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    Superheldin, ©kieferpix/stock.adobe.com

Superheldinnen: „Ich verzichte auf Urlaub und Schlaf“

2022-04-21T15:55:51+02:0016. April 2022|

Sarah Lan­dis ist 32 Jahre alt und die Inha­be­rin eines fran­zö­sischen Concept Stores in Reck­ling­hau­sen. Wie geht es ihr damit? Der zwei­und­zwan­zigs­te Teil der courage-online.de Serie „Super­hel­din­nen“. 

Von Mat­thi­as Lauerer

Ich stu­dier­te in einem inter­na­tio­na­len Stu­di­en­gang Geschich­te in Bochum. Doch als ich fer­tig war, stell­te ich fest, dass ich kei­ne Lehrerin werden woll­te. Mir schweb­te statt­des­sen vor, mit den Hän­den zu arbei­ten und so Geld zu ver­die­nen. Ich bin zwar nicht so gut mit Zah­len, aber selb­st­stän­dig zu sein, die eige­ne Kreati­vi­tät einzubringen und selbst entscheiden, gefällt und liegt mir sehr“, sagt Sarah Lan­dis. Aus ihr spru­deln die Wor­te im Inter­view nur so her­vor. Deutsch spricht sie per­fekt mit einem Hauch von Akzent.Ich stam­me aus Frank­reich und mei­ne Mut­ter ist Deutsche“, sagt sie. Doch die deut­sche Spra­che erlernt sie erst bei den Groß­el­tern. 

Ausgebuchte Weinverkostungen  

Heu­te betreibt die jun­ge Frau einen fran­zö­si­schen „Concept Store namens „AMAin NRW. „AMA“ bedeu­tet im Dia­lekt ihrer Hei­mat lie­ben“. Lan­dis star­te­te ihren Laden im August 2021. Im Ange­bot: Fein­kost, Deko- und Life­sty­le­ar­ti­kel und Wein. Wich­tig ist ihr, dass alle Pro­duk­te aus Frank­reich stam­men, zudem nach­hal­tig sind und aus klei­nen Manu­fak­tu­ren kom­men. Der sozia­le Aspekt ist mir wich­tig und ich fin­de es groß­ar­tig, mit Frau­en zu arbei­ten“, sagt sie im Gespräch. Über „Amabie­tet sie auch Wein­pro­ben an. Was Lan­dis erstaunt: „Die Wein­pro­ben sind alle aus­ge­bucht.“ Auch die Akzep­tanz der fran­zö­si­schen Wei­ne kam über­ra­schend. „Ich dach­te, die sind nicht sehr beliebt.“ Die pas­sen­den Fach­kennt­nis­se im Metier brach­te sie sich selbst bei.

Sarah Landis

Sarah Lan­dis, Quel­le: AMA Con­cept Store

Einfall im Urlaub

Die Geschäfts­idee kam ihr spon­tan bei einem Frank­reichur­laub. Ich bin manch­mal ein impul­siver Mensch und als der Tou­rist­gui­de, der mein Vater ist, uns mit zu einer Wein­pro­be nimmt, war es um mich gesche­hen. Denn es war Hoch­som­mer und wir tran­ken Wein mit Blick auf das Meer, ein­fach total schön und so dach­te ich bei mir: ´das ist mein Leben´.

Selbstständig oder fest angestellt

In ihrer per­sön­li­chen Umge­bung ist sie die einzi­ge Frau, die selbstständig arbei­tet. In mei­ner Genera­ti­on sagen alle: ´Du bist so mutig, dies ver­di­ent meinen Respekt´, aber kei­ner wagt so etwas wie ich.“ Und wei­ter: „Mein per­sön­li­cher Graus: Men­schen gehen in Rente, bekom­men nach zwei Jah­ren Krebs und ster­ben. Wenn du alles auf mor­gen schiebst, ist es zu spät. Ich lebe kein Okay-Leben, jetzt ist der Moment. Ich ver­zichte auf Schlaf und Urlaub, füh­re tol­le Gespräch und mache fei­ne Erfahrungen. Mir steht die Welt offen, denn ich habe Macht und bin nicht macht­los.

Fehlende Vermittlung

Was sie im Nach­hin­ein ein wenig ärgert, ist die feh­len­de Bil­dung beim The­ma Finan­zen. „Lei­der habe ich nie etwas über Finan­zen gelernt und dies bereut.  
Die Schu­le bil­det dich aus, um ein guter Mitarbeiter oder ein guter Bür­ger zu sein und nicht, um sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Über ihren bis­he­ri­gen Lebens­weg sagt sie: „Ich habe viel auspro­biert, weil ich nie das Rich­ti­ge fand. Mein Vater ist Thea­ter­schau­spie­ler und er wuchs in einer Pari­ser Kom­mu­nistengemeinschaft auf. Mein Papa zog mich genau­so auf, wie mei­nen Bruder. Papas Cre­do lau­te­te: ´Greif nach den Ster­nen und sei die Bes­te.´ Man pro­biert sich aus und weiß, ich kann an Geld kom­men, wenn das nicht klappt. Ich genieße ein Privi­leg und war sehr gut in der Schu­le. Frankreich ist ein toller Sozialstaat, doch ohne staat­li­che Unter­stüt­zung hätte ich sicher nie stu­diert.

„Es läuft gut“

Über das The­ma Finan­zen sagt sie wei­ter: „Ich habe für den Laden einen Kre­dit auf­ge­nom­men, doch es läuft. Mei­ne Zah­len sind gut und es schau­en vie­le ´Wie­der­ho­lungs­tä­ter´ vor­bei und lang­sam mache ich mir einen Namen in der Stadt. Denkt sie auch ab und an die Hei­mat? „Ich lie­be Deutsch­land und will nicht zurück nach Frankreich.“

Wein vom Winzer

Fragt man sie über ihr Leben in fünf oder zehn Jahren, lacht Landis und sagt: „In der Zukunft? Ich bin nicht gut dar­in, in die Zukunft zu bli­cken, wür­de jedoch ger­ne auch Gas­tro­no­mie im Geschäft anbie­ten. Kaf­fee, Crois­sants, Quiche wären dann im Ange­bot. Ich will mich zudem ger­ne ver­grö­ßern und hät­te ger­ne Ange­stell­te. Mein Traum: Den Wein direkt von den Wein­gü­tern zu kau­fen.

In der courage-online.de-Serie „Super­hel­din­nen“ stel­len wir regel­mä­ßig Frau­en vor, die ihr augen­schein­lich „ganz nor­ma­les“ Leben wie eine Super­hel­din meis­tern. Wir zei­gen die ganz per­sön­li­chen Lebens­läu­fe, spre­chen über Finanz­bil­dung und wol­len Mut machen: Jede Frau ist eine Super­hel­din! 

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Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­t­um ist stu­dier­te Heil­päd­ago­gin und seit 2017 bei der Deut­schen Kin­der­krebs­stif­tung für „Pro­jekt­ma­nage­ment und psy­cho­so­zia­le The­men“ zustän­dig. Zuvor enga­gier­te sich die Mut­ter von Zwil­lin­gen, die selbst sehr jung an Krebs erkrank­te, ehren­amt­lich für die Stif­tung. “Ein Ehren­amt kann dabei hel­fen, aus­zu­lo­ten, wo die eige­ne beruf­li­che Rei­se hin­ge­hen soll”, ermu­tigt Rita Kor­t­um. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Beharrlichkeit. 

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