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    Superheldin, ©Konstantin Yuganov/iStock

Superheldinnen: Der gelebte Traum vom eigenen Restaurant

2022-03-21T10:16:37+01:0019. März 2022|

Man kann die Coro­na­pan­de­mie ohne jeden Zwei­fel als Zei­ten­wen­de ver­ste­hen, als Epo­che des mas­si­ven Umbruchs, der Neu­be­sin­nung und des „Neuen-Weg-Ein­schla­gens“. So erging es auch Maha Potthoff aus dem Ruhr­ge­biet. Der zwan­zigs­te Teil der courage-online.de Serie „Super­hel­din­nen“. 

Von Mat­thi­as Lauerer

Pott­hoff hat­te es über vie­le Jah­re zu einer Bank ver­schla­gen, genau­er gesagt zur „Spar­kas­se“ in Vest Reck­ling­hau­sen. Dort arbei­te­te sie exakt 25 Jah­re lang, war als Kol­le­gin beliebt und genoss ihren Job. Doch etwas schwel­te in ihr, ein bren­nen­der Wunsch nach einem Neu­start. Nur: Wie soll­te man den umset­zen, so ein­fach „mir nichts dir nichts“? Dann hör­te die 51-jäh­ri­ge auf ihre inne­re Stimme …

Reset 2019

Kurz vor dem Beginn der Coro­na-Pan­de­mie im August 2019 fasst Pott­hoff ihren Mut zusam­men, kün­digt und star­tet ihr liba­ne­si­sches Restau­rant namens „Mahas“. Es geht sich alles zunächst sehr gut an. Dann errei­chen sie die ers­ten Nach­rich­ten über ein neu­ar­ti­ges Virus. „Mein Mann sag­te mir: ´Du musst Dir kei­ne Sor­gen um dei­nen Laden machen.´ Doch er täusch­te sich. Ich bin ein sehr posi­ti­ver Mensch und habe viel­leicht auch beim The­ma Coro­na ein wenig den Kopf in den Sand gesteckt“, sagt sie heu­te dazu.

Ex-Kollegen wurden zu treuen Gästen

„Alle waren total erstaunt, dass ich das machen will, emp­fan­den es auch als sehr mutig. Man­che sag­ten, sie wür­den so etwas auch ger­ne machen, aber trau­ten sich nicht, sei­en unsi­cher.“ Bon­mot: Die frü­he­ren Arbeits­kol­le­gen von der Spar­kas­se sind heu­te ihre Gäs­te. „Sie haben mein Geschäft wach­sen sehen”, sagt Maha dazu.

Superheldin Maha

Restau­rant Maha, privat

Bis zu sechs Stunden vergehen wie im Flug

Was beson­ders gut läuft sind Kochhap­pe­nings. „Wegen der mas­si­ven Nach­fra­ge bie­te ich mei­ne Koche­vents mitt­ler­wei­le fast jeden Sonn­tag an. Zum einen lernt man natür­lich die beson­de­re liba­ne­si­sche Wür­ze noch bes­ser ken­nen und zum ande­ren kochen wir ursprüng­li­che Gerich­te der Küche nach, die so nicht auf der Spei­se­kar­te ste­hen.“ Was ihr dar­an gefällt: „Das ist dann auch für mei­ne Stamm­gäs­te noch ein­mal ein schö­nes zusätz­li­ches Gaumenerlebnis.“

Aus dem Libanon nach Westdeutschland

Ihr voll­stän­di­ger Name lau­tet Maha Pott­hoff, sie ist eine gebo­re­ne Asra­wi. Am 17. Okto­ber 1970 kommt die jun­ge Frau in Bta­ter auf die Welt. Das klei­ne Dorf liegt mit­ten im liba­ne­si­schen Schuf­ge­bir­ge. Von 1975 bis 1990 herrscht ein bru­ta­ler Bür­ger­krieg im Land, in des­sen Fol­ge Maha 1978 mit ihren Eltern nach Deutsch­land kommt.

Was bedeutet Krieg?

Die „New York Times“ schrieb über die­sen: „Wie über­steht man als Kind einen Krieg? Mit einer Men­ge Mono­po­ly, Scrabb­le, Kar­ten­spie­len, Ker­zen und fens­ter­lo­sen Bade­zim­mern, die zu Fami­li­en­bun­kern umfunk­tio­niert wer­den, fast wie eine gro­ße Über­nach­tung — wenn man die har­ten Flie­sen und den lau­ten Beschuss igno­rie­ren kann, die einen aus Grün­den töten will, die man nicht ganz ver­steht. Krieg bedeu­tet pul­ve­ri­sier­te Gebäu­de, das Krei­schen von Kran­ken­wa­gen, Blut, Beer­di­gun­gen.“ Wenn man nun bedenkt, dass gera­de so etwas in der Ukrai­ne tobt, wird einem ganz blümerant.

Geld von der Sparkasse

Wegen der vom Staat als Berech­nungs­grund­la­ge gewünsch­ten 2019er Zah­len fiel sie bei den Coro­na­hil­fen ins kal­te Was­ser, weil Maha ihr Restau­rant damals erst aus der Tau­fe geho­ben hat­te. Doch ihre lan­ge Treue zum Ex-Arbeit­ge­ber half ihr aus der Pat­sche. Der gab Pott­hoff ein lang­fris­ti­ges Dar­le­hen und „des­halb bin ich noch da“, sagt sie heu­te ganz lapi­dar dazu. Ihr nächs­ter Traum: „Die Erwei­te­rung mei­nes Restaurants.“

In der courage-online.de-Serie „Super­hel­din­nen“ stel­len wir regel­mä­ßig Frau­en vor, die ihr augen­schein­lich „ganz nor­ma­les“ Leben wie eine Super­hel­din meis­tern. Wir zei­gen die ganz per­sön­li­chen Lebens­läu­fe, spre­chen über Finanz­bil­dung und wol­len Mut machen: Jede Frau ist eine Superheldin!

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Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­t­um ist stu­dier­te Heil­päd­ago­gin und seit 2017 bei der Deut­schen Kin­der­krebs­stif­tung für „Pro­jekt­ma­nage­ment und psy­cho­so­zia­le The­men“ zustän­dig. Zuvor enga­gier­te sich die Mut­ter von Zwil­lin­gen, die selbst sehr jung an Krebs erkrank­te, ehren­amt­lich für die Stif­tung. “Ein Ehren­amt kann dabei hel­fen, aus­zu­lo­ten, wo die eige­ne beruf­li­che Rei­se hin­ge­hen soll”, ermu­tigt Rita Kor­t­um. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Beharrlichkeit. 

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