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Sucht euch Sponsoren!

2021-03-28T22:34:28+02:0027. März 2021|

Vere­na Tha­ler gehört zum Manage­ment des Ber­li­ner Fin­techs Rai­sin — bekannt als Welt­spa­ren. Sie ist für die Berei­che Stra­te­gie und Geschäfts­ent­wick­lung zustän­dig. Im Inter­view mit der Cou­ra­ge ver­rät die pro­mo­vier­te Betriebs­wir­tin, was für sie beim The­ma Geld wich­tig ist und wie die 33-Jäh­ri­ge ihren beruf­li­chen Auf­stieg in der män­ner­do­mi­nier­ten Fin­tech-Sze­ne geschafft hat: Sie such­te sich näm­lich gezielt Sponsoren.

Von Simo­ne Gröneweg

Sie arbeiten in der Finanzbranche. Wie wichtig ist Ihnen Geld?

Vere­na Tha­ler: Mei­ne Eltern haben mir bei­gebracht, bewusst damit umzu­ge­hen. Dazu gehört, dass man finan­zi­ell auf eige­nen Bei­nen steht und sich einen Not­gro­schen zurück­legt. Ich habe von ihnen gelernt, wenn ich finan­zi­ell unab­hän­gig bin, kann ich selbst entscheiden.

Wie haben Ihre Eltern das gemacht?

Mit dem Ein­tritt ins Gym­na­si­um habe ich Taschen­geld bekom­men und das selbst verwaltet.

Als ich in mei­ne ers­te Stu­den­ten­woh­nung ein­zog, plä­dier­te mein Vater sehr für nach­hal­ti­ge Möbel. Das ent­sprach sei­ner Über­zeu­gung, aber nicht mei­nem per­sön­li­chen Geschmack. Ehr­lich gesagt, ich wünsch­te mir flip­pi­ge­re Stü­cke in mei­nen vier Wän­den. Das akzep­tier­te mein Vater. Für mich war es ein tol­les Gefühl, auf­grund mei­ner Erspar­nis­se eige­ne Ent­schei­dun­gen – ganz unab­hän­gig – zu tref­fen. Mein Geld, mei­ne Entscheidung.

Was das Thema Finanzen angeht, haben viele Frauen Berührungsängste.

Die Unsi­cher­heit liegt viel­leicht dar­in begrün­det, dass Frau­en ger­ne Exper­tin­nen sein möch­ten, wenn sie etwas machen. Män­ner haben häu­fig einen ent­spann­te­ren Zugang zu Geldthe­men. Daher mein Appell: Berüh­rungs­ängs­te abbau­en und sich näher damit beschäftigen.

Mitt­ler­wei­le exis­tie­ren zahl­rei­che Infor­ma­ti­ons­quel­len. Da ist die Cou­ra­ge ein gutes Bei­spiel. Wenn sie sich infor­mie­ren, soll­ten Frau­en das Gefühl haben, dass sie jede Fra­ge stel­len dür­fen. Es gibt schließ­lich kei­ne dum­men Fragen.

Das bes­te Rezept ist ein­fach star­ten. Ich habe eine gemein­sa­me Whats­App-Grup­pe mit eini­gen Freun­din­nen, dort tau­schen wir uns über alles Mög­li­che zum The­ma Finan­zen aus. Jede hat ihren eige­nen Blickwinkel.

Was ist besonders wichtig für Sie, wenn es um die eigenen Finanzen geht?

Zunächst muss man sich einen Über­blick ver­pas­sen. Wie viel neh­me ich ein, was gebe ich aus? Ein Not­gro­schen ist wich­tig und erst wenn der vor­han­den ist, kann ich das Erspar­te inves­tie­ren. Dabei gilt: Nur in Din­ge inves­tie­ren, die man versteht.

Hilf­reich ist, im Vor­feld eini­ge Fra­gen für sich zu beat­wor­ten. Wie viel Geld habe ich übrig? Wie hoch ist mei­ne Risi­ko­be­reit­schaft? Wie lan­ge möch­te ich den Betrag anlegen?

Wer eher vor­sich­tig ist, soll­te nicht in eine Hoch­ri­si­ko­ak­tie inves­tie­ren, son­dern lie­ber lang­fris­tig in einen Exchan­ge Tra­ded Funds, kurz ETF. Die bil­den bekann­te Bör­sen­in­di­zes nach, sind breit gestreut, so dass das Risi­ko bes­ser ver­teilt ist.

Die­sem Ansatz fol­ge auch ich: Mei­nen Not­gro­schen habe ich in Tages- und Fest­geld ange­legt, der Rest mei­nes Ver­mö­gens ist in ETFs und eini­gen ande­ren breit gestreu­ten Akti­en investiert.

Wollten Sie schon immer in der Finanzbranche arbeiten?

Nicht zwangs­läu­fig. Ich bin die Ers­te in unse­rer Fami­lie gewe­sen, die Betriebs­wirt­schafts­leh­re stu­diert hat. Mei­ne Mut­ter ist Leh­re­rin, mein Vater Inge­nieur und mei­ne Schwes­ter Tierärztin.

Mich hat das The­ma Wirt­schaft inter­es­siert, ein kon­kre­tes Berufs­ziel hat­te ich aller­dings nicht vor Augen. Ich woll­te ein soli­des Fun­da­ment für mei­nen Bil­dungs- und Berufs­weg. Nach dem Stu­di­um bin ich bei McK­in­sey & Com­pa­ny ein­ge­stie­gen, hat­te aber nicht gleich zu Beginn eine kon­kre­te Bran­che im Blick.

Sie sind Ihre Karriere aber sehr strategisch angegangen.

Im Berufs­le­ben habe ich schnell gemerkt, dass man das eige­ne Fort­kom­men und die eige­ne Ent­wick­lung bewusst ange­hen muss. Frau­en zögern viel­leicht häu­fi­ger oder hegen Selbst­zwei­fel, wenn der nächs­te Kar­rie­re­schritt fol­gen soll.

Wenn es etwa um die Fra­ge geht, wer kriegt die nächs­te Pro­jekt­lei­tung, tau­chen schnell Zwei­fel an den eige­nen Fähig­kei­ten auf. Traut man sich das selbst zu? Ist man schon so weit? Das war bei mir ähnlich.

Und wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe mich selbst hin­ter­fragt. Schließ­lich wuss­te ich eigent­lich, was ich kann. Es ist zu scha­de, sich selbst in vor­aus­ei­len­dem Gehor­sam – wegen der eige­nen Beden­ken – aus dem Spiel zu neh­men. Das habe ich mir bewusst gemacht.

Wie?

Das muss­te ich natür­lich auch ler­nen. Ich bekam eines Tages einen Anruf mit dem Ange­bot zu einer Pro­jekt­lei­tung. Es ging um ein gro­ßes Pro­jekt im Bankenbereich.

Im ers­ten Moment sag­te ich nur, war­um ich dafür noch nicht bereit sei. Mei­ne Kol­le­gin leg­te dar­auf­hin mit Vor­war­nung, dass wir noch ein­mal neu star­ten, ein­fach auf und rief mich direkt ein zwei­tes Mal an. Beim zwei­ten Anruf sag­te ich ein­fach: Ja, ich über­neh­me das.

Bei allen fol­gen­den Chan­cen habe ich mei­nen „inne­ren Zweif­ler“ bewusst igno­riert und direkt zuge­sagt. Ich wür­de mir wün­schen, dass Frau­en muti­ger sind, gleich die ers­te Chan­ce zu ergrei­fen. Ganz häu­fig gibt es die zwei­te Chan­ce – die ich glück­li­cher­wei­se hat­te – näm­lich nicht.

Sie haben sich in Ihrem Berufsleben gezielt Unterstützung gesucht.

Ja, ich hat­te Spon­so­ren an mei­ner Sei­te, die mich unter­stützt haben.

Also keine Mentoren?

Da besteht ein gro­ßer Unter­schied. Men­to­ren kön­nen mit einem Rat in der eige­nen Ent­wick­lung unter­stüt­zen. Spon­so­ren, die hel­fen beim eige­nen Vor­an­kom­men. Die zei­gen nicht nur die Mög­lich­kei­ten auf, son­dern nut­zen gezielt Ein­fluss und Netz­werk, damit man sich pro­fi­lie­ren kann. Sie ver­schaf­fen einem sozu­sa­gen einen Platz mit am Tisch, an dem die Ent­schei­dun­gen getrof­fen werden.

Es existieren Mentoring-Programme, aber Sponsoren-Programme gibt es nicht. Oder?

Nein. Das Gan­ze ist nicht so strukturiert.

Wie sucht man sich einen Sponsor oder eine Sponsorin?

Ich habe mich im Unter­neh­men umge­schaut und über­legt, wer dafür in Fra­ge käme. Das soll­te grund­sätz­lich eine Per­son sein, die man schätzt und mit der man sich selbst iden­ti­fi­zie­ren kann. Ich habe danach geschaut, von wem ich etwas ler­nen kann. Dabei ging es um per­sön­li­che Fähig­kei­ten und um span­nen­de Projekte.

Wer jeman­den gefun­den hat, muss sich bemerk­bar machen. Man soll­te sich aber vor­her genau über­le­gen, wel­chen eige­nen Mehr­wert man in die Ver­bin­dung ein­bringt. Wer einen Spon­sor oder eine Spon­so­rin will, muss in Vor­leis­tung gehen. Ich kann nicht zu jeman­dem mit Ver­ant­wor­tung gehen und sagen: Pass auf, da möch­te ich hin. Ich muss selbst lie­fern und Leis­tung bringen.

Das heißt aber nicht, dass ich die Geburts­tags­par­ty des Kol­le­gen orga­ni­sie­re. Es geht dar­um, Auf­ga­ben zu über­neh­men, mit denen man sich fach­lich bewei­sen und für den nächs­ten Kar­rie­re­schritt anbie­ten kann.

Das klingt, als würde das Ganze nur in großen Unternehmen funktionieren.

Nein, das geht auch in klei­ne­ren Fir­men. Auch wer selbst­stän­dig ist, kann sich sol­che Spon­so­ren suchen. Dazu braucht man eine Per­son, die in der­sel­ben Bran­che unter­wegs ist, etwas erreicht hat und über Ver­bin­dun­gen ver­fügt. Bei einem Bran­chen­tref­fen oder ähn­li­chen Events könn­ten jun­ge Selbst­stän­di­ge sol­che Leu­te anspre­chen und Kon­tak­te sowie Bezie­hun­gen aufbauen.

Also richtiges Networking?

Genau, in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ist das viel mehr in der Gesell­schaft ver­an­kert. Bei uns nicht. Lei­der. Ich kann alle aber nur ermu­ti­gen: Ich bin nie abge­wie­sen wor­den, wenn ich den Kon­takt gesucht habe.

Ich gebe zu, der Sprung ins kal­te Was­ser ist nicht leicht. Aber es lohnt sich. Ich habe vie­le posi­ti­ve Erfah­run­gen damit gemacht. Denn was nützt fach­li­che Exzel­lenz, wenn man an der glä­ser­nen Decke schei­tert, kei­nen Rück­halt und kei­ne Wachs­tums­chan­cen erhält.

Wie viele Sponsoren hatten Sie in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Fünf wür­de ich sagen. Das begann eigent­lich mit mei­nem Pro­fes­sor an der Uni, bei dem ich gear­bei­tet habe. Der gab mir die Chan­ce, eine eige­ne Vor­le­sung zu halten.

Sie sind in Ihrem Berufsleben durchaus strategisch vorgegangen. Das fällt nicht allen leicht. Besonders Frauen zweifeln und fürchten mitunter, dass vielleicht die Familie dabei auf der Strecke bleibt. Was würden Sie solchen Frauen raten?

Gele­gent­lich soll­ten Frau­en ihre Rea­li­tä­ten hin­ter­fra­gen und einen ande­ren Blick auf das Gan­ze wer­fen. Man­che Frau traut sich viel­leicht nicht eine Haus­halts­hil­fe ein­zu­span­nen, um Geld zu spa­ren. Dabei ver­gisst sie: Wenn sie den nächs­ten Kar­rie­re­schritt macht, ver­dient sie mehr.

Wir Frau­en müs­sen nicht immer alles selbst machen: Egal, ob im Haus­halt oder bei der Kin­der­be­treu­ung. War­um soll­ten wir alles allei­ne auf die Rei­he krie­gen müs­sen? Also lau­tet mein wich­tigs­ter Rat: Aus­la­gern, Hil­fe holen. Für den Haus­halt, für die Kinderbetreuung.

Und vor allem ist für mich das Wich­tigs­te eine gleich­be­rech­tig­te Part­ner­schaft. Paa­re soll­ten klä­ren, wie sie sich die Arbeit unter­ein­an­der auf­tei­len. Läuft das fair ab, bleibt mehr Zeit für die eige­ne Kar­rie­re und dafür, sich inten­si­ver mit der finan­zi­el­len Vor­sor­ge zu beschäftigen.

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