• Kinderbetreuung
    Kinderbetreuung, ©Oleh Slobodeniuk/iStock

Wer betreut mein Kind? Lösungen, die den Familienalltag erleichtern

2022-01-18T12:33:32+01:0018. Januar 2022|

Auch wenn wir uns heu­te bewusst für Kin­der ent­schei­denDie Belas­tung im All­tag mit Klein- und Schul­kin­dern neh­men wir erst wahr, wenn wir mit­ten­drin ste­cken. Pfle­gen Fami­li­en­ka­len­derfah­ren auf exakt geplan­ten Rou­ten zum Rei­ten und Fuß­ball oder tei­len die Care-Arbeit per Excel-Sheet. Ein Wahn­sinn. Wo holt man sich also Hil­fe? Eine Cou­ra­ge-Serie, die Betreu­ungsmodel­le und -kosten beleuch­tet.

Von Michae­la Stemper

Will ich, kann ich, soll ich … mei­ne Kin­der in frem­de Hän­de geben? Die Ent­schei­dung wird häu­fig von emo­tio­na­len wie finan­zi­el­len Kri­te­ri­en beein­flusst. Was für die eine Fami­lie gut passt, ist für die ande­re ein abso­lu­tes No-Go. Oder finan­zi­ell schlicht unmög­lich. Man hat die Qual der Wahl zwi­schen paten­ten Tages­müt­tern und ‑vätern für die Aller­kleins­ten, Baby­sit­tern, Au Pairs und der öffent­li­chen Betreu­ung in Kitas, Kin­der­gär­ten und Schu­len. Ein ers­ter Über­blick: 

Tagesmutter nach der Elternzeit 

Im Schnitt pla­nen deut­sche Müt­ter für 14,5 Mona­te Eltern­zeit zu neh­men. Die Zahl der Väter in Eltern­zeit stieg zwar 2020 auf rund 25 Pro­zent. Aller­dings für einen Care-Zeit­raum von durch­schnitt­lich nur 3,7 Mona­ten. Wer in den Job zurück­kehrt, muss auch den All­tag neu aus­rich­ten. Um die eig­nen Ansprü­che, Fami­lie und Beruf unter einen Hut zu brin­gen, suchen die meis­ten spä­tes­tens jetzt eine Betreu­ung in der Nähe. Und wer­den hof­fent­lich fün­dig: Denn seit 2013 haben Eltern von Kin­dern unter drei Jah­ren zwar einen gesetz­li­chen Anspruch auf Betreu­ung. Die Nach­fra­ge nach Kita­plät­zen über­steigt aller­dings das Ange­bot. So wei­chen vie­le auf die Tages­pfle­ge aus. 

Mehr als 43.000 Tages­müt­ter und ‑väter betreu­en die Kleins­ten in Deutsch­land. Sie sind gut aus­ge­bil­det: Min­des­tens 160 Stun­den muss eine pro­fes­sio­nel­le Tages­pfle­ge­kraft vor­wei­sen, bevor sie ihre Diens­te anbie­ten kann. Man fin­det sie bei­spiels­wei­se über Städ­te und Gemein­den oder das Jugend­amt. Im bes­ten Fall han­delt es sich um eine führ­sorg­li­che wie paten­te Per­son, die die Kin­der in kleins­ten Grup­pen bei sich zuhau­se betreut. Die Kos­ten vari­ie­ren stark: es gibt Tages­müt­ter und ‑väter, die für drei Euro pro Stun­de auf­pas­sen. Aber auch Stun­den­sät­ze von 25 Euro schei­nen nicht aus der Luft gegrif­fen. 

Mehr zu Kos­ten, Zuschüs­sen und der zeit­li­chen Abde­ckung, gibt es im zwei­ten Teil unse­rer Serie zur Kin­der­be­treu­ung.    

Für zwischendurch: der Babysitter 

Das ers­te Gespräch mit dem Arbeit­ge­ber, ein Behör­den­gang oder eine gro­ße Geburts­tags­fei­er am Abend ste­hen an? Da will oder kann man den Nach­wuchs nicht immer mit­neh­men. Ist der ande­re Eltern­teil eben­falls zeit­lich ein­ge­bun­den und die Groß­el­tern nicht vor Ort, wird es eng. Man braucht für ein paar Stun­den Betreu­ung. Das kann die Nach­ba­rin von neben­an sein. Oder Schü­ler und Schü­le­rin­nen, die sich ein paar Euro – kon­kret zwi­schen fünf und zwölf – dazu­ver­die­nen wol­len. Denn wer sei­ne jün­ge­ren Geschwis­ter pro­blem­los im Zaum hält, schafft locker ein paar Stun­den Baby­sit­ting.  

Bei einer regel­mä­ßi­gen Kin­der­be­treu­ung durch Erwach­se­ne erwar­ten Eltern etwas mehr. Die poten­ti­el­le Kin­der­frau soll­te Erfah­rung, etwa durch eine Tätig­keit im Kin­der­gar­ten oder eine Au-Pair-Stel­le, vor­wei­sen kön­nen. Wün­schens­wert ist zum Bei­spiel auch ein Ers­te-Hil­fe-Kurs für Klein­kin­der. Als ers­te Anlauf­stel­le für Kin­der­be­treu­ung hat sich die Platt­form betreut.de in den letz­ten Jah­ren eta­bliert. Tipp: Bei Kin­dern unter drei Jah­ren soll­te man eine erfah­re­ne Per­son einem Schü­ler oder einer Schü­le­rin vor­zie­hen.  

Im drit­ten Teil der Serie beglei­ten wir die Suche nach einer Baby­sit­te­rin: von der Freu­de über einen guten Nan­ny-Match, Rück­schlä­gen und Fuß­fal­len. 

Als Teil der Familie: Au-Pairs 

Mut­ter und Vater brau­chen ein­fach mehr Unter­stüt­zung? Auch daheim? Dann heißt es: Will­kom­men in der Fami­lie! Bis zu 30 Stun­den pro Woche darf ein Au-Pair hel­fen. Dazu muss man bereit sein, eine noch unbe­kann­te Per­son im Alter von 18 bis 27 Jah­ren in sei­nen Haus­halt auf­zu­neh­men. Denn der Au-Pair-Gedan­ke beruht auf Gegen­sei­tig­keit: Einer­seits hat die Fami­lie bis zu zwölf Mona­te Hil­fe und erfährt viel über die ande­re Kul­tur im All­tag. Ande­rer­seits möch­te das Au-Pair das Gast­land haut­nah erle­ben und sei­ne Sprach­kennt­nis­se ver­tie­fen.  

Vor der Coro­na­pan­de­mie wur­den rund 15.000 jun­ge Frau­en und Män­ner als Au-Pairs in deut­sche Haus­hal­te ver­mit­telt. Gut die Hälf­te kommt aus der EU, die ande­re Häl­fe aus Län­dern rund um den Glo­bus. Ein Au-Pair fin­det man über pri­va­te Kon­tak­te oder über eine Agen­tur. Letz­te­res ist emp­feh­lens­wert, da ein neu­tra­ler Ansprech­part­ner zur Ver­fü­gung steht, der auch bei den For­ma­li­tä­ten hilft. Wel­che Kos­ten kom­men auf Gast­el­tern zu? Neben Kost und Logis ist das ein Taschen­geld von min­des­tens 280 Euro, eine Au-Pair-Ver­si­che­rung sowie die Kos­ten der einer mög­li­chen Ver­mitt­lung. Außer­dem wer­den in der Regel ein Sprach­kurs sowie ein ÖPNV-Ticket gezahlt.  

Wie der „Aus­lands­ein­satz“ gelingt, wel­che recht­li­chen Bestim­mun­gen gel­ten und was ein Au-Pair unterm Strich kos­tet, erläu­tert die Serie im vier­ten Teil 

Kita, Kiga und Hort 

Einen Kita- oder Kiga-Platz in einer öffent­li­chen Ein­rich­tung zu ergat­tern, gleicht vor allem in Groß­städ­ten der Teil­nah­me an einer Lot­te­rie. Für einen U3 Platz wer­den die Klei­nen durch die hal­be Stadt gefah­ren, Bring- und Abhol­zei­ten ori­en­tie­ren sich am Fami­li­en­bild der 70iger Jah­re. Kurz­um, vie­le Eltern sind frus­triert, haben aber kei­ne Wahl. Dem­entspre­chend akzep­tie­ren sie fast jeden Preis. Je nach Bun­des­land und Regi­on vari­ie­ren die Betreu­ungs­kos­ten. Die Stadt Mainz bei­spiels­wei­se erhebt kei­ne Kin­der­gar­ten-Gebüh­ren, wäh­rend Eltern in Wies­ba­den ordent­lich zur Kas­se gebe­ten wer­den.  

Ist eine pri­va­te Kin­der­ta­ges­stät­te eine Alter­na­ti­ve? Nur bedingt, denn sie kann gut und ger­ne 1.500 Euro monat­lich kos­ten. Über ein zwei­tes Kind will man sich dann kei­ne Gedan­ken mehr machen. Pri­va­te Ein­rich­tun­gen sind aller­dings ein Joker, wenn Betreu­ungs­zei­ten jen­seits der 17-Uhr-Abho­lung not­wen­dig sind. Hilf­reich sind Betriebs­ki­tas, die vom Arbeit­ge­ber finan­zi­ell unter­stützt wer­den.  

Auch um Hort­plät­ze, das heißt der Betreu­ung nach der Schu­le, muss man sich recht­zei­tig bemü­hen. Häu­fig wäh­len Eltern gera­de wegen der nach­schu­li­schen Betreu­ung eine bestimm­te Bil­dungs­ein­rich­tung aus.  

Teil fünf der Cou­ra­ge-Kin­der­be­treu­ungs­se­rie spricht Klar­text über Betreu­ungs­plät­ze und Kos­ten. Sie­ben Din­ge, die man ger­ne vor­her zum The­ma Kita & Co. gewusst hät­te.  

Es muss nicht perfekt sein 

Die per­fek­te Betreu­ungs­lö­sung wird es wohl nie geben. Aber jedes die­ser Model­le kann den Fami­li­en­all­tag erleich­tern. Viel­leicht ist es auch eine Kom­bi­na­ti­on aus meh­re­ren hel­fen­den Hän­den? Und hin und wie­der soll­te sich auch die hin­ge­bungs­volls­te Mama und der enga­gier­tes­te Papa hel­fen las­sen. Unab­hän­gig davon, ob man nun Voll­zeit-Mut­ter bzw. ‑Vater oder Voll­zeit berufs­tä­tig ist.  

Bleib immer informiert!

Noch mehr Infos für dich

Dir hat der Artikel gefallen? Jetzt teilen...

Nach oben