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    Femtech, ©metamorworks/iStock

Warum es höchste Zeit für Femtechs ist

2022-01-17T09:00:44+01:0015. Januar 2022|

Es ist ein erschüt­tern­des Bei­spiel aus dem Buch „Invi­si­ble women“ von Caro­li­ne Cria­do Perez: Bis vor sehr kur­zer Zeit exis­tier­te dem­nach in der Auto­in­dus­trie keinen weib­li­chen Dum­mys, die Auf­schlüsse über die Fol­gen eines Auto­un­falls auf den weib­li­chen Kör­per hät­ten geben können.

Von Mat­thi­as Lauerer

Denn der reagiert anders und sei es nur, weil die Kör­per­grö­ße einen Unter­schied macht, wie schwere Bles­su­ren man davon­trägt. Laut der Autorin ver­let­zen sich Frau­en sehr viel wahr­schein­li­cher bei einem Auto­un­fall schwe­rer als Män­ner. Start-ups, soge­nann­te Fem­techs, wol­len nun geschlechts­spe­zi­fi­sche Gesund­heits­pro­ble­me lösen. Man wun­dert sich, dass es für jenen Bereich kaum Gel­der gibt.

Frauen kümmern sich mehr

Die Rechts­be­ra­tungs­sei­te „Tay­lor­Wes­sing“ defi­niert den Begriff so: „Fem­tech ist der Sam­mel­be­griff für digi­ta­le Pro­duk­te, Dienst­leis­tun­gen und Dia­gno­sen, die sich auf Gesund­heits­pro­ble­me bezie­hen, mit denen vor allem Men­schen kon­fron­tiert sind, die bei der Geburt weib­lich sind.“ „Frau­en geben pro Kopf 29 Pro­zent mehr für das Gesund­heits­we­sen aus als Män­ner und 7bis 85 Pro­zent der Frau­en nut­zen im Ver­gleich zu Män­nern eher digi­ta­le Hilfs­mit­tel für ihre Gesund­heits­ver­sor­gung.“ Was „Tay­lor­Wes­sing“ noch zum The­ma ein­fiel, liest sich so: „Eine wei­te­re Mög­lich­keit für Fem­techs besteht dar­in, die Ziel­grup­pe zu erwei­tern, indem sie ande­re Mit­glie­der der LGBTQ+-Gemeinschaft anspre­chen und trans­se­xu­el­le und nicht-binä­re Men­schen ein­be­zie­hen.“ Klingt nach einer sehr guten Idee. 
 
Die Her­aus­for­de­rung? Dazu hieß es in einem Text im Wochen­ma­ga­zin „Eco­no­mist“: „Ein wich­ti­ger Grund für das lang­sa­me Wachs­tum der Fem­tech-Bran­che liegt in der zugrun­de lie­gen­den medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaft. Bei Erkran­kun­gen, die alle Men­schen betref­fen, wer­den in der Regel Män­ner unter­sucht.“

Markt könnte massiv wachsen

Nun zum Geld. Laut des For­schungs­un­ter­neh­men Glo­bal Mar­ket Insights“ könn­te sich dieser Markt der Fem­techs bis 2027 von 22,5 Mil­li­ar­den Dol­lar zuletzt auf über 65 Mil­li­ar­den US-Dol­lar mehr als verdoppeln.

Neuer Ansatz für Beschwerden in der Menopause

Ein Bei­spiefür so eine Fir­ma ist die KaN­DY The­ra­peu­tics LtdWenn alles klappt, dann war­te­te die­se briti­sche Fir­ma mit einer ech­ten Sen­sa­ti­on auf, denn. Sie hat ein „inno­va­ti­ves nicht-hor­mo­nel­les Prä­pa­rat“ mit dem Titel „NT-814“ in der Zulas­sungs­pha­se 3. Damit las­sen sich die tücki­schen Wech­sel­jahresbe­schwer­den abmil­dern, unter denen Frau­en lei­den. Jene Sub­stanz mit dem eher sper­ri­gen Titel fiel auch dem Phar­ma­kon­zern Bay­er auf, der das Unter­neh­men 2020 für sat­te 425 Mil­lio­nen US-Dol­lar kauf­te. Dies könn­te sich für die Lever­ku­se­ner loh­nen, denn man erwar­tet, ist das Mit­tel ein­mal zuge­las­sen, einen welt­wei­ten jähr­li­chen Umsatz von über einer Mil­li­ar­de Euro. Ganz zu schwei­gen von der Erleich­te­rung für Mil­lio­nen Frauen.

Tampons gegen den Schmerz

Einen ande­ren schmerz­haf­ten Bereich deckt die Fir­ma „Daye mit einem spe­zi­el­len Tam­pon ab. Der ent­hält Can­na­b­idi­ol und soll bei PMS, dem prä­men­stru­el­len Syn­drom, hel­fen. Wie kann das gelin­gen? Laut der Aus­sa­gen der Fir­men­wis­sen­schaft­ler sitzen im Vagi­nal­ka­nal sehr vie­le Can­na­bi­no­id­re­zep­to­ren, die auf das im Tam­pon ent­hal­te­ne CBD, kurz für Can­na­bio­dol reagie­ren und so dePM-Schmerz min­dern sol­len. Selbst wenn man die pas­sen­den Stu­di­en bis­lang nur an je zwei Grup­pen von je 80 Frau­en durch­führte, las­sen sich sol­che Tampons bereits kau­fen.  
 
Fazit: Es ist erstaun­lich, dass frau­en­spe­zi­fi­sche Gesund­heits­the­men so lange ver­nach­lässigt wur­den. Wenn nun Geld von Risi­ko­kapital­ge­bern ins Metier fließt und man Pro­ble­me fix löst, ist das mehr als wünschenswert …

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Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­t­um ist stu­dier­te Heil­päd­ago­gin und seit 2017 bei der Deut­schen Kin­der­krebs­stif­tung für „Pro­jekt­ma­nage­ment und psy­cho­so­zia­le The­men“ zustän­dig. Zuvor enga­gier­te sich die Mut­ter von Zwil­lin­gen, die selbst sehr jung an Krebs erkrank­te, ehren­amt­lich für die Stif­tung. “Ein Ehren­amt kann dabei hel­fen, aus­zu­lo­ten, wo die eige­ne beruf­li­che Rei­se hin­ge­hen soll”, ermu­tigt Rita Kor­t­um. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Beharrlichkeit. 

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