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Verrückte Indizes: Der Lipstick-Index – Rote Lippen als Inflationsindikator

2022-08-01T10:33:39+02:0031. Juli 2022|

Lip­pen­stif­te als Infla­ti­ons- und Rezes­si­ons-Indi­ka­to­ren? Alles Quatsch oder doch ein Körn­chen Wahr­heit? 

Von Ant­je Erhard

Zuge­ge­ben, der­zeit braucht man kei­ne Hilfs­mit­tel, um zu mer­ken, dass wir eine hohe Infla­ti­on haben. Vor allem Lebens­mit­tel- und Ener­gie­prei­se trei­ben die Teue­rung und machen sie zur größ­ten Sor­ge von uns Deut­schen der­zeit. Das ergab unter ande­rem eine Umfra­ge des Ver­si­che­rers Alli­anz unter 1.000 Men­schen hier­zu­lan­de. 

Vie­le spa­ren, so gut es geht, aber eini­ge Pro­duk­te lau­fen gera­de jetzt beson­ders gut: In Zei­ten wie die­sen, wenn die Wirt­schaft kri­selt, wer­den bei­spiels­wei­se mehr Lip­pen­stif­te als in wirt­schaft­lich rosi­gen Zei­ten ver­kauft. Doch wie passt der (stei­gen­de) Kon­sum von Kos­me­tik zur all­ge­mei­nen Kon­sum­zu­rück­hal­tung wegen stei­gen­der Prei­se?  

Nun, genau jetzt wer­den güns­ti­ge­re Luxus-Pro­duk­te gekauft: Zum Bei­spiel Lip­pen­stif­te statt teu­rer Hand­ta­schen oder Schu­he. Die­ses Phä­no­men ent­deck­te der Kos­me­tik-Her­stel­ler Leo­nard Lau­der von Esteé Lau­der und nann­te es Lip­s­tick-Index. Seit 1929 ist der Lip­s­tick-Index sozu­sa­gen ein Wirt­schafts­in­dik­ta­tor. Und stell­te sich oft als prak­ti­ka­bel her­aus: Sowohl in der Kri­se nach 9/11 im Jahr 2001 wie auch zur Finanz­kri­se, als eine Rezes­si­on um sich griff, stieg der Umsatz mit Lip­pen­stif­ten, auch in Deutsch­land. 

Lippenstifte – am stärksten wachsendes Kosmetik-Segment

Und tat­säch­lich sind Lip­pen­stif­te das am stärks­ten wach­sen­de Kos­me­tik-Seg­ment in die­sem Jahr, bele­gen Zah­len des Markt­for­schers NPD Group. So sei­en die Umsät­ze mit Lip­pen-Pro­duk­ten im ers­ten Quar­tal um 48 Pro­zent gestie­gen, ist im Make-up-Ver­brau­cher-Bericht des Markt­for­schers zu lesen. Natür­lich spielt hier auch die Mas­ken­pflicht der Pan­de­mie eine Rol­le: Wer Mas­ke trägt, braucht kei­nen Lip­pen­stift. Aller­dings sei wäh­rend der Pan­de­mie die Nach­fra­ge nach Augen-Make-up stark gestie­gen, um den Fokus auf die obe­re Gesichts­par­tie zu len­ken.  

Pandemie-Rückgänge mehr als wettgemacht

Doch die Zah­len wür­den nun nach Anga­ben der Markt­for­scher bele­gen, dass die Rück­gän­ge des Vor­jah­res mehr als wett­ge­macht sei­en. Sie zeig­ten, dass die wirt­schaft­li­chen Sor­gen unter den Verbraucher:innen zuneh­men – aber zugleich auch die Lip­pen­stift-Käu­fe. 

Kritiker:innen füh­ren jedoch ins Feld, dass der Absatz von Lip­pen­stif­ten schwer zu ermit­teln ist: Vie­le Unter­neh­men wei­sen die Pro­dukt-Kate­go­rie gar nicht ein­zeln aus. Außer­dem reich­ten ihnen die vor­han­de­nen Daten bzw. Kri­sen nicht aus, um einen Wirt­schafts­in­dex dar­aus abzu­lei­ten: Offi­zi­el­le Wirt­schafts­in­di­ka­to­ren sei­en über­prüf­bar und basier­ten auf Kenn­zah­len von Unter­neh­men. Das sei beim Lip­s­tick-Index nicht der Fall.

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