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  • Der Notgroschen für schlechten Zeite Foto: Miriam Doerr/Adobe

Warum ein Notgroschen so wichtig ist

2021-06-04T14:37:02+02:0019. Mai 2021|

Das Leben ist nicht immer plan­bar. Egal, ob der Lap­top kaputt geht, beim Auto eine teu­re Repa­ra­tur anfällt oder ein wich­ti­ger Auf­trag weg­bricht – dafür soll­ten wir finan­zi­ell gewapp­net sein. Ein Not­gro­schen fun­giert in sol­chen Situa­tio­nen wie ein Sicher­heit­s­air­bag für die eige­nen Finan­zen, sodass Betrof­fe­ne nicht direkt in Exis­tenz­nö­te gera­ten. Cou­ra­ge erklärt, wie viel Geld wir am bes­ten bei­sei­te­le­gen und wohin.

Von Simo­ne Gröneweg

Wenn ame­ri­ka­ni­sche Wissenschaftler:innen recht haben, beein­träch­ti­gen Geld­sor­gen das Denk­ver­mö­gen. Ent­spre­chen­de Ergeb­nis­se dazu ver­öf­fent­lich­ten Fach­leu­te vor eini­gen Jah­ren in dem Wis­sen­schafts­ma­ga­zin „Sci­ence“. Schon die­se Erkennt­nis soll­te uns dazu brin­gen, die Finan­zen eini­ger­ma­ßen im Griff zu behalten.

Aller­dings lässt sich nicht alles im Leben pla­nen, manch­mal schlägt das Schick­sal zu. Erbar­mungs­los und ohne Ankün­di­gung. „Ein mög­li­cher Arbeits­platz­ver­lust, eine Krank­heit, ein Unfall oder ande­re Schä­den for­dern uns nicht nur per­sön­lich, son­dern auch finan­zi­ell“, sagt Dani Par­thum. Die Öko­no­min berät Frau­en in Geld­an­ge­le­gen­hei­ten und betreibt das von ihr gegrün­de­te Finanz-Por­tal Geld­frau. „Das Finanz­pols­ter für Not­fäl­le hal­te ich für essen­zi­ell wich­tig“, sagt sie. Es sei für die Zei­ten gedacht, in denen sich das Leben nicht von sei­ner bes­ten Sei­te zeige.

Wie schaffe ich es, Geld beiseitezulegen?

Zum Auf­bau eines Finanz­pols­ters für schlech­te Zei­ten gehört das Spa­ren. Vie­le Men­schen schei­tern schon dar­an. Sie haben das Gefühl: Geld ist zum Aus­ge­ben da. „Da man­gelt es am Ver­ständ­nis. Aus­ge­ge­ben wird Geld eher unbe­wusst, Spa­ren dage­gen ist ein bewuss­ter Akt“, erklärt die Geld­be­ra­te­rin Par­thum. Ohne Druck geht es manch­mal nicht. Also rich­tet man am bes­ten einen Dau­er­auf­trag ein, um monat­lich einen gewis­sen Betrag auf die hohe Kan­te zu legen.

Wer das finan­zi­ell gar nicht hin­kriegt, muss die eige­nen Aus­ga­ben genau unter die Lupe neh­men und sich gege­be­nen­falls ein­schrän­ken. Vor allem die vie­len Klei­nig­kei­ten zwi­schen­durch belas­ten den Geld­beu­tel. Viel­leicht lässt sich die Han­dy­rech­nung redu­zie­ren oder ein Ver­si­che­rungs­wech­sel spart Geld ein.

Für alle, die ger­ne digi­tal unter­wegs sind, gibt es Apps, die als Haus­halts­buch fun­gie­ren. Man kann aber auch zu Papier und Stift grei­fen, um Ein­nah­men und Aus­ga­ben zu notie­ren. So ver­schafft man sich einen Über­blick und kann Maß­nah­men in Angriff nehmen.

Dabei darf auf kei­nen Fall falsch gespart wer­den. „Exis­tenz­ab­si­chern­de Ver­trä­ge wie die Haft­pflicht­ver­si­che­rung ste­hen nicht auf dem Prüf­stand, denn die sind wich­tig“, warnt Ralf Scher­f­ling, Finanz­ex­per­te bei der Ver­brau­cher­zen­tra­le Nordrhein-Westfalen.

Wie viel Geld lege ich zurück?

Die opti­ma­le Höhe des Not­gro­schens hängt von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab. Es exis­tiert aber eine gro­be Faust­for­mel. „In der Regel emp­feh­len Fach­leu­te drei Net­to-Monats­ge­häl­ter“, sagt Ralf Scher­f­ling. Wer 1500 Euro net­to ver­die­ne, brau­che dem­nach etwa 4500 Euro als Notgroschen.

Der Richt­wert ergibt sich aus den Erfah­run­gen von Verbraucherschützer:innen, Schul­den- und Finanzberater:innen. „Je mehr Ver­pflich­tun­gen jemand ein­ge­gan­gen ist, des­to grö­ßer muss das Finanz­pols­ter aus­fal­len“, betont die Geld­be­ra­te­rin Par­thum. Wer ver­schie­de­ne Men­schen mit­fi­nan­zie­re – etwa die eige­nen Eltern, Kin­der oder den Mann – soll­te ruhig sechs Net­to­ge­häl­ter zurück­le­gen“, meint sie.

Was die kon­kre­te Höhe der Rück­la­ge angeht, spielt die eige­ne Psy­che eben­falls eine wich­ti­ge Rol­le. Man­che Men­schen haben ein star­kes Bedürf­nis nach Sicher­heit. „Eini­ge benö­ti­gen mög­lichst 20.000 Euro extra auf dem Kon­to, ansons­ten füh­len sie sich nicht wohl“, weiß Par­thum aus Erfahrung.

Ande­re machen sich dar­über aber gar kei­ne Gedan­ken. „Die müs­sen erst ler­nen, wie wich­tig es ist, Geld für schlech­te Tage vor­zu­hal­ten“, betont die Öko­no­min. Gene­rell soll­te man eine Rück­la­ge in Höhe von drei bis sechs Net­to-Monats­ge­häl­tern anpeilen.

Muss ich besondere Risiken abdecken?

Vie­le Solo-Selbst­stän­di­ge hat die Coro­na-Kri­se finan­zi­ell aus der Kur­ve gewor­fen. Von einem Tag auf den ande­ren bra­chen Auf­trä­ge weg. Das zeigt: Wer frei­be­ruf­lich arbei­tet, muss sich nicht nur pri­vat ein Finanz­pols­ter zule­gen, son­dern auch für den Job.

Vie­le Unternehmer:innen wür­den das beruf­li­che Exis­tenz­ri­si­ko unter­schät­zen. „Freiberufler:innen und Selbst­stän­di­ge müs­sen drei Mona­te ohne Auf­trä­ge über­brü­cken kön­nen“, sagt Par­thum. Bei Ange­stell­ten bil­det der/die Arbeitgeber:in nor­ma­ler­wei­se sol­che Rück­la­gen, um even­tu­el­le Flau­ten finan­zi­ell aus­zu­glei­chen. Beam­te kön­nen auf den Staat vertrauen.

Die eige­ne Immo­bi­lie stellt meist die größ­te Inves­ti­ti­on im Leben vie­ler Men­schen dar. Damit der Wert erhal­ten bleibt, ist regel­mä­ßi­ge Pfle­ge uner­läss­lich. Das kos­tet. Irgend­wann muss das Dach erneu­ert wer­den oder ein Fens­ter­aus­tausch steht an. Wer in der eige­nen Woh­nung oder im eige­nen Haus lebt, muss sich neben dem pri­va­ten Sicher­heit­s­air­bag ein zusätz­li­ches Finanz­pols­ter aufbauen.

Bei einer Eigen­tums­woh­nung ent­schei­den die Eigentümer:innen gemein­sam in einer Ver­samm­lung über die Höhe der Rück­la­ge. Ansons­ten exis­tiert dafür eine Faust­for­mel: Ein Euro pro Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che gehört monat­lich auf die hohe Kan­te. Bei 100 Qua­drat­me­tern wären das 100 Euro pro Monat. „Die­se Reser­ve ist unab­hän­gig vom pri­va­ten Not­gro­schen“, betont der Finanz­ex­per­te Scherfling.

Wie sollte ich den Notgroschen nicht anlegen?

Das Kopf­kis­sen oder die Schrank­wand tau­gen jeden­falls nicht als Auf­be­wah­rungs­or­te für die Reser­ve. Den Not­gro­schen zu Hau­se als Bar­geld zu bun­kern, ist zu gefähr­lich. Haus­rat­ver­si­che­run­gen ent­schä­di­gen nach einem Ein­bruch oder einem Ver­lust nur bis zu einer bestimm­ten Höchstgrenze.

Das gute alte Spar­buch bie­tet sich zwar auf den ers­ten Blick an, ver­fügt aber über einen gro­ßen Nach­teil. Der Zugriff ist beschränkt. „Die Kun­den dür­fen bis zu 2.000 Euro pro Monat abhe­ben. Falls Ban­ken und Spar­kas­sen die Abhe­bung höhe­rer Beträ­ge ohne vor­he­ri­ge Kün­di­gung zulas­sen, dür­fen sie Vor­schuss­zin­sen ver­lan­gen. Das ist nicht fle­xi­bel genug“, schluss­fol­gert Ver­brau­cher­schüt­zer Scherfling.

Akti­en- oder Immo­bi­li­en­fonds kom­men eben­falls nicht als Anla­ge­pro­duk­te infra­ge. Die Kur­se an den Bör­sen schwan­ken zu sehr und bei Immo­bi­li­en­fonds kann es Pro­ble­me mit der spon­ta­nen Anteils­rück­ga­be geben. Selbst ein Giro­kon­to eig­net sich nur bedingt für den Not­gro­schen. Es dient in ers­ter Linie zur Abwick­lung des all­täg­li­chen Zah­lungs­ver­kehrs. „Befin­det sich das Finanz­pols­ter für Not­fäl­le auf einem Giro­kon­to, for­dert das die Wil­lens­stär­ke unnö­tig her­aus. Ist das Gan­ze zu einer statt­li­chen Sum­me her­an­ge­wach­sen, wird man irgend­wann ver­mut­lich schwach und gibt es doch aus“, mut­maßt die Geld­ex­per­tin Par­thum. Viel­leicht wirft man­che Spare­rin ver­stoh­len einen Blick auf diver­se Fest­geld­an­ge­bo­te. Die Top-Offer­ten mögen gele­gent­lich bei einem Pro­zent für ein Jahr lie­gen, das Pro­dukt eig­net sich trotz­dem nicht. „Wenn etwas geschieht, muss ich schließ­lich mor­gen oder über­mor­gen an das Geld her­an­kom­men. Das ist bei einem Fest­geld­kon­to nicht mög­lich“, warnt Ralf Scherfling.

Wo ist das Geld am besten aufgehoben?

Fach­leu­te emp­feh­len ein Tages­geld­kon­to, um den Not­gro­schen adäquat anzu­le­gen. Die­se Kon­ten gehör­ten vor eini­gen Jah­ren noch zu den abso­lu­ten Lieb­lin­gen kon­ser­va­ti­ver Anleger:innen.

Ihr größ­ter Vor­teil: Sie bie­ten viel Fle­xi­bi­li­tät, denn sie kön­nen − wie der Name schon deut­lich macht − täg­lich gekün­digt wer­den. Die Zahl attrak­ti­ver Offer­ten in die­sem Seg­ment hält sich der­zeit aber in Gren­zen. Gele­gent­lich ködern Ban­ken und Finanz­in­sti­tu­te Neu­kun­den mit einem Ein­stiegs­zins zum Hin­gu­cken. Das sind aber Ausnahmen.

In der Regel gilt: Die Ver­zin­sung liegt bei etwa null Pro­zent, wäh­rend die Infla­ti­on an dem Erspar­ten nagt. Nähe­re Infos dazu hier. „Das ist ärger­lich, aber lässt sich nicht ändern. Trotz­dem gehört das Geld auf ein Tages­geld­kon­to, denn dort kann man jeder­zeit etwas abhe­ben“, sagt Scherfling.

Doch was geschieht, wenn die Bank plei­te geht? Dann haben alle Kontoinhaber:innen einen Rechts­an­spruch dar­auf, ihr Geld bis zu 100.000 Euro (für Ehe­paa­re mit Gemein­schafts­kon­to 200.000 Euro) zurück­zu­be­kom­men. Dazu zäh­len auch Gut­ha­ben auf Tages­geld­kon­ten. Zin­sen, die zwar auf­ge­lau­fen, aber noch nicht gut­ge­schrie­ben wur­den, wer­den eben­falls erstat­tet. Die Kund:innen erhal­ten ihr Geld auto­ma­tisch zurück.

Was ist, wenn ich auf die Reserve zurückgreifen musste?

Danach bit­te wie­der auf­fül­len! Am bes­ten rich­tet man direkt einen Dau­er­auf­trag über eine fes­te Sum­me aufs Tages­geld­kon­to ein. „Ich kann nicht davon aus­ge­hen, jetzt sind der Kühl­schrank und die Wasch­ma­schi­ne neu, nun kann mir nichts mehr pas­sie­ren“, meint Scher­f­ling. Das Auto oder der Lap­top kön­nen immer noch kaputt gehen. Also heißt die Devi­se: Eisern spa­ren, damit sich das Pols­ter wie­der auf­füllt. Nicht umsonst lau­tet ein altes deut­sches Sprich­wort: Spa­re in der Zeit, dann hast du in der Not.

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