nur einem Monat lie­gen und fle­xi­bel ver­län­gert wer­den kön­nen. Auch die Flä­chen­grö­ßen und Zahl der Arbeits­plät­ze sind fle­xi­bel und kön­nen wäh­rend der Lauf­zeit ange­passt wer­den. Flexof­fices sind dadurch etwas für Unter­neh­men, die wach­sen oder auch schrump­fen, sowie für Unter­neh­men, die in einer neu­en Stadt einen Markt erst ein­mal aus­tes­ten möch­ten, ohne sich gleich an einen klas­si­schen 5- oder 10-Jah­res-Miet­ver­trag zu bin­den. Oder für Kon­zer­ne, die einem Pro­jekt­team zeit­lich befris­tet eine akti­vie­ren­de Arbeits­land­schaft bie­ten möch­ten. Ein wei­te­rer Unter­schied zur klas­si­schen Büro­flä­che ist das Com­mu­ni­ty Manage­ment, zu dem ich gehö­re.  

Seit wann gibt es das in Deutschland? 

Das Flexof­fice-Kon­zept hat sei­nen Ursprung in den etwas ange­staub­ten Busi­ness-Cen­tern der 1980er-Jah­re, aller­dings eher als Nische. Der Markt für Flexof­fices im moder­nen Gewand hat dann tat­säch­lich erst ab unge­fähr 2017 gro­ße Wachs­tums­schü­be erfah­ren, und das Kon­zept wur­de immer sicht­ba­rer und popu­lä­rer. 

Sie sind Community Managerin in einem solchen Flexoffice. Was sind die Aufgaben in diesem Job? 

Wir sor­gen dafür, dass sich die Men­schen der ver­schie­de­nen Unter­neh­men in unse­ren Gebäu­den mit­ein­an­der ver­knüp­fen. Dar­über hin­aus schaf­fen wir eine Arbeits­at­mo­sphä­re, in der die Essenz des Cowor­kings, näm­lich das Net­wor­king und die gegen­sei­ti­ge Inspi­ra­ti­on, voll zum Tra­gen kommt. Außer­dem neh­men wir den Men­schen in unse­ren Gebäu­den die vie­len klei­nen und grö­ße­ren Sor­gen ab, die abseits der eigent­li­chen Arbeit auf­tre­ten, damit sie sich bes­ser auf ihren Job kon­zen­trie­ren kön­nen oder schlicht und ergrei­fend mehr Spaß haben. Wir sind, wenn wir alles rich­tig machen, das Herz und die See­le einer ent­ste­hen­den Gemein­schaft aus unter­schied­li­chen Fir­men auf unse­ren Flä­chen. 

Wie erreichen Sie das? 

Wir pla­nen regel­mä­ßig gro­ße Events wie Som­mer- und Weih­nachts­fei­ern, Okto­ber­fes­te und Hal­lo­ween­par­tys, zu denen die Beschäf­tig­ten der jewei­li­gen Unter­neh­men ein­ge­la­den sind. Außer­dem haben wir jede Woche eine Mind­s­pace Hour direkt bei uns auf den Flä­chen. Die Akti­vi­tä­ten rei­chen dabei von Cock­tail-Work­shops bis hin zu Gesund­heits- und Well­ness­an­ge­bo­ten wie Yoga, Mas­sa­ge oder Mani­kü­re und Pedi­kü­re. Wir Com­mu­ni­ty Mana­ger kre­ieren, pla­nen und bewer­ben die Events und orga­ni­sie­ren die jewei­li­gen Pro­fis für das ent­spre­chen­de Feld. Wir ver­ste­hen uns ansons­ten als Gast­ge­ber. Des­halb zählt es bei­spiels­wei­se auch zu unse­ren Auf­ga­ben, zu über­prü­fen, ob noch Kaf­fee da ist, oder ob Dru­cker­pa­pier und Toner vor­han­den sind. Außer­dem neh­men wir für alle Unter­neh­men die Post an und orga­ni­sie­ren auch drit­te Leis­tun­gen, wenn es gewünscht ist. Vie­le Unter­neh­men spa­ren durch uns ein eige­nes Office Manage­ment. 

Einige Community Manager für Büroflächen kommen ursprünglich aus der Hotellerie. Warum? 

Die Ser­vice- und Gast­ge­ber­men­ta­li­tät ist in bei­den Berei­chen ähn­lich aus­ge­prägt. Nur geht es bei uns nicht um Hotel­zim­mer, son­dern um Büros. Im Unter­schied zur Hotel­le­rie oder all­ge­mein zum Tou­ris­mus haben Com­mu­ni­ty Manager:innen aller­dings bes­se­re Arbeits­zei­ten.  

Kommt daher auch der Begriff „Hotelification“ von Büros? 

Genau. Eini­ge klas­si­sche Büro­ver­mie­ter bie­ten in ihren Immo­bi­li­en mitt­ler­wei­le Mehr­wer­te, die man vom Hotel oder eben von Flexof­fices kennt. Dazu gehört ein Con­cier­ge-Ser­vice, aber man baut auch grund­sätz­lich auf mehr Annehm­lich­kei­ten.  

Wie schätzen Sie diesen Trend ein? 

Der Trend ist noch sehr jung. Aus Sicht der klas­si­schen Ver­mie­ter ist die Ent­wick­lung aber nach­voll­zieh­bar und sie wird anhal­ten. Denn man muss den Men­schen im Büro etwas bie­ten, wenn man den Wett­be­werb gegen das Home­of­fice gewin­nen will. Wenn eine Arbeits­land­schaft kei­ne Anzie­hungs­kraft hat, hat sie ein Pro­blem. 

Weshalb ist die Branche gerade für Frauen so spannend? Welche Faktoren machen das aus? 

Das liegt teil­wei­se sicher­lich an den Auf­ga­ben: Man muss den Men­schen in den Unter­neh­men bei uns gut zuhö­ren, um zu erken­nen, wo man hel­fen kann. Vie­le Frau­en sind ein­fach die bes­se­ren Zuhö­rer, sind empa­thi­scher und kön­nen sich bes­ser in die Sor­gen ande­rer Men­schen rein­füh­len und sind gedul­di­ger. Es gab erst kürz­lich eine Umfra­ge, wo das The­ma Zuhö­ren vier­mal so oft bei Frau­en gese­hen wird wie bei Män­nern. Womit ich aber Män­nern die genann­ten Fähig­kei­ten aus­drück­lich nicht abspre­chen will.  

Was noch? 

Wir kön­nen grund­sätz­lich alle in Füh­rungs­po­si­tio­nen hin­ein­wach­sen. Ich habe Kol­le­gin­nen, die wie ich als Com­mu­ni­ty Mana­ger ange­fan­gen haben und heu­te Ver­ant­wor­tung für meh­re­re Städ­te oder für das deutsch­land­wei­te Mar­ke­ting tra­gen. So kommt es, dass von zehn Kolleg:innen im Manage­ment-Team bei Mind­s­pace immer­hin sechs weib­lich sind. Das ist außer­ge­wöhn­lich viel in der Immo­bi­li­en­wirt­schaft, zu der wir zäh­len. Durch­schnitt­lich liegt der Frau­en­an­teil in den Lei­tungs­ebe­nen dort nur bei 20 Pro­zent.  

Neben dem aufmerksamen Zuhören: Welche Eigenschaften sollte man als Community Manager:in für Büromieter noch mitbringen? 

Man braucht eine gewis­se Prä­senz. Das heißt einer­seits, dass man wirk­lich phy­sisch vor Ort sein möch­te. Wir kön­nen vom Home­of­fice aus nicht für die Men­schen auf der Flä­che da sein. Und es heißt ande­rer­seits, dass wir den Raum, den wir betre­ten, auch mit unse­rer Prä­senz als Gastgeber:in fül­len kön­nen. Wer zu schüch­tern ist, das Gespräch mit den Men­schen in unse­ren Gebäu­den zu suchen, wird Schwie­rig­kei­ten haben, sei­ne Auf­ga­be gut zu erfül­len. Zudem muss man die Fähig­keit haben, den Über­blick zu behal­ten und zu prio­ri­sie­ren. Eine gewis­se Stär­ke in Lea­ders­hip ist auch von Vor­teil, denn als Com­mu­ni­ty Manager:in holt man das Repor­ting von einem bis zwei Teammitglieder:innen ein. 

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