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Trennungsunterhalt: Wer bekommt wieviel?

2022-06-08T13:21:45+02:008. Juni 2022|

Nach­ehe­li­cher Unter­halt und Schei­dung gehö­ren irgend­wie zusam­men wie But­ter und Brot. Eher unbe­kannt ist, dass es bereits vor der Schei­dung einen Anspruch auf Unter­halt gibt.  

Von Ines Baur

Ein Gat­te ver­lässt von heu­te auf mor­gen das gemein­sa­me Zuhau­se. Die Ehe ist zer­rüt­tet. Wie kommt die vom Gat­ten finan­zi­ell abhän­gi­ge Frau bis zum Schei­dungs­ter­min über die Run­den? Nach dem Gesetz haben mit­tel­lo­se Ehe­leu­te Anspruch auf Tren­nungs­un­ter­halt.  

Wer hat einen Anspruch auf Trennungsunterhalt?

Gat­ten sind finan­zi­ell für­ein­an­der ver­ant­wort­lich. Selbst wenn sie sich getrennt und die Schei­dung beschlos­sen haben. Denn bis zur rechts­kräf­ti­gen Schei­dung sind sie ver­hei­ra­tet und damit in einer Wirt­schafts­ge­mein­schaft. Kann die Gat­tin – meist sind es ja die Frau­en – sich finan­zi­ell nicht selbst ver­sor­gen, hat sie im Tren­nungs­jahr einen Anspruch auf Tren­nungs­un­ter­halt (§ 1361 BGB).  

„Auf den Tren­nungs­un­ter­halt kann man nicht ver­zich­ten, das ist recht­lich nicht mög­lich“, sagt die Münch­ner Anwäl­tin Julia Ekdahl. „Nicht mal mit Ehe­ver­trag kann man Tren­nungs­un­ter­halt aus­schlie­ßen.“ Ob und wie­viel Tren­nungs­un­ter­halt es gibt, sei eine ande­re Sache. Es müss­ten eini­ge Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sein. 

Das sind die Voraussetzungen

Ers­te Vor­aus­set­zung ist, dass die Ehe­leu­te ver­hei­ra­tet aber getrennt sind. Zwei­te Bedin­gung ist, dass eine Gat­tin oder ein Gat­te allei­ne finan­zi­ell nicht über die Run­den kommt und bedürf­tig ist. „Drit­tens muss der Part­ner genug ver­die­nen, um den Unter­halt zah­len zu kön­nen“, sagt Ekdahl. Gera­de in teu­ren Städ­ten wie Mün­chen sto­ßen Tren­nungs­paa­re, die schlech­ter ver­die­nen an ihre Gren­zen. Der Selbst­be­halt von 1.280 Euro (Stand 2022) muss für den Gat­ten, der in der Ver­ant­wor­tung steht zu zah­len, gesi­chert sein. Andern­falls fällt die Unter­halts­zah­lung aus.  

„Oft ist es schwer vor­stell­bar, wie es ein getrenn­tes Paar schaf­fen soll, finan­zi­ell über die Run­den zu kom­men“, sagt Ekdahl. Das gel­te für bei­de, denn immer­hin sei­en ad hoc zwei Mie­ten zu zah­len und zwei Haus­hal­te zu füh­ren. Das kos­te ein­fach mehr Geld. Wei­ter gebe es nach der Schei­dung einen nach­tei­li­gen Wech­sel bei den Steu­er­klas­sen. „Mehr finan­zi­el­le Ver­pflich­tun­gen und weni­ger Net­to, eine schwie­ri­ge Situa­ti­on“, gibt die Anwäl­tin zu beden­ken.  

Zurück in den Job Pflicht?

Noch­mals das The­ma ‘Geh doch arbei­ten‘. Aus § 1361.2 BGB geht her­vor, dass der nicht erwerbs­tä­ti­ge Ehe­gat­te – wenn mög­lich – arbei­ten sol­le. Mit Blick auf die Betreu­ungs­si­tua­ti­on hier­zu­lan­de ist das ein­fa­cher gesagt, als getan. Und den­noch emp­fiehlt die Exper­tin den Frau­en so schnell wie mög­lich auf die Bei­ne zu kom­men. Das Tren­nungs­jahr ist eine gute Gele­gen­heit, sich neu auf­zu­stel­len und auf das Leben „danach“ vor­zu­be­rei­ten. Weder Tren­nungs­un­ter­halt noch der nach­ehe­li­che Unter­halt siche­re in der Regel den Lebens­stan­dard ab. „Es sei denn, man hat einen Bom­ben-Ehe­ver­trag oder wäh­rend der Ehe genug Ver­mö­gens­wer­te ange­häuft.“  

Wie wird Trennungsunterhalt berechnet?

Die Berech­nung des Tren­nungs­un­ter­halts funk­tio­niert anders, als die des nach­ehe­li­chen Unter­halts. „Ganz grob kann man sagen: Wer kein eige­nes Ein­kom­men hat, dem ste­hen drei Sieb­tel des berei­nig­ten Net­to­ein­kom­mens des ande­ren zu“, sagt Ekdahl. Aller­dings gäbe es von Regi­on zu Regi­on im Ein­zel­nen fei­ne Unter­schie­de bei den Berech­nun­gen. 

Unter berei­nig­tem Net­to­ein­kom­men ver­steht man das Gesamt­ein­kom­men im Jahr vor der Tren­nung, abzüg­lich bestimm­ter Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen. Das Ein­kom­men sind Lohn oder Gehalt bei Ange­stell­ten. Bei Selbst­stän­di­gen berech­net es sich aus den Ein­künf­ten aus der selbst­stän­di­gen Arbeit. Zusatz­leis­tun­gen wie Weih­nachts­geld oder ande­re Boni, Ein­nah­men aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung, Zins­er­trä­ge, even­tu­ell Steu­er­erstat­tun­gen wer­den ein­ge­rech­net.  

Abzugs­fä­hig sind etwa Unter­halts­zah­lun­gen für Kin­der, Kre­dit­ra­ten für die gemein­sa­me Immo­bi­lie oder Alters­vor­sor­ge­bei­trä­ge. Selbst­stän­di­ge dür­fen Betriebs­aus­ga­ben gel­tend machen, die das Net­to­ein­kom­men enorm schmä­lern kön­nen. Bleibt Gat­tin oder Gat­te nach der Tren­nung im gemein­sa­men Haus woh­nen, ist der Wohn­vor­teil zu beach­ten.  

Wie hoch ist der Trennungsunterhalt?

Um eine Ahnung von der Grö­ßen­ord­nung des Tren­nungs­un­ter­halts zu bekom­men, fol­gend zwei Bei­spie­le: 

  • Das berei­nig­te Net­to­ein­kom­men des Gat­ten ist 3.000 Euro. Bei der Drei-Sieb­tel Vari­an­te bekommt die nicht erwerbs­tä­ti­ge Gat­tin 1.286 Euro.  
  • Das berei­nig­te Net­to­ein­kom­men des Gat­ten ist 3.000 Euro. Die Gat­tin ver­dient 800 Euro. Hier berech­net man erst die Dif­fe­renz zwi­schen den Ein­kom­men, dann die Drei-Sieb­tel. Also 3.000 Euro — 800 Euro=2.200 Euro. Davon ste­hen der Gat­tin 3/7 zu, rund 940 Euro. 

Geld und Kin­der sind die häu­figs­ten Streit­the­men bei Schei­dun­gen. Wer zah­len muss, möch­te mög­lichst wenig zah­len. Wer Tren­nungs­un­ter­halt for­dert, möch­te mög­lichst viel bekom­men. Bes­ten­falls ver­stän­di­gen sich die Ehe­leu­te auf eine ein­ver­nehm­li­che Rege­lung. Egal aus wes­sen Blick­win­kel betrach­tet, macht eine anwalt­li­che Bera­tung Sinn. Den braucht es ohne­hin für die Schei­dung.  

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