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  • Der Smart Money Index zeigt Verhalten der Anlage-Profis im Verhältnis zu den privaten Anleger:innen an den US-Aktienmärkten, ©mrmohock - stock.adobe.com

Smart Money Index: Von den Profis lernen

2022-07-18T09:05:04+02:0011. Juli 2022|

Von Pro­fis kann man viel ler­nen. Das gilt auch an der Bör­se. Dazu gibt es sogar einen eige­nen Index.  

Von Ant­je Erhard

Als so genann­tes Smart Money wer­den gern insti­tu­tio­nel­le Investor:innen bezeich­net. Das „schlaue Geld“ oder auch „intel­li­gen­te Geld“ wird so bezeich­net, weil es das Know-How, die Erfah­rung und die Infor­ma­tio­nen zum Inves­tie­ren hat. Das sind die Pro­fis, die sich den gan­zen Tag mit Geld­an­la­gen und Invest­ments beschäf­ti­gen. Sie ana­ly­sie­ren den Markt und ent­schei­den dann. 

Dumb Money, so nennt man Kleinanleger:innen. Um es gleich vor­weg­zu­neh­men: Das hat über­haupt nichts mit Intel­li­genz zu tun. So genann­tes „dum­mes Geld“ ist kei­nes­wegs dumm. So ist das nicht gemeint. Ver­wen­den wir lie­ber die Begrif­fe „vor­aus­schau­en­des“ und „reagie­ren­des“ Geld. „Reagie­ren­des Geld“, also Kleinanleger:innen, inves­tie­ren anders als die Pro­fis. Und kön­nen sich von ihnen viel abschau­en. Denn den Privatanleger:innen wird nach­ge­sagt, viel eher und viel mehr Geld zu ver­lie­ren. Doch war­um ist das so? 

Basis: Morgens handeln Kleinanleger, später die Profis

Privatanleger:innen sind meis­tens zu Han­dels­be­ginn aktiv, weil ihr Tages­ab­lauf mit Job und ande­ren Ver­pflich­tun­gen es gar nicht anders zulässt. Sie reagie­ren außer­dem (schnell) auf die Nach­rich­ten und Daten der Nacht. Oft emo­tio­nal. Die Pro­fis hin­ge­gen haben Zeit. Sie schau­en sich Kur­se und Nach­rich­ten an, bewer­ten die Situa­ti­on in Ruhe und han­deln spät(er). Und meist mit (mehr) Erfolg. 

Das Ver­hal­ten die­ser Pro­fis im Ver­hält­nis zu den pri­va­ten Anleger:innen an den US-Akti­en­märk­ten zu mes­sen, ist die Auf­ga­be des Smart Money Index SMI, auch Smart Money Flow Index genannt. Man berech­net ihn aus dem Vor­ta­ges-SMI abzüg­lich des Gewinns oder Ver­lus­tes des Dow Jones in der ers­ten hal­ben Stun­de nach Markt­öff­nung am aktu­el­len Tag (denn wir haben ja gese­hen, da sind die Klein­an­le­ger aktiv) zuzüg­lich des Gewinns oder Ver­lus­tes der letz­ten Han­dels­stun­de (dann han­deln die Pro­fis). 

Das zeigt der Smart Money Index

Das bedeu­tet aus unse­rer Sicht in Deutsch­land: Wir betrach­ten die ers­te hal­be Stun­de des Han­dels an der Wall Street von 09.30 bis 10 Uhr, also von 15.30 bis 16 Uhr MEZ. Wie sich der Dow Jones ent­wi­ckelt, steht kon­trär zum SMI: Wenn also der Dow Jones in New York am Mor­gen (unse­rer Zeit am Nach­mit­tag) fällt, wäre das posi­tiv für den SMI. Und wenn der SMI steigt, soll­te der Markt dann posi­tiv ten­die­ren. 

Die zwei­te Zeit, die wir betrach­ten, ist das Han­dels­en­de, die Zeit zwi­schen 15 und 16 Uhr in New York. MEZ also zwi­schen 21 und 22 Uhr. Wenn der Dow Jones Index hier steigt, ist es eben­falls posi­tiv für den SMI. Der Gesamt­markt wür­de stei­gen. 

Der Index kann als War­nung fun­gie­ren, wenn sich ein Trend ändert. Er kann aber auch Diver­gen­zen auf­zei­gen: Das ist dann der Fall, wenn der Smart Money Index in eine ande­re Rich­tung ten­diert als der Markt. Fällt der Markt, wäh­rend der SMI steigt, wird das als Signal für stei­gen­de Kur­se inter­pre­tiert. 

Klare Signale liefert der SMI nicht, aber…

Kritiker:innen bemän­geln, dass der Index kei­ne kla­ren Signa­le sen­det. Außer­dem reicht ein ein­zi­ger Tag reicht nicht aus, um die Markt­ent­wick­lung zu ana­ly­sie­ren oder Pro­gno­sen auf­zu­stel­len. Um Trends zu erken­nen, braucht es län­ger. Aber der SMI kann mit dazu bei­tra­gen, nicht impul­siv oder emo­tio­nal zu han­deln und die eige­ne Ent­schei­dung erst mit den Pro­fis abzu­glei­chen. Man soll­te ihn zusätz­lich mit ande­ren Indi­ka­to­ren abglei­chen, denn ein Index oder Wert allein macht noch kei­nen Trend. Wer lang­fris­tig ori­en­tiert ist, kommt mit Sen­ti­ment-Indik­ta­to­ren allein ohne­hin nicht aus. Dazu braucht es fun­da­men­ta­le Daten. 

Fazit: Der SMI ist nur einer von vie­len Mög­lich­kei­ten, die Märk­te zu ana­ly­sie­ren. Er kann bei den eige­nen Anla­ge-Ent­schei­dun­gen unter­stüt­zen und uns womög­lich emo­tio­na­le, impul­si­ve Tra­des über­den­ken las­sen. Für lang­fris­ti­ge Ent­schei­dun­gen zur Geld­an­la­ge reicht der Smart Money Index nicht, weil er hier­für kei­ne Daten lie­fert. 

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