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Unerfüllter Kinderwunsch: Wer zahlt für die Behandlung?

2021-09-01T13:44:47+02:009. September 2021|

Jeder vier­te Erwach­se­ne in Deutsch­land ist unge­wollt kin­der­los. Häu­fig lässt nur eine künst­li­che Befruch­tung auf Eltern­schaft hof­fen. Doch die Behand­lung ist teu­er. Courage-online.de erklärt, wann sich Kran­ken­ver­si­che­run­gen sowie Bund und Län­der an den Kos­ten beteiligen.

Von Gise­la Haberer

Bei jedem fünf­ten Paar sind bei­de nur bedingt frucht­bar, berich­tet das Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um. Ursa­che kön­nen bio­lo­gi­sche Stö­run­gen, emo­tio­na­le Belas­tun­gen, eine unge­sun­de Lebens­wei­se oder zu fort­ge­schrit­te­nes Alter sein. Müt­ter und Väter in Deutsch­land sind bei der Geburt ihres ers­ten Kin­des im Schnitt über 30 Jah­re alt. Das bedeu­tet: Vie­le sind älter. Doch mit den Jah­ren sinkt die Frucht­bar­keit. Bei Frau­en wie bei Män­nern. Tritt nach zwölf Mona­ten unge­schütz­tem Sex zur Zeit des Eisprungs kei­ne Schwan­ger­schaft ein, spricht die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO von Unfruchtbarkeit.

Unerfüllter Kinderwunsch: Warum klappt es bei uns nicht? 

Orga­ni­sche Ursa­chen las­sen sich durch gynä­ko­lo­gi­sche und uro­lo­gi­sche Unter­su­chun­gen abklä­ren. Die Kos­ten für die­se medi­zi­ni­sche Dia­gnos­tik über­neh­men gesetz­li­che wie pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­run­gen voll­stän­dig. Doch deren Ergeb­nis ist oft nicht leicht zu ver­kraf­ten. Fin­det sich eine orga­ni­sche Stö­rung ist die Fra­ge, ob sie sich behan­deln lässt und wie. Fin­det sich kei­ne, geht die Suche wei­ter. Der Weg aus der Kin­der­lo­sig­keit ist häu­fig stei­nig. Paa­re müs­sen abwä­gen, ob sie sich auf die Belas­tun­gen ein­las­sen wol­len, die damit unwei­ger­lich ver­bun­den sind. Dabei kann eine Bera­tung helfen.

Bera­tung: Vor und wäh­rend einer Behand­lung ratsam

Über mög­li­che Ursa­chen der Kin­der­lo­sig­keit, dia­gnos­ti­sche Ver­fah­ren, ver­füg­ba­re The­ra­pien und deren Chan­cen, Risi­ken und Kos­ten infor­mie­ren psy­cho­so­zia­le Bera­tungs­stel­len. Zu den ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten der künst­li­chen Befruch­tung bera­ten medi­zi­ni­sche Zen­tren. Psy­cho­so­zia­le Bera­tungs­stel­len und medi­zi­ni­sche Zen­tren las­sen sich auf dem Infor­ma­ti­ons­por­tal Kin­der­wunsch nach Post­leit­zah­len suchen. Die Kos­ten für die Bera­tung sind in der Regel selbst zu tra­gen. Aus­nah­me sind Bera­tungs­pro­gram­me, die Kran­ken­kas­sen ihren Ver­si­cher­ten mit Kin­der­wunsch kos­ten­frei bieten.

Wann beteiligt sich die gesetzliche Krankenversicherung an den Behandlungskosten?

Nach Wil­len des Gesetz­ge­bers gewäh­ren Kran­ken­kas­sen nur unter bestimm­ten Umstän­den Zuschüs­se für eine künst­li­che Befruch­tung. Danach muss das Paar ver­hei­ra­tet sein. Die Frau 25 bis 40 Jah­re alt sein, der Mann 25 bis 50 Jah­re. Für die Behand­lung wer­den aus­schließ­lich Ei- und Samen­zel­len des Ehe­paa­res ver­wen­det. Zusätz­lich müs­sen Unfrucht­bar­keit wie Erfolgs­aus­sicht einer Kin­der­wunsch­be­hand­lung ärzt­lich attes­tiert sein. Vor der Behand­lung muss sich das Paar psy­cho­so­zi­al oder medi­zi­nisch bera­ten las­sen. Zudem ist der ärzt­li­che Behand­lungs- und Kos­ten­plan vor­ab ein­zu­rei­chen und von der Kas­se zu bewil­li­gen. Bei der Höhe ihrer Zuschüs­se dür­fen Kas­sen die gesetz­li­chen Vor­ga­ben über­schrei­ten. Daher kann eine Nach­fra­ge bei der eige­nen Kran­ken­kas­se loh­nen. Oder der Wech­sel zu einer Kas­se mit ent­spre­chen­den Zusatzleistungen.

Wann übernimmt eine private Krankenversicherung Behandlungskosten?

Zwei Vor­aus­set­zun­gen müs­sen erfüllt sein, damit pri­va­te Ver­si­che­rer Kos­ten über­neh­men. Der Tarif schließt eine Kin­der­wunsch­be­hand­lung ein. Die Ursa­che für die Kin­der­lo­sig­keit des Paa­res liegt bei dem oder der pri­vat Ver­si­cher­ten. Ist bei­des der Fall, über­nimmt die Ver­si­che­rung bis zu hun­dert Pro­zent der Kosten.

Wann gibt es Zuschüsse vom Bund?

Nach Abrech­nung gesetz­li­cher Kran­ken­kas­sen oder Bei­hil­fe­stel­len ver­bleibt in der Regel ein Eigen- bezie­hungs­wei­se Selbst­kos­ten­an­teil für Ver­si­cher­te. Für die­sen Teil gewährt der Bund einen Zuschuss, wenn sich auch das Bun­des­land, in dem das Paar sei­nen Haupt­wohn­sitz hat, mit einem Zuschuss betei­ligt. Wei­te­re Vor­aus­set­zung: Die Vor­ga­ben der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen zur Kos­ten­über­nah­me sind erfüllt.

Wann gibt es Zuschüsse von den Bundesländern?

Elf Bun­des­län­der betei­li­gen sich an den Kos­ten einer Kin­der­wunsch­be­hand­lung. Jedes Bun­des­land legt Bedin­gun­gen und Umfang sei­nes Zuschus­ses selbst fest. Der Bund legt dann den­sel­ben Betrag oben­drauf. Seit 2016 erhal­ten die­se För­de­rung auch Paa­re, die nicht ver­hei­ra­tet sind. Bund und Län­der über­neh­men maxi­mal jeweils 25 Pro­zent des Eigen­an­teils für Ehe­paa­re und 12,5 Pro­zent für unver­hei­ra­te­te Paa­re. Baden-Würt­tem­berg, Bre­men, Ham­burg, das Saar­land und Schles­wig-Hol­stein haben zwar teils Inter­es­se an die­ser För­de­rung, aber noch nichts Ent­spre­chen­des beschlos­sen. Das Infor­ma­ti­ons­por­tal Kin­der­wunsch bie­tet einen För­der-Check zu den Hil­fen ein­zel­ner Bundesländer.

In unse­rem nächs­ten Absi­che­rungs-Bei­trag gibt es wei­te­re Wege zum Wunsch­kind. Für alle, die nicht hete­ro­se­xu­ell sind.

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