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Springer wechselt “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt nach Investigativ-Bericht aus

2021-10-20T17:42:28+02:0019. Oktober 2021|
Der Axel-Sprin­ger-Ver­lag hat “Bild”-Chefredakteur Juli­an Rei­chelt mit sofor­ti­ger Wir­kung von sei­nen Auf­ga­ben ent­bun­den. Als Fol­ge von Pres­se­re­cher­chen habe das Unter­neh­men jüngst neue Erkennt­nis­se über Rei­chelts Ver­hal­ten gewon­nen, teil­te der Ber­li­ner Kon­zern am Mon­tag mit. 

Die­sen Infor­ma­tio­nen sei das Unter­neh­men nach­ge­gan­gen und habe erfah­ren, dass Rei­chelt auch nach Abschluss eines “Compliance”-Verfahrens im Früh­jahr 2021 Pri­va­tes und Beruf­li­ches nicht klar getrennt und dem Vor­stand dar­über die Unwahr­heit gesagt habe. Neu­er Vor­sit­zen­der der drei­köp­fi­gen Chef­re­dak­ti­on wer­de der der­zei­ti­ge Chef­re­dak­teur der “Welt am Sonn­tag”, Johan­nes Boie.

Rei­chelt war im März wegen Vor­wür­fen aus der Beleg­schaft rund um Macht­miss­brauch vor­über­ge­hend frei­ge­stellt wor­den. Nach einer inter­nen Unter­su­chung hieß es, er habe Feh­ler gemacht, die aber nicht straf­recht­li­cher Natur sei­en. Er durf­te sei­nen Job fort­set­zen, bekam aber Alex­an­dra Würz­bach als Dop­pel­spit­ze zur Sei­te gestellt. Im Umfeld des Ber­li­ner Kon­zerns hat­te es vor der jüngs­ten Ent­schei­dung gehei­ßen, wenn es neue Vor­wür­fe gegen Rei­chelt geben soll­te, wer­de man sich die­se genau anschau­en und bewerten.

“Wir hät­ten den mit der Redak­ti­on und dem Ver­lag ein­ge­schla­ge­nen Weg der kul­tu­rel­len Erneue­rung bei ‘Bild’ gemein­sam mit Juli­an Rei­chelt ger­ne fort­ge­setzt”, erklär­te Sprin­ger-Chef und Groß­ak­tio­när Mathi­as Döpf­ner. “Dies ist nun nicht mehr möglich.”

Medienhaus Ippen stoppte Investigativ-Bericht über “Bild”

Zuletzt hat­ten inves­ti­ga­ti­ve Recher­chen des Ippen-Ver­lags (“Münch­ner Mer­kur”, “TZ”, “Frank­fur­ter Rund­schau”) und der “New York Times” für Auf­se­hen gesorgt. Die Ippen-Ver­öf­fent­lich­tung wur­de von Ver­le­ger Dirk Ippen per­sön­lich gestoppt, woge­gen das Inves­ti­ga­tiv-Team des Ver­lags pro­tes­tier­te. Laut einem im Inter­net bekannt­ge­wor­de­nen Schrei­ben des Teams geht es bei den Recher­chen im Kern um “Macht­miss­brauch gegen Frau­en und wei­te­re Miss­stän­de” bei Axel Sprin­ger und vor allem durch den bis­he­ri­gen “Bild”-Chefredaketeur. Rei­chelt war für eine Stel­lung­nah­me zunächst nicht zu erreichen.

Sprin­ger erklär­te wei­ter, es habe in Rah­men des Com­pli­an­ce-Ver­fah­rens gegen Juli­an Rei­chelt nie den Vor­wurf sexu­el­ler Beläs­ti­gung oder sexu­el­ler Über­grif­fe gege­ben. Es habe aber den Vor­wurf ein­ver­nehm­li­cher Lie­bes­be­zie­hun­gen zu “Bild”-Mitarbeiterinnen und Hin­wei­se auf Macht­miss­brauch in die­sem Zusam­men­hang gege­ben. Bewie­sen und ein­ge­räumt wur­de dem­nach eine frü­he­re Bezie­hung zu einer Mit­ar­bei­te­rin von “Bild”. Umstrit­ten geblie­ben sei, ob die­ser Mit­ar­bei­te­rin dadurch beruf­li­che Vor­tei­le gewährt wurden.

Sprin­ger-Chef Döpf­ner erklär­te wei­ter, Rei­chelt habe die “Bild” jour­na­lis­tisch her­vor­ra­gend ent­wi­ckelt. Mit Boie gebe es nun einen erst­klas­si­gen Nach­fol­ger. “Er hat unter Beweis gestellt, dass er jour­na­lis­ti­sche Exzel­lenz mit moder­nem Füh­rungs­ver­hal­ten ver­bin­det”, so Döpf­ner. Bevor der 37-jäh­ri­ge Boie 2017 zu Axel Sprin­ger kam, hat­te er bei der “Süd­deut­schen Zei­tung” als Repor­ter und Redak­teur gearbeitet.

Die “Bild” ist Deutsch­lands auf­la­gen­stärks­te Tages­zei­tung, seit kur­zem gibt es auch BILD TV. Der Axel-Sprin­ger-Kon­zern, der vor allem für das Bou­le­vard-Blatt sowie die “Welt” bekannt ist, hat­te im August die Über­nah­me des US-Nach­rich­ten­un­ter­neh­mens Poli­ti­co bekannt­ge­ge­ben. Die Ber­li­ner neh­men seit Jah­ren ver­stärkt den US-Medi­en­markt in den Fokus und wol­len mit Rücken­wind des größ­ten Aktio­närs, dem US-Finanz­in­ves­tors KKR wei­ter expandieren.

rtr

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