• Volatilität bei Aktien
    Volatilität bei Aktien, ©primeimages/iStock

Volatilität bei Aktien: Auch das ist die Börse

2022-05-02T12:05:05+02:002. Mai 2022|

Akti­en schwan­ken. Das schreckt vie­le ab, an der Bör­se zu inves­tie­ren. Muss es aber nicht. 

Von Ant­je Erhard

Alle Wert­pa­pie­re schwan­ken – von Akti­en über Anlei­hen und Roh­stof­fe bis hin zu Edel­me­tal­len. Kurs­schwan­kun­gen gehö­ren zur Bör­se, sie sind völ­lig nor­mal. Das Auf und Ab an der Bör­se heißt Vola­ti­li­tät. Sie ist die Kenn­zif­fer für das Aus­maß der Kurs­schwan­kun­gen an der Bör­se. Sie ist neben der Ren­di­te eine wich­ti­ge Kenn­zif­fer, um ein Wert­pa­pier zu ana­ly­sie­ren bzw. zu bewer­ten. Vola­ti­li­tät, auch Vola genannt, ist dabei ein wich­ti­ger Risi­ko-Indi­ka­tor. Abzu­le­sen ist sie an den Zick-Zack-Kur­ven eines Charts. Aber Ach­tung: Die Vola­ti­li­tät drückt aus, wie breit die Schwan­kung aus­fal­len könn­te. Sie sagt nichts über die Rich­tung, ob auf­wärts oder abwärts, aus. 

Am häu­figs­ten wird die so genann­te Stan­dard­ab­wei­chung benutzt. Sie stellt fest, inwie­weit ein Wert­pa­pier wie etwa eine Aktie in einem bestimm­ten Zeit­raum von ihrem Mit­tel­wert abweicht. Je grö­ßer die Abwei­chung von die­sem Wert ist, des­to risi­ko­rei­cher ist das Invest­ment. Eine Vola­ti­li­tät von zehn Pro­zent wür­de bedeu­ten, dass die Aktie um zehn Pro­zent um ihren Mit­tel­wert schwan­ken kann – nach oben oder unten. 

Der maxi­ma­le Draw­down ist ein wei­te­res Risi­ko­maß: Die Dif­fe­renz aus dem Höchst­stand und dem Tiefst­stand über eine bestimm­te Zeit ergibt die­sen so genann­ten maxi­ma­len Ver­lust. Je höher die­ser Pro­zent­wert ist, des­to grö­ßer ist der mög­li­che Ver­lust. 

Woher kommt Volatilität?

Vola­ti­li­tät gibt es, weil sich Ange­bot und Nach­fra­ge an den Kapi­tal­märk­ten nach Wert­pa­pie­ren stän­dig ändern. Anleger:innen reagie­ren zum Bei­spiel auf Unter­neh­mens­nach­rich­ten. Der­zeit prägt bei­spiels­wei­se die Berichts­sai­son das Gesche­hen. Außer­dem sind Kon­junk­tur-Mel­dun­gen wich­tig, etwa zur Infla­ti­on, zum Wirt­schafts­wachs­tum etc. Aktu­ell müs­sen wir auch wie­der ver­stärkt poli­ti­sche Ereig­nis­se und Ent­schei­dun­gen in unse­re Über­le­gun­gen zur Geld­an­la­ge ein­be­zie­hen, weil der Ukrai­ne-Krieg Aus­wir­kun­gen in vie­ler­lei Rich­tun­gen hat: Die Ent­wick­lun­gen der Ölprei­se und Roh­stof­fe, die Ver­sor­gung mit Nah­rungs­mit­teln, die Sicher­heits­la­ge und vie­les mehr. Seit eini­gen Mona­ten wir­beln Noten­bank-Ent­schei­dun­gen wie aktu­ell die ers­ten Zins­er­hö­hun­gen in den USA die Kur­se durch­ein­an­der. Sie sind nötig, um auf die stei­gen­de Infla­ti­on zu reagie­ren. Breit gestreut zu inves­tie­ren, kann hel­fen, Risi­ken zu sen­ken. 

Wo findest du Angaben zur Volatilität?

Die Vola­ti­li­tät kannst du able­sen im CBOE Vola­ti­li­ty Index VIX: Er drückt die erwar­te­te Schwan­kungs­brei­te der Opti­ons­prei­se auf den S&P 500 über 30 Tage aus. Der VDAX new berech­net die impli­zi­te Vola­ti­li­tät für die nächs­ten 30 Tage auf Basis der DAX-Optio­nen, die an der EUREX gehan­delt wer­den. Die EUREX ist eine der größ­ten Ter­min­bör­sen der Welt für Futures und Optio­nen. 

Die Vola­ti­li­täts­in­di­zes wer­den auch „Angst­ba­ro­me­ter“ genannt. Denn hohe Wer­te wei­sen auf eine hohe Ver­un­si­che­rung der Marktteilnehmer:innen hin, nied­ri­ge Wer­te geben Hin­wei­se auf gerin­ge Kurs­schwan­kun­gen. 

Implizite Volatilität

Gera­de habe ich einen Begriff erwähnt: Impli­zi­te Vola­ti­li­tät. Was ist das? Die impli­zi­te Vola­ti­li­tät spie­gelt die künf­ti­ge erwar­te­te Schwan­kung von Wert­pa­pie­ren wider. Sie kann weit von der his­to­ri­schen Vola­ti­li­tät, die die Schwan­kun­gen der Ver­gan­gen­heit abbil­det, abwei­chen.  

Die impli­zi­te Vola­ti­li­tät ist vor allem im Opti­ons­han­del bei der Aus­wahl der Opti­ons­stra­te­gie ent­schei­dend. Hier zeigt die Vola­ti­li­tät, wel­che Schwan­kungs­prei­se des Basis­wer­tes (das kann eine Aktie, ein Index, eine Wäh­rung sein) wäh­rend der Lauf­zeit der Opti­on zu erwar­ten ist. Je höher der Wert aus­fällt, des­to grö­ßer ist das Risi­ko. All­ge­mein kann man sagen, je nied­ri­ger die Vola einer Opti­on ist, des­to güns­ti­ger ist sie. 

Grund­sätz­lich sind Akti­en schwan­kungs­an­fäl­li­ger als bei­spiels­wei­se Anlei­hen. So hat der glo­ba­le Akti­en­in­dex MSCI World auf Sicht von einem Jahr eine Vola­ti­li­tät von etwa 13 Pro­zent, der Bund Future als deut­sche Bench­mark-Anlei­he hin­ge­gen von 6,8 Pro­zent. 

Aller­dings: Ren­di­te ohne Risi­ko gibt es an den Kapi­tal­märk­ten nicht. Vie­le Men­schen mei­den die Bör­se, weil sie Angst haben, dort ihr Geld zu ver­lie­ren. Die Kur­se schwan­ken in der Tat zum Teil stark. 

Volatilität ist auch eine Chance

Vola­ti­li­tät ermög­licht aber auch Chan­cen an den Bör­sen. So haben Akti­en in der Regel eine deut­lich höhe­re Vola­ti­li­tät als Anlei­hen oder Wäh­run­gen oder Roh­stof­fe. Sie ber­gen damit ein höhe­res Risi­ko, aber eben auch Chan­cen auf Kurs­ge­win­ne. Aller­dings gilt dabei: Lang­fris­tig inves­tie­ren. Denn Stu­di­en erge­ben, dass sich Invest­ments in Stan­dard­ak­ti­en wie den DAX oder Dow Jones nach 15 Jah­ren immer ren­tiert haben. Zu jeder Zeit. Kurz­fris­tig ist Vola­ti­li­tät etwas, was du aus­hal­ten kön­nen soll­test. Lang­fris­tig ver­liert die Vola an Bedeu­tung, je län­ger du inves­tiert bist.  

Doch Vola­ti­li­tät bringt Bewe­gung an den Kapi­tal­märk­ten. Die brau­chen die Marktteilnehmer:innen für den Ein- und Aus­stieg. Tra­der, die sehr kurz­fris­tig agie­ren, sehen hier vor allem Chan­cen. Stellst du Ren­di­te und Vola­ti­li­tät eines Wert­pa­pie­res gegen­über, erkennst du, wie viel Risi­ko du ein­ge­hen muss­test, um die­se Ren­di­te zu errei­chen. Die­se Schwan­kun­gen – und die damit ver­bun­de­nen Risi­ken – kannst du aber begren­zen, indem du dein Port­fo­lio breit streust. Diver­si­fi­ka­ti­on heißt das. Das Kon­zept der Port­fo­lio-Kon­struk­ti­on aus Vola­ti­li­tät und Ren­di­te ist kei­nes­wegs neu: Schon in den 1960er Jah­ren ent­stand die „Port­fo­lio­theo­rie“ 

Volatilität ist auch handelbar

Vola-Indi­zes wie der VIX oder der VDAX new sind nicht nur für die Ana­ly­se sinn­voll, es gibt auch Pro­duk­te, mit denen du Vola­ti­li­tät han­deln kannst. Das geht einer­seits spe­ku­la­tiv, ande­rer­seits auch zur Absi­che­rung von Posi­tio­nen. Du kannst Futures oder Optio­nen auf die Vola-Indi­zes han­deln. So genann­ten Low-Vola-Stra­te­gien set­zen auch auf Akti­en, Fonds oder ETFs bzw. ETNs, die wenig schwan­ken und damit weni­ger Risi­ken ber­gen. Vor unter­neh­me­ri­schen Ein­zel­ri­si­ken schützt auch die­se Stra­te­gie nicht, aber die brei­te Streu­ung ist auch hier ein pro­ba­tes Mit­tel, um Risi­ken zu redu­zie­ren.  

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