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Wer betreut mein Kind? Teil 5: Au-Pairs

2022-02-15T12:29:51+01:0015. Februar 2022|

Eine gro­ße Fami­lie und ein her­aus­for­dern­der Job? Da ist ein Baby­sit­ter für ein paar Stun­den nur ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein. Extra-Power für Kin­der­be­treu­ung und Haus­ar­beit kann aber ein Au-Pair bie­ten. 

Von Michae­la Stemper

Wenn man bereit ist, eine frem­de Per­son in den eige­nen Haus­halt auf­zu­neh­men. Und ein Zim­mer für einen jun­gen Erwach­se­nen im Alter von 18 bis 27 Jah­ren zur Ver­fü­gung stel­len kann. Die Au-Pair-Idee beruht näm­lich auf Gegen­sei­tig­keit. Eltern erhal­ten Ver­stär­kung im All­tag und einen Ein­blick in eine ande­re Kul­tur. Was gera­de für die Kin­der eine groß­ar­ti­ge Berei­che­rung sein kann. Im Gegen­zug erlebt das Au-Pair das Gast­land haut­nah und ver­tieft sei­ne Sprach­kennt­nis­se.  

Au-Pairs finden 

Julia* lebt mit ihrer fünf­köp­fi­gen Fami­lie in Frank­furt, arbei­tet in einem for­dern­den Teil­zeit­job und hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vier Au-Pairs beschäf­tigt. „Ich hat­te sehr gute Kan­di­da­tin­nen. Und weni­ger gute“, berich­tet die sym­pa­thi­sche Mama. Ihre Fami­li­en­mit­glie­der auf Zeit kamen aus Latein­ame­ri­ka und Euro­pa. Gefun­den hat sie die Fami­li­en­hel­fer, übri­gens alle weib­lich, über ihr pri­va­tes Netz­werk. Aber auch über Por­ta­le wie aupairworld.com und aupair.com (ca. 40 Euro/mtl.). Nicht zu unter­schät­zen sei das Netz­werk, das Au-Pairs unter­ein­an­der in einer Stadt ver­bin­de. Julia berich­tet von wert­vol­len Kon­tak­ten, die über Whats­app-Grup­pen geteilt wur­den. Ande­re Gast­el­tern emp­feh­len die Ver­mitt­lung über eine Agen­tur. Die­se nimmt den Papier­kram ab und steht als neu­tra­ler Ansprech­part­ner bereit. Julia selbst hat­ten Prei­se von meh­re­ren hun­dert Euro für die Ver­mitt­lung eher abge­schreckt. 

Der Au-Pair-Check 

Julia emp­fiehlt zukünf­ti­gen Gast­el­tern, sich bei der Suche inten­siv mit den Kandidat:innen aus­ein­an­der­zu­set­zen. „Neh­men Sie sich wirk­lich Zeit für ein ers­tes Ken­nen­ler­nen. Auch vir­tu­ell. Ide­al fin­de ich ein län­ge­res Gespräch von etwa ein­ein­halb Stun­den“, erklärt die enga­gier­te Mut­ter. Per­fekt, wenn man ein Au-Pair im Vor­feld per­sön­lich ken­nen­ler­nen kann. Das ist mög­lich, wenn der oder die jun­ge Erwach­se­ne bereits in der Stadt arbei­tet oder aus Euro­pa für ein paar Tage anreist. Was übri­gens auch einen guten Ein­druck bei den Gast­el­tern hin­ter­lässt. 

Hell­hö­rig wird Julia aller­dings, wenn Kandidat:innen zu vie­le Details abfra­gen: „Das ist oft ein Indiz dafür, dass sich die Per­son deut­lich abgren­zen möch­te und die Zeit in unse­rer Fami­lie nur als ‚Job‘ betrach­tet. Wer nie Lust hat, Zeit in das Fami­li­en­le­ben zu inves­tie­ren, ist hier falsch. Im Ide­al­fall ver­las­sen uns unse­re Gast­kin­der als Freu­de.“ Bei­de Sei­ten müss­ten ihre Erwar­tung for­mu­lie­ren und abglei­chen. „Es geht vor allem dar­um, den Men­schen ein­zu­schät­zen und des­sen Wer­te zu erfra­gen“, so Julia. Sie wol­le bei­spiels­wei­se wis­sen, was ihrem Gegen­über wich­tig an Freund­schaf­ten sei. Oder was im Zusam­men­le­ben mit der Fami­lie Prio­ri­tät hat. 

Im täglichen Einsatz 

Maxi­mal darf ein Au-Pair 30 Stun­den in der Woche hel­fen, nicht mehr als sechs pro Tag. Es han­delt sich dabei aus­drück­lich nicht um eine bezahl­te Beschäf­ti­gung. „Au-Pairs sind bei uns zu Gast. Es ver­steht sich von selbst, dass Hil­fe im Haus­halt erwünscht ist. Aber trotz­dem ist sie kei­ne Voll­zeit­putz­frau“, stellt Julia klar, „Bei uns küm­mert sie sich etwa zu 80 Pro­zent um die Kin­der­be­treu­ung und zu 20 Pro­zent um die Haus­ar­beit.“ Die­ses Zu-Gast-sein bedeu­te aber auch, so Julia, dass das Au-Pair sich ent­spre­chend ver­hal­te: mal einen Blick auf den über­bor­den­den Müll­ei­mer wer­fe und sich nicht mit dem Smart­pho­ne ver­krie­che, wenn die Kin­der Hil­fe bräuch­ten. 

Ein Ein­satz dau­ert sechs bis zwölf Mona­te und darf nicht ver­län­gert wer­den. Nach Erfah­run­gen mit vier Au-Pairs weiß Julia, dass ein Jahr wirk­lich das Mini­mum ist. „Kin­der wie Eltern müs­sen sich an eine frem­de Per­son gewöh­nen und sich im All­tag ein­spie­len. Ein Au– Pair bekommt schließ­lich alles mit: wie man sich strei­tet oder im Nacht­hemd aus­sieht“, erzählt die Frank­fur­te­rin lachend, „Ich per­sön­lich fän­de sogar ein­ein­halb Jah­re gut. Spä­tes­tens dann soll­te man aller­dings einen Wech­sel anstre­ben, denn die jun­gen Hel­fen­den müs­sen sich auch in ande­ren Lebens­si­tua­tio­nen bewei­sen und wei­ter­ent­wi­ckeln kön­nen.“ 

Au-Pair-Vertrag 

Anders als bei ein­fa­chen Baby­sit­ter­jobs ist ein Au-Pair-Ver­trag sinn­voll. Einen Stan­dard­ver­trag kann man auf den Ver­mitt­lungs­por­ta­len kos­ten­los down­loa­den. Er endet nach Ablauf der ver­ein­bar­ten Auf­ent­halts­zeit oder vor­zei­tig mit einer zwei­wö­chi­gen Kün­di­gungs­frist. „Natür­lich soll­te man es nicht dazu kom­men las­sen. Aber im Här­te­fall kann man sich im bei­der­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men sogar von heu­te auf mor­gen tren­nen“, berich­tet Julia. Euro­päi­sche Au-Pairs benö­ti­gen im Übri­gen kein Visum für ihren Gast­auf­ent­halt, im Gegen­satz zu Auf­ent­hal­ten aus Non-EU-Län­dern. Löst die Fami­lie dann den Ver­trag, wird auch das Visum ungül­tig. In die­sem Fall soll­te man zumin­dest ver­su­chen, für die jun­ge Frau oder den jun­gen Mann eine neue Gast­fa­mi­lie zu fin­den. Wer sich auf eige­ne Faust auf das Aben­teu­er Au-Pair ein­lässt, fin­det hier die gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen. 

Kosten einer Au-Pair-Lösung 

Wel­che Kos­ten kom­men auf die Fami­lie zu? Nun, Kost und Logis für den Jugend­li­chen sowie ein Taschen­geld von min­des­tens 280 Euro, unab­hän­gig von der Arbeits­zeit. Wich­tig: Auch im Krank­heits­fall oder wäh­rend der Urlaubs­zeit wird die­ses Taschen­geld gezahlt. Davon abwei­chend kann man dem Au-Pair auch mehr zukom­men las­sen. Aller­dings liegt dann eine mel­de­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung vor. 

Für die Ver­mitt­lung ist eine Pre­mi­um-Mit­glied­schaft aus einem der zuvor genann­ten Por­ta­le oder ein Ver­mitt­lungs­ho­no­rar bei einer Agen­tur fäl­lig (40 bis 130 Euro/Monat). Eine Au-Pair-Ver­si­che­rung gibt es bereits ab 25 Euro monat­lich. Meist trägt die Fami­lie, so auch in unse­rem Frank­fur­ter Bei­spiel, die Kos­ten für einen Sprach­kurs. Je nach Regi­on betra­gen die­se zwi­schen 50 und 150 Euro monat­lich. Auch ein ÖPNV-Ticket zählt zum Au-Pair-Packa­ge. 

Letzt­end­lich ist Au-Pair-Sein kein Job wie jeder ande­re. Es ist mal ein berei­chern­des Ken­nen­ler­nen der ande­ren Kul­tur. Mal ein Clash-of-Cul­tures. Damit die gemein­sa­me Zeit eine Gute wird, hilft Vor­be­rei­tung und Fin­ger­spit­zen­ge­fühl. Im bes­ten Fall ent­steht eine enge Ver­bin­dung zwi­schen den jun­gen Erwach­se­nen, den Kin­dern und Eltern. Manch­mal keh­ren sie dann, so wie im Fall von Julia, als Freun­de fürs Leben zurück.  

*Name geän­dert, ist der Redak­ti­on aber bekannt. 

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