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Start an der Börse: Diese Anfänger:innen-Fehler kannst du vermeiden – Teil 1

2022-05-24T09:44:45+02:0022. Mai 2022|

Geld­an­la­ge an der Bör­se ist leich­ter, als die meis­ten Men­schen glau­ben. Aber ein paar Feh­ler gera­de am Anfang kannst du direkt über­sprin­gen. Hier sind die wich­tigs­ten Din­ge, auf die du ach­ten musst.  

Von Ant­je Erhard

Fragt man die meis­ten Deut­schen, wes­halb sie nicht an der Bör­se inves­tiert sind, sind das die Top-Gegen­ar­gu­men­te: Ich brauch zu viel Geld, zu viel Zeit, zu viel Wis­sen. Und damit lie­gen die Befrag­ten falsch. Es braucht weder viel Wis­sen, noch viel Geld, noch viel Zeit. 

Punkt 1: Dein Ziel

Bevor du dein Geld an der Bör­se anlegst, brauchst du ein Ziel und eine Stra­te­gie: Wofür willst du das Geld anle­gen? Wie lan­ge willst du es anle­gen? Wie viel Ertrag erwar­tet du, wie viel Risi­ko kannst du dabei aus­hal­ten. Wenn du einen kur­zen Anla­ge­ho­ri­zont hast von weni­ger als zehn Jah­ren, soll­test du Alter­na­ti­ven über­le­gen. Denn wenn du das Geld wirk­lich brauchst und die Bör­se hat gera­de dann nach­ge­ge­ben, ist ein Ver­kauf mit Ver­lust ärger­lich. Das führt aber gleich zu unse­rem nächs­ten Punkt. 

Punkt 2: Rücklagen

Inves­tie­re nur das Geld, das du auf abseh­ba­re Zeit nicht brauchst und schaff dir vor­her Rück­la­gen. Wie hoch die sein müs­sen, hängt von dei­nen per­sön­li­chen Lebens­um­stän­den ab. Man­che sagen: 6‑Net­to-Monats­ge­häl­ter. Meist brau­chen wir nicht so viel Geld auf einen Schlag. Ande­rer­seits wäre damit ein Risi­ko wie ein plötz­li­cher Job-Ver­lust abge­fe­dert.  

Punkt 3: Rendite-Erwartungen

Die Bör­se ist kein Wun­der­land. Also, bleib rea­lis­tisch. Die Erwar­tun­gen dür­fen nicht zu hoch sein. Eine Bör­se ist auch kei­ne Ein­bahn­stra­ße. Es geht hier auch mal abwärts. Und das meist schnel­ler als es zuvor auf­wärts ging. Die Bör­se funk­tio­niert lang­fris­tig. Dann aber gut: Stu­di­en bele­gen, dass Akti­en in Stan­dard­in­di­zes wie DAX oder Dow Jones nach 15 Jah­ren immer posi­tiv waren, egal wann du ein­ge­stie­gen bist und egal wie rup­pig es zwi­schen­drin lief. Also: Lang­fris­tig inves­tie­ren. 

Ren­di­ten von 7,5 Pro­zent pro Jahr sind rea­lis­tisch. Die schaf­fen zum Bei­spiel breit auf­ge­stell­te Akti­en­in­di­zes wie der MSCI World, der in 23 Län­der inves­tiert. Ein Klas­si­ker der Geld­an­la­ge. Kein Über­flie­ger, aber ein sta­bi­ler Ertrags­brin­ger mit einem ver­träg­li­chen Risi­ko. Ein­fach zu ver­ste­hen, leicht inves­tier­bar, über­schau­ba­rer Zeit­auf­wand. Natür­lich kannst du dich auch für eine ande­re Geld­an­la­ge ent­schei­den. Wich­tig ist dei­ne Stra­te­gie. 

7,5 Pro­zent hat der MSCI World in den letz­ten 20 Jah­ren im Schnitt an Per­for­mance erzielt. Doch halt: Wir müs­sen an die Infla­ti­on den­ken. Da waren wir in den letz­ten 20 Jah­ren ver­wöhnt. Da betrug die Infla­ti­on im Schnitt nur 1,5 Pro­zent. Der­zeit ist sie viel höher. Das wird lang­fris­tig wohl nicht so blei­ben, aber rech­nen wir mit einer Infla­ti­on von lang­fris­tig 2 Pro­zent. Dann blei­ben von den 7,5 Pro­zent Ren­di­te noch 5,5 Pro­zent. 

Bei 5,5 Pro­zent ohne Start­ka­pi­tal und monat­li­cher Geld­an­la­ge von 100 Euro, wobei wir Erträ­ge wie Divi­den­den wie­der anle­gen, wer­den aus die­sen monat­li­chen 100 Euro nach 20 Jah­ren 60.171 Euro. 

Das setzt sich wie folgt zusammen: 

  • Anfangs­ka­pi­tal: 0 Euro 
  • Spar­sum­me Monat: 100 Euro 
  • Lauf­zeit: 20 Jah­re 
  • Ren­di­te 5,5 Pro­zent 
  • Ein­zah­lun­gen: 36.000 Euro 
  • Zin­sen: 29.644 Euro 
  • Kapi­tal­ertrags­steu­er: 5.473 Euro 

Gut 60.000 Euro bei monat­lich 100 Euro sind eine Men­ge Geld, oder? 

Punkt 4: Das Risiko

Damit das klappt, ist eine brei­te Streu­ung ist das A und O bei der Geld­an­la­ge. So ver­teilst du die Risi­ken, die es an der Bör­se nun mal unwei­ger­lich gibt. Setz nie­mals alles auf eine Kar­te –schon gar nicht als Anfänger:in. Zum Bör­sen­ein­stieg eig­nen sich Fonds und ETFs gut. Wenn du mehr Erfah­rung hast, kannst du ein­zel­ne Akti­en hin­zu­kau­fen. Ich rate vor­her: Check mal ein Mus­ter­de­pot. Das ist zwar immer noch anders, als ech­tes Geld zu ech­ten Risi­ken zu inves­tie­ren, aber es gibt dir einen guten Ein­druck, wie die Bör­se atmet und wann bzw. war­um Kur­se stei­gen und fal­len. 

Punkt 5: Das Wissen

Du musst nicht wie ein Pro­fi Wis­sen anhäu­fen, um an der Bör­se zu inves­tie­ren. Viel­mehr ist es wich­tig, dass du ein paar Grund­re­geln beach­test. Wir haben die brei­te Streu­ung schon bespro­chen. Auch das The­ma Reser­ven. Grund­sätz­lich: Lass dich nicht von dei­ner Stra­te­gie abbrin­gen. Die Kur­se fal­len auch mal. Das soll dich nicht kir­re machen. Du inves­tierst lang­fris­tig. Also, Fin­ger weg vom Ver­kaufs­knopf, wenn es mal run­ter­geht. Was Qua­li­tät hat, steigt auch wie­der. Hast du kom­plett auf ein fal­sches Pferd gesetzt (was schwer sein soll­te, wenn du erst ein­mal breit gestreut in ETFs und Fonds inves­tiert hast), dann sei ehr­lich zu dir und ver­kauf. Wenn du an der Bör­se ein­ge­stie­gen bist, infor­mier dich immer ein biss­chen, was dort los ist. Dann ver­stehst du schnell, war­um Kur­se wie reagie­ren. Und kannst immer bes­ser inves­tie­ren und reagie­ren. 

Ich sage ganz bewusst: Bör­se ist ein­fach. Und ken­ne alle Vor­ur­tei­le und Hür­den. Wirk­lich alle. Aber wenn du lang­fris­tig siehst, wie dein Depot wächst, ist das ein gutes Gefühl. Und je mehr Erfah­rung du hast, umso mehr Spaß macht die Bör­se. Aller Anfang ist gar nicht so schwer. 

In der kom­men­den Woche beschäf­ti­gen wir uns in Teil 2 noch mit wei­te­ren Feh­lern, die es zu ver­mei­den gilt: Die Emo­tio­nen, die Kos­ten, die Steu­ern … 

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Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest

Die Kur­se stei­gen und du willst schnell auf den fah­ren­den Zug auf­sprin­gen? Oder sie fal­len und du willst den Moment zum Ein­stieg nut­zen? Super, wenn du inves­tie­ren willst. Aber ein paar Vor­aus­set­zun­gen braucht es, damit es auch funk­tio­niert. Hilft ja nichts, wenn du nach eupho­ri­schem Start auf­ge­ben musst, weil die Vor­aus­set­zun­gen ein­fach (noch) nicht passen. 

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