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Stagflation: Das Schreckgespenst

2021-11-15T12:03:09+01:0020. November 2021|

Eine Mischung aus Kon­junk­tur­schwä­che und hoher Infla­ti­on gilt als Gift für die Wirt­schaft. Ökonom:innen sind uneins, ob Deutsch­land jetzt ein sol­ches Sze­na­rio droht. 

Von Julia Groth

Die­ser Tage liest man in der Wirt­schafts­pres­se immer wie­der War­nun­gen vor einer Stag­fla­ti­on. Das Kof­fer­wort setzt sich zusam­men aus den Wör­tern „Sta­gna­ti­on“ und „Infla­ti­on“ und bezeich­net ein wirt­schaft­li­ches Umfeld, das als beson­ders ungüns­tig gilt: Die Wirt­schaft wächst kaum, zugleich ver­liert das Geld in den Porte­mon­naies der Verbraucher:innen an Kauf­kraft. Die meis­ten Öko­nom:innen hal­ten es zwar für eher unwahr­schein­lich, dass tat­säch­lich eine Stag­fla­ti­on droht. Soll­te es doch so kom­men, hät­ten die betrof­fe­nen Staa­ten aller­dings ein Pro­blem. 

Das Tücki­sche an einer Stag­fla­ti­on ist, dass die Noten­ban­ken in einem sol­chen Umfeld kaum etwas tun kön­nen, um die Lage zu ver­bes­sern. Was sie auch machen: Es ist ver­kehrt. Heben sie die Zin­sen an, um die Infla­ti­on unter Kon­trol­le zu hal­ten, kommt die sto­cken­de Kon­junk­tur erst recht nicht in die Gän­ge. Sen­ken sie die Zin­sen, um die Wirt­schaft anzu­kur­beln, droht die Infla­ti­on durch die Decke zu gehen. Ein Dilem­ma. 

In Deutsch­land und ande­ren west­li­chen Indus­trie­staa­ten mach­te zuletzt in den 1970er Jah­ren eine Stag­fla­ti­on den Bürger:innen das Leben schwer. Bin­nen zwei Jah­ren ver­dop­pel­te sich damals der Ölpreis, in der Fol­ge schoss die Infla­ti­on in die Höhe. Gleich­zei­tig schwä­chel­te die Wirt­schaft, die Arbeits­lo­sen­zah­len stie­gen. Manch einer fühlt sich jetzt durch die anzie­hen­den Infla­ti­ons­ra­ten und die schwä­che­re Dyna­mik beim Wirt­schafts­wachs­tum an die Sieb­zi­ger erin­nert – „und die­se Erin­ne­rung ist kei­ne gute“, sagt Ingrid Szei­ler, Chef­an­la­ge­stra­te­gin der öster­rei­chi­schen Raiff­ei­sen Kapi­tal­an­la­ge-Gesell­schaft. Zwar fin­den sie War­nun­gen vor einer Stag­fla­ti­on ver­früht. „Aber es gilt, etwai­ge Ten­den­zen in die­se Rich­tung auch in Hin­blick auf den Hand­lungs­spiel­raum der Noten­ban­ken auf­merk­sam zu ver­fol­gen“, betont sie. 

Lie­fer­eng­päs­se und Roh­stoff­knapp­heit belas­ten momen­tan das Wirt­schafts­wachs­tum, und die Infla­ti­on liegt so hoch wie lan­ge nicht mehr. Vie­le Wirtschaftsexpert:innen gehen aller­dings davon aus, dass bei­de Ent­wick­lun­gen nur vor­über­ge­hend sind – eine Fol­ge von Nach­hol­ef­fek­ten im Fahr­was­ser der Coro­na-Pan­de­mie. „Mit der Nor­ma­li­sie­rung der Kon­junk­tur erholt sich die Ange­bots­sei­te. Knapp­heit und Eng­päs­se wer­den schritt­wei­se über­wun­den“, pro­phe­zeit Cars­ten Ger­lin­ger, Geld­an­la­ge-Chef bei Moven­tum Asset Manage­ment. Er rech­net damit, dass der Infla­ti­ons­druck zum Jah­res­en­de hin nach­lässt. Auch die gro­ßen Noten­ban­ken gehen davon aus, dass die hohe Teue­rung kein dau­er­haf­tes Phä­no­men ist. 

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