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Sicherer Unterricht oder Super-Spreader-Orte — Debatte über Schulstart

2021-07-21T07:37:29+02:0016. Juli 2021|

Auf kei­nen Fall soll sich im Herbst und Win­ter eine Coro­na-Ent­wick­lung wie 2020 wie­der­ho­len – vor allem nicht für die von der Pan­de­mie gebeu­tel­ten Schü­ler. Des­halb mah­nen Bun­des­po­li­ti­ker schon jetzt die Län­der, früh­zei­tig für einen siche­ren Schul­start zu sorgen.

„Wir müs­sen uns dar­auf ein­stel­len, dass es nach den Feri­en und beson­ders in den Win­ter­mo­na­ten immer wie­der zu (Corona-)Ausbrüchen an ein­zel­nen Schu­len kom­men kann“, sag­te Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin Anja Kar­li­c­zek dem „Spie­gel“ mit Ver­weis auf die Del­ta-Virus-Vari­an­te. Doch auf Län­der­sei­te ver­bit­te man sich laut einer Reu­ters-Umfra­ge die Mah­nun­gen: Die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz hat sich erst ein­mal dar­auf geei­nigt, dass man den Ein­schrän­kun­gen über Mona­te nach dem Som­mer mit der Schu­le im Regel- und Prä­senz­be­trieb star­ten will. „Im Ver­gleich zum Som­mer 2020 haben wir eine völ­lig ver­än­der­te Situa­ti­on an unse­ren Schu­len“, heißt es etwa im Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um in Rhein­land-Pfalz zur Begründung.

Die Schu­len als einer der mög­li­chen Coro­na-Infek­ti­ons­or­te rücken nicht nur des­halb wie­der in den Mit­tel­punkt der Debat­te, weil man etwa bei den Locke­run­gen vor eini­gen Wochen einen Anstieg der Posi­tiv-Fäl­le auch unter Schü­lern ver­zeich­net hat­te. Als viel ent­schei­den­der gilt, dass im Herbst 2021 der aller­größ­te Teil der Erwach­se­nen geimpft sein wird, wäh­rend zumin­dest für die unter Zwölf­jäh­ri­gen noch kein Impf­stoff zur Ver­fü­gung steht: Des­halb gilt es als wahr­schein­lich, dass sich das Virus und vor allem die anste­cken­de­re Del­ta-Vari­an­te am ehes­ten in die­ser Alters­grup­pe und bei den unge­impf­ten Zwölf- bis 18-Jäh­ri­gen aus­brei­ten könnte.

Für die 4,5 Mil­lio­nen Jugend­li­chen zwi­schen zwölf und 18 in Deutsch­land ist zwar Bio­n­tech als Impf­stoff von der euro­päi­schen Arz­nei­mit­tel­be­hör­de EMA zuge­las­sen. Aber die Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on (Sti­ko) hat kei­ne gene­rel­le Emp­feh­lung für eine Imp­fung von Jugend­li­chen aus­ge­spro­chen. Poli­ti­ker ver­stär­ken trotz der Sti­ko-Posi­ti­on ihre Hin­wei­se, dass sich mehr Jugend­li­che imp­fen las­sen sollten.

Länder sehen sich gewappnet

Bei den Schu­len wei­sen die Län­der den Vor­wurf man­geln­der Vor­be­rei­tung zurück. „Die Vor­aus­set­zun­gen sind hier bes­ser als im vor­he­ri­gen Jahr: Die Leh­re­rin­nen und Leh­rer sind auf­grund des Vor­zie­hens in der Prio­ri­sie­rung bereits jetzt zu gro­ßen Tei­len voll­stän­dig geimpft, wir haben ein sehr genau­es Scree­ning der Coro­na-Fäl­le in den Schu­len und Tes­tun­gen sind wei­ter­hin eine viel­ver­spre­chen­de Opti­on“, sagt etwa die baden-würt­tem­ber­gi­sche Kul­tus­mi­nis­te­rin The­re­sa Schop­per zu Reu­ters. Auch in Sach­sen und ande­ren Län­dern ver­weist man dar­auf, dass die Schü­ler zwei­mal wöchent­lich getes­tet wer­den – und damit mehr als fast alle ande­ren Grup­pen. „Im Ver­gleich zum ver­gan­ge­nen Schul­jahr .… mitt­ler­wei­le auch die gestärk­te wis­sen­schaft­li­che Posi­ti­on, dass die Schü­ler kei­ne Pan­de­mie­trei­ber sind und sie durch eine mög­li­che Infek­ti­on weni­ger erkran­ken und weni­ger gefähr­det sind als Erwach­se­ne“, betont eine Spre­che­rin des säch­si­schen Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums. In Sach­sen-Anhalt ver­weist man dar­auf, dass die meis­ten Infek­tio­nen mit der Del­ta-Vari­an­te unter den 25- bis 29-Jäh­ri­gen fest­stellt wür­den, in Rhein­land-Pfalz sind es die 40- bis 49-Jäh­ri­gen – also nicht die Kinder.

Den­noch zeigt schon der Streit um den Ein­satz von Luft­fil­tern, der der­zeit nur in Bay­ern flä­chen­de­ckend in allen Klas­sen­zim­mern kom­men soll, wie sehr die Mei­nun­gen aus­ein­an­der­drif­ten. Die nörd­li­chen Bun­des­län­der etwa wol­len ohne Mas­ken­pflicht im Unter­richt ins neue Schul­jahr star­ten – Nord­rhein-West­fa­len wird sie dage­gen fort­set­zen. Im Baye­ri­schen Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um ver­weist man dage­gen der­zeit noch dar­auf, dass man mit den Hygie­ne- und Abstands­re­geln sehr gut gefah­ren sei. „Zudem wer­den wir inzi­denz­un­ab­hän­gig eine Mas­ken­pflicht an Schu­len in den ers­ten bei­den Wochen nach den Som­mer­fe­ri­en ein­füh­ren, um das Risi­ko der Ein­schlep­pung von Infek­tio­nen, vor allem auch der Del­ta-Vari­an­te oder ande­rer Muta­tio­nen, zu mini­mie­ren“, sagt die baden-würt­tem­ber­gi­sche Kul­tus­mi­nis­te­rin Schop­per. Bran­den­burg wird die Test­pflicht im neu­en Schul­jahr bei­be­hal­ten. Der Viro­lo­gin Mela­nie Brink­mann vom Helm­holtz-Zen­trum für Infek­ti­ons­for­schung (HZI) reicht dies aber nicht. Es müs­se die aus­sa­ge­kräf­ti­ge­ren PCR-Tests und nicht nur Schnell­tests in Schu­len geben, sag­te sie der RND-Mediengruppe.

Schulen sollen offen bleiben

Dis­ku­tiert wird auch, ob Schu­len in der erwar­te­ten vier­ten Wel­le bei wie­der stei­gen­den Inzi­denz­zah­len erneut Schlie­ßun­gen dro­hen. „Ganz gleich, ob die vier­te, fünf­te, sechs­te oder sieb­te Wel­le kommt: Lasst die Schu­len auf!“, hat­te der CDU-Poli­ti­ker Fried­rich Merz vor Kur­zem in einem Inter­view gefor­dert. „Unser Ziel ist es, dass die Schu­len unab­hän­gig der Inzi­denz offen blei­ben“, heißt es auch im säch­si­schen Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um. Man wer­de die Maß­nah­men ent­spre­chend der Infek­ti­ons­zah­len sicher anpas­sen. „Klar ist auch: Wir kön­nen die Schu­len siche­rer machen, aber wir kön­nen sie nicht in Hoch­si­cher­heits­trak­te ver­wan­deln. Daher bleibt es eine Abwä­gung zwi­schen dem Infek­ti­ons­schutz und dem Recht auf Bil­dung und den gesund­heit­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Kin­der, wenn kein Schul­all­tag mehr statt­fin­det.“ Auch aus ande­ren Län­dern und der Bun­des­re­gie­rung kommt die Erwar­tung, dass man ohne Schlie­ßun­gen aus­kom­men soll­te. Die Prä­si­den­tin der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz, Bran­den­burgs Bil­dungs­mi­nis­te­rin Brit­ta Ernst, hat­te gesagt, dass man Schu­len nur im Not­fall wie­der schlie­ßen sollte.

Für den Fall, dass die vier­te Wel­le doch hef­ti­ger aus­fal­len soll­te, ver­weist das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um Thü­rin­gen auf die gemach­ten Erfah­run­gen. Ein Wech­sel zwi­schen Prä­senz- und Distanz­un­ter­richt sei heu­te viel ein­ge­spiel­ter als vor einem Jahr. „Und der Aus­bau der Schul­cloud ist vor­an­ge­trie­ben wor­den: Mitt­ler­wei­le kön­nen Zehn­tau­sen­de Schü­le­rin­nen und Schü­ler gleich­zei­tig die Cloud nut­zen, ein im letz­ten Jahr noch nicht vor­stell­ba­rer Fort­schritt“, beton­te eine Spre­che­rin. Hes­sen ver­weist dar­auf, dass rund 100.000 digi­ta­le End­ge­rä­te für bedürf­ti­ge Schü­le­rin­nen und Schü­ler zur Ver­fü­gung stünden.

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