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  • Rena Kleine ist Co-Founderin ​​des Startups ecotrek, ©ecotrek

TechAward-Preisträgerin Rena Kleine: Warum ecotrek sich von EcoVadis kaufen ließ

2022-11-30T12:08:47+01:0030. November 2022|

Rena Klei­ne ist Co-Foun­derin von ecot­rek, einem ehe­ma­li­gen Start­up, das Unter­neh­men mit einer Sus­taina­bi­li­ty-Data-Mining-Tech­no­lo­gie dabei unter­stützt, die Nach­hal­tig­keit ihrer Geschäfts­part­ner zu bewer­ten. Wes­halb sie und ihr Team bereits nach zwei Jah­ren einen erfolg­rei­chen Exit hin­leg­ten, war­um sie sich ger­ne von der fran­zö­si­schen Eco­Va­dis SAS kau­fen lie­ßen und wie es sich anfühlt, im eige­nen Unter­neh­men ange­stellt zu sein, haben wir nach­ge­fragt.  

Von Fan­ny Zschau

courage-online.de: Liebe Rena, ich habe ecotrek zuletzt bei der WLOUNGE Tech Award Gala 2022 getroffen, wo deine Mitgründer:innen für euren Exit, sprich die Übernahme durch EcoVadis, wie Rockstars gefeiert wurden. Du warst an dem Tag in New York – wie hat sich das i​m​​​ Big Apple für dich angefühlt? 

Rena Klei­ne: Toll und unwirk­lich zugleich. So eine Über­nah­me nach nur zwei Jah­ren und drei Mona­ten ist unge­wöhn­lich und es freut uns, wenn wir ande­ren Mut machen und es so schö­ne Anläs­se wie die TechA­wards gibt, bei denen wir mit ande­ren Gründer:innen fei­ern kön­nen. ecotrek hat in den letz­ten Jah­ren einen wil­den Ritt hin­ge­legt, und wir sind auch des­halb immer schnel­ler galop­piert, weil wir etwas ent­wi­ckeln woll­ten, das Unter­neh­men den Nach­weis der Nach­hal­tig­keit ihrer Lie­fe­ran­ten- und Wert­schöp­fungs­ket­ten erleich­tert. Vie­le Groß­kon­zer­ne haben um die 100.000 direk­te und indi­rek­te Lieferant:innen. Inhouse ist es dem Kon­zern kaum mög­lich, sie nach den von der EU ver­lang­ten Nach­hal­tig­keits-Stan­dards zu über­prü­fen. Des­halb haben wir eine KI-gestütz­te ESG-Risi­ko­ma­nage­ment-Platt­form kre­iert, die das für sie erle­digt.  

Was ist denn eine ESG-Risikomanagement-Plattform? 

Für alle Unter­neh­men ist der­zeit die Erfül­lung der ESG-Kri­te­ri­en, die im Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men auch für ihre Zulie­fe­rer ange­legt wur­den, eine gro­ße Her­aus­for­de­rung. ESG steht für Envi­ron­ment, Social und Gover­nan­ce. Wäh­rend in den letz­ten 15 Jah­ren Unter­neh­men für den Nach­weis der Nach­hal­tig­keit Fra­ge­bö­gen an ihre Lie­fe­ran­ten ver­schick­ten, die die­se selbst aus­fül­len konn­ten, sind sie heu­te dazu auf­ge­for­dert, deren Anga­ben selbst zu prü­fen. Hier­für müss­ten Unter­neh­men rund 15–25 Pro­zent ihres Per­so­nals ein­set­zen. Des­halb haben wir uns über­legt, wie kann KI uns beim Recher­chie­ren, Aggre­gie­ren und Extra­hie­ren von Daten hel­fen? Wir sind davon über­zeugt, dass jedes Unter­neh­men ein­fa­chen, schnel­len und ver­trau­ens­wür­di­gen Zugang zu Nach­hal­tig­keits­da­ten sei­ner Lie­fe­ran­ten haben soll­te. Das bie­tet unse­re Platt­form heu­te. 

Wie habt ihr das als kleines Startup geschafft? 

Wir haben ein Pro­jekt­team zusam­men­ge­stellt und gemein­sam mit einem Kreis von fünf Kun­den, Tech­no­lo­gie­part­nern und Wis­sen­schaft­lern indus­trie­er­prob­te Sus­tainab­le-Data-Mining Tech­no­lo­gien ent­wi­ckelt, die es Unter­neh­men ermög­li­chen, die Nach­hal­tig­keit ihrer Lie­fe­ran­ten auto­ma­ti­siert zu über­wa­chen. Die­se haben wir in wöchent­li­chen Feed­back­schlei­fen gegen­ge­checkt und hat­ten so nach sechs Mona­ten einen Pro­of of Con­cept. Heu­te wer­den die­se Tech­no­lo­gien in einer End-to-End-Soft­ware­lö­sung bereit­ge­stellt, die Entscheider:innen durch den gesam­ten Pro­zess führt. Im Ergeb­nis sehen sie in einer Ampel von Rot über Gelb bis Grün, wie nach­hal­tig das lie­fern­de Unter­neh­men ist. 

Das klingt nach High Tech. Wo und was hast du studiert und wie seid ihr auf die Idee von ecotrek gekommen?

Ich habe digi­ta­le Wirt­schaft an der Staat­li­chen Ber­li­ner Hoch­schu­le für Tech­nik BHT stu­diert. Wir wur­den dort durch Pro­jek­te, an denen wir prak­tisch mit­ar­bei­ten durf­ten, an unter­neh­me­ri­sches Den­ken und aktu­el­le Pro­blem­la­gen von Unter­neh­men her­an­ge­führt. Mei­ne Pro­fes­so­rin hat mich auf den Hacka­thon 2020 bei Goog­le Ber­lin auf­merk­sam gemacht. Dort habe ich mich bewor­ben, mei­ne Mit­grün­der: innen ken­nen­ge­lernt und die Idee gemein­sam mit ihnen ent­wi­ckelt. Wir beschlos­sen dort, Nach­hal­tig­keit im Kon­text von Geschäfts­ent­schei­dun­gen neu zu den­ken und haben ecot­rek direkt gegründet. 

Ist Nachhaltigkeit auch ein wichtiges Thema für die Gen Z? 

Ich den­ke, Nach­hal­tig­keit ist ein viel­be­nutz­tes Schlag­wort, das von den Genera­tio­nen vor uns nicht kon­se­quent umge­setzt wur­de. In unse­rem Stu­di­um gab es bei­spiels­wei­se nur einen Impuls­vor­trag zu die­sem The­ma. Wir Student:innen muss­ten aktiv nach­fra­gen und jetzt gibt es eine Nach­hal­tig­keits­pro­fes­so­rin. 76 Pro­zent der Gen Z legt Wert auf Nach­hal­tig­keit. Mit der Grün­dung von ecot­rek habe ich mein Her­zens­the­ma ins Zen­trum gestellt, und es macht mir Mut, dass wir im Kampf um Nach­hal­tig­keit vie­le sind. 

Würdest Du sagen, ihr hattet es einfach als Startup? 

Ein­fach ist anders. Wir mussten zwei Jah­re lang hart für unse­ren Erfolg arbei­ten. Wir haben mit­ten in Coro­na gegrün­det, als es kei­ne Events und Netz­werk­tref­fen gab. Letzt­lich haben wir unse­re Anfangs­idee kon­se­quent und schlank durch­ge­zo­gen, sind sehr prag­ma­tisch ran­ge­gan­gen und haben rein mathe­ma­tisch nach den größ­ten Impact-Hebeln gesucht. Dadurch, dass wir über Lin­kedIn vie­le  Expert:innen anschrei­ben konn­ten und die­se uns wert­vol­len Input gaben, erhiel­ten wir bei unse­rem Launch viel posi­ti­ves Feedback. Ich den­ke, auch des­halb, weil wir zah­len­de Mus­ter­kun­den und wis­sen­schaft­li­che Hil­fe hat­ten und uns immer alle online aus­ge­tauscht haben. Dazu haben wir recher­chiert, wie weit ande­re EU-Län­der beim The­ma Nach­hal­tig­keit sind. Vor allem Frank­reich ist uns um Mei­len vor­aus und so kamen wir zu Eco­Va­dis, die uns im Juli 2022 über­nom­men haben – am sel­ben Tag, an dem ich mein Bache­lor­zeug­nis über­reicht bekam. 

Gratulation! Was bedeutet der Verkauf von ecotrek für euch und wie fühlt es sich für dich an, direkt nach der Uni im eigenen Unternehmen eine leitende Angestellte zu sein? 

ecot­rek ist jetzt eine Toch­ter des Markt­füh­rers EcoVadis, der uns über­nom­men hat, um sein Port­fo­lio um unse­re Lösun­gen zu ergänzen und dadurch den Umfang, die Geschwin­dig­keit und die Qua­li­tät der ESG-Trans­pa­renz und ‑Aus­wir­kun­gen in glo­ba­len Wertschöpfungsketten zu ver­bes­sern. Unser Trei­ber für den Ver­kauf war wie­der der Fak­tor Zeit – wir müs­sen jetzt schnell sein, wenn wir die Welt noch ret­ten wol­len. 

Haben die Gründerin des WLounge Netzwerks Mali M. Baum und das WLounge House für euren erfolgreichen Start auch eine Rolle gespielt? 

Es gibt nicht vie­le Fäl­le in Ber­lin, wo du Anfang Mit­te 20 schon einen so gro­ßen Exit hin­legst und wir kann­ten weder ent­spre­chen­de Anwäl­te noch Unter­neh­mens­be­ra­ter, um mit einem fran­zö­si­schen Unter­neh­men zu unter­zeich­nen. Dann hat­ten wir ein Gespräch mit Mali, die uns bera­ten hat. Das war vor allem hilf­reich, weil wir uns sor­tie­ren und struk­tu­rie­ren muss­ten, um alles so abzu­lie­fern, dass die Über­nah­me klappt. Was ich am meis­ten an Mali schät­ze – sie kennt kei­ne Limits.  

WLounge TechA­wards Gala 

Unter dem Mot­to Women Dri­ve Inno­va­ti­on wur­den in Ber­lin zum zwei­ten Mal die Tech Awards ver­lie­hen. Als Abschluss und High­light der Tele­kom Star­tup­nights erhiel­ten Pionier:innen der Start­up- und Tech-Bran­che in zehn Kate­go­rien einen Award für ihre inno­va­ti­ven Ideen, durch die sie sowohl das deut­sche als auch inter­na­tio­na­le Tech‑Ökosystem fördern. Initi­iert wur­de die Tech Awards Gala von der Seri­en­un­ter­neh­me­rin und Inves­to­rin Mali. M. Baum und der von ihr gegrün­de­ten WLounge, der größ­ten Netz­werk­platt­form für Vorreiter:innen der Tech-Bran­che.   

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