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    Superheldin, ©Who is Danny/stock.adobe.com

Superheldinnen: „Hier kann man sehr schön leben“

2022-06-08T10:05:24+02:0028. Mai 2022|

Ami­ra Alfruh stammt aus Syri­en und lebt heu­te im Ruhr­ge­biet. Wie gelang ihr der Ein­stieg in einem Staat, der doch gut 2.900 Kilo­me­ter von der alten Hei­mat ent­fernt liegt? Der letz­te Teil der courage-online.de Serie „Super­hel­din­nen“.

Von Mat­thi­as Lauerer

In Ami­ra Alfruhs Namen steckt eine Alli­te­ra­ti­on. Die steht in jenem Fal­le für eine gut gelun­ge­ne Inte­gra­ti­on einer Frau, die nie nach Deutsch­land kom­men woll­te, wenn man es so sagen will. Doch sie flieht im Okto­ber 2014 den­noch aus Syri­en nach Deutsch­land – lan­ge bevor sich spä­ter im Som­mer 2015 Zehn­tau­sen­de Men­schen über die Tür­kei und Bul­ga­ri­en auf den Weg machen, auf einen lan­gen Marsch, der ihnen Sicher­heit geben soll vor den Bom­ben, dem Ter­ror und den mas­si­ven Über­grif­fen des Assad-Regimes.

Amira Alfruh, ©Maya Möcking

Ami­ra Alfruh, ©Maya Möcking

Mord und Totschlag

Jenes Land regiert seit Jahr­zehn­ten ein Fami­li­en­clan. So ließ bereits Prä­si­dent Assads Vater die Stadt Hama 1982 angrei­fen und das Mili­tär zer­stör­te wei­te Tei­le davon, Tau­sen­de Men­schen star­ben bei Mas­sa­kern. Dann begann 2011 in Tune­si­en der so titu­lier­te „Ara­bi­sche Früh­ling“, der auch in Syri­en zu vie­len Unru­hen führ­te und sich spä­ter zum bru­ta­len Pro­xy-Bür­ger­krieg aus­wuchs. Wer möch­te unter sol­chen Umstän­den mit sei­nen Lie­ben leben und sich ein Heim auf­bau­en? Gehei­ra­tet hat Ami­ra 2012 und „im April 2013 kam das Mili­tär in die Stadt und töte­te 100 Men­schen“, wie sie es schil­dert. „Das war wirk­lich sehr trau­rig. Häu­ser wur­den ver­brannt und das ohne Grund. Es ging nur dar­um, die Kon­trol­le über jene Stadt­tei­le wie­der zurück­zu­ge­win­nen, bei denen das Mili­tär dach­te, dass sie die­se dort ver­lo­ren hät­te.“ Danach ent­schlos­sen sich die Alfruhs zur Flucht.

Blitzschnelles Ankommen

Als Ami­ra in Deutsch­land ankommt, spricht sie kein Deutsch. Aber sie besitzt sehr gute eng­li­sche Sprach­kennt­nis­se, da sie in Syri­en als Über­set­ze­rin arbei­te­te und aus einer wohl­si­tu­ier­ten Fami­lie stammt. Ihre ers­te Arbeit führt sie zum Web­such­dienst für Hotels „Triv­a­go“. Dort arbei­tet sie von Novem­ber 2015 bis zum Dezem­ber 2016. Spä­ter lan­det sie beim „DRK Gel­sen­kir­chen“, wo sie bis zum August 2019 bleibt. Ihre Arbeit dort: Sie hilft Geflüch­te­ten als Inte­gra­ti­ons­hel­fe­rin, sorgt dafür, dass die sich gut in der Bun­des­re­pu­blik inte­grie­ren und sich im 83 Mil­lio­nen Ein­woh­ner Staat zurechtfinden.

Arbeit als Lehrerin

Doch das reicht ihr nicht und sie star­tet als Leh­re­rin an der „Boni­fa­ti­us­schu­le Dors­ten“ durch. Dort wirkt sie seit Som­mer 2019, genau­er gesagt seit August. Zwi­schen­durch fin­det sie noch die Zeit und Muße, zwei Töch­tern das Leben zu schen­ken. Die wer­den als Maria im Febru­ar 2014 und Lei­la im Sep­tem­ber 2017 gebo­ren. Ihr Mann arbei­tet zwei Jah­re bei der „Deut­schen Post“ und bekommt danach kei­nen unbe­fris­te­ten Arbeits­ver­trag. Heu­te schafft er als Inte­gra­ti­ons­kraft an einer Schu­le. „Wir bezah­len alles zusam­men“, sagt Alfruh. Ihr Fazit: „Hier in Deutsch­land kann man sehr schön leben und wir haben heu­te deut­lich mehr Geld als frü­her in Syri­en“, sagt sie. Sicher, über eine Fir­ma in Dubai erwirt­schaf­te­te man in Syri­en Geld aus Über­set­zungs­ar­beit. „Wir pro­fi­tier­ten davon, dass uns die­ses Unter­neh­men in ihrer Wäh­rung bezahl­te. Und die war viel stär­ker als die syri­sche Lira.“ Ami­ra habe sich nun, „nach nur drei Jah­ren Fest­an­stel­lung“ – wie sie es sagt – ein eige­nes Auto kau­fen kön­nen, was „in Syri­en undenk­bar“ gewe­sen wäre.

In der courage-online.de-Serie „Super­hel­din­nen“ stell­ten wir regel­mä­ßig Frau­en vor, die ihr augen­schein­lich „ganz nor­ma­les“ Leben wie eine Super­hel­din meis­ter­ten. Wir zeig­ten die ganz per­sön­li­chen Lebens­läu­fe, spra­chen über Finanz­bil­dung und woll­ten Mut machen: Jede Frau ist eine Super­hel­din! Nun endet die Serie mit der Erkennt­nis, dass es sehr viel mehr sol­cher Frau­en gibt, als man gedacht hat. Wer sich mutig in sein Leben stürzt, wird belohnt.
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