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Vermögenswirksame Leistungen: Sparen zur Chef:innensache machen

2021-06-13T10:40:59+02:0010. Juni 2021|

Ande­re für sich spa­ren las­sen? Klingt zu schön, um wahr zu sein – ist es aber. Abhän­gig Beschäf­tig­te kön­nen ihren Chef oder ihre Che­fin für sich spa­ren las­sen. Wie das gelingt, erklärt courage-online.de Schritt für Schritt.

Vie­le Unter­neh­men zah­len frei­wil­lig Geld zum Gehalt dazu: bis zu 40 Euro im Monat gibt es als „Ver­mö­gens­wirk­sa­me Leis­tun­gen“ (VL). Was nach wenig klingt, kann wirk­sam auf ein klei­nes Ver­mö­gen anwach­sen. In 45 Arbeits­jah­ren kön­nen bis zu 21.600 Euro an VL-Zah­lun­gen flie­ßen. Dazu kom­men Zin­sen und even­tu­ell staat­li­che För­de­run­gen. Aller­dings: Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer müs­sen selbst aktiv wer­den, um die­se Zusatz­leis­tung zu erhalten.

1. Schritt: Informieren

Abhän­gig Beschäf­tig­te, Beamt:innen und Aus­zu­bil­den­de kön­nen VL erhal­ten. Teil­zeit­be­schäf­tig­te erhal­ten die Zah­lung in der Regel antei­lig. Meist regelt der Tarif- oder Arbeits­ver­trag, ob und in wel­cher Höhe VL gezahlt wer­den. Aus­kunft geben auch Per­so­nal­stel­le oder Betriebs­rat. Wer­den VL nicht als frei­wil­li­ges Extra gezahlt, dür­fen Beschäf­tig­te ver­lan­gen, dass ein VL-Ver­trag aus ihrem Brut­to­ge­halt bespart wird. Das Abzwei­gen des Loh­nes kann sinn­voll sein, falls dadurch staat­li­che För­de­run­gen wie Arbeit­neh­mer­spar­zu­la­ge und Woh­nungs­bau­prä­mie zugäng­lich werden.

2. Schritt: Geldanlage auswählen

In den meis­ten Bran­chen ent­schei­den die Erwerbs­tä­ti­gen frei, wie sie ihre VL anle­gen wol­len. Zur Aus­wahl ste­hen zum Bei­spiel Bau­spar­ver­trä­ge, Bank­spar­plä­ne, Fonds­spar­plä­ne, der Erwerb von Akti­en des eige­nen Unter­neh­mens oder von Antei­len einer Genos­sen­schaft sowie even­tu­ell die Til­gung eines Immo­bi­li­en­kre­dits. Eini­ge Bran­chen, etwa Metall- und Elek­tro­in­dus­trie, und man­che Betrie­be gewäh­ren VL nur in Form „alters­vor­sor­ge­wirk­sa­mer Leis­tun­gen“ (AVWL). Dann ist die Ver­wen­dung fest­ge­legt: Die VL flie­ßen in die betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung oder in einen Riester-Vertrag.

3. Schritt: Anbieter finden

Ban­ken, Spar­kas­sen und Bau­spar­kas­sen bera­ten und bie­ten Bau­spar­ver­trä­ge. Über Inter­net­por­ta­le las­sen sich deren Ver­trags­be­din­gun­gen ver­glei­chen, etwa auf www.fmh.de. Der Bran­chen­ver­band BVI lis­tet alle aktiv gema­nag­ten Fonds auf, für die ein VL-Ver­trag abge­schlos­sen wer­den kann. Güns­ti­ger als akti­ve Fonds sind soge­nann­te pas­si­ve Fonds wie ETFs. Die­se Fonds bil­den einen Index nach, etwa den MSCI World, der die Kur­se von rund 1600 Unter­neh­men aus 23 Indus­trie­län­dern zusam­men­fasst. Fonds und ETFs, auf die ein VL-Spar­plan abschließ­bar ist, lis­ten zum Bei­spiel die bei­den Depot­ban­ken Fin­ves­to und com­di­rect. Aus­schließ­lich ETFs, die VL-fähig sind, lis­tet das Infor­ma­ti­ons­por­tal extra­ETF.

4. Schritt: Angebot aussuchen

Die Suche nach dem pas­sen­den Ange­bot rich­tet sich auch nach der Lebens­si­tua­ti­on. Muss das ange­leg­te Geld nicht sofort zu Ver­trags­en­de zur Ver­fü­gung ste­hen, ist das Risi­ko eines Akti­en­spar­plans gut aus­zu­hal­ten. Dann kann das Erspar­te so lan­ge im Depot blei­ben, bis die Kur­se für einen Ver­kauf güns­tig – also hoch – sind. Ist eine Fami­li­en­grün­dung geplant, heißt es auf Details zu ach­ten. Für die Zeit des Mut­ter­schut­zes geben die Ver­ein­ba­run­gen mit dem/der Arbeitgeber:in Aus­kunft, ob die VL auch dann wei­ter­flie­ßen. Wäh­rend der Eltern­zeit geben die Kon­di­tio­nen des Anbie­ters vor, ob der VL-Ver­trag dann mit eige­nem Geld wei­ter bespart wer­den kann. Das kann etwa bei Bank­spar­plä­nen wich­tig sein, um mög­li­che Boni nicht zu gefähr­den. Fonds­spar­plä­ne kön­nen dann auch ein­fach ruhen.

5. Schritt: Vertrag abschließen

Ist die pas­sen­de Anla­ge­form gefun­den, schlie­ßen Erwerbs­tä­ti­ge mit dem aus­ge­wähl­ten Anbie­ter einen Ver­trag ab. Eine Durch­schrift die­ses Ver­trags oder eine Beschei­ni­gung des Anbie­ters rei­chen sie bei ihrer Lohn­buch­hal­tung ein. Dann wer­den die VL ent­spre­chend überwiesen.

6. Schritt: Förderungen nutzen

Als Extraleis­tung sind VL eine För­de­rung des Arbeit­ge­bers oder der Arbeit­ge­be­rin. Die­se anzu­neh­men, lohnt sich grund­sätz­lich. Unter bestimm­ten Ein­kom­mens­gren­zen kön­nen staat­li­che För­de­run­gen dazu­kom­men. VL kön­nen sich aber auch beson­ders loh­nen, wenn sich damit ein Immo­bi­li­en­kre­dit etwas rascher zurück­zah­len lässt. Es kann auch För­de­rung in Form von Steu­er­erspar­nis­sen geben, etwa wenn die VL in die betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung (bAV) flie­ßen und der steu­er­li­che Frei­be­trag für Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen dadurch bes­ser aus­ge­schöpft wird. Zudem fal­len auf VL zur Alters­vor­sor­ge erst bei Aus­zah­lung der bAV Steu­ern und Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge an. Dann ist der per­sön­li­che Steu­er­satz meist nied­ri­ger: Das spart (wie­der­um) Steuern.

7. Schritt: Geld erhalten

VL-Ver­trä­ge lau­fen in der Regel sie­ben Jah­re lang: sechs Jah­re wird ein­ge­zahlt, ein Jahr ruht das Ver­mö­gen, dann wer­den Erspar­tes und För­de­run­gen aus­ge­zahlt. Im Ruhe­jahr kann bereits der nächs­te VL-Ver­trag abge­schlos­sen werden.

Bei VL-Bau­spar­ver­trä­gen gibt es kein Ruhe­jahr. Sie lau­fen min­des­tens sie­ben Jah­re. Die Aus­zah­lung hängt von der Zutei­lungs­rei­fe des Ver­trags ab, kann also auch erst spä­ter erfolgen.

8. Schritt (bei Bedarf): Jobwechsel meistern

Beim Wech­sel eines Arbeit­ge­bers gibt es meh­re­re Mög­lich­kei­ten. Idea­ler­wei­se zahlt der/die neue Chef:in in den bestehen­den VL-Ver­trag ein. Gewährt er/sie die­ses Extra zum Gehalt nicht, kann auf Wunsch der Bei­trag aus dem Brut­to­lohn auf den VL-Ver­trag umge­lei­tet wer­den. Beschäf­tig­te, die das nicht wol­len, kön­nen ihren VL-Ver­trag vor­zei­tig kün­di­gen oder bei­trags­frei stel­len. Das Ruhen des Ver­trags bis zum Lauf­zeit­ende erhält even­tu­el­le staat­li­che För­de­run­gen. Am Ende wer­den dann bis­lang Erspar­tes, Erträ­ge und För­de­run­gen ausgezahlt.

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Teil 4: Auf Deine Gesundheit!

„Die Gesund­heit ist ein kost­ba­res Gut – nur sie ist es wert, dass man dafür sei­ne Zeit, sei­nen Schweiß, sei­ne Arbeit und sein Geld ein­setzt“, wuss­te der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph Michel de Mon­tai­g­ne. Doch wäh­rend eine lan­ge, schwe­re Krank­heit im 16. Jahr­hun­dert oft den finan­zi­el­len Ruin bedeu­te­te, kann man sich heu­te gegen die finan­zi­el­len Fol­gen schwe­rer Erkran­kun­gen absichern. 

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