Startseite/Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest
  • Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest, ©Robert Kneschke - stock.adobe.com

Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest

2022-06-24T12:38:25+02:0024. Juni 2022|

Die Kur­se stei­gen und du willst schnell auf den fah­ren­den Zug auf­sprin­gen? Oder sie fal­len und du willst den Moment zum Ein­stieg nut­zen? Super, wenn du inves­tie­ren willst. Aber ein paar Vor­aus­set­zun­gen braucht es, damit es auch funk­tio­niert. Hilft ja nichts, wenn du nach eupho­ri­schem Start auf­ge­ben musst, weil die Vor­aus­set­zun­gen ein­fach (noch) nicht pas­sen. 

Von Ant­je Erhard

So wich­tig die Geld­an­la­ge für die eige­ne Zukunft auch ist – es gibt durch­aus Grün­de, war­um und wann du (noch) nicht inves­tie­ren soll­test. Aber die las­sen sich schnell behe­ben… 

Mar­ga­re­the Honisch ali­as For­tu­na­lis­ta, Blog­ge­rin und Finanz­couch, die 2017 das Unter­neh­men For­tu­na­lis­ta gegrün­det hat, um Frau­en den Weg zu Finanz­wis­sen zu ebnen, sagt, dass du zum einen „über aus­rei­chend Wis­sen ver­fü­gen soll­test“. Wich­ti­ge Fra­gen, die man beant­wor­ten kön­nen muss, sind zum Bei­spiel: ‚Wie ent­ste­hen Akti­en­kur­se?’, ‚ Was wirkt sich dar­auf aus?’,  ‚Wie sen­ke ich mein Risi­ko?’,  ‚Wie wäh­le ich Akti­en oder ETFs aus?’“ Das sei grund­le­gen­des Basis­wis­sen. „Wenn ich das noch nicht habe, dann lie­ber erst ein­mal in die eige­ne Bil­dung inves­tie­ren“, rät Mar­ga­re­the Honisch. 

Dar­über hin­aus fin­det sie den eige­nen Not­gro­schen uner­läss­lich: „Wer sein gesam­tes Geld in Akti­en steckt, ohne Rück­la­gen zu haben, lebt extrem ris­kant.“ Doch damit nicht genug: Die erfah­re­ne Bör­sen­ex­per­tin weiß, wie wich­tig auch die Selbst­ein­schät­zung ist. Dazu gehö­re das eige­ne Risi­ko­pro­fil: „Wenn ich tat­säch­lich zu ängst­lich bin, um an der Bör­se zu inves­tie­ren, dann lie­ber auf ande­re Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten aus­wei­chen. Am Ende des Tages sol­len mir mei­ne Invest­ments eine siche­re Zukunft und kei­ne schlaf­lo­sen Näch­te berei­ten.“ 

Margarethe Honisch: Wissen aufbauen und dann anfangen

Mar­ga­re­the Honisch inves­tiert selbst seit mehr als zehn Jah­ren an den Bör­sen. Am Anfang stand die Infor­ma­ti­on, das Wis­sen – so wie sie es auch in ihren Semi­na­ren und Coa­chings rät: 

„Ich habe mich über Bücher und Semi­na­re infor­miert und dann ein­fach los­ge­legt.“ Zunächst habe sie mit einem ETF, spä­ter auch in Ein­zel­ak­ti­en inves­tiert. Ihr Tipp gera­de an Frau­en: „Grund­le­gen­des Wis­sen auf­bau­en, aber dann auch zeit­nah mit der Umset­zung star­ten. Durch die Theo­rie allein kann ich mich nicht absi­chern. Mei­ner Mei­nung nach lernt man ein Drit­tel in der Theo­rie und zwei Drit­tel dann in der Pra­xis. Also nur Mut!“ 

Courage-online.de hat die wich­tigs­ten Punk­te für dich zusam­men­ge­fasst, damit es mit dem Inves­tie­ren klappt – wenn nicht gleich, dann spä­ter: 

Punkt 1: Keine Übersicht

Zunächst brauchst du eine Über­sicht über dei­ne finan­zi­el­le Situa­ti­on: Was nimmst du monat­lich ein, was geht monat­lich raus? Das siehst du schnell, wenn du die Kon­to­aus­zü­ge der ver­gan­ge­nen Mona­te checkst oder eine Zeit­lang ein Haus­halts­buch / eine Haus­halts-App führst. Dann sind unnö­ti­ge Kos­ten­fres­ser schnell iden­ti­fi­ziert und aus­ge­mis­tet.  

Punkt 2: Kein Budget

Du hast noch kein Bud­get, das du monat­lich inves­tie­ren möch­test oder kannst? Die Kos­ten­fres­ser aus Punkt 1 sind die per­fek­te Gele­gen­heit, sie lang­fris­tig in klin­gen­de Mün­ze umzu­set­zen. Und Klein­vieh macht auch Mist: Schon 25 Euro zah­len sich lang­fris­tig an der Bör­se aus. Bei 5 Pro­zent Ren­di­te über 20 Jah­re Invest­ment erhältst du am Ende vor Steu­ern 10.319 Euro.  

Grund­sätz­lich kann eine Auf­tei­lung der Ein­nah­men nach 50–30-20-Regel hel­fen: 50 Pro­zent der Ein­nah­men für alle Fix­kos­ten, 30 Pro­zent für Frei­zeit und Spaß und 20 Pro­zent für die Geld­an­la­ge bzw. Vor­sor­ge. Wenn du das nicht schaffst, weni­ger ist bes­ser als gar nichts. Je nach Lebens­pha­se ändert sich unser Ein­kom­men stark. Du kannst von jeder Gehalts­er­hö­hung oder Steu­er­erstat­tung etwas inves­tie­ren. Eini­ge schaf­fen viel­leicht eine Auf­tei­lung 50–25-25. Oder 50–20-30. Aber das muss jede:r für sich her­aus­fin­den. Das Wich­tigs­te ist die kon­se­quen­te Umset­zung: Schon am Monats­an­fang soll­te das Geld auto­ma­tisch ver­teilt wer­den.  

Punkt 3: Kapital aber keine Ahnung.

Du hast das Geld, aber du weißt nicht, was du damit machen sollst? Bör­se ist wirk­lich nicht schwer. Aber ohne Stra­te­gie und etwas Wis­sen geht nichts. Ver­schaff dir einen ers­ten Über­blick, ein ers­tes Basis­wis­sen, wie Mar­ga­re­the Honisch schon erklärt hat. Und ken­ne dei­ne Mög­lich­kei­ten und Gren­zen: Wel­cher Typ Anle­ge­rin bist du: Sehr vor­sich­tig, kon­ser­va­tiv, ertrags­ori­en­tiert oder risi­ko­af­fin? Danach rich­ten sich die Anla­ge­for­men, in die du inves­tie­ren kannst bzw. soll­test. 

Wel­che Anla­ge­for­men gibt es – wel­che pas­sen hin­sicht­lich Chan­cen und Risi­ken zu dir? 

Wer noch nicht gleich mit Akti­en los­le­gen kann und möch­te, kann zunächst brei­ter in Fonds oder ETFs inves­tie­ren. Wich­tig ist die Ver­tei­lung des Kapi­tals auf meh­re­re Anla­gen, um das Risi­ko zu ver­tei­len. 

Wie lan­ge willst du inves­tie­ren, wel­che Län­der, Regio­nen, Bran­chen kom­men in Fra­ge? Unter­schied­li­che Anla­ge­klas­sen, Län­der, Regio­nen, Bran­chen ber­gen unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten und unter­schied­li­che Risi­ken. Du musst wis­sen, wo du inves­tierst. Ein lang­fris­tig glo­bal anle­gen­der ETF oder Fonds wie ein MSCI All Coun­try, MSCI World oder S&P 500 ist ein guter Anfang für den Ver­mö­gens­auf­bau. Dage­gen erhöht sich aber das Risi­ko, wenn ein Pro­dukt nicht breit genug auf­ge­stellt ist, wenn es etwa in ein Land oder eine Bran­che inves­tiert. 

Wel­che Ren­di­ten erwar­test du, wel­che Risi­ken kannst du aus­hal­ten? Setz dir rea­lis­ti­sche Zie­le. Fünf Pro­zent Ren­di­te mit einem ETF Jahr für Jahr sind bes­ser als ein­mal ein Lucky Punch vor lau­ter Anfän­ger­glück und dann nur Ver­lus­te…  

Punkt 4: Keine Rücklagen

Du brauchst einen Not­gro­schen. Und der ist nicht in dei­nem Depot, son­dern auf einem eige­nen Tages­geld­kon­to. Damit bist du für Even­tua­li­tä­ten gerüs­tet. Ent­schei­de selbst rea­lis­tisch, wie viel das sein soll. Und: never touch the Not­gro­schen. 

Punkt 5: Schulden

Da gehen die Mei­nun­gen aus­ein­an­der: Vie­le sagen: Zah­le erst dei­ne Schul­den zurück und inves­tie­re dann. Ich bin da ande­rer Mei­nung. Ich fin­de es sinn­vol­ler, par­al­lel zum Schul­den­ab­bau schon Kapi­tal auf­zu­bau­en, um nicht „danach“ bei Null anzu­fan­gen. Und wenn die Schul­den getilgt sind, kannst du ja mit dem frei­ge­wor­de­nen Kapi­tal wei­ter inves­tie­ren. Dann hast du auch schon etwas Erfah­rung und siehst wie der Hase bzw. die Bör­se läuft. In einem sind sich aber alle einig: Kei­ne Schul­den für die Bör­se: Inves­tie­re nie gelie­he­nes Kapi­tal.  

Punkt 6: Zeitraum

Die Bör­se funk­tio­niert lang­fris­tig, ab zehn Jah­ren. Wenn du dein Kapi­tal in zwei, drei Jah­ren wie­der benö­tigst, macht Bör­se kei­nen Sinn: Denn stell dir vor, gera­de dann fal­len die Märk­te oder cras­hen sogar. Wenn du genau dann das Kapi­tal brauchst, musst du unter Umstän­den mit Ver­lust ver­kau­fen. Und wer will das schon. 

Unser gra­tis Newsletter

Noch mehr Infos für dich

Dir hat der Artikel gefallen? Jetzt teilen...

Nach oben