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  • Der Freightos Baltic-Index gibt an, wie teuer es gerade ist, einen Container über die Meere zu verschiffen, ©Yellow Boat - stock.adobe.com

Verrückte Indizes: Der Freightos Baltic-Index – Container machen Konjunktur

2022-08-08T13:02:38+02:008. August 2022|

Der Freigh­tos Bal­tic-Index gibt an, wie teu­er es gera­de ist, einen Con­tai­ner über die Mee­re zu ver­schif­fen. Für den Han­del welt­weit ist der See­weg der wich­tigs­te Trans­port-Weg. Er mag sei­ne Zeit brau­chen, ist aber güns­ti­ger als die meis­ten ande­ren Trans­port-Mög­lich­kei­ten. Sei­ne Preis­ent­wick­lung ist damit ein wich­ti­ger Früh­in­di­ka­tor für den inter­na­tio­na­len Han­del.  

Von Ant­je Erhard

Der Freigh­tos Bal­tic-Index wird täg­lich berech­net: 12 Schiffs­rou­ten zwi­schen Asi­en, Euro­pa und den USA sind dafür die Basis. Die Berech­nungs­grund­la­ge ist der Preis für die Ver­schif­fung eines Stan­dard-Con­tai­ners von 40 Fuß Grö­ße auf die­sen Rou­ten. Der Index ergibt sich aus den durch­schnitt­li­chen Prei­sen inklu­si­ve aller Zuschlä­ge. Der Freigh­tos Bal­tic-Index (FBX) wird von der Bal­tic Exchan­ge, einer Mit­glie­der-Orga­ni­sa­ti­on der Schiff­fahrt-Indus­trie und Fracht­da­ten-Pro­vi­der, sowie von Freigh­tos, einer inter­na­tio­na­len Fracht­bu­chungs-Platt­form, ver­öf­fent­licht. 

Anonymisierte Echtzeit-Daten von 12 globalen Routen 

Dazu wer­den fort­lau­fend anony­mi­sier­te Echt­zeit-Daten von meh­re­ren Fracht- und Ver­la­de-Unter­neh­men sowie Spe­di­teu­ren gesam­melt. Dar­aus ergibt sich die Fracht-Rate für eine bestimm­te Schiff­fahrts­rou­te. Der FBX ist der ein­zi­ge täg­li­che Fracht­ra­ten­in­dex und der ein­zi­ge, der EU-regu­liert ist. Er gilt als wich­ti­ger Indi­ka­tor für die Schiff­fahrt, aber auch für Schiff­fahrts­ak­ti­en.  

So hat die Aktie des deut­schen Logis­ti­kers Hapag-Lloyd seit 2021 rasant zuge­legt. Trotz aller Kon­junk­tur- und Rezes­si­ons­sor­gen stieg sie im Mai auf ein All­zeit­hoch, um danach deut­lich nach­zu­ge­ben. Die Titel der schwe­di­schen Ree­de­rei Wal­le­ni­us Wil­helm­sen haben auf Jah­res­sicht sogar fast 150 Pro­zent gewon­nen, aller­dings war sie mit Pan­de­mie-Beginn auch hef­tig ein­ge­bro­chen. Eben­falls an der Bör­se gelis­tet ist der nor­we­gi­sche Öl-Trans­por­teur Front­li­ne. Auch hier haben Anleger:innen in den ver­gan­ge­nen Mona­ten Kurs­ge­win­ne ver­zeich­net – nach dem pan­de­misch übli­chen Ein­bruch der Bran­che. Aller­dings hat die Aktie noch längst nicht wie­der ihr Hoch von vor der Pan­de­mie, im Janu­ar 2020, erreicht. 

Zu Beginn der Coro­na-Pan­de­mie gab es einen star­ken Anstieg: Die Men­schen in Euro­pa waren gezwun­ge­ner­ma­ßen zu Hau­se und haben über­durch­schnitt­lich viel kon­su­miert. Und die meis­ten Waren kamen bzw. kom­men aus Chi­na. Das hat­te die Fracht-Prei­se für Con­tai­ner in absur­de Höhen getrie­ben:  

Extreme Preissteigerungen – Pandemie-Boom 

Seit sei­ner Auf­la­ge Ende 2016 bis Juni 2020 pen­del­ten die Fracht-Raten im FBX zwi­schen 1.200 und 1.600 US-Dol­lar. Doch dann zogen die Prei­se an: So hat sich der Index von Mit­te Novem­ber 2020 bis Sep­tem­ber 2021 mehr als ver­vier­facht: Mit 11.109 US-Dol­lar pro Con­tai­ner stand der Index am 10. Sep­tem­ber 2021 so hoch wie nie. Es gab ein­fach zu vie­le zu trans­por­tie­ren­de Waren für zu wenig vor­han­de­ne Schif­fe.  

Seit­dem sind die Fracht-Raten erheb­lich gesun­ken, aller­dings längst nicht auf das Vor-Pan­de­mie-Niveau von etwa 1.300 US-Dol­lar. Der FBX stürz­te zuletzt auf 6.210 US-Dol­lar: Kon­junk­tur-Pes­si­mis­mus macht sich breit: Wäh­rend im ver­gan­ge­nen Jahr die Fracht-Prei­se stie­gen, sin­ken sie in die­sem Jahr, die Ladungs­men­gen aus Asi­en blei­ben wei­ter unter den Erwar­tun­gen. In den Häfen stau­ten sich noch vor weni­gen Wochen die Schif­fe, sowohl in Ham­burg als auch in Shang­hai oder Rot­ter­dam. Das hat vie­le Grün­de: Seit der Pan­de­mie ver­spä­ten sich die Schif­fe immer mehr, dann muss umge­plant wer­den.  

Außer­dem gibt es immer weni­ger Lkw-Fah­rer. Das liegt unter ande­rem auch dar­an, dass die Fah­rer aus der Ukrai­ne nicht mehr dem Markt zur Ver­fü­gung ste­hen. Allein in Chi­na in Shang­hai und Zhe­jiang steck­ten Anfang Juli vier Pro­zent der Fracht-Kapa­zi­tä­ten welt­weit fest. Mit der Schlie­ßung der chi­ne­si­schen Häfen wäh­rend der Lock­downs konn­ten vie­le Schif­fe nicht fah­ren. Es gab Staus aller­or­ten. In den USA, vor­nehm­lich an der West­küs­te, habe sich die Lage indes­sen gebes­sert. Die Bera­tungs­ge­sell­schaft Dre­wry erwar­tet einen kon­junk­tu­rel­len Abschwung der Con­tai­ner-Schiff­fahrt nach dem Pan­de­mie-Boom, aller­dings kei­nen abrup­ten Ein­bruch. Die Infla­ti­on belas­te die Aus­sich­ten. 

Neben dem Freigh­tos Bal­tic-Index gibt es den Shang­hai Con­tai­ne­ri­zed Freight Index (SCFI) zur Berech­nung von Fracht-Raten. Er wur­de 2005 in Chi­na ins Leben geru­fen und wird von KPMG über­prüft. Er wird vor allem für Preis­fest­stel­lun­gen für Schiffs­be­we­gun­gen von und nach Shang­hai ver­wen­det. Künf­tig soll es auch einen Index für Luft­fracht geben. 

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