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    E-Euro, ©Todor Tsvetkov/iStock

Wann kommt der E‑Euro?

2021-11-12T12:56:25+01:0012. November 2021|

Papier­geld? Erfand man in der chi­ne­si­schen „Tang“-Dynastie. In Euro­pa setz­te sich die Idee erst gut 500 Jah­re spä­ter, also im 17. Jahr­hun­dert durch. Wird es nicht Zeit für etwas Neu­es wie den digi­ta­len Euro?

Von Mat­thi­as Lauerer

Mit dem Papier­geld ist es so eine Sache, denn die Men­schen lie­ben ihr Bares und wol­len davon nicht las­sen. Doch die Schei­ne sind schmut­zig. Stu­di­en zei­gen, dass die Mehr­heit aller US-Dol­lar mit Koka­in ver­un­rei­nigt sind. Auch dar­auf zu fin­den: Fäka­li­en. In einem 2002er Bericht des „Sou­thern Medi­cal Jour­nal“ wur­den auf 94 Pro­zent der unter­such­ten Dol­lar­schei­ne Krank­heits­er­re­ger gefun­den. Bedeu­tet: „La pla­ta“ ist das per­fek­te Umfeld für ekel­haf­te Mikro­ben. So lebt das Grip­pe­vi­rus bis zu 17 Tage lang auf der Baum­woll­mi­schung, die wir alle mit uns in der Geld­bör­se tragen.

E‑Euros und Co.

Reicht das nicht aus, um uns das Bar­geld aus­zu­re­den und auf digi­ta­le Zahl­me­tho­den umzu­stei­gen? Sicher über „Bit­coins“ und „Ethe­re­um“ reden wir. Doch was hat es mit den digi­ta­len Wäh­run­gen der Zen­tral­ban­ken, die nun ein­ge­führt wer­den, auf sich? Kurz: Wann kommt der digi­ta­le Euro?

Und Europa?

Im Janu­ar 2021 sag­te die „EZB“-Präsidentin Chris­ti­ne Lagar­de dazu, sie rech­ne mit „fünf Jah­ren, die man benö­ti­ge“, um alle „insti­tu­tio­nel­len, recht­li­chen und prak­ti­schen Aspek­te zur Schaf­fung eines digi­ta­len Euros zu klä­ren“. Bedeu­tet: Mit der Ein­füh­rung kön­nen wir also ab 2025/2026 rechnen.

Digitales Geld von der Zentralbank

Bli­cken wir kurz nach Chi­na, dem Vor­rei­ter des Papier­gel­des. Dort gibt es bereits die neue digi­ta­le Wäh­rung, aus­ge­ge­ben von der Zen­tral­bank. Formularende

Im April 2020 star­te­ten in vier Städ­ten Pilot­pro­gram­me für den elek­tro­ni­schen, staat­li­chen chi­ne­si­schen Yuan, kurz „e‑CNY“ – oder auch „Chi­ne­se Digi­tal Cur­ren­cy“ getauft. Bereits 2014 hat­te die „People’s Bank of Chi­na“ damit begon­nen, an der Idee des digi­ta­len Gel­des zu tüf­teln. Bald wird die Wäh­rung im gesam­ten 1,4 Mil­li­ar­den-Bür­ger Staat eingesetzt.

Herausforderung

Das neue, gesetz­li­che Zah­lungs­mit­tel muss von allen Fir­men und Händ­lern akzep­tiert wer­den und hat den­sel­ben Wert wie ein Yuan in Papier­form. Die Nut­zer tra­gen ihn in einer „E‑Wallet“-App mit sich. Xu Yuan, außer­or­dent­li­cher Pro­fes­sor am For­schungs­in­sti­tut für natio­na­le Ent­wick­lung der „Uni­ver­si­tät Peking“, erklär­te der Zei­tung „The Guar­di­an“: „Obwohl sich aus der Sicht der Nut­zer wenig ändert, ist dies aus der Per­spek­ti­ve der Zen­tral­bank­auf­sicht, der zukünf­ti­gen Finanz- und Zah­lungs­for­men, der Wirt­schaft und der sozia­len Gover­nan­ce die größ­te Ver­än­de­rung überhaupt.“

Wenn Maschinen Geld überweisen

Beim Por­tal „sparkasse.de“ heißt es über die­se Idee noch: „Einer der größ­ten Vor­tei­le wären sekun­den­schnel­le und kos­ten­güns­ti­ge Über­wei­sun­gen – auch über Lan­des­gren­zen hin­weg. Mit dem Inter­net ver­bun­de­ne Maschi­nen könn­ten auto­ma­ti­siert am Zah­lungs­ver­kehr teil­neh­men – und selbst­stän­dig Umsät­ze und Kos­ten buchen.“ Mög­lich wäre hier auch ein zwei­tes Bür­ger­kon­to für die Ver­wal­tung des E‑Geldes. Ein paar tau­send Euro könn­ten es sein, die auf jenes digi­ta­le Porte­mon­naie gela­den wer­den, um damit einzukaufen …

Vorteil E‑Euro?

Denn Bar­geld wird gestoh­len oder ver­legt, wäh­rend digi­ta­le Wäh­run­gen rela­tiv sicher sind. Elek­tro­ni­sches Hacken stellt zwar ein Risi­ko dar, wel­ches sich jedoch mit neu­en Tech­no­lo­gien beherr­schen lässt. Ein digi­ta­ler Euro wür­de Ille­ga­les behin­dern, denn das beruht auf den schnel­len Aus­tausch von ein paar Schei­nen wie beim Dro­gen­han­del, der Geld­wä­sche oder der Terrorismusfinanzierung.

Andere Staaten denken über das Thema nach

Auch in Japan und Schwe­den beginnt man nun mit der Erpro­bung von digi­ta­len Zen­tral­bank­wäh­run­gen und die „Bank of Eng­land“ berei­tet einen Ver­such im E‑Geld-Metier vor. Was dabei wirk­lich erstaunt: Auf den Baha­mas wur­de bereits die ers­te offi­zi­el­le Digi­tal­wäh­rung der Welt eingeführt.

Soziale und wirtschaftliche Folgen

Und die Risi­ken? Sicher wäre da der Ver­lust der Pri­vat­sphä­re zu nen­nen, den jene digi­ta­le Zen­tral­bank­wäh­run­gen mit sich brin­gen. Der E‑Euro könn­te die Pri­vat­sphä­re end­gül­tig begra­ben, wenn es um das Bezah­len von Rech­nun­gen geht. Senkt sich der Vor­hang der Geschich­te nun end­gül­tig über das Bar­geld? Steht das Ende des gelieb­ten Cash bevor? Denk­bar, doch Tot­ge­sag­te leben länger.


Interview mit dem Finanzwirtschaftler Professor Dr. Horst Gischer, 64, von der „Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg“, der seit 1994 als Hochschullehrer aktiv ist.

Prof. Dr. Horst Gischer

Prof. Dr. Horst Gischer, © ovGU Magdeburg

Courage Online: Halten Sie die Einführung des E‑Euro bis 2025 für machbar?

Prof. Gischer: „Dass die EZB bis 2025 den E‑Euro ein­führt, hal­te ich für rea­lis­tisch. Man muss sich jedoch auch über­le­gen, in wel­cher Wei­se die­ser elek­tro­ni­sche Euro aus­ge­stal­tet sein soll. Wenn ange­dacht wird, dass er ein voll­stän­di­ger Bar­geldersatz wird, dann hal­te ich die­se Idee für kritisch.“

Weshalb das?

„Der völ­li­ge Ver­zicht auf eine Pri­vat­sphä­re beim Geld­aus­ge­ben könn­te mög­li­cher­wei­se gesell­schafts­po­li­ti­sche Kon­se­quen­zen haben. Ich per­sön­lich möch­te nicht, dass man jede Trans­ak­ti­on, die ich mache, elek­tro­nisch kon­trol­liert. Wie ich es sehe, plant die EZB nicht die Abschaf­fung des gesam­ten Bar­gel­des, son­dern möch­te statt­des­sen nur eine elek­tro­ni­sche Platt­form für den Zah­lungs­ver­kehr schaf­fen und hat dafür gute öko­no­mi­sche Gründe.“

Wo sehen Sie Schwierigkeiten?

„Die Pro­ble­me lie­gen, wie­so häu­fig im Detail, denn: Wie soll die­se Platt­form aus­se­hen? Ist sie nur ope­ra­tiv? Oder gilt dann: Alle, die E‑Euros ver­sen­den möch­ten, müs­sen dann auch über ein Kon­to bei der EZB ver­fü­gen. Dies wird die EZB nicht wol­len, folg­lich muss eine enge Koope­ra­ti­on mit allen euro­päi­schen Geschäfts­ban­ken statt­fin­den. Hier sehe ich Imple­men­ta­ti­ons­schwie­rig­kei­ten, weil die­ses Ver­fah­ren Trans­ak­ti­ons­kos­ten ver­ur­sacht, über die sich die Ver­trags­part­ner ver­stän­di­gen müss­ten. Hier scheint mir im Augen­blick das letz­te Wort noch nicht gespro­chen zu sein.“

Weshalb prescht China beim Thema vor?

„Ich den­ke, hier hilft ein Blick auf das Gesell­schafts­sys­tem, denn bei Chi­na han­delt es sich um einen tota­li­tä­ren Staat, der an der Über­wa­chung der Bür­ger inter­es­siert ist. Die Ein­füh­rung einer elek­tro­ni­schen Wäh­rung ist ein wun­der­ba­res Instru­ment um damit her­aus­zu­fin­den, was die Bür­ger mit ihrem Geld anfangen.“

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Moder­ne Geldmacher:innen sind anders: die Span­ne reicht heu­te von einer kon­ser­va­ti­ven EZB-Prä­si­den­tin wie Chris­ti­ne Lagar­de bis hin zum schil­lern­den Kar­da­shi­an-Clan. Sie eint ihre gute Bezie­hung zu Geld.

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