Startseite/Unsere Zukunft: Alles Tesla oder was? So investiert frau in den E‑Auto-Boom

Unsere Zukunft: Alles Tesla oder was? So investiert frau in den E‑Auto-Boom

2021-09-23T08:43:03+02:0022. September 2021|

Chip-Kri­se und Coro­na-Pan­de­mie: Die Stim­mung in der Auto-Indus­trie lei­det dar­un­ter. Außer bei den Elek­tro-Auto­her­stel­lern. Dabei hat­te Tes­la als Num­mer 1 lan­ge Schlag­zei­len gemacht mit roten Zah­len, ver­fehl­ten Absatz­zie­len und eini­gen schlim­men Unfäl­len. Trotz allem war Tes­la an der Bör­se lan­ge auf der Über­hol­spur, ob gerecht­fer­tigt oder nicht. Wer vor drei Jah­ren – unbe­irrt von den Schlag­zei­len — die Aktie gekauft hat, hat ein Plus von mehr als 1.110 Pro­zent gemacht. Doch jetzt kommt Bewe­gung auf die Stra­ße. Die Kon­kur­renz schläft nicht (mehr).

Von Ant­je Erhard

Chi­na hat zu vie­le Elek­tro­au­to-Her­stel­ler, erklärt die chi­ne­si­sche Regie­rung. Die sol­len jetzt weni­ger wer­den. Die Nach­richt schick­te die Akti­en der chi­ne­si­schen Elek­tro­au­to-Her­stel­ler Nio, BYD und Xpeng auf Tal­fahrt. Dabei gehö­ren sie – wer hät­te das vor drei oder fünf Jah­ren gedacht — zu den wert­volls­ten und wich­tigs­ten Her­stel­lern welt­weit. „Chi­na ver­sucht es ein­mal mehr mit Diri­gis­mus“, sagt Jür­gen Pie­per, Auto­mo­bil-Ana­lyst beim Bank­haus Metz­ler und ein pro­fun­der Ken­ner des welt­wei­ten Auto­mo­bil­mark­tes. „Der Gedan­ke ist ja nicht ver­kehrt, eine Kon­so­li­die­rung vor­an­zu­brin­gen, aber die­ses ‚Von oben Her­ab’ liegt uns natur­ge­mäß quer. Ich den­ke, bei der Grö­ße des chi­ne­si­schen Mark­tes könn­ten fünf bis sechs Anbie­ter übrig bleiben.“

100 Mil­li­ar­den US-Dol­lar an Sub­ven­tio­nen hat es sich der chi­ne­si­sche Staat in den letz­ten zehn Jah­ren kos­ten las­sen, die Elek­tro-Mobi­li­tät unbe­irrt nach vor­ne zu brin­gen. Die För­de­rung hat vie­le neue Her­stel­ler ange­zo­gen. Ins­ge­samt gibt es gut 300 in Chi­na. Doch seit letz­tem Jahr wer­den die För­de­run­gen suk­zes­si­ve zurückgefahren.

Den Hei­mat­markt domi­nie­ren die chi­ne­si­schen E‑Au­to-Her­stel­ler trotz­dem. Da tau­chen die deut­schen Her­stel­ler in den Top 10 der Absatz­lis­te gar nicht auf. Markt­füh­rer im Reich der Mit­te ist Tes­la, gefolgt von Nio.

Tesla ist Elektro-Weltmarktführer

Tes­la ist Welt­markt­füh­rer. Unan­ge­foch­ten. Noch. Und wächst welt­weit – zwar von klei­ner Basis aus, aber mit hohem Tem­po. 386.000 Tes­la kamen im ers­ten Halb­jahr auf die Stra­ße – eine Ver­dopp­lung in Jah­res­frist. Den­noch noch wenig im Ver­gleich zu Daim­ler mit 1,25 Mil­lio­nen, BMW mit 1,3 Mil­lio­nen und VW mit 4,5 Mil­lio­nen welt­weit. Damit fuhr Tes­la aber einen drei­mal höhe­ren Gewinn ein als im ers­ten Halb­jahr 2020: 1,58 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Geht das in dem Tem­po wei­ter, schließt das Unter­neh­men von Elon Musk all­mäh­lich zu den Pre­mi­um-Her­stel­lern auf. Die aller­dings auch nicht (mehr) schla­fen, wie wir gleich lesen werden.

Doch Elek­tro­mo­bi­li­tät ist mehr als Elek­tro­au­tos und mehr als Tes­la: „Aus unse­rer Sicht ist die Fokus­sie­rung auf Elek­tro­mo­bi­li­tät und, oft, auf Tes­la zu kurz gegrif­fen“, sagt Tho­mas Mey­er zu Dre­wer, Mana­ging Direc­tor und Head of Public Dis­tri­bu­ti­on bei Lyxor in Deutsch­land. „Statt Elek­tro­mo­bi­li­tät ist der Trend eher Mobi­li­tät der Zukunft: Neben Elek­tro­au­tos und der nöti­gen Spei­cher­ka­pa­zi­tät gehört dazu auch die Ver­net­zung von Mobi­li­täts­we­gen, auto­no­mes Fah­ren bis hin zur intel­li­gen­ten Stadt der Zukunft, Smart City, weil die Städ­te welt­weit sonst in den nächs­ten Jahr­zehn­ten end­gül­tig im Ver­kehrs­cha­os versinken.“

VW als Marktführer weltweit?

Elek­tri­fi­zie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung krem­peln also nicht nur die Auto­mo­bil-Indus­trie um, aber die als eine der ers­ten und radi­kal. Spät haben die deut­schen Her­stel­ler die­sen Trend erkannt. Aber dann doch Fahrt auf­ge­nom­men, sagt Jür­gen Pie­per: „VW hat ja das kla­re Ziel, glo­ba­ler Markt­füh­rer zu wer­den. Ein Stück weit sind sie schon vor­an­ge­kom­men, dürf­ten aktu­ell welt­weit Num­mer 2 sein. Spä­tes­tens 2023 soll­te der VW Kon­zern füh­rend sein. BMW und Daim­ler wer­den sich irgend­wo zwi­schen Platz 5 und 10 ein­ord­nen.“ Immer­hin ab 2032 sol­len die Her­stel­ler in Deutsch­land nur noch elek­tri­sche Fahr­zeu­ge ver­kau­fen, erklär­te der Bran­chen­ver­band VDA. Bis dahin müs­sen Mil­li­ar­den inves­tiert wer­den. Inves­ti­tio­nen, die in ande­ren Berei­chen und Län­dern schon geflos­sen sind:

Batterie: Die Schlüsseltechnologie verschlafen?

Denn ein wich­ti­ges Auto­teil schei­nen die Her­stel­ler bei ihren Elek­tro-Stra­te­gien ver­nach­läs­sigt zu haben. Die Bat­te­rie. Die­sen Markt haben neben Pana­so­nic aus Japan chi­ne­si­sche Zulie­fe­rer besetzt. BYD und Catl sind die größ­ten. Dabei haben hier deut­sche Her­stel­ler, vor allem Daim­ler, vor Jah­ren sehr inten­siv geforscht. Und die­se For­schung dann zurück­ge­fah­ren. Sie war auf­wän­dig. Und teu­er. Der Preis sind heu­te teu­re Abhän­gig­kei­ten. Unab­hän­gig von Chi­na ist vor allem Tes­la, der in Ber­lin eine eige­ne Giga-Fac­to­ry baut. Doch die Bat­te­rie-Pro­duk­ti­on gilt als Schlüs­sel­in­dus­trie in der Elek­tro-Mobi­li­tät. Volks­wa­gen baut inzwi­schen sechs Giga-Fac­to­ries. Die ers­te in Schwe­den soll ab 2023 pro­du­zie­ren. Daim­ler wird wohl fol­gen, sagt Bran­chen-Exper­te Pie­per. Die Auf­hol­jagd hat begon­nen. Ende offen.

China kommt nach Europa

Die chi­ne­si­schen Her­stel­ler hin­ge­gen sind schnell in ihrer Ent­wick­lung. Autos mit Reich­wei­ten von 1000 Kilo­me­ter und vol­ler Ver­net­zung sind Stan­dard. Und damit wol­len die Her­stel­ler nach Euro­pa kom­men: Nio plant den Markt­ein­tritt in Deutsch­land für nächs­tes Jahr. Ande­re haben glei­che Plä­ne. Bis­lang hat­ten es chi­ne­si­sche Her­stel­ler im Land der Erfin­der des Autos schwer…

Mit der Dis­kus­si­on um den Kli­ma­wan­del ist auch das Elek­tro-Auto aber inzwi­schen akzeptiert(er) in Deutsch­land und Euro­pa. Deutsch­land ist da die welt­wei­te Num­mer 2 mit 395.000 Neu­zu­las­sun­gen 2020, hat die USA über­holt – För­der­gel­der sei Dank. Num­mer 1 ist unein­hol­bar Chi­na: 1,25 Mil­lio­nen E‑Autos wur­den hier zuge­las­sen. Das ist mehr als ein Drit­tel aller E‑Autos in der Welt.

Der­zeit ist die Stim­mung im Sek­tor aber alles ande­re als opti­mis­tisch: Die Bran­che ist in Deutsch­land ange­sichts der aktu­el­len Lage so nega­tiv gestimmt wie seit dem Früh­jahr nicht mehr, zeigt der ifo-Index. Lie­fer­eng­päs­se bei Chips und sin­ken­de Nach­fra­ge machen den Her­stel­lern und Zulie­fe­rern zu schaffen.

Auto-Aktien in der Vergangenheit der Renner an der Börse

Doch Kli­ma­wan­del und Elek­tri­fi­zie­rung sind nicht auf­zu­hal­ten und so wird der Bran­che eini­ges an Poten­ti­al für die Zukunft beschei­nigt. Invest­ments sind des­halb auch bes­ser lang­fris­ti­ger Natur. Auch wenn es in den Fin­gern juckt, weil ein­zel­ne Akti­en – sie­he Was­ser­stoff oder auch Tes­la – schon viel Per­for­mance erzielt haben.

Auto­mo­bi­le Ein­zel­ak­ti­en waren in der Ver­gan­gen­heit der Ren­ner an den Bör­sen. Auch die deut­schen. Und das spie­gelt sich auch in den Bewer­tun­gen wie­der: Tes­la wird mit 739 Mil­li­ar­den US-Dol­lar an der Bör­se bewer­tet.  Das ist fast drei­mal so viel wie Daim­ler, BMW und VW zusam­men auf die Bör­sen­waa­ge brin­gen. Zu viel für das, was Tes­la an Stück­zah­len und Tech­no­lo­gie lie­fert? „Tech­no­lo­gisch und auch stra­te­gisch hat Tes­la noch die Nase vorn, gera­de in Bezug auf die Ver­net­zung bleibt es wahr­schein­lich auch noch eine Zeit­lang so“, schätzt Jür­gen Pie­per ein. „Aber das Allein­stel­lungs­merk­mal wird nach und nach auf­ge­weicht wer­den. Und ab 2025 bewe­gen sich die füh­ren­den 5–6 Her­stel­ler auf dem­sel­ben Niveau.“

Die größ­te Dyna­mik unter den Her­stel­lern sieht er bei Volks­wa­gen in den nächs­ten Jah­ren, bei den Zulie­fe­rern war es die Hel­la AG. Die wur­de gera­de in Tei­len von Fau­re­cia über­nom­men. Und damit feh­len die Alter­na­ti­ven für Invest­ments: „Der­zeit gibt es zumin­dest in Deutsch­land kei­nen Zulie­fe­rer mit einem kla­ren E‑Profil.“

Wasserstoff-Aktien mit irren Schwankungen

Im Umfeld der Elek­tro-Mobi­li­tät mach­te vor allem die Was­ser­stoff-Ral­ly Furo­re. Dann stürz­ten die Kur­se ab. Nel Asa, Plug Power und Ball­ard Power schwan­ken aber über­durch­schnitt­lich stark. Es muss sich zei­gen, wel­che Tech­no­lo­gie sich künf­tig durch­set­zen. Vie­le Unter­neh­men in dem Umfeld schrei­ben rote Zah­len. Ana­lys­ten sehen das Poten­zi­al von Was­ser­stoff – nicht zuletzt durch das Was­ser­stoff-För­der­pro­gramm von US-Prä­si­dent von Joe Biden. Sie sagen aber auch: Anleger:innen brau­chen hier aber star­ke Ner­ven. Für Börsen-Anfänger:innen nicht der idea­le Ein­stieg. Es sei denn, frau kennt sich mit der Tech­no­lo­gie gut aus und will lang­fris­tig investieren…

Fonds und ETFs: Viele müssen sich noch langfristig beweisen

Brei­ter streu­en las­sen sich Chan­cen und Risi­ken mit aktiv gema­nag­ten Fonds oder ETFs.  Das Ange­bot ist rie­sig. Der Markt ist ja nicht nur die Her­stel­lung von Fahr­zeu­gen; er umfasst Soft­ware-Her­stel­ler und Roh­stoff-Zulie­fe­rer, Tech­no­lo­gie-Kon­zer­ne und Halb­lei­ter- oder auch Bat­te­rie-Lie­fe­ran­ten. Die jüngs­te Kurs­ent­wick­lung an den Bör­sen war viel­ver­spre­chend, doch vie­le Pro­duk­te sind noch nicht lan­ge am Markt. Ob sie auch lang­fris­tig loh­nen, müs­sen vie­le erst noch beweisen.

Ver­gleicht man die Per­for­mance auf ein Jahr (vie­le Pro­duk­te sind noch nicht all zu lan­ge auf dem Markt), ste­chen drei ETFs her­vor: Der Lyxor MSCI Future Mobi­li­ty ESG Fil­te­red UCITS ETF (ISIN: LU2023679090) mit einer Jah­res­per­for­mance von 76 Pro­zent (Quel­le: justETF.com, 31.8.21). Er setzt haupt­säch­lich auf klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men, auf Her­stel­ler und Zulie­fe­rer aus Indus­trie- und Schwel­len­län­dern. Der iSha­res Electric Vehi­cles and Dri­ving Tech­no­lo­gy UCITS ETF USD folgt mit 49 Pro­zent Kurs­plus (ISIN: IE00BGL86Z12). Neben Her­stel­lern sind hier vor allem Tech­no­lo­gie-Unter­neh­men gebündelt.

Beim Xtra­ckers Future Mobi­li­ty UCITS ETF 1C mit 47 Pro­zent Kurs­plus (ISIN: IE00BGV5VR99)  liegt der Schwer­punkt neben E‑Mobility auf Ener­gie­spei­cher­tech­no­lo­gien und auto­no­mem Fah­ren. Das Unter-The­ma Bat­te­rie besetzt zum Bei­spiel L&G mit dem L&G Bat­te­ry Value-Chain UCITS ETF USD. (ISIN: IE00BF0M2Z96) und erziel­te damit eine Per­for­mance von 70 Pro­zent in einem Jahr.

Unter den aktiv gema­nag­ten Fonds ist der LBBW Mobi­li­tät der Zukunft R Fonds (ISIN: DE000A2JQHF5) , der Her­stel­ler, Bat­te­rie- und Chip-Zulie­fe­rer sowie Was­ser­stoff-basier­te Unter­neh­men bün­delt und dafür in einem Jahr an der Bör­se um gut 30 Pro­zent gestie­gen ist.

Der Black­rock Future of Trans­port Fund (ISIN: LU1861214812) setzt vor allem auf die, die auto­no­me und ver­netz­te elek­tri­sche Fahr­zeu­ge erfor­schen. 60 Pro­zent Per­for­mance erziel­te er in einem Jahr.

Fazit Elektro-Mobilität

Fazit: Elek­tro-Mobi­li­tät ist mehr als „nur“ das E‑Auto. Roh­stoff-Pro­du­zen­ten, Chip- und Bat­te­rie-Her­stel­ler, Soft­ware-Anbie­ter, Was­ser­stoff-Unter­neh­men etc sind hier mit an Bord. Vie­le von ihnen eint, dass sie eine gro­ße Trans­for­ma­ti­on durch­ma­chen. Nicht alle wer­den über­le­ben. Hohen Inves­ti­tio­nen steht viel Kon­kur­renz aber auch viel Poten­zi­al gegen­über. Kli­ma­wan­del und Elek­tri­fi­zie­rung sind nicht auf­zu­hal­ten. Invest­ments soll­te frau des­halb auch eher lang­fris­tig aus­rich­ten und mit klei­nem Anteil im Port­fo­lio abde­cken: Die Kurs­ge­win­ne der Ver­gan­gen­heit sind kei­ne Garan­tie für die Zukunft. Auch nicht wenn sie elek­trisch ist.

Unser gra­tis Newsletter

Noch mehr Infos für dich

Torschluss-Panik Immobilien: Mieten oder kaufen?

Immo­bi­li­en sind vie­ler­orts teu­er. Nicht erst seit der Schief­la­ge des chi­ne­si­schen Immo­bi­li­en-Kon­zerns Ever­gran­de ist das wie­der in unser Bewusst­sein gerückt. Vie­le erle­ben es selbst vor der eige­nen Haus­tür: Wer eine Immo­bi­lie kau­fen möch­te, muss fast dop­pelt so tief die Tasche grei­fen wie vor 15 Jah­ren: Mit his­to­risch güns­ti­gen Zin­sen explo­die­ren Nach­fra­ge und Prei­se. Infla­ti­ons­sor­gen befeu­ern das Geschäft zusätz­lich. Doch was tun? Kau­fen? Mieten?

Cathie Wood: Prophetin des Wandels

Ihre Kar­rie­re begann als “klei­ner Hund unterm Tisch, der nach Krü­meln schnappt”. So beschrieb Cathie Wood ein­mal das prä­gen­de Erleb­nis ihrer frü­hen Kar­rie­re. Es war Mit­te der 80er, Wood hat­te sich nach ihrem Wirt­schafts­stu­di­um ers­te Spo­ren als Öko­no­min ver­dient, nun arbei­te­te sie als Akti­en­ana­lys­tin beim US-Ver­mö­gens­ver­wal­ter Jen­ni­son Asso­cia­tes. Die Toch­ter iri­scher Ein­wan­de­rer woll­te vor­an­kom­men in der Branche. 

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben