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Unsere Börsenvorurteile Teil 2: Nicht genug Geld? Von wegen!

2021-11-17T12:07:32+01:0017. November 2021|

Ich habe unse­re klei­ne Rei­he „Unse­re Bör­sen­vor­ur­tei­le“ mit dem State­ment eröff­net: Bör­se ist ein­fach. Und davon bin ich über­zeugt. Schließ­lich mache ich seit mehr als 15 Jah­ren Bör­sen­be­richt­erstat­tung als Jour­na­lis­tin. Daher weiß ich aber auch um die Vor­ur­tei­le, die vie­le von uns abschre­cken. Und ver­ste­he sie sehr gut. Trotz­dem: „Jeder kann Bör­se, sage ich und möch­te dir die Ängs­te und Vor­ur­tei­le zu neh­men. Und viel­leicht sogar an die Bör­se her­an­füh­ren. Das wäre klas­se. Heu­te unser The­ma: das nöti­ge Geld zum Investieren…

Von Ant­je Erhard

Es ist das zweit­häu­figs­te Vor­ur­teil, fragt man Men­schen, war­um sie nicht an der Bör­se inves­tie­ren: Nicht genug Geld zu haben. Klar, einen Bat­zen Geld zum Inves­tie­ren zu haben, ist pri­ma. Aber nicht jeder von uns hat die Mög­lich­keit, auf einen Schlag viel zu inves­tie­ren. Außer­dem müs­sen wir dann auch wis­sen, wie wir die­sen Bat­zen anle­gen. Das wis­sen vie­le (noch) nicht. Aber ich bin über­zeugt: Mit etwas Übung und etwas Wis­sen kön­nen wir das alle letzt­lich selbst. Aber gera­de Anfänger:innen scheu­en sich am Beginn ihrer Bör­sen-Lauf­bahn, grö­ße­re Beträ­ge zu inves­tie­ren. Ich weiß. Die ers­ten Schrit­te kön­nen wir aber recht ein­fach gehen:

Nicht genug Geld? Von wegen – Wir legen mal mit 50 Euro los

Die gute Nach­richt ist: Man bzw. frau braucht kein gro­ßes Kapi­tal. Auch mit regel­mä­ßi­gen klei­nen Beträ­gen funk­tio­niert Bör­se: Es gibt Bro­ker, wo man bzw. frau ab einem Euro einen Spar­plan anle­gen und regel­mä­ßig Geld dar­in ein­zah­len kann. Nun macht aus mei­ner Sicht ein Euro wenig Sinn, weil zu wenig Kapi­tal zusam­men­kommt und dem auch noch Gebüh­ren gegen­über­ste­hen. Aber Spar­plä­ne ab 25 Euro sehen schon ganz anders aus. Neh­men wir mal 50 Euro an, die wir jeden Monat ab jetzt in die Bör­se stecken.

Bei­spiel: 50 Euro jeden Monat an der Bör­se inves­tiert. Damit wir den­noch das Risi­ko brei­ter streu­en, set­zen wir nicht auf eine ein­zel­ne Aktie, son­dern inves­tie­ren in einen gro­ßen Akti­en-Index. Neh­men wir den US-Index S&P 500. Über die letz­ten 30 Jah­re hat er 10,7 Pro­zent Ren­di­te erzielt, real und infla­ti­ons­be­rei­nigt 8,3 Prozent.

Aus 50 Euro gut 25.000 Euro machen über 20 Jahre

Wir inves­tie­ren also jeden Monat 50 Euro zu 8,3 Pro­zent über 20 Jah­re. Wir ent­neh­men nichts, son­dern legen die jähr­li­chen Zin­sen immer wie­der mit an. So nut­zen wir zusätz­lich den Zin­ses­zins­ef­fekt. Das Ergebnis:

Ein­zah­lun­gen: 12.000 Euro
Zin­sen gesamt: 18.785 Euro
Gesamt­sum­me: 30.785 Euro
Kapi­tal­ertrags­steu­er: ‑4.955 Euro

End­ka­pi­tal: 25.830 Euro
(Quel­le: finanzfluss.de)

Hal­ten wir also fest: Aus 50 Euro im Monat, die die meis­ten von uns sicher übrig haben, wur­den über 20 Jah­re ohne gro­ße Anstren­gung und ohne gro­ßen Auf­wand 25.830 Euro.

Wer noch län­ger Zeit hat: um so bes­ser. Je frü­her wir mit dem Inves­tie­ren anfan­gen und je län­ger wir inves­tie­ren, um so mehr Kapi­tal haben wir.

Wem der US-Markt zur Risi­ko-Streu­ung nicht aus­reicht, kann alter­na­tiv glo­bal inves­tie­ren, etwa in den MSCI World mit rund 1.600 Unter­neh­men. Da sind die gro­ßen US-Titel aus dem S&P 500 zum Teil auch ent­hal­ten. 7,9 Pro­zent Ren­di­te im Schnitt seit 1975 sind real und infla­ti­ons­be­rei­nigt im Schnitt 5,5 Prozent.

Wir inves­tie­ren jeden Monat 50 Euro zu 5,5 Pro­zent über 20 Jah­re. Wir ent­neh­men nichts, son­dern legen die jähr­li­chen Zin­sen immer wie­der mit an. Das Ergebnis:

Ein­zah­lun­gen: 12.000 Euro
Zin­sen gesamt: 9.881 Euro
Gesamt­sum­me: 21.881 Euro
Kapi­tal­ertrags­steu­er: ‑2.606 Euro

End­ka­pi­tal: 19.275 Euro
(Quel­le: finanzfluss.de)

19.275 Euro sind also nach 20 Jah­ren im Depot, wenn wir regel­mä­ßig 50 Euro inves­tie­ren in den MSCI World.

Mein Tipp: Teil-Frei­stel­lungs­be­trä­ge kön­nen die Steu­er­last min­dern, das sind dann aber indi­vi­du­el­le Sät­ze, die wir hier des­halb im Bei­spiel unbe­rück­sich­tigt lassen.

Wir gehen vom Worst Case aus und haben den­noch über 20 Jah­re unser Kapi­tal mehr als verdoppelt

Achtung vor überhöhten Rendite-Versprechen: Inflation und Kosten im Blick

Mein Tipp: Wir soll­ten uns nicht von Ren­di­te-Ver­spre­chen und theo­re­ti­schen Berech­nun­gen blen­den las­sen. Fakt ist: Ren­di­te muss nach Infla­ti­on und Kos­ten berech­net wer­den. Alles ande­re ist Augenwischerei.

In unse­ren Bei­spie­len haben wir über 20 Jah­re also mit 50 Euro Kapi­tal von 25.830 bzw. 19.275 Euro erwirt­schaf­tet. Wie geht das?  Nun das Geld, das wir jeden Monat ein­zah­len, ver­zinst sich und die Zin­sen legen wir wei­ter an, wenn wir kein Geld ent­neh­men. Zin­ses­zins-Effekt heißt das.

Wer mehr inves­tie­ren möch­te und kann, kann das über eine so genann­te Core-Satel­li­te-Stra­te­gie machen: EIN Kern-Invest­ment (zum Bei­spiel ein Index) wird von drei bis fünf klei­ne­ren Invest­ments flan­kiert. Das kön­nen Ein­zel­ak­ti­en, Anlei­hen, Devi­sen oder Roh­stof­fe sein. Die Zusam­men­set­zung kann aber auch nach Regio­nen, Bran­chen etc vari­iert wer­den. Die Mög­lich­kei­ten sind unend­lich. Bei einem mitt­le­ren Risi­ko wäre ein ETF als Kern umge­ben von einer (kon­ser­va­ti­ven) Aktie, Staats­an­lei­hen höchs­ter Boni­tät und einem Roh­stoff denk­bar. Mer­ke: Das ist kei­ne Bera­tung oder Emp­feh­lung, son­dern eine Idee unter vie­len, was an der Bör­se mach­bar ist. Eine Anre­gung. Nicht mehr, nicht weniger.

Jetzt fehlt uns nur noch ein biss­chen Basis-Wis­sen für das ers­te Invest­ment. Auch da gibt es vie­le Vor­ur­tei­le, was man bzw. frau glaubt wis­sen zu müs­sen. Das ist unser nächs­tes The­ma, der Arti­kel erscheint am Mon­tag, 22. November.

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