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Unterstützung für Regenbogenfamilien: mehr als Geld (wert)

2021-10-07T14:42:24+02:007. Oktober 2021|

Eltern, die les­bisch, schwul, trans- oder inter­ge­schlecht­lich sind, ste­hen im All­tag oft vor spe­zi­el­len Pro­ble­men. Da hel­fen Fami­li­en­leis­tun­gen, wie sie alle Fami­li­en erhal­ten, nicht immer wei­ter. Viel­mehr braucht es spe­zi­el­le Rat­ge­ber und Anlauf­stel­len. Courage-online.de stellt sie vor.

Von Gise­la Haberer

Die Bewe­gung der les­bi­schen, schwu­len, bi‑, trans- und inter­se­xu­el­len sowie quee­ren Men­schen (LSBTIQ*) wähl­te sich die Regen­bo­gen­flag­ge mit ihrem viel­fäl­ti­gen Farb­spek­trum zum Sym­bol. Ent­spre­chend bezeich­nen sich Fami­li­en, in denen min­des­tens ein Eltern­teil gleich­ge­schlecht­lich liebt, trans-oder inter­ge­schlecht­lich ist, als Regen­bo­gen­fa­mi­li­en. Ihre Kin­der stam­men zum Bei­spiel aus frü­he­ren hete­ro­se­xu­el­len Bezie­hun­gen eines Eltern­teils oder sie wur­den in gleich­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaf­ten gebo­ren oder als Adop­tiv- oder Pfle­ge­kind ange­nom­men. Sta­tis­tisch erfasst wird die­se Viel­falt nicht. Nach der jüngs­ten Schät­zung der Bun­des­re­gie­rung leben in Deutsch­land rund 10.000 Regen­bo­gen­fa­mi­li­en. Etwa 40 Pro­zent davon als Ehe­paar, 60 Pro­zent als Lebens­ge­mein­schaft. Die Sta­tis­tik unter­schei­det aller­dings nicht zwi­schen ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­nern und ledi­gen Paaren.

Finanzielle Förderung

Bei der staat­li­chen För­de­rung von Fami­li­en spie­len Geschlecht oder sexu­el­le Ori­en­tie­rung der Eltern kei­ne Rol­le, wohl aber das Alter der Kin­der, teils auch das Ein­kom­men der Eltern und ihr Fami­li­en­stand (ver­hei­ra­tet oder ledig). Bei den staat­li­chen Zuschüs­sen oder steu­er­li­chen Frei­be­trä­gen für Kin­der gibt es kei­ne Unter­schie­de zwi­schen Ehe­paa­ren und ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­nern und –part­ne­rin­nen. Erwar­ten les­bi­sche Paa­re ein Kind, kann auch die Part­ne­rin der leib­li­chen Mut­ter einen Anspruch auf Eltern­zeit und Eltern­geld haben. Vor­aus­set­zung: Müt­ter und Kind woh­nen zusam­men und die nicht leib­li­che Mut­ter will das Kind adop­tie­ren. Dann hat die­se bereits vor Abschluss der Stief­kind­ad­op­ti­on Anspruch auf Eltern­zeit und –geld. Der Trau­schein ist dafür kei­ne Vor­aus­set­zung. Der Weg zum Wunsch­kind wird jedoch nur in ganz spe­zi­el­len Fäl­len finan­zi­ell gefördert

Coming-Out im „Babykosmos“

Eltern haben ähn­li­che Pro­ble­me im All­tag. LSBTIQ*-Eltern ste­hen aber zusätz­lich vor spe­zi­el­len Fra­gen oder Situa­tio­nen, etwa zu ihrem Com­ing-out gegen­über hete­ro­se­xu­el­len Eltern im Geburts­vor­be­rei­tungs­kurs, in der Baby­mas­sa­ge, im Kin­der­gar­ten oder der Schu­le. Wie alle Kin­der fra­gen auch ihre Kin­der eines Tages, woher sie kom­men, sprich: wie sie ent­stan­den sind. Und wahr­schein­lich wer­den sie fra­gen, war­um sie zwei Müt­ter oder zwei Väter haben oder in einer Mehr­el­tern­fa­mi­lie leben. Bei der Beant­wor­tung hel­fen Bil­der­bü­cher, Spie­le für Kin­der und Fach­li­te­ra­tur für Eltern.

Beratung für LSBTIQ*

In immer mehr Städ­ten gibt es eige­ne Bera­tungs­stel­len für les­bi­sche, schwu­le, bise­xu­el­le, trans-und inter­ge­schlecht­li­che sowie quee­re Men­schen. Ihre Adres­sen las­sen sich zum Bei­spiel über das Regen­bo­gen­por­tal des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­ums fin­den, eine der größ­ten und ste­tig wach­sen­den Daten­ban­ken für LSBTIQ*. Die Ange­bo­te las­sen sich nach Ziel­grup­pen fil­tern, aller­dings feh­len die Stich­wor­te „Fami­lie“ und „Eltern“. Dafür sind die Anlauf­stel­len nach Post­leit­zahl und The­ma abzu­ru­fen, etwa zu „Fach­be­ra­tung“, „Frei­zeit“, „Inter­es­sen­ver­band“ und „Selbst­hil­fe­grup­pe“.

Beratung für LSBTIQ*-Eltern

Geför­dert vom Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um such­te der Les­ben-und Schwu­len­ver­band Deutsch­land (LSVD) vier Jah­re lang nach Bera­tungs­stel­len, die Regen­bo­gen­fa­mi­li­en aus­drück­lich will­kom­men hei­ßen. Die Ange­bo­te sind nun nach Stich­wor­ten abzu­ru­fen, etwa zu „Fami­li­en­pla­nung“, „Erziehungsberatung/ Erzie­hungs­coa­ching“, „Fami­li­en­be­ra­tun­g/-coa­chin­g/ ‑the­ra­pie“ und zu wei­te­ren „fami­li­en­un­ter­stüt­zen­den Bera­tungs- und Trai­nings­an­ge­bo­ten“. Von Kle­ve bis Dres­den und von Lübeck bis Kon­stanz sind Bera­tungs­stel­len, Ein­rich­tun­gen, Pra­xen und Ver­ei­ne zu fin­den. Teils wur­den Mit­ar­bei­ten­de die­ser Ange­bo­te im Rah­men des Modell­pro­jekts „Bera­tungs­kom­pe­tenz zu Regen­bo­gen­fa­mi­li­en“ vom LSVD fort­ge­bil­det. Die­se Ange­bo­te sind mit dem Logo des Pro­jek­tes als „geschult“ gekenn­zeich­net. Die Adres­sen sind unter dem But­ton „Bera­tung fin­den“ nach Stich­wor­ten sowie auf einer Deutsch­land­kar­te abruf­bar auf www.regenbogenkompetenz.de

Regenbogen-Familienzentren

In immer mehr Städ­ten ent­ste­hen Regen­bo­gen-Fami­li­en­zen­tren, die Bera­tung, Frei­zeit­an­ge­bo­te und even­tu­ell auch Fort­bil­dung für Fach­kräf­te bie­ten. Das ers­te eröff­ne­te 2013 in Ber­lin Schö­ne­berg, 2020 folg­te ein zwei­tes in Ber­lin-Fried­richs­hain: das „Quee­re Regen­bo­gen­fa­mi­li­en­zen­trum Ber­lin Ost“. Seit 2017 gibt es in Mün­chen ein Regen­bo­gen­fa­mi­li­en­zen­trum. Teil­wei­se haben sie auch krea­ti­ve­re Namen wie das Ber­TA (Beratung – Treff­punkt – Anlauf­stel­le) in Stutt­gart. Nächst­ge­le­ge­ne Ange­bo­te sind auf Such­ma­schi­nen über die Such­be­grif­fe „Regen­bo­gen­fa­mi­lie, Bera­tung“ und Orts­na­men zu finden.

Von und für Regenbogenfamilien

Vor gut zehn Jah­ren schlos­sen sich Eltern­grup­pen zusam­men und grün­de­ten ILSE: Die Initia­ti­ve les­bi­scher und schwu­ler Eltern. In den Selbst­hil­fe­grup­pen  kön­nen sich (wer­den­de) Eltern tref­fen und aus­tau­schen, sei es über die Rea­li­sie­rung des Kin­der­wun­sches, die recht­li­che Aner­ken­nung als Eltern, etwa im Fall einer (Stiefkind-)Adoption oder über das all­täg­li­che Com­ing-out als Regen­bo­gen­fa­mi­lie. Adres­sen und Ansprech­part­ner sind nach vier Regio­nen (Nord, Süd, West/Mitte und Ost) geord­net zu finden.

Kuren für Regenbogenfamilien

Alle Eltern haben einen gesetz­li­chen Anspruch auf medi­zi­ni­sche Vor­sor­ge- und Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men, sprich auf Müt­ter-/Vä­ter-Kuren mit oder ohne Kin­der. Unter dem Dach des Müt­ter­ge­ne­sungs­werks (MGW) bie­ten über 70 Kli­ni­ken ent­spre­chen­de Kuren an. Die Kli­ni­ken mit dem MGW-Güte­sie­gel arbei­ten gen­der­spe­zi­fisch, berück­sich­ti­gen also die ver­schie­de­nen Bedürf­nis­se von Müt­tern und Vätern, even­tu­ell aber nicht die von LSBTIQ*-Eltern.

Unab­hän­gig vom MGW haben zwei Kli­ni­ken eige­ne Kon­zep­te für LSBTIQ*-Eltern erar­bei­tet: Das DRK-Kur­zen­trum Caro­li­nen­siel in Ost­fries­land und die Reha­kli­nik Feld­berg im Schwarz­wald. Die­se bei­den Häu­ser bie­ten Kuren eigens für Regenbogenfamilien.

Rechtsratgeber

Auch wenn es seit Okto­ber 2017 die „Ehe für Alle“ in Deutsch­land gibt, so ste­hen Regen­bo­gen­fa­mi­li­en doch immer wie­der vor spe­zi­el­len recht­li­chen Fra­gen, etwa zur recht­li­chen und sozia­len Eltern­schaft aller Betei­lig­ten, zu Unter­halts­an­sprü­chen, zum Sor­ge­recht und vie­lem mehr. Der Les­ben-und Schwu­len­ver­band Deutsch­land bie­tet eine kos­ten­lo­se Rechts­be­ra­tung, die tele­fo­nisch oder per Mail bun­des­weit nutz­bar ist, sowie etli­che Rechts­rat­ge­ber, teils mit Mus­ter­tex­ten für Anträ­ge oder Ver­ein­ba­run­gen. Die Rat­ge­ber sind online abrufbar.

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