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    Steuern sparen schnell und leicht, ©damircudic/iStock

Steuern sparen schnell und leicht: Mit Freistellungsauftrag zum Sparerpauschbetrag

2022-05-18T09:33:18+02:0017. Mai 2022|

Kurs­ge­win­ne auf Akti­en und Co müs­sen ver­steu­ert wer­den. Da gibt es lei­der kein Par­don. Immer­hin gibt es einen Frei­be­trag. Der lässt sich ein­fach bei der Bank oder Depot­bank bean­tra­gen. 

Von Ant­je Erhard

Zei­ten­wen­de seit 2009: Seit­dem müs­sen wir Erträ­ge auf Kapi­tal­an­la­gen, sprich Kurs­ge­win­ne aus Akti­en, ETFs, Fonds, Zer­ti­fi­ka­ten etc., ver­steu­ern. Der Steu­er­satz beträgt ein­heit­lich 25 Pro­zent, plus Soli­da­ri­täts­zu­schlag macht das 26,375 Pro­zent. Zuzüg­lich evtl noch Kir­chen­steu­er. Seit 2021 fällt aller­dings auch für die meis­ten Steuerzahler:innen der Soli weg.  

Die Abgel­tungs­steu­er wur­de ein­ge­führt, um die Abga­be­pflicht zu ver­ein­fa­chen. Vor­her hieß sie Kapi­tal­ertrags­steu­er, hier­für muss­ten die Erträ­ge in der Steu­er­erklä­rung ange­ge­ben wer­den und der per­sön­li­che Steu­er­satz wur­de dar­auf fäl­lig. Bei­de Begrif­fe wer­den heu­te häu­fig syn­onym ver­wen­det. 

Freibetrag 801 bzw. 1.602 Euro – 2023 wird es mehr

Heu­te wird auf die Abgel­tungs­steu­er ein Frei­be­trag gewährt. Das sind pro Jahr pro Anleger:in 801 Euro. Bei Ehe­paa­ren oder ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaf­ten sind es 1602 Euro. Ab dem kom­men­den Jahr will ihn die Bun­des­re­gie­rung erhö­hen: auf 1.000 Euro für Ein­zel­per­so­nen und 2.000 Euro für Paa­re. Über die­se Erträ­ge musst du kei­ne Steu­ern zah­len. Dafür musst du bei dei­ner Bank oder Depot­bank einen Frei­stel­lungs­auf­trag ein­rich­ten. Damit beauf­tragst du dei­ne Bank, mög­li­che Kapi­tal­erträ­ge vom auto­ma­ti­schen Steu­er­ab­zug frei­zu­stel­len. Machst du das nicht, muss die Bank auto­ma­tisch die Abgel­tungs­steu­er plus Soli an das Finanz­amt abfüh­ren.  

Die Lis­te der Pos­ten, auf die Abgel­tungs­steu­er fäl­lig wird, ist lang. 

Bei Akti­en sind Kurs­ge­win­ne und Divi­den­den abgel­tungs­steu­er­pflich­tig, bei Anlei­hen Kurs­ge­win­ne und Zin­sen. 

Zin­sen auf Spar­kon­ten, Tages­geld etc müs­sen eben­falls ver­steu­ert wer­den. Gewin­ne aus dem Ver­kauf von Fonds und ETFs sind auch steu­er­pflich­tig. 

Bei Akti­en­fonds dür­fen 30 Pro­zent der Erträ­ge für Privatanleger:innen abgel­tungs­steu­er­frei blei­ben, bei Misch­fonds 15 Pro­zent. Das setzt aber vor­aus, dass der Fonds min­des­tens 25 Pro­zent Akti­en beinhal­tet. 

Auch Erträ­ge aus Kapi­tal­an­la­gen aus dem Aus­land musst du ver­steu­ern. Wenn die Bank ihren Sitz nicht in Deutsch­land hat, musst du die Kapi­tal­erträ­ge aus dem Aus­land in der Steu­er­erklä­rung ange­ben. Dann kannst du kei­nen Frei­stel­lungs­an­trag stel­len.  

Nachgekauft? First in – first out

Die gute Nach­richt: Erträ­ge aus Wert­pa­pie­ren, die du bis Ende 2008 gekauft hast, sind nach wie vor steu­er­frei, wenn du sie jetzt ver­kaufst. Es gilt das Prin­zip „first in, first out“. Hast du eine Aktie spä­ter noch ein­mal nach­ge­kauft, musst du die Erträ­ge ent­spre­chend der Abgel­tungs­steu­er ver­steu­ern. Aber für den Kauf vor 2009 blei­ben die Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne steu­er­frei. 

Wenn du den Frei­stel­lungs­auf­trag nicht erteilt hast, kannst du die vol­len Beträ­ge bei der Steu­er­erklä­rung ange­ben und bekommst dann die Beträ­ge erstat­tet, aber das dau­ert dann eben bis zur nächs­ten Steu­er­erklä­rung. 

Den Freistellungsauftrag bei der Depotbank erteilen

Bei den meis­ten Depot­ban­ken ist der Frei­stel­lung­auf­trag im Menü hin­ter­legt. Dafür musst du dei­ne Steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zu Hand haben, die musst du ange­ben. Frei­stel­lun­gen, die vor 2011 erteilt wur­den, damals noch ohne Steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer, sind inzwi­schen auch nur noch mit Steu­er-ID gül­tig. Du fin­dest die Num­mer in dei­nem Steu­er­be­scheid.  

Ein Frei­stel­lungs­auf­trag pro Finanz­in­sti­tut für jeweils alle Kon­ten und Depots reicht heu­te –anders als frü­her – aus. Der Frei­stel­lungs­auf­trag ist grund­sätz­lich so lan­ge gül­tig, bis du ihn been­dest oder änderst. Kün­di­gun­gen sind immer zum 31. Dezem­ber eines Jah­res mög­lich. Ände­run­gen musst du bis spä­tes­tens 28. Dezem­ber eines Jah­res ein­ge­ge­ben haben, damit sie noch wirk­sam wer­den. Infor­mie­re dich am bes­ten bei dei­nem Finanz­in­sti­tut oder dei­ner Depot­bank, man­che haben eine frü­he­re Frist, um die Anträ­ge noch recht­zei­tig bear­bei­ten zu kön­nen.  

Mehrere Konten? Aufteilung kann Sinn machen

Du kannst den Frei­stel­lungs­auf­trag sogar auf belie­big vie­le Ban­ken auf­tei­len, solan­ge die Höchst­gren­ze nicht über­schrit­ten wird. Aller­dings macht der Frei­be­trag dort am meis­ten Sinn, wo du auch wirk­lich Kapi­tal­erträ­ge gene­rierst. Du darfst aller­dings nicht zu viel Kapi­tal frei­stel­len – nicht mehr als die Höchst­gren­ze, die vor­ge­schrie­ben ist. Zahlst du zu viel Abgel­tungs­steu­er, bekommst du sie mit der nächs­ten Steu­er­erklä­rung zurück. Das funk­tio­niert mit der Anla­ge KAP: für „Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen“. Wenn du ein Kon­to oder Depot kün­digst, musst du den Frei­stel­lungs­auf­trag sepa­rat kün­di­gen. Sonst bleibt er bestehen – aber eben unge­nutzt. 

Gemeinsam oder getrennt freistellen – Verluste verrechnen

Ehe­part­ner oder ein­ge­tra­ge­ne Lebenspartner:innen kön­nen einen gemein­sa­men Frei­stel­lungs­an­trag stel­len oder jede:r einen eige­nen. Bei einer gemein­sa­men Frei­stel­lung ist es mög­lich, ehe­part­ner­über­grei­fend Ver­lus­te zu ver­rech­nen – egal ob ihr in der Steu­er­erklä­rung getrennt oder gemein­sam ver­an­lagt wer­det. Wenn ein Paar bei einem Finanz­in­sti­tut sei­nen Frei­be­trag schon voll aus­ge­schöpft hat, kann ein Frei­stel­lungs­auf­trag über 0 Euro bei einem ande­ren Insti­tut oder einer Depot­bank durch­aus Sinn machen: Näm­lich dann, wenn ihr bei dem ande­ren Insti­tut über­grei­fend Ver­lus­te aus Kapi­tal­ge­schäf­ten ver­rech­nen könnt. 

Kinder haben einen eigenen Freibetrag

Ganz wich­tig: Auch Kin­dern steht ein eige­ner Frei­be­trag zu. Des­halb soll­ten Depots und Kon­ten für die Kin­der auch auf die Namen der Kin­der lau­fen. Pro Kind gibt es einen Frei­stel­lungs­be­trag für Kapi­tal­erträ­ge von 801 Euro wie für uns Erwach­se­ne.  

Bis dahin blei­ben die erreich­ten Erträ­ge steu­er­frei. Auch für sie müsst ihr als Eltern der Depot­bank einen Frei­stel­lungs­auf­trag ertei­len.  

Wich­tig: Als Eltern habt ihr Zugriff auf die Kon­ten und Depots vom Kind. Das Geld gehört aber dem Kind. Als Eltern dürft ihr davon nichts abhe­ben und für euch ver­wen­den. Der Nach­wuchs könn­te euch dafür ver­kla­gen, sobald er 18 ist. Außer­dem kön­nen die Klei­nen mit dem Geld machen, was sie möch­ten, wenn sie voll­jäh­rig sind. Hof­fen wir, dass wir ihnen bis dahin so viel über Geld und Geld­an­la­ge bei­gebracht haben, dass sie es sinn­voll ein­set­zen oder am bes­ten wei­ter inves­tie­ren… 

Wenn ein Stu­di­um ansteht, zählt das Geld zum Ver­mö­gen. Das ist wich­tig, BaföG als Stu­di­en­för­de­rung wird nur bis zu einem eige­nen Ver­mö­gen von maxi­mal 8.200 Euro gewährt. Aber ihr sorgt ja vor, damit das Kind mit 18 schon womög­lich mehr als 8.200 Euro auf der hohen Kan­te hat. 

Nichtveranlagungsbescheinigung als Alternative

Wer mehr inves­tiert und den Pausch­be­trag über­schrei­tet, soll­te eine so genann­te Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung bean­tra­gen. Dann wird kei­ne Abgel­tungs­steu­er fäl­lig, denn auch Kin­der erhal­ten den steu­er­li­chen Grund­frei­be­trag auf die Erträ­ge im Depot von 9.984 Euro (2022). 

Wenn dei­ne Ein­künf­te vor­aus­sicht­lich so nied­rig sind, dass sie steu­er­frei wären, kannst du eine Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung beim Finanz­amt dei­nes Wohn­or­tes bean­tra­gen und an die Bank schi­cken. Dann wird die Bank kei­ne Steu­ern auf Kapi­tal­ein­künf­te ein­be­hal­ten. Für die Steu­er­be­frei­ung gel­ten so genann­te Grund­frei­be­trä­ge. Das sind 9.984 Euro für Sin­gles und 19.968 Euro für Paa­re. Aber Ach­tung: Wenn sich dein Ein­kom­men erhöht, musst du das dem Finanz­amt mel­den. 

Fazit: Kapi­tal­erträ­ge müs­sen ver­steu­ert wer­den, aber immer­hin gibt es einen Frei­be­trag. Den kannst du leicht bei dei­ner Bank bean­tra­gen. Er gilt, bis du ihn änderst oder kün­digst. Du kannst auch Frei­stel­lun­gen bei meh­re­ren Ban­ken ein­rich­ten. 

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