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  • Beruf und Familie zu vereinbaren kann sehr herausfordernd sein, ©Pekic/iStock

Tanja Fröhlich-Israng: Wie sich der Berufsalltag mit Kind bewältigen lässt

2022-12-13T10:05:32+01:0011. Dezember 2022|

Bereits 2015 hat Tan­ja Fröh­lich-Israng einen Leit­fa­den für wer­den­de Müt­ter geschrie­ben: „Kind und Kar­rie­re“. Dabei geht es der Autorin und zwei­fa­chen Mut­ter nicht um Über­zeu­gungs­ar­beit für die­se Lebens­form, son­dern vor allem um die Bewäl­ti­gung des All­tags. Wir haben sie gefragt, wie das gelingt.

Von Sabi­ne Hildebrandt-Woeckel

courage-online.de: Ihr Buch ist vor sieben Jahren erschienen und noch erhältlich. Ist es immer noch aktuell?

Tan­ja Fröh­lich-Israng: Das The­ma „Kind und Kar­rie­re“ ist für Müt­ter heu­te genau­so aktu­ell wie 2015. Und ich den­ke nicht, dass sich dar­an etwas ändern wird. Es ist eine per­sön­li­che Ent­schei­dung, eine Abwä­gung, wel­chem Bereich im Leben zu wel­chem Zeit­punkt Prio­ri­tät ein­ge­räumt wird. 

Was war Ihre Motivation, das Buch zu schreiben?

Wenn ich im ers­ten Lebens­jahr unse­res Kin­des nach etwas gesucht und es dann irgend­wann gefun­den hat­te, habe ich so oft gedacht: War­um wuss­te ich das denn nicht? Ich woll­te ande­ren „Erst­lings­müt­tern“ ein­fach Impul­se geben, wie der All­tag erleich­tert wer­den kann, damit auch für inten­si­ve Fami­li­en­zeit und beruf­li­che Zufrie­den­heit und Ent­wick­lung Raum ist. 

Können Sie uns vielleicht ein Beispiel nennen?

Ger­ne. Was ganz Ein­fa­ches: Mitt­ler­wei­le sind Koch­bo­xen eta­bliert. Das fami­liä­re The­ma Ein­kau­fen kann damit gelöst wer­den. Ande­re wich­ti­ge Tipps: out­sour­cen, bei­spiels­wei­se durch eine Haus­halts­hil­fe, sich bei Kauf­ent­schei­dun­gen auf das Wis­sen ande­rer ver­las­sen, also auf Test­ergeb­nis­se oder Tipps von ande­ren Eltern, ein Dorf schaffen …

Ein Dorf schaffen?

Ja, es braucht ein „Dorf“, um ein Kind groß­zu­zie­hen. Im ers­ten Jahr soll­te sich „das Dorf“ auf weni­ge, ver­trau­te Men­schen bezie­hen. Spä­ter lässt es sich erwei­tern. Mit Voll­mach­ten für ande­re Eltern gegen­über Kita oder Schu­le bei­spiels­wei­se kann man sich gegen­sei­tig beim Abho­len oder Brin­gen aus­hel­fen – auch ad hoc, wenn die Arbeit doch mal län­ger dau­ert. Auch das war übri­gens eine Moti­va­ti­on, das Buch zu schrei­ben: dem schlech­ten Gewis­sen vorzubeugen.

Sie meinen das ungute Gefühl, das viele Mütter haben, wenn sie nicht immer da sind und der Beruf mal Vorrang hat? 

Ja, das ist eigent­lich mei­ne wich­tigs­te Bot­schaft, die ich auch für mich selbst geschrie­ben habe: dem eige­nen Bauch­ge­fühl zu ver­trau­en. Es gibt eine Weis­heit: „Geht es der Mut­ter gut, geht es dem Kind gut.“ Fühlt eine Mut­ter sich wohl, dann haben sowohl das Kind, die Fami­lie als auch die Kar­rie­re gute Vor­aus­set­zun­gen, sich gut zu ent­wi­ckeln. Aber das größ­te Hin­der­nis ist ein Kom­pro­miss, der gegen die eige­ne Intui­ti­on geschlos­sen wird, wenn es um das Wohl der Kin­der geht. Und das ist auch gut so.

Was ist für Sie der wichtigste Aspekt in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Das sind zwei Aspek­te, die eng mit­ein­an­der ver­wo­ben sind. Das Los­las­sen: Wir haben nicht alles in der Hand, wir kön­nen nur so viel tun, wie wir in eben der Situa­ti­on tun kön­nen. Wenn also die lang geplan­te Dienst­rei­se auf­grund einer Erkran­kung des Kin­des abge­sagt wer­den muss, dann ist das so.

Und zweitens?

Den Ursa­chen des schlech­ten Gewis­sens nach­ge­hen. Wenn ich weiß, wo genau die Ursup­pe der Schuld­ge­füh­le steckt, dann kann ich dem bewusst ent­ge­gen­wir­ken. 

Das ist aber nicht immer einfach. 

Nein, aber es gibt Bera­tun­gen und Coa­ching-Ange­bo­te. Ich bin ein gro­ßer Fan davon, sich Hin­der­nis­sen mit­hil­fe bera­ten­der Beglei­tung zu stel­len – und sehe auch in mei­nem Kreis erfolg­rei­cher berufs­tä­ti­ger Frau­en, dass es hilft. Denn eine der größ­ten Stol­per­fal­len ist die Über­for­de­rung, die aus dem Wunsch resul­tiert, es allen recht machen zu wollen.

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