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    Börsenvorurteile Teil 3, ©katiafonti/iStock

Unsere Börsenvorurteile Teil 3: Aktien sind nur was für Profis?

2021-11-22T15:18:29+01:0022. November 2021|

In mei­ner Rei­he neh­men wie die drei größ­ten Bör­sen­vor­ur­tei­le (hof­fent­lich) aus­ein­an­der. Es gibt noch unend­lich viel mehr Aus­re­den, Vor­ur­tei­le, Sprü­che, die vie­le von uns vom The­ma Bör­se abhal­ten. Aber: Bör­se ist ein­fach. Punkt. Mei­ne eige­nen Anfän­ge an der Bör­se waren recht holp­rig. Was hat mir gefehlt? Wis­sen. Aber kön­nen wir nur Bör­se, wenn wir ein leben­des Goog­le sind? Nein. Ganz ahnungs­los ist Bör­se nicht zu emp­feh­len, aber du wirst sehen: Du musst weni­ger wis­sen und kön­nen als du glaubst 

Von Ant­je Erhard

Vie­le von uns sind schon des­halb nicht an der Bör­se inves­tiert, weil sie zu wenig dar­über wis­sen. Der Glau­be, dass Akti­en nur was für Pro­fis sind und kom­pli­ziert sind, dass man bzw. frau irre viel wis­sen muss für’s Inves­tie­ren, die­ser Glau­be hält sich seit Jahr­zehn­ten hart­nä­ckig. Wie oft habe ich davon gehört. Räu­men wir in unse­rem drit­ten Teil (hof­fent­lich) auch damit auf: 

Top 3: Fehlendes Wissen. Aber wir sind nicht Google. Und müssen es nicht sein 

Zuge­ge­ben: Ganz ein­fach, das pas­sen­de Port­fo­lio zusam­men­zu­stel­len, ist es in der Tat nicht. Und natür­lich ist es eine gute Basis, die Zusam­men­hän­ge von Wirt­schaft, Poli­tik und Bör­se zu ken­nen und zu ver­ste­hen. Aber dafür sind wir Fach-Journalist:innen ja da. Für mich ist das ein span­nen­des Feld, aber ich ver­ste­he, dass das nicht jede.r in dem Maße tun kann und will. 

Ohne Strategie geht gar nichts

Uner­läss­lich ist eine eige­ne Stra­te­gie. Zu der kom­men Anleger:innen in weni­gen, aber durch­dach­ten Schrit­ten. 

Ich rate grund­sätz­lich: Frag dich zual­ler­erst, wofür du Geld anle­gen willst. Wer zum Bei­spiel für’s Alter oder die Kin­der vor­sor­gen will, braucht eine lang­fris­ti­ge Stra­te­gie. Wer auf bestimm­te Güter spart bzw. inves­tiert, ist kür­zer ori­en­tiert. 

Nächs­ter Schritt: Ehr­lich über­le­gen: Mach dir Gedan­ken, was du errei­chen willst: Wel­che Ren­di­te hältst du für erstre­bens­wert? Lie­ber drei Pro­zent oder bes­ser acht oder mehr? Wie viel Risi­ko hältst du aus – sind es fünf Pro­zent oder fünf­zehn? Mit wel­chen Anla­ge­klas­sen kannst du dich am ehes­ten anfreun­den, was kennst du vom Prin­zip her, was ist total abwe­gig, wovon hast du über­haupt gar kei­ne Ahnung? Und: wel­cher Anla­ge-Typ bist du? Ist Sicher­heit wich­tig oder Per­for­mance? Oder bei­des? Wer Wert auf Sicher­heit legt, soll­te eher in Anla­ge­klas­sen mit weni­ger Risi­ko inves­tie­ren. Das sind zum Bei­spiel Staats­an­lei­hen mit bes­ter Boni­tät. Deut­sche Staats­an­lei­hen gehö­ren dazu. Wer risi­ko­af­fin ist, ist mit Akti­en oder Fonds gut unter­wegs. 

Wie viel Zeit hast du für die Geld­an­la­ge? Und macht das Spaß? Wer sich wenig damit aus­ein­an­der­set­zen möch­te, kann sich bera­ten las­sen. Das ist aber teu­er und führt nicht immer zum Ziel. Wie auch? Wie soll eine Bera­te­rin in ein, zwei oder drei Stun­den aus tau­sen­den von Akti­en, Fonds, ETFs, Roh­stof­fen, Wäh­run­gen etc die genau pas­sen­den für uns fin­den? 

Und. Es fühlt sich doch aber grund­sätz­lich bes­ser an, Ver­ant­wor­tung selbst zu über­neh­men, die eige­ne Geld­an­la­ge selbst in die Hand zu neh­men, oder? Es gibt vie­le Infor­ma­ti­ons­por­ta­le mit Infor­ma­tio­nen, Bei­spiel-Rech­nun­gen etc. 

Schritt 4 ist die logi­sche Fol­ge: Die rich­ti­ge Anla­ge wäh­len. Gar nicht so ein­fach. Aber wir haben ja mit kla­ren Ant­wor­ten eine Basis geschaf­fen und kön­nen nun dar­auf ver­trau­en. Neh­men wir zwei Bei­spie­le für den Ein­stieg: ETFs und Akti­en. 

Nun haben wir einen Über­blick, was wir wol­len. Es gibt es ver­schie­de­ne Stra­te­gien, die man bzw. frau nun umset­zen kann. Hier die wichtigsten:
Buy & Hold. Also inves­tie­ren und dann die gan­ze Sachen halten.
Value-Stra­te­gie: Das ist War­ren Buf­fett in Reinkultur.
Growth-Stra­te­gie: Die, die Wachs­tums­po­ten­ti­al haben
Divi­den­den-Stra­te­gie:
Trend­be­stim­mun­gen mit chart­tech­ni­scher Hilfe
Pro- und anti­zy­kli­sche Anla­gen. 

Ab 24. Novem­ber auf cou­ra­ge-online: Die wich­tigs­ten Bör­sen-Stra­te­gien ein­fach erklärt 

Im Detail erklä­ren wir bei Cou­ra­ge online ab dem 24. Novem­ber die­se Stra­te­gien und begin­nen mit Buy & Hold. 

Für die kon­kre­te Aus­wahl von ETFs oder Akti­en habe ich mir einen Fra­gen-Kata­log zusam­men­ge­stellt, der aus mei­ner Sicht Sinn macht und sich als prak­ti­ka­bel erwie­sen hat. 

Hier meine Check-Liste zur Auswahl von ETFs: 

Step 1: Ein paar Vor­über­le­gun­gen machen durch­aus Sinn, weil das ETF-Uni­ver­sum so groß ist, dass wir sonst ver­lo­ren sind. Was will ich: Inves­tie­re ich in Akti­en, in Roh­stof­fe, in Indi­zes? Will ich glo­bal, in bestimm­te Regio­nen, in bestimm­te Län­der investieren?
Wel­che Bran­chen oder The­men fin­de ich sinn­voll und wel­che pas­sen zu mei­ner Strategie?
Bei ETFs kön­nen The­men ein guter Ein­stieg sein, etwa in Nach­hal­tig­keit, Divi­den­den etc.
Wel­ches Gewicht soll jeder ETF haben im Port­fo­lio? 

Step 2: Die Index-Aus­wahl: Glo­bal inves­tie­ren, in ein­zel­ne Regio­nen spe­zi­el­le Län­der – für alles gibt es ETFs. Auch bei Bran­chen ist die Aus­wahl groß: Gesund­heit, Ener­gie, Immo­bi­li­en, Tech­no­lo­gie, Auto­mo­bil, Che­mie, Kon­sum­gü­ter, Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on, Finanz­dienst­leis­tun­gen – Unter­schied­li­che Bran­chen haben unter­schied­li­che Risi­ken. 

Bestimm­te The­men sind eben­so investierbar:
Divi­den­den, Nach­hal­tig­keit, Digi­ta­li­sie­rung, Erneu­er­ba­re Ener­gien, Cyber Secu­ri­tiy, Edel­me­tal­le, Roh­stof­fe, Wäh­run­gen, Was­ser, gro­ße Stan­dard­wer­te, mit­tel­gro­ße Wer­te, klei­ne Unter­neh­men, Start ups.

Step 3: Sind die­se Fra­gen ein­ge­grenzt bzw. beant­wor­tet, wird es konkret:
Die kon­kre­te ETF-Auswahl:

  • Wie hoch sind die jähr­li­chen Gesamt­kos­ten des ETF? 
  • Wie groß ist der ETF (Fonds­vo­lu­men)? Min­des­tens 100 Mio. Euro soll­ten es sein.
    Seit wann wird der ETF auf­ge­legt? Min­des­tens ein Jahr soll­te er sein, um ver­gleich­bar zu sein 
  • Wie ist die Tracking-Qua­li­tät, also wie genau bil­det der ETF den Index nach? Abwei­chun­gen kos­ten Per­for­mance. 
  • Wie ist sei­ne Per­for­mance über ein, drei oder fünf Jah­re min­des­tens? Per­for­mance ist lang­fris­tig wich­tig. 
  • Wie hoch sind die Order­kos­ten? Die hän­gen vom jewei­li­gen Bro­ker ab. 
  • Bie­tet mein Bro­ker denn eigent­lich Spar­plä­ne für mei­ne gewähl­ten ETFs an?
  • Wie wer­den die Erträ­ge ver­wen­det: aus­schüt­tend oder the­sau­rie­rend? The­sau­rie­rend bedeu­tet, dass Zin­sen und Divi­den­den re-inves­tiert wer­den und wei­ter Zin­sen brin­gen. Aus­schüt­tend heißt, dass Zin­sen oder Divi­den­den aus­ge­zahlt wer­den und frei verfübar sind. 
  • Wie bil­det der ETF den Index nach: phy­sisch oder syn­the­tisch? Phy­sisch bedeu­tet: exakt wie der vor­ge­ge­be­ne Index. Syn­the­tisch kön­nen völ­lig ande­re Titel sein, die über Tausch-Geschäf­te die glei­che Per­for­mance erzie­len wie der Index? 

Die belieb­tes­te – aber nicht gera­de sim­pels­te Anla­ge­klas­se – sind Akti­en. Auch hier­zu Bedarf es kon­kre­ter Über­le­gun­gen. 

Hier meine Check-Liste zur Auswahl von Aktien: 

  1. Kauf nur, was du ver­stan­den hast. Alte War­ren-Buf­fett-Regel. Hat mich vor Wire­cad bewahrt. Das bedeu­tet: Das Unter­neh­men und sein Geschäfts­mo­dell ver­ste­hen, aber auch das Markt­um­feld und die Kon­kur­renz  sowie die Aus­sich­ten. Fra­gen hier­zu sind:
    Wie ver­dient das Unter­neh­men Geld?
    Was sind die wich­tigs­ten Pro­duk­te / Dienstleistungen?
    Wer sind die Kunden?
    Wie stark ist die Konkurrenz?
    Wie sind die Zukunftsaussichten?
  2. Wie ist das Unter­neh­men bewertet?
    Dazu gehört einer­seits das Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis (KGV). Es bewer­tet den aktu­el­len Akti­en­kurs in Rela­ti­on zum Jah­res­ge­winn. Je nied­ri­ger das KGV ist, des­to güns­ti­ger ist die Aktie. Wachs­tums­ti­tel haben oft hohe KGVs, sie­he Tes­la etc. Um KGVs ver­gleich­bar zu machen, kann man Unter­neh­men einer Bran­che gegen­über­stel­len oder aber his­to­ri­sche Durch­schnitts­grö­ßen zu Rate zie­hen. Das Kurs-Buch­wert-Ver­hält­nis (KBV), also der aktu­el­le Kurs zum Buch­wert. Der Buch­wert ist der Wert, der sich ergibt, wenn das Unter­neh­men alle sei­ne Ver­mö­gens­wer­te zu Markt­prei­sen verkauft.
  3. Zahlt das Unter­neh­men Divi­den­de? Wie ver­dient es die Divi­den­de? Wie hoch ist die Divi­den­den-Ren­di­te? 
  4. Wie steht das Unter­neh­men finan­zi­ell da? Eigen­ka­pi­tal, Free Cash Flow, Ver­schul­dung, Inves­ti­ti­ons­quo­te sind hier wich­ti­ge Zahlen.
  5. Wie gut ist das Manage­ment, wel­che lang­fris­ti­gen Zie­le hat es?
    Wel­che Repu­ta­ti­on hat das Manage­ment und wel­che Erfahrungen?
    Sind die aus­ge­ge­be­nen Zie­le erreicht worden?
    Wächst das Unter­neh­men kon­ti­nu­ier­lich? 

Die eigene Geldanlage gehört in die eigenen Hände. Punkt. 

Das war jetzt viel Zeug, oder? Schon klar. Aber mir ist eins wich­tig: Die eige­ne Geld­an­la­ge gehört in die eige­nen Hän­de. Wer sich Chan­cen und Risi­ken klar macht, erlebt kei­ne bösen Über­ra­schun­gen. Und wenn es doch mal rup­pig zu geht, und das wird über kurz oder lang pas­sie­ren, dann sind wir gut genug gerüs­tet, um unse­re Stra­te­gie durch­zu­zie­hen. Oder sie kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und bes­ser zu machen.  

Klar, es kos­tet Über­win­dung, sich damit zu beschäf­ti­gen und los­zu­le­gen. Schließ­lich waren wir bis­her auto­ma­ti­sche Zin­sen aus Fest­geld und Spar­buch gewohnt. Aber die­se Zei­ten sind vor­bei. Und wer sagt, dass die Zei­ten jetzt schlech­ter sind? Wer ein biss­chen Bör­sen­luft geschnup­pert hat, schafft mit etwas Erfah­rung mehr Ren­di­te als die drei Pro­zent vom Spar­buch. Und weißt du was: Geld­an­la­ge macht auch Spaß. Weil es vie­le Mög­lich­kei­ten gibt, weil es kein lang­wei­li­ges Spar­buch mehr braucht, um Kapi­tal auf­zu­bau­en… 

Weitermachen? Aber gern! 

Wer sich dafür inter­es­siert, hier ein paar Tipps zum Wei­ter­le­sen, Weitermachen…
Auf You­Tube gibt es eine Men­ge Vide­os. Tho­mas Kehl von Finanz­fluss zum Bei­spiel hat zu vie­len The­men span­nen­de Vide­os, leicht ver­ständ­lich erklärt. Auch Blog­ge­rin­nen wie For­tu­na­lis­ta ali­as Mar­ga­re­the Honisch haben ein umfang­rei­ches, soli­des Wis­sen und geben es gern in Lite­ra­tur und Work­shops wei­ter. n‑tv ist ein guter, tages­ak­tu­el­ler Beglei­ter. Wer abends bei Bör­se vor acht im Ers­ten vor­bei­schaut, erkennt schnell Zusam­men­hän­ge zwi­schen Bör­se, Wirt­schaft und Poli­tik. Online-Por­ta­le gibt es zuhauf.  

Hier auf courage-online.de beglei­ten wir vor allem Einsteiger:innen an die Bör­se. Und dann wäre da noch die unend­li­che Lite­ra­tur­viel­falt. Sie reicht von Bea­te San­ders Bör­sen­füh­rer­schein über Stan­dard­wer­ke wie von André Kos­to­la­ny, Klas­si­ker wie von Ray Dalio, War­ren Buf­fett oder Ben­ja­min Gra­ham bis hin zu neu­en Wer­ken wie von Gerd Kom­mer (ETFs) .

Börse – Einfach mal hingehen in Frankfurt

Mein Tipp:  Die Bör­se selbst. Wenn das Besu­cher­zen­trum der Frank­fur­ter Bör­se nach der Pan­de­mie wie­der öff­net – geh ein­fach mal hin. Max, Eva und Mar­vin sind begeis­ter­te Gast­ge­ber, füh­ren dich her­um und hal­ten Vor­trä­ge zu Akti­en und Bör­se. Und du kannst einen Blick auf den Han­dels­saal wer­fen. Ich sag dir: Das macht was mit einem. Das ist eine beson­de­re Atmo­sphä­re. Außer­dem baut die Deut­sche Bör­se die Frank­fur­ter Bör­se gera­de um und hat eine neue Aus­stel­lung gebaut: Du kannst vir­tu­ell Akti­en kau­fen und ler­nen, wie der Han­del läuft. Wie gesagt, noch ist es nicht wie­der so weit. Aber unter https://www.boerse-frankfurt.de/besuch kannst du dich anmel­den, sobald es wie­der mög­lich ist. 

Ein persönliches Wort zum Schluss… 

Nun ist es nicht so, dass ich als die gebo­re­ne Bör­sen-Exper­tin auf die Welt gekom­men bin. Im Gegen­teil. Mei­ne ers­ten Akti­en habe ich völ­lig naiv gekauft. Zwar kann­te ich die Geschäfts­mo­del­le (die waren sehr sim­pel), aber von wegen Markt­po­si­ti­on und Aus­sich­ten gecheckt, Umsatz- und Gewinn-Ent­wick­lung nach­ge­le­sen, die Bewer­tung beach­tet, die Peer Group und das Markt­um­feld betrach­tet, Ana­ly­sen zu Rate gezo­gen – nichts der­glei­chen. Es war eine abso­lut blau­äu­gi­ge Ent­schei­dung. Nicht zu emp­feh­len. Abso­lut nicht. Aber das ist eine ande­re Geschich­te… 

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