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  • Wer sich die steuerlichen Änderungen zunutze macht, kann bares Geld sparen, ©Rido - stock.adobe.com

Steuern sparen: So profitiert ihr von den steuerlichen Änderungen

2022-12-07T15:03:46+01:007. Dezember 2022|

Strom, Gas, Lebens­mit­tel: Alles wird teu­rer. Um das abzu­mil­dern, hat die Regie­rung rück­wir­kend zum Jah­res­be­ginn eini­ge Steu­er­erleich­te­run­gen beschlos­sen. Auch die Ent­las­tun­gen wegen Coro­na las­sen sich 2022 teils noch nut­zen. Wir zei­gen, wie.

Von den Gastautor:innen Deni­se Schwartz und Stef­fen Gall vom Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein Ver­ei­nig­te Lohn­steu­er­hil­fe e.V.

Bezie­hen Sie aus­schließ­lich Arbeits­lohn oder Gehalt von Ihrem Arbeit­ge­ber? Haben Sie kei­ne zusätz­li­chen Ein­nah­men, zum Bei­spiel durch die Ver­mie­tung einer Woh­nung? Und üben Sie zudem kei­ne selbst­stän­di­ge Tätig­keit aus? Dann sind Sie in der Regel nicht zur Abga­be einer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung ver­pflich­tet. Aber auch wenn Sie nicht müs­sen – Sie dür­fen eine Steu­er­erklä­rung abge­ben. Und die­se Mög­lich­keit soll­ten Sie nut­zen. Denn gera­de Steu­er­zah­le­rin­nen und Steu­er­zah­ler, die nicht zu einer Abga­be ver­pflich­tet sind, kön­nen häu­fig mit einer Steu­er­rück­erstat­tung rechnen.

Fahrt­kos­ten, Home­of­fice, Arbeits­mit­tel und mehr: Die Lis­te von Aus­ga­ben, die Sie steu­er­lich abset­zen kön­nen, ist lang. Wer kei­ne Steu­er­erklä­rung abgibt, weil er nicht dazu ver­pflich­tet ist, ver­schenkt in der Regel bares Geld. Erst recht, da die Bun­des­re­gie­rung 2022 wegen der stark gestie­ge­nen Lebens­hal­tungs­kos­ten meh­re­re steu­er­li­che Erleich­te­run­gen beschlos­sen hat. Wich­ti­ge Bei­spie­le sind die Erhö­hun­gen der Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le, der Ent­fer­nungs­pau­scha­le, der Mobi­li­täts­prä­mie und des Grund­frei­be­trags. Sie las­sen sich mit einer Steu­er­erklä­rung für 2022, die nächs­tes Jahr ein­zu­rei­chen ist, nutzen.

Wie profitiere ich von den steuerlichen Änderungen?

Werbungskostenpauschale

Wenn Sie eine Steu­er­erklä­rung abge­ben, erkennt das Finanz­amt die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le (offi­zi­ell: Arbeit­neh­mer-Pausch­be­trag) an. Die­se wur­de für das Steu­er­jahr 2022 von 1000 auf 1200 Euro erhöht. Das bedeu­tet: Wer im kom­men­den Jahr sei­ne Steu­er­erklä­rung für 2022 ein­reicht, macht damit auto­ma­tisch 1200 Euro als beruf­li­che Aus­ga­ben gel­tend, auch wenn die Kos­ten bei­spiels­wei­se für Fahr­ten zur Arbeit, Berufs­klei­dung oder Gewerk­schafts­bei­trä­ge tat­säch­lich gerin­ger waren.

Wie das funk­tio­niert? Nun, ange­nom­men Sie haben kei­ne beruf­li­chen Aus­ga­ben außer Fahrt­kos­ten, und die­se Fahrt­kos­ten betra­gen 2022 nur 800 Euro, dann müs­sen Sie die­se in Ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung nicht ange­ben. Denn das Finanz­amt berück­sich­tigt die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le von 1200 Euro dann auto­ma­tisch. Und selbst wenn Sie die 800 Euro in die Steu­er­erklä­rung ein­tra­gen, erkennt das Finanz­amt von sich aus die besag­ten 1200 Euro an. Das nennt sich Güns­ti­ger­prü­fung: Das Finanz­amt ermit­telt, wel­che Vari­an­te für Sie bes­ser ist – Pau­scha­le oder kon­kre­ter Betrag – und die kommt dann zur Anwen­dung. Das gilt natür­lich auch anders­her­um: Belau­fen sich Ihre Fahrt­kos­ten auf mehr als 1200 Euro, ist deren Berück­sich­ti­gung für Sie bes­ser als die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le. Also erkennt das Finanz­amt dann die höhe­ren Fahrt­kos­ten an – vor­aus­ge­setzt, Sie haben die­se in Ihrer Steu­er­erklä­rung angegeben.

Entfernungspauschale

Die Ent­fer­nungs­pau­scha­le wur­de Mit­te des Jah­res rück­wir­kend zum 1. Janu­ar 2022 für soge­nann­te Fern­pend­ler erhöht. Das heißt: Für die ers­ten 20 Kilo­me­ter bleibt es bei 30 Cent, ab dem 21. Kilo­me­ter sind es nun aber 38 Cent. Das soll mit Blick auf die gestie­ge­nen Sprit­prei­se vor allem Berufs­pend­le­rin­nen und ‑pend­ler mit län­ge­rem Anfahrts­weg zur Arbeits­stel­le ent­las­ten. Offi­zi­ell heißt es übri­gens nicht Arbeits­stel­le, son­dern ers­te Tätig­keits­stät­te. Und steu­er­lich aner­kannt wird nur die ein­fa­che Fahrt­stre­cke. Also wer pro Arbeits­tag bei­spiels­wei­se mor­gens 15 Kilo­me­ter hin- und abends wie­der 15 Kilo­me­ter nach Hau­se zurück­fährt, kann ledig­lich 15 Kilo­me­ter gel­tend machen.

Arbeitsweg von 15 Kilometern

Die ein­fa­che Stre­cke zu Ihrer Arbeits­stät­te beträgt 15 Kilo­me­ter, Sie arbei­ten an fünf Tagen die Woche. Neh­men wir an, Sie kom­men abzüg­lich Urlaubs- und Krank­heits­ta­ge auf 220 Arbeits­ta­ge. Für die Steu­er­erklä­rung für das Jahr 2022 errech­nen sich Ihre Fahrt­kos­ten dann wie folgt:

220 Arbeits­ta­ge x 15 km ein­fa­che Fahrt x 0,30 Euro = 990 Euro

Hat­ten Sie dar­über hin­aus kei­ne wei­te­ren berufs­be­ding­ten Aus­ga­ben, müs­sen Sie die Fahrt­kos­ten gar nicht in Ihrer Steu­er­erklä­rung ein­tra­gen. Das Finanz­amt macht für Sie auto­ma­tisch die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le von 1200 Euro geltend.

Arbeitsweg von 20 Kilometern

Beträgt die ein­fa­che Stre­cke zur ers­ten Tätig­keits­stät­te 20 Kilo­me­ter, lie­gen Sie schon allein mit den Fahrt­kos­ten über der Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le von 1200 Euro. Neh­men wir ansons­ten die­sel­ben Vor­aus­set­zun­gen an, dann sieht die Rech­nung für die Steu­er­erklä­rung für 2022 so aus:

220 Arbeits­ta­ge x 20 km ein­fa­che Fahrt x 0,30 Euro = 1320 Euro

In die­sem Fall soll­ten Sie die Fahrt­kos­ten unbe­dingt in Ihrer Steu­er­erklä­rung ange­ben. Denn dann rech­net Ihnen das Finanz­amt 120 Euro mehr an als bei der Werbungskostenpauschale.

Arbeitsweg von 30 Kilometern

Soge­nann­te Fern­pend­ler kom­men ab dem 21. Kilo­me­ter in den Genuss der für 2022 beschlos­se­nen höhe­ren Pend­ler­pau­scha­le. Beträgt die ein­fa­che Stre­cke von Ihrer Woh­nung zur Arbeits­stät­te zum Bei­spiel 30 Kilo­me­ter, ergibt das für die Steu­er­erklä­rung für 2022 fol­gen­de Rechnung:

220 Arbeits­ta­ge x 20 km ein­fa­che Fahrt x 0,30 Euro = 1320 Euro

220 Arbeits­ta­ge x 10 km ein­fa­che Fahrt x 0,38 Euro = 836 Euro

Die bei­den Beträ­ge wer­den zusam­men­ge­zählt, somit erge­ben sich für Sie Fahrt­kos­ten von 2156 Euro, die steu­er­lich aner­kannt werden.

Mobilitätsprämie

Eben­falls rück­wir­kend zum 1. Janu­ar 2022 wur­de die Mobi­li­täts­prä­mie erhöht. Nut­zen kön­nen sie Steu­er­pflich­ti­ge, deren zu ver­steu­ern­des Ein­kom­men inner­halb des Grund­frei­be­trags liegt und die eine ein­fa­che Stre­cke zur ers­ten Tätig­keits­stät­te von min­des­tens 21 Kilo­me­tern zurück­le­gen. Die Mobi­li­täts­prä­mie beträgt 14 Pro­zent der Fahrt­kos­ten­pau­scha­le. Wer sie erhal­ten möch­te, muss aller­dings zwin­gend eine Steu­er­erklä­rung einreichen.

Grundfreibetrag

Wer Geld ver­dient, soll einen Teil sei­nes Gehalts behal­ten dür­fen, ohne dar­auf Steu­ern zah­len zu müs­sen. Die­ser steu­er­freie Teil nennt sich Grund­frei­be­trag, er wird in der Regel jeweils zum Jah­res­be­ginn von der Regie­rung ange­passt. In die­sem Jahr wur­de der Grund­frei­be­trag wegen der stark gestie­ge­nen Lebens­hal­tungs­kos­ten aber noch­mals Mit­te des Jah­res rück­wir­kend zum 1. Janu­ar 2022 erhöht – und zwar von 9984 Euro auf 10.347 Euro. Ehe­paa­ren steht der dop­pel­te Betrag zu, also 20.694 Euro.

Der Grund­frei­be­trag steht jeder Beschäf­tig­ten und jedem Beschäf­tig­ten auto­ma­tisch zu. Soll hei­ßen: Sie zah­len erst ab dem 10.348. Euro Steu­ern. Oder anders gesagt: Ihnen bleibt mehr Net­to vom Brut­to. Die meis­ten Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer haben mit dem Juli- oder August-Gehalt mehr Geld bekom­men, da die wegen des erhöh­ten Grund­frei­be­trags zu viel gezahl­ten Steu­ern rück­wir­kend erstat­tet wur­den. Wer aber bei­spiels­wei­se in den ers­ten vier Mona­ten bei einer ande­ren Fir­ma beschäf­tigt war und von die­ser kei­ne Rück­erstat­tung erhal­ten hat, muss sich die zu viel gezahl­ten Steu­ern über die Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für 2022 zurückholen.

Welche pandemiebedingten Entlastungen gelten noch?

Homeoffice-Pauschale

In der Pan­de­mie sind Mil­lio­nen Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer, die sonst nicht von zu Hau­se arbei­ten und nicht über ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer ver­fü­gen, ins Home­of­fice gewech­selt. Um Home­of­fice-Kos­ten steu­er­lich gel­tend zu machen, müs­sen eigent­lich zahl­rei­che Bedin­gun­gen erfüllt sein. Damit aber auch Beschäf­tig­te, die daheim am Ess­tisch oder in einer Arbeits­ecke beruf­lich aktiv sind, nicht leer aus­ge­hen, wur­de im Jahr 2020 die Home­of­fice-Pau­scha­le beschlos­sen. Damit kön­nen fünf Euro pro Tag steu­er­lich gel­tend gemacht wer­den, für maxi­mal 120 Tage im Jahr (600 Euro). Beschlos­sen wur­de die Home­of­fice-Pau­scha­le für die Jah­re 2020, 2021 und 2022. Zur­zeit dis­ku­tiert die Poli­tik über eine Anhe­bung der Home­of­fice-Pau­scha­le auf 1000 Euro. 

Corona-Bonus

Bis 31. März 2022 konn­ten Arbeit­ge­ben­de ihren Beschäf­tig­ten einen Coro­na-Bonus von bis zu 1500 Euro aus­zah­len. Die­ser ist steu­er­frei. Eine Ver­län­ge­rung wur­de nicht beschlos­sen. Etwas anders sieht es bei Pfle­ge­kräf­ten aus: In Kran­ken­häu­sern sowie Alten- und Pfle­ge­hei­men kann noch bis Ende 2022 ein steu­er­frei­er Pfle­ge­bo­nus aus­ge­zahlt werden.

Kurzarbeitergeld

Da seit Pan­de­mie­be­ginn Mil­lio­nen Arbeit­neh­men­de in Kurz­ar­beit geschickt wur­den, gibt es dazu Son­der­re­ge­lun­gen wie höhe­re Leis­tungs­sät­ze und mehr Mög­lich­kei­ten, sich anrech­nungs­frei etwas dazu­zu­ver­die­nen. Die wich­tigs­ten Infos dazu gibt es hier.

Abgabefristen

Wer zur Abga­be einer Steu­er­erklä­rung ver­pflich­tet ist, muss die­se nor­ma­ler­wei­se bis 31. Juli des Fol­ge­jah­res beim Finanz­amt ein­rei­chen. Dank des Coro­na-Steu­er­hil­fe­ge­set­zes wur­den die Fris­ten für Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me ab 2020 aber ver­län­gert. Und wer die Steu­er­erklä­rung von einem Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein wie der VLH, einer Steu­er­be­ra­te­rin oder einem Steu­er­be­ra­ter erstel­len lässt, hat sogar noch etwas län­ger Zeit. Die Abga­be­fris­ten für die­ses und kom­men­des Jahr:

Steu­er­erklä­rung für 2021: bis 31. Okto­ber 2022 bzw. bis 31. August 2023 mit Steuerprofi

Steu­er­erklä­rung für 2022: bis 2. Okto­ber 2023 bzw. bis 31. Juli 2024 mit Steuerprofi

Wich­tig: Wer nicht zur Abga­be einer Steu­er­erklä­rung ver­pflich­tet ist, ist nicht an die­se Fris­ten gebun­den. Eine frei­wil­li­ge Steu­er­erklä­rung kann bis zu vier Jah­re rück­wir­kend abge­ge­ben wer­den. Bei­spiel: Eine frei­wil­li­ge Steu­er­erklä­rung für 2022 muss erst bis zum 31.12.2026 beim Finanz­amt sein.

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