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Unsere Zukunft: Wasser – Das blaue Gold als Investment?

2021-09-15T15:57:11+02:0015. September 2021|

Was­ser ist knapp. Das World Eco­no­mic Forum stuft eine glo­ba­le Was­ser­kri­se als viert­größ­tes öko­no­mi­sches Risi­ko ein. Weil wir Men­schen, unse­re Land­wirt­schaft, unse­re Indus­trie immer mehr Was­ser brau­chen. Und weil wir immer mehr auf dem Pla­ne­ten wer­den. Bis 2050 wird der Was­ser­ver­brauch um 55 Pro­zent stei­gen, ermit­tel­te die OECD. Und die Ver­ein­ten Natio­nen berech­ne­ten: Dann wer­den rund fünf Mil­li­ar­den Men­schen in Regio­nen mit zu wenig Was­ser leben. Wenn ein begrenz­tes Ange­bot auf immer mehr Nach­fra­ge trifft, hin­ter­lässt das auch an den Bör­sen Spuren…

Von Ant­je Erhard

Was­ser ist heu­te welt­weit knapp: Rund vier Mil­li­ar­den Men­schen – rund die Hälf­te von uns allen – lebt in Regio­nen, in denen min­des­tens einen Monat im Jahr zu wenig Was­ser da ist. Das ermit­tel­te die UNESCO. 2,2 Mil­li­ar­den Men­schen haben über­haupt kei­nen Zugang zu siche­rem Trink­was­ser. Die Was­ser­ver­sor­gung gehört heu­te zu den 17 Nach­hal­tig­keits­zie­len der Ver­ein­ten Nationen.

Dabei gibt es welt­weit genug Was­ser: 1,4 Mil­li­ar­den Kubik­me­ter – davon 2,5 Pro­zent Süß­was­ser. Das ist zum Teil aber schwer zugäng­lich und nur zu rund einem Drit­tel für uns nutz­bar. Anders als Roh­stof­fe wie Öl oder Koh­le hat Was­ser einen Vor­teil: Es kann nicht kom­plett zur Nei­ge gehen. Aller­dings ist mehr ein Drit­tel des Grund­was­sers welt­weit davon bedroht, dass in eini­gen Regio­nen zu viel Was­ser ver­braucht wird. Und wo kein Grund­was­ser, da kein Trinkwasser.

„Es gibt zwar Ent­sal­zungs­an­la­gen, die rei­chen aber lan­ge nicht für den Bedarf“, sagt Bern­hard Klin­zing, lang­jäh­ri­ger Finanz­jour­na­list und Geschäfts­füh­rer der Klin­zing Asset Manage­ment GmbH. „Der Kon­flikt um Stau­däm­me bei­spiels­wei­se am Nil zeigt, wie bri­sant das The­ma ist.“

Was­ser benö­tigt vor allem die Land­wirt­schaft und die Indus­trie. Bern­hard Klin­zing hat Bei­spie­le: „Für ein Kilo­gramm Rind­fleisch wer­den 15.000 Liter Was­ser benö­tigt, für ein Kilo Reis 3000 bis 5000 Liter. Und gleich­zei­tig wird Was­ser durch die Indus­trie immer mehr ver­un­rei­nigt. Den­ken wir nur an den Berg­bau für Gold, Sel­te­ne Erden oder Lithium.“

Zugleich wer­den mit dem Kli­ma­wan­del tro­cke­ne Regio­nen noch tro­cke­ner. Eini­ge wer­den künf­tig für die Land­wirt­schaft aus­fal­len: Dazu zählt das World Resour­ces Insti­tu­te vor allem Nord­afri­ka und den Nahen Osten. Aber auch Tei­le Süd­spa­ni­ens, des Mit­tel­meer­rau­mes, Süd­afri­kas sowie Kali­for­ni­en, Argen­ti­ni­en sind womög­lich künf­tig zu tro­cken für Acker­bau und Vieh­zucht. Der Bedarf der Land­wirt­schaft an Was­ser ist aber nicht unser ein­zi­ges Pro­blem: In den letz­ten 100 Jah­ren hat sich der Ver­brauch von Was­ser welt­weit versechsfacht.

Was­ser steht also nur begrenzt zur Ver­fü­gung, ist regio­nal unter­schied­lich vor­han­den und hat unter­schied­li­che Qua­li­tä­ten. Dem gegen­über steht welt­weit eine Infra­struk­tur, die vie­ler­orts drin­gend moder­ni­siert wer­den muss wie in Groß­bri­tan­ni­en oder den USA. Oder die gar nicht vor­han­den ist. Wie in vie­len Schwel­len­län­dern. Und die­ses Invest­ment in Infra­struk­tur kos­tet. So viel, dass Volks­wirt­schaf­ten dazu allein nicht in der Lage sind…

US-Wasserinvestitionen: Ein Tropfen auf den heißen Stein

Ein Bei­spiel: In der größ­ten Volks­wirt­schaft der Welt gehen allein sechs Mil­li­ar­den Gal­lo­nen Trink­was­ser pro Tag durch Rohr­brü­che ver­lo­ren, ermit­tel­te die Ame­ri­can Socie­ty of Civil Engi­neers (ASCE), ein Fünf­tel aller pri­va­ten Haus­hal­te ist nicht an das öffent­li­che Abwas­ser­netz ange­schlos­sen und nutzt noch Klär­gru­ben. Die USA inves­tie­ren nun im Rah­men ihres 2‑Bil­lio­nen-Infra­struk­tur-Pro­gramms 35 Mil­li­ar­den US-Dol­lar in die Was­ser-Infra­struk­tur. Ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein, um die Abwasser‑, Niederschlags‑, Trink­was­ser- und Auf­be­rei­tungs­sys­te­me zu moder­ni­sie­ren. Jähr­lich besteht nach Berech­nun­gen der ASCE ein Inves­ti­ti­ons­be­darf von 100 Mil­li­ar­den US-Dol­lar für die nächs­ten 20 Jah­re. Allein in den USA.

In Lon­don ver­si­ckern bis zu 50 Pro­zent des Trink­was­sers in maro­den Leitungen.

In Deutsch­land wird hin­ge­gen so viel Abwas­ser auf­be­rei­tet wie in kei­nem ande­ren euro­päi­schen Land: 96 Pro­zent. Mit einer zumin­dest ver­gleichs­wei­se soli­den Infra­struk­tur geht auch rela­tiv wenig Was­ser ver­lo­ren. Die Her­aus­for­de­rung in Deutsch­land ist, die Rohr­lei­tungs­sys­te­me jetzt so aus­zu­bau­en, dass Dür­ren und Über­schwem­mun­gen bes­ser aus­ge­gli­chen wer­den, dass die Kana­li­sa­ti­on für Stark­re­gen und ande­ren Kli­ma-Kata­stro­phen gerüs­tet wird, dass Regen oder Schnee­was­ser für Tro­cken­zei­ten bes­ser genutzt und ver­teilt wer­den kann.

Um also der Was­ser­knapp­heit bei­zu­kom­men, sind hohe Inves­ti­tio­nen erfor­der­lich. Hier sind die größ­ten Herausforderungen

Was­ser­ge­win­nung und –spei­che­rung: Meer­was­ser gibt es im Über­fluss, doch es muss effi­zi­ent ent­sal­zen und dann gespei­chert werden.

Was­ser­ef­fi­zi­enz: Was­ser darf nicht ver­schwen­det wer­den. Das bedeu­tet, Rohr­lei­tun­gen so zu über­wa­chen, dass Lecks schnell ent­deckt und geschlos­sen wer­den; es bedeu­tet aber auch die intel­li­gen­te Bewäs­se­rung in der Land­wirt­schaft mit moder­nen Bewässerungssystemen.

Infra­struk­tur: Welt­weit müs­sen neue Was­ser­wer­ke ent­ste­hen, um Trink­was­ser auf­zu­be­rei­ten und bereit zu stel­len, Rohr­lei­tun­gen moder­ni­siert oder über­haupt erst ein­mal auf­ge­baut wer­den, Abwas­ser ent­sorgt werden.

Existentielle Bedeutung von Wasser macht Rendite-Hoffnungen

Was­ser ist also ein viel­fäl­ti­ges The­ma. Damit erge­ben sich aber auch vie­le Invest­ment-Mög­lich­kei­ten in der Hoff­nung,  dass die­ser Markt wegen sei­ner exis­ten­ti­el­len Bedeu­tung schnel­ler wächst als ande­re und Ren­di­ten abwirft.  Allein knapp 20 aktiv gema­nag­te Was­ser-Fonds sind in Deutsch­land für Pri­vat­an­le­ger zuge­las­sen. Das Ange­bot ist in den letz­ten Jah­ren mit der Sen­si­bi­li­sie­rung für Was­ser­spa­ren und Nach­hal­tig­keit suk­zes­si­ve gestiegen.

Der ältes­te Was­ser-Fonds ist der Pic­tet Water, der im Jahr 2000 auf­ge­legt wur­de. Er inves­tiert haupt­säch­lich, näm­lich zu zwei Drit­teln, in den USA, weil dort vie­le Was­ser-Unter­neh­men ansäs­sig sind. Wer in akti­ve Fonds inves­tiert hat, konn­te attrak­ti­ve Ren­di­ten erzie­len. Doch vie­le Pro­duk­te schla­gen die Bench­mark, den MSCI World, dau­er­haft nicht. Außer­dem sind die Kos­ten aktiv gema­nag­ter Fonds im Ver­gleich zu ETFs höher. Was Anleger:innen hier beach­ten müs­sen: Fonds wie ETFs zum The­ma Was­ser sind Bran­chen-Invest­ments. Sie streu­en also das Risi­ko nicht so weit wie eine breit diver­si­fi­zier­te Geld­an­la­ge. Wer bereits ein breit diver­si­fi­zier­tes Depot hat, kann hier eine Bei­mi­schung in Erwä­gung ziehen.

„Als Invest­ment-Case ist Was­ser des­halb inter­es­sant, weil das welt­wei­te Bewusst­sein gera­de auch in den Schwel­len­län­dern für den Wert des Was­sers wächst“, sagt Bern­hard Klin­zing. „Die The­men sind ja seit Jah­ren viru­lent, aller­dings haben ent­spre­chen­de Anla­ge­mög­lich­kei­ten kei­ne beson­de­ren Ren­di­ten abge­wor­fen. Das hat sich seit gut 18 Mona­ten geän­dert. Ich wür­de einen brei­ten Ansatz wäh­len, denn es lässt sich nicht sagen, wo in den nächs­ten fünf Jah­ren das größ­te Ren­di­te-Poten­ti­al steckt. Des­halb wür­de ich zum L&G Clean Water ETF greifen.“

Aktiv gema­nag­te Was­ser-Fonds — Beispiele

FondsISINVolu­menTER p.a.Perf. 1y / 3y
Pic­tet Water P LU01048848608,58 Mrd. EUR2,0%38% / 63%
Robe­co­SAM Sus­tainab­le Water EquitiesLU21461908352,9 Mrd. EUR1,7%45% / 75%
BNP Pari­bas Aqua Funds ClassicLU11651354403,69 Mrd. EUR2,23%48% / 68%
Quelle: Finanzen.Net, 07.09.2021

Was­ser-ETFs — Beispiele

FondsISINVolu­menTER p.a.Perf. 1y / 3y
iSha­res Glo­bal Water UCITS ETFIE00B1TXK6272,15 Mrd. EUR0,65%48% / 75%
Lyxor World WaterFR00105272751,24 Mrd. EUR0,6%43% / 75%
LG Clean Water UCITS ETFIE00BK5BC891254 Mio. EUR0,49%52% / —
Quelle: ExtraETF.com 07.09.21

Cou­ra­ge-Tipp: Wer bei Was­ser-Fonds und Was­ser-ETFs auf ethisch-öko­lo­gi­sche Invest­ments set­zen möch­te, muss zusätz­lich zu den Fonds­kenn­zah­len die Kri­te­ri­en für Nach­hal­tig­keit prü­fen und hier vor allem das so genann­te ESG-Rating, das Nach­hal­tig­keits­ra­ting, in Betracht zie­hen. Die ein­zel­nen Fonds legen da sehr unter­schied­li­che Maß­stä­be an. Agen­tu­ren wie ISS, MSCI oder Morningstar bewer­ten Fonds a nach Nachhaltigkeitskriterien.

Schau­en wir auf Akti­en als Invest­ment-Mög­lich­keit: Mehr als 350 bör­sen­no­tier­te Unter­neh­men welt­weit sind im Geschäfts­feld Was­ser aktiv. Vie­le die­ser Akti­en sind gera­de in den letz­ten Jah­ren teu­er gewor­den. Wer in Ver­sor­ger inves­tie­ren möch­te, fin­det klas­sisch unter Veo­lia oder in Ame­ri­can Water Works als größ­tem Was­ser­ver­sor­ger in den USA Mög­lich­kei­ten. Dar­über hin­aus haben sich vie­le neue Unter­neh­men auf das The­ma Was­ser spe­zia­li­siert oder Misch­kon­zer­ne die­ses Geschäfts­feld besetzt.

Dana­her Corp. ist so ein Misch­kon­zern. Sitzt in den USA. Ist unter ande­rem auf die Auf­be­rei­tung und Ana­ly­sen von Was­ser spe­zia­li­siert. Die Aktie hat inner­halb eines Jah­res 69 Pro­zent an Wert gewon­nen, auf Sicht von drei Jah­ren 218 Prozent.

Xylem inves­tiert in Tech­no­lo­gien wie Pum­pen, Fil­ter, Mess­ge­rä­te und Anla­gen zur Was­ser­auf­be­rei­tung. Die Jah­res­per­for­mance ist mit 65 Pro­zent deut­lich bes­ser als über drei Jah­re mit ins­ge­samt 70 Prozent.

Ther­mo Fisher Sci­en­ti­fic war­tet mit 40 Pro­zent (ein Jahr) bzw 140 Pro­zent (drei Jah­re) Per­for­mance auf. Das Unter­neh­men stellt eben­falls Sys­te­me zur Was­ser­auf­be­rei­tung her – hat sei­nen Fokus auf der Her­stel­lung von labor­taug­li­chem Wasser.

Accio­na, ein Misch­kon­zern aus Spa­ni­en, hat sich auf die Strom­erzeu­gung durch erneu­er­ba­re Ener­gien, u.a. durch Was­ser, spezialisiert.

In Deutsch­land ist Gel­sen­was­ser bör­sen­no­tiert. Das Unter­neh­men ist einer der größ­ten Was­ser-Ver­sor­ger in Deutsch­land. Was sich an der Bör­se der­zeit kaum wider­spie­gelt. In einem Jahr sank der Wert um rund zehn Pro­zent. Bin­nen drei Jah­ren stieg die Notie­rung um 68 Prozent.

Wich­tig: Das Pro­blem knap­pen Was­sers und der Ver­sor­gung mit Was­ser ist nicht von heu­te auf mor­gen lös­bar. Denn die Tech­no­lo­gien und Ent­wick­lun­gen sind kom­plex und sind kos­ten­in­ten­siv. Invest­ments in Was­ser soll­te frau des­halb als lang­fris­ti­ge Geld­an­la­ge betrachten.

Fazit: Was­ser ist knapp und wird welt­weit knap­per. Durch stei­gen­de Bevöl­ke­rungs­zah­len, immer mehr Land­wirt­schaft und Indus­trie aber auch durch den vor­an­schrei­ten­den Kli­ma­wan­del. Die Her­aus­for­de­run­gen sind also, das vor­han­de­ne Ange­bot von Was­ser zu stei­gern, Was­ser effi­zi­en­ter zu nut­zen und die Qua­li­tät von Was­ser zu erhö­hen. Und allen Men­schen über­haupt Zugang zu sau­be­rem Was­ser zu ermög­li­chen! Invest­ments in Was­ser waren denn auch in den letz­ten Jah­ren attrak­ti­ve Invest­ments. Doch das lässt sich nicht auf die Zukunft fort­schrei­ben. Mit Fonds oder ETFs lässt sich das Risi­ko brei­ter streu­en als mit Einzelaktien.


Disclaimer: Bernhard Klinzing ist nach eigenen Angaben nicht in den L&G Clean Water ETF investiert und führt ihn auch nicht auf einer Empfehlungsliste.
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