Startseite/TechAward-Preisträgerin Amanda Maiwald: Coden lernen per App
  • Amanda Maiwald ist CEO und Co-Founderin von codary, einem digitalen Bildungsanbieter, ©codary GmbH

TechAward-Preisträgerin Amanda Maiwald: Coden lernen per App

2023-01-20T11:24:11+01:0018. Januar 2023|

Aman­da Mai­wald ist CEO und Co-Foun­de­rin von coda­ry, einem digi­ta­len Bil­dungs­an­bie­ter, der Kin­dern und Jugend­li­chen in Online-Kur­sen spie­le­risch das Coden bei­bringt. Außer­dem steht sie auf der dies­jäh­ri­gen For­bes 30U30 Lis­te, die im deutsch­spra­chi­gen Raum die wich­tigs­ten Leu­te unter 30 aus­zeich­net und ist Gesicht der Zukunft des Maga­zins Busi­ness Punk. War­um wir schon im jun­gen Alter Coden ler­nen soll­ten und wie­so es wich­tig ist, Mäd­chen aus­zu­bil­den, haben wir nachgefragt.

Von Fan­ny Zschau

courage-online.de: Liebe Amanda, ich habe euch bei der WLOUNGE Tech Award Gala 2022 getroffen, auf der ihr den Preis in der Kategorie EdTech gewonnen habt. Wie hat sich das auf der Bühne für dich angefühlt?

Aman­da Mai­wald: Die Tech Award Gala im Wal­dorf Asto­ria ist etwas ganz Beson­de­res. Die Stim­mung im Saal und im Team war eupho­risch und der gan­ze Tag groß­ar­tig für uns. Inklu­si­ve der groß­ar­ti­gen Men­schen, die wir dort ken­nen­ler­nen durf­ten. Aber wich­ti­ger als aller Applaus und der Preis ist mir die Auf­merk­sam­keit für unser Pro­jekt. Wir ver­mit­teln Kin­dern 21st Cen­tu­ry Skills, die ihnen Rücken­wind in allen Berei­chen geben, in denen sie heu­te spie­le­risch unter­wegs sind und über­mor­gen arbei­ten werden.

Was sind denn 21st Century Skills?

Der OECD-Lern­kom­pass 2030 beschreibt mit den 21st Cen­tu­ry Skills die Fähig­kei­ten, die Men­schen und Orga­ni­sa­tio­nen brau­chen, um die kom­ple­xen Her­aus­for­de­run­gen im 21. Jahr­hun­dert zu über­le­ben, gesund zu ver­ar­bei­ten und im bes­ten Fall mit Freu­de und Erfolg zu meis­tern. Laut Lern­kom­pass – der 2019 in Van­cou­ver vor­ge­stellt wur­de und an dem 38 west­li­che Indus­trie­na­tio­nen ihre Cur­ri­cu­la aus­rich­ten – ist Pro­gram­mie­ren eine der Top-Ten-Kern­kom­pe­ten­zen. Lei­der gibt es in Deutsch­land in die­sem Bereich eine Rie­sen­lü­cke. coda­ry ist dazu ange­tre­ten, die­se Lücke zu schließen.

Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da und was können wir von anderen Ländern lernen?

Wir ste­hen bei der Digi­ta­li­sie­rung laut aktu­el­ler DESI-Stu­die der EU-Kom­mis­si­on im euro­päi­schen Ver­gleich an 13. Stel­le. Dazu gehört auch, dass Eltern ler­nen, sinn­vol­le Screen-Time für Kin­der und Jugend­li­che zu dif­fe­ren­zie­ren. Kin­der nut­zen digi­ta­le und sozia­le Medi­en genau­so divers wie unse­re Eltern-Genera­ti­on Bücher, Kas­set­ten, Radio, Tele­fon, Video oder TV. Und wenn durch zahl­rei­che Stu­di­en längst belegt ist, dass ohne Digi­ta­li­sie­rung und Online-Kennt­nis­se die gro­ßen gesell­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen sowie die Kli­ma­kri­se kon­ven­tio­nell nicht mehr zu bewäl­ti­gen sind, dann soll­ten älte­re und jün­ge­re Genera­tio­nen jetzt ihre Kom­pe­ten­zen vereinen.

Wird Software anders entwickelt oder werden Tech-Startups anders geführt, wenn Frauen an ihrer Entwicklung beteiligt sind?

Ich per­sön­lich bin fest davon über­zeugt, dass tech­no­lo­gi­sche Pro­duk­te und Tech-Star­tups nach­hal­ti­ger wer­den, wenn man kol­la­bo­ra­tiv, divers, inklu­siv und im Ide­al­fall inter­kul­tu­rell arbei­tet. Bei coda­ry bezie­hen wir des­halb alle Betei­lig­ten immer in die Ent­wick­lung ein. Wir brin­gen Freund­lich­keit und Ver­ständ­nis für­ein­an­der auf und schaf­fen eine Atmo­sphä­re, in der sich alle wohl­füh­len. Wir lachen viel, fei­ern klei­ne und gro­ße Erfol­ge und geben uns den Raum, Gelern­tes zu reflek­tie­ren oder aus Feh­lern zu ler­nen. Mit coda­ry wol­len wir unab­hän­gig von Geschlecht, Her­kunft oder Ein­kom­men Infor­ma­tik zugäng­li­cher machen und spie­le­risch im digi­ta­len Raum Wis­sen vermitteln. 

Wo und was hast du studiert und wie seid ihr auf die Idee für codary gekommen?

Ich bin gebür­ti­ge Ber­li­ne­rin und habe an der TU Ber­lin mei­nen Bache­lor im Nach­hal­ti­gen Manage­ment gemacht und danach mei­nen Mas­ter in Wirt­schafts­in­for­ma­tik an der Hum­boldt Uni­ver­si­tät. Die Ursprungs­idee stammt von mir, da mir ins­be­son­de­re an der HU auf­fiel, dass mei­ne über­wie­gend männ­li­chen Kom­mi­li­to­nen mir gegen­über einem enor­men Vor­teil hat­ten, weil sie zumeist schon im Jugend­al­ter ange­fan­gen hat­ten zu coden. Infor­ma­tik prägt seit Jah­ren unse­re Gesell­schaft – alle benut­zen täg­lich ihr Smart­pho­ne, ohne zu wis­sen, wie es wirk­lich funk­tio­niert und Kin­der zocken Spie­le, ohne sich mit der Tech­nik dahin­ter aus­ein­an­der­zu­set­zen. An heu­ti­gen Schu­len brin­gen wir unse­ren Kin­dern Lesen und Schrei­ben früh bei, damit sie an der Gesell­schaft teil­neh­men kön­nen. Wer aber kei­ne Fähig­kei­ten in Infor­ma­tik gewinnt, der kann die Gesell­schaft bald nicht mehr mit­ge­stal­ten. Des­halb habe ich mich mit mei­nen Freund: innen Anto­nia Schein und Niko­laj Bewer im Coro­na-Lock­down ent­schlos­sen: Wir wol­len nicht meckern, son­dern machen.

Würdest Du sagen, ihr hattet es einfach als Startup?

Nie­mand wür­de sagen, dass Grün­den ein­fach ist. Es ist viel­mehr eine sehr lehr­rei­che Ach­ter­bahn­fahrt und auch wir muss­ten schon mehr Kri­sen trot­zen als manch ande­res Start­up. Die letz­ten zwei Jah­re waren auch glo­bal betrach­tet sehr inten­siv –mit Coro­na und dem Angriffs­krieg auf die Ukrai­ne, das betrifft uns alle. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Kin­dern und Jugend­li­chen spie­le­risch die digi­ta­le Welt näher­zu­brin­gen – ganz prak­tisch per Video-Chat von zu Hau­se aus. Was uns immer durch schwie­ri­ge Zei­ten gebracht hat, ist, dass wir uns zu 100 Pro­zent auf­ein­an­der ver­las­sen kön­nen und das gesam­te Team an einem Strang zieht.

Magst Du unseren Leser:innen erzählen, wie ihr an eure Finanzierung gekommen seid?

Wir haben mit coda­ry die­ses Jahr unse­re Seed-Finan­zie­rung über 3,5 Mil­lio­nen Euro abge­schlos­sen. Das gibt uns die Mit­tel unser Pro­dukt wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und das Unter­neh­men zu ska­lie­ren. Als wir coda­ry gegrün­det haben, sind wir sehr schnell in den Markt ein­ge­tre­ten und konn­ten so bewei­sen, dass es eine sehr gro­ße Nach­fra­ge nach unse­rem Pro­dukt gibt und auch die ent­spre­chen­de Zah­lungs­be­reit­schaft bei unse­ren Kun­den vor­han­den ist. So haben wir 2020 unse­re ers­ten Busi­ness Angels begeis­tern kön­nen und dann die­ses Jahr mit star­kem Wachs­tum auch inter­na­tio­na­le VCs von unse­rer Mis­si­on über­zeu­gen können.

Haben die Gründerin des WLOUNGE Netzwerks Mali M. Baum und das WLOUNGE House für euren erfolgreichen Start auch eine Rolle gespielt?

Mali ist ein groß­ar­ti­ges Vor­bild und der von ihr ins Leben geru­fe­ne TechA­ward bie­tet eine Büh­ne für tol­le Gründer:innen. Auch ihr WLOUNGE Netz­werk hat uns gehol­fen, um vor­an­zu­kom­men, sie hat uns Türen geöff­net und gemein­sam über­zeu­gen wir auch Old Boys Net­works mit kraft­vol­ler Frauenpower.

WLounge TechA­wards Gala 

Unter dem Mot­to Women Dri­ve Inno­va­ti­on wur­den in Ber­lin zum zwei­ten Mal die Tech Awards ver­lie­hen. Als Abschluss und High­light der Tele­kom Star­tup­nights erhiel­ten Pionier:innen der Start­up- und Tech-Bran­che in zehn Kate­go­rien einen Award für ihre inno­va­ti­ven Ideen, durch die sie sowohl das deut­sche als auch inter­na­tio­na­le Tech‑Ökosystem fördern. Initi­iert wur­de die Tech Awards Gala von der Seri­en­un­ter­neh­me­rin und Inves­to­rin Mali. M. Baum und der von ihr gegrün­de­ten WLounge, der größ­ten Netz­werk­platt­form für Vorreiter:innen der Tech-Bran­che.   

Noch mehr Infos für dich

Mobbing im Beruf: Albtraum, Konsequenzen und Möglichkeiten

Fast 30 Pro­zent der Deut­schen geben an, schon ein­mal am Arbeits­platz gemobbt wor­den zu sein. Doch wo fängt Mob­bing eigent­lich an? Sind Frau­en öfter betrof­fen? Und wel­che Mög­lich­kei­ten haben sie, sich aus ihrer Lage zu befrei­en? Cou­ra­ge hat mit Betrof­fe­nen und Exper­tin­nen gesprochen.

Frauen im Handwerk: „Es braucht ein allgemeines Umdenken“

Bis heu­te ist das Hand­werk – vor allem in den gewerb­lich-tech­ni­schen Beru­fen – noch sehr männ­lich geprägt. Das soll sich ändern. Wie die Situa­ti­on aktu­ell aus­sieht, wel­che Poten­zia­le noch aus­ge­schöpft wer­den kön­nen und wie Frau­en im Hand­werk mehr Sicht­bar­keit bekom­men kön­nen, haben wir Cor­ne­lia Lutz, Bereichs­lei­te­rin B2C-Mes­sen und Lei­tung „Zukunft Hand­werk“ gefragt. 

Dir hat der Artikel gefallen? Jetzt teilen...

Nach oben