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    Nadine Metgenberg, ©Patrick Ohligschlaeger

Weddingplanerin: „Gute Ideen kann man schlecht googeln“

2021-10-22T10:53:52+02:0021. Oktober 2021|

Von der Traum­hoch­zeit bis zum luxu­riö­sen Begräb­nis: Mit ihrer Fir­ma Fine Wed­dings & Par­ties rich­tet Nadi­ne Met­gen­berg gla­mou­rö­se Events aus. Im Inter­view ver­rät sie, wie es dazu kam und wel­che Mal­heurs sie bei der Hoch­zeits­pla­nung schon erlebt hat. 

Von Michae­la Stemper

Courage: Für wen kreiert Fine Weddings & Parties besondere Momente?

Nadi­ne Met­gen­berg: Für Unternehmer­familien, Adel und Pro­mi­nen­te. Darun­ter vie­le, die nicht wol­len, dass ihre Ver­an­stal­tung in der Öffent­lich­keit bespro­chen wird. Das ist unser Mehr­wert: Wir klä­ren, was wir preis­ge­ben oder abschir­men. Wir orga­ni­sie­ren Hoch­zei­ten, Geburts­ta­ge und Tau­fen, aber auch beson­de­re Trauer­feiern. Mitt­ler­wei­le hat sich aus dem Nu­kleus Hoch­zeits­pla­nung die Fine Group ent­wi­ckelt, mit Fine Fun­e­rals und Fine Rela­ti­ons für stra­te­gi­sche Kommunikation.

In welchen Markt stiegen Sie 2015 ein?

In einen ohne Markt­ein­tritts­bar­rie­ren. Jeder kann theo­re­tisch Weddingplan­ner wer­den. Des­halb gibt es so vie­le One­ Woman­ Shows. Im Luxus­seg­ment exis­tierten damals nur eine Hand­voll loka­ler Anbie­ter, die auf Emp­feh­lun­gen setz­ten. Und dann kam ich: Mit mei­nem betriebs­wirtschaftlichen Ansatz und einem Fokus auf PR und Mar­ke­ting hat­te ich eine völ­lig ande­re Her­an­ge­hens­wei­se. Mein Ange­bot war deutsch­lan­d­- und euro­pa­weit ausge­richtet. Der Ham­bur­ger, der eine Hambur­gerin in Ham­burg hei­ra­tet, ist bei mir die Aus­nah­me. Man sucht das Beson­de­re: Ein Schwei­zer Paar etwa kauft mei­ne Pla­nung und Design aus Ham­burg für die teu­ers­te Loca­ti­on am Comer See.

Waren Sie die Braut, die dachte: Hoch­zeiten veranstalten – das kann ich auch?

Ich war die berühm­te Geschie­de­ne, die das trotz­dem gemacht hat (lacht). Im Ernst: Ich kom­me aus einer gro­ßen rhein­län­di­schen Fami­lie. Da wur­de viel gefei­ert. Der Lie­be wegen ging ich nach Ham­burg. Für pri­vate Ver­an­stal­tun­gen bekam ich oft Kom­plimente. Aber Event­pla­nung fiel mir so leicht, dass ich dach­te: Dafür kannst du kein Geld ver­lan­gen. Den­noch sind mei­ne Ideen für ande­re Geld wert. Mei­ne Kund:innen sind häu­fig „geflasht“ von mei­nen vie­len außer­ge­wöhn­li­chen Einfällen.

Hochzeit, @Joee Wong

Hoch­zeit, @Joee Wong

Aber gute Ideen sind doch kopierbar.

Grund­sätz­lich schon. Aber ich fin­de, man kann gute Ideen schlecht goo­geln. Natür­lich sehe ich, wenn jemand mei­ne Ideen nach­ahmt, ver­ste­he das aber als Kompli­ment. Durch mei­nen Kopf rau­schen per­manent Ideen, Bil­der und Far­ben, die durch Social Media, Maga­zi­ne oder Rei­sen entstehen.

Wo standen Sie, als Sie gründeten?

Ich war Ende 30, geschie­den und hat­te vier Kin­der. Die genos­sen lan­ge Prio­ri­tät, bis ich spür­te, die­ser Lebens­ab­schnitt ist abge­schlos­sen. So stand die Fra­ge im Raum: Was mache ich? Als Ange­stell­te hät­te ich mit klei­nen Kin­dern und wenig Referen­zen einen schwe­ren Stand gehabt. Aber ich hat­te kei­ne Angst vor Selbstständig­keit. Die kann­te ich von zu Hause.

Wer unterstützte Ihr Vorhaben?

Du brauchst jeman­den, der bedin­gungs­los an dich glaubt. Das tat mein zwei­ter Mann, Sascha, elf Jah­re lang. Bild­lich ge­sprochen hat er ein Jahr vor sei­nem Tod noch mal mei­nen Fir­men­wa­gen voll­ge­tankt und gesagt: Fahr los! Hät­ten wir die Krebs­dia­gno­se damals erahnt, hät­te mir zum Grün­den der Mut gefehlt. In die­ser Situa­ti­on wur­de ich zur Löwen­mut­ter, hol­te mir aber Unter­stüt­zung: Seit­dem beschäf­ti­ge ich eine Haus­häl­te­rin, die in mei­nen Busi­ness­plan ein­ge­preist ist. Ich bin eine für­sorg­li­che Mama, aber eben auch Unternehmerin.

Wie sahen Ihre Finanzen aus?

Mein Busi­ness­plan war kon­kret und pass­te auf eine Ser­vi­et­te. Mit 25 000 Euro Eigen­ka­pi­tal grün­de­te ich bewusst eine GmbH, um mich von Klein­un­ter­neh­mern abzu­gren­zen. Heu­te beschäf­ti­ge ich 15 Mit­ar­bei­ten­de, Voll- und Teil­zeit­kräf­te, aber auch Freie. Und gene­rie­re jähr­lich sie­ben­stel­li­ge Umsät­ze. Gesprä­che fin­den nicht mehr im Wohn­zim­mer, son­dern in mei­nem luxu­riö­sen Show­room in Ham­burg-Har­ve­ste­hu­de statt.

Und Ihr Netzwerk ist vermutlich das wahre Kapital.

Ich bin exzel­lent ver­netzt. Auf Kund:innenseite, aber auch durch das Luxus­netz­werk EPIC. Ein exklu­si­ver Kreis von Weddingplanner:innen, durch die ich Zugriff auf Top-Loca­ti­ons und High-End-Dienst­leis­ter welt­weit habe. Für Net­wor­king und Lead­ge­ne­rie­rung bin ich bereit zu inves­tie­ren: Jähr­lich neh­me ich 100 000 Euro für das Wachs­tum mei­nes Unter­neh­mens durch Social Media und PR in die Hand.

Hochzeit, @Joee Wong

Hoch­zeit, @Joee Wong

Was ist für Sie herausfordernd?

Was­ser­dich­te Ver­trä­ge sind essen­zi­ell in die­ser knall­har­ten Bran­che. Über die Jah­re habe ich einen fünf­stel­li­gen Betrag in deren Aus­ar­bei­tung inves­tiert. Gera­de des­halb ist Fine Wed­dings & Par­ties gut durch die Pan­de­mie gekom­men: Ich ver­kau­fe Pla­nung und Design, aber kei­nen Hoch­zeits­tag. Vie­le Auf­trä­ge konn­te ich schie­ben, aller­dings blei­ben die nun bis zu 18 Mona­te län­ger in den Büchern.

Wo lauern Gefahren im Alltag einer Weddingplannerin?

Front of House muss alles stim­men. Aber natür­lich pas­siert im Hin­ter­grund mal ein Mal­heur. Als ich anfangs mit klei­nen Bud­gets arbei­te­te, ent­brann­te tat­säch­lich eine Dis­kus­si­on um ein Mini­fisch­bröt­chen zu 3,50 Euro. Pures Mikro­ma­nage­ment. Dar­über kann ich heu­te lachen. Wesent­lich kost­spie­li­ger war das gigan­ti­sche Feu­er­werk für einen Pyro­tech­nik­fan, das abge­sagt wer­den muss­te, als Ita­li­en kurz­fris­tig sei­ne Spreng­stoff­ge­set­ze änder­te. Nor­ma­ler­wei­se bekommt man uüber­all in 24 Stun­den eine Geneh­mi­gung – selbst vor dem Ope­ra House in Sydney.

Welche außergewöhnliche Situation haben Sie retten können?

Ein Event in einem Glas­zelt, weit­ab vom Schuss. Dort­hin muss­te wirk­lich jede Kuchen­ga­bel gebracht wer­den. Lei­der wur­den die fal­schen Tisch­de­cken gelie­fert. Ein älte­rer Pilot, den ich mor­gens zufäl­lig ken­nen­ge­lernt hat­te, hat uns die rich­ti­ge Grö­ße in letz­ter Minu­te mit sei­ner klei­nen Pri­vat­ma­schi­ne eingeflogen.

Wann kam der große Durchbruch?

Pres­se­ar­ti­kel in „Elle“ und „Vogue“ oder der „Süd­deut­schen Zei­tung“ sowie mein Rat­ge­ber „Das Hoch­zeits­buch – Alles, was ihr für euren unver­gess­li­chen Tag wis­sen müsst“ tru­gen zu mei­ner Bekannt­heit bei. Aber das ers­te Mal, als ein Kun­de mir ein Par­ty­bud­get von einer Mil­li­on Euro anver­trau­te, war ganz besonders.

Wie entwickelt sich die Eventbranche?

Wir spre­chen von über einer Mil­li­on Beschäf­tig­ten und 70 bis 130 Mil­li­ar­den Umsatz in Deutsch­land. Davon sind High-End-Events nur ein klei­ner Teil. In mei­ner Nische erle­be ich das Bedürf­nis nach Insze­nie­rung, der Umset­zung eige­ner Ideen und per­sön­li­chem Bran­ding. Dabei geht es um Über­ra­schungs­mo­men­te. Vor­al­lem durch Social Media sieht man inzwi­schen Events all around the world: die Hoch­zeit im Liba­non, die Tau­fe in Sydney.

Was möhten Sie gern noch realisieren?

Einen run­den Geburts­tag für eine inter­es­san­te Per­sön­lich­keit wie Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger oder Gui­do Maria Kret­schmer. Oder eine außergewöhnliche Eventidee wie eine Brid­ge­rton-Par­ty im Stil des 19. Jahrhunderts.


3 Tipps für die Hochzeit

Nadine Metgenberg, @Joee Wong

Nadi­ne Met­gen­berg, @Joee Wong

Kei­ne Lan­ge­wei­le: Kein Gast soll­te gelang­weilt zum Han­dy grei­fen oder plan­los in der Ecke ste­hen. Ein guter Event-Flow bie­tet alle 20 Minu­ten Ver­än­de­rung. Das kann ein Wech­sel der Räum­lich­kei­ten, aber auch ein Wal­king Des­sert nach dem Essen sein. Sor­gen Sie für Abwechslung!

Kein Fremd­schä­men: End­lo­se Power­point-Vor­trä­ge will nie­mand sehen, talent­lo­se Gesangs­bei­trä­ge nie­mand hören. Auch Tau­ben flie­gen las­sen ist von ges­tern. Sucht nach Ideen, die mög­lichst vie­le Gäs­te abholen!

Kon­zen­tra­ti­on auf sich selbst: Am Hoch­zeits­tag soll­te alles vor­be­rei­tet sein. Dann heißt es auch für die enga­gier­tes­te Braut: los­las­sen! Ganz im Hier und Jetzt sein!

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