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Selbstständig werden: Soll ich es wagen?

2022-03-03T16:56:41+01:003. März 2022|

Eige­ne Ideen ver­wirk­li­chen statt fremd­be­stimmt arbei­ten. Selbst ent­schei­den, wo’s lang­geht. Die meis­ten, die sich selbst­stän­dig machen, erfül­len sich damit einen Traum. Ihre Visi­on steht meist fest – nur der Weg dort­hin ist häu­fig vol­ler Fra­ge­zei­chen. Courage-online.de sagt, wo es Ant­wor­ten gibt.  

Von Gise­la Haberer

Was kann ich? Was will ich? Was brau­che ich? Die Ant­wor­ten auf die­se drei Fra­gen ste­cken den Rah­men ab, wofür es beim Schritt in die Selb­stän­dig­keit Unter­stüt­zung braucht. Sich zunächst des eige­nen Kön­nens bewusst zu wer­den, hilft zugleich, die Eig­nung für das Vor­ha­ben an sich zu klä­ren. Eine ehr­li­che Ant­wort bringt aber auch zuta­ge, wor­an es noch fehlt. Das eige­ne Ziel dann genau­er ins Auge zu fas­sen, führt unwei­ger­lich zu Fra­gen nach die­sem oder jenem Detail. Die ers­ten bei­den Ant­wor­ten schaf­fen so die Grund­la­ge, um die drit­te zu klä­ren. Erst wer sei­nen Bedarf genau benen­nen kann, kann ziel­ge­rich­tet nach pas­sen­den Ansprechpartner:innen suchen. Und das ist gut so, denn die Aus­wahl an Bera­tungs­mög­lich­kei­ten ist groß. 

Guter Rat aus der Ferne

„Zu wel­chem The­ma brauchst Du Bera­tung? Wo grün­dest Du?“ fragt die Grün­der­platt­form, eine Initia­ti­ve des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums und der staat­li­chen För­der­bank KfW. Nach die­sen bei­den Anga­ben wer­den „Grün­dungs­pro­fis“ ermit­telt, die bereit sind via Inter­net kos­ten­frei Fra­gen zu beant­wor­ten oder Feed­back zu geben, etwa zu einer Geschäfts­idee. Als Vor­be­rei­tung oder Ergän­zung bie­tet die Platt­form Online-Tools zu den vier Schrit­ten „Ein­stei­gen – Pla­nen – Finan­zie­ren – Grün­den“. Einen direk­ten Draht bie­tet die Hot­line zur Exis­tenz­grün­dung des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums. Hier wird über För­der­pro­gram­me, Gewer­be­recht und Bera­tungs­an­ge­bo­te infor­miert: 030–340 60 65 60.   

Guter Rat vor Ort

In der Regel fin­den sich kom­pe­ten­te Anlauf­stel­len in der Nähe. Die Grün­der­platt­form lis­tet ihre Part­ner, die Bera­tung oder Finan­zie­rung anbie­ten, nach Bun­des­län­dern auf, dar­un­ter Hoch­schu­len und Grün­der­zen­tren. Gra­tis Infor­ma­tio­nen gibt es grund­sätz­lich auch von Indus­trie-und Han­dels­kam­mern sowie Hand­werks­kam­mern. Wer frei­be­ruf­lich tätig wer­den will, kann sich an das Insti­tut für Freie Beru­fe wen­den. Auch vie­le Berufs­ver­bän­de bie­ten Infor­ma­tio­nen zu Grün­dun­gen an. Die bun­des­wei­te Grün­de­rin­nen­agen­tur (bga) infor­miert spe­zi­ell über Bera­tungs­an­ge­bo­te für Grün­de­rin­nen und Unter­neh­me­rin­nen. Die Ämter für Wirt­schafts­för­de­rung der Kom­mu­nen und Krei­se unter­stüt­zen bei Stand­ort­su­che und Umset­zung.    

Gruppenberatung: meist kostenfrei

Unab­hän­gig von der Geschäfts­idee gibt es oft auch all­ge­mei­ne­re Fra­gen zu klä­ren, etwa rund um die Absi­che­rung oder zur Finan­zie­rung. Zu sol­chen The­men bie­ten zum Bei­spiel die Agen­tu­ren für Arbeit, die IHK und beruf­li­che Fort­bil­dungs­zen­tren regel­mä­ßig Vor­trä­ge, Work­shops und Coa­chings an, meist kos­ten­los. Der Ver­band der Grün­der und Selbst­stän­di­gen Deutsch­land (VGSD) ver­an­stal­tet Tages­se­mi­na­re und Crash­kur­se zu grund­le­gen­den Fra­gen für Grup­pen von sechs bis zwölf Per­so­nen. Gegen Gebühr kann jeder und jede teil­neh­men. Mit­glie­der erhal­ten einen Preis­nach­lass.  

Einzelberatung: meist kostenpflichtig

Manch­mal lässt sich in Grup­pen-Coa­chings nicht alles klä­ren, etwa wenn eine gute Geschäfts­idee Geheim­hal­tung braucht. Dann hilft ein pro­fes­sio­nel­les Ein­zel­coa­ching wei­ter. Das kos­tet in der Regel, die Stun­den­sät­ze lie­gen häu­fig über hun­dert Euro. Bei einer per­sön­li­chen Beglei­tung von der Idee bis zum fer­ti­gen Busi­ness­plan addiert sich das leicht auf vier­stel­li­ge Beträ­ge. Wer sich aus der Arbeits­lo­sig­keit her­aus selb­stän­dig macht, erhält dafür unter Umstän­den einen Zuschuss von der Agen­tur für Arbeit. 

Beratungszuschuss: Vor der Gründung

Alle Bun­des­län­der för­dern Bera­tung auf dem Weg zur Grün­dung – jedes auf sei­ne Wei­se. So gibt zum Bei­spiel Baden-Würt­tem­berg Bera­tungs­gut­schei­ne aus, Meck­len­burg-Vor­pom­mern Bil­dungs­checks, Sach­sen-Anhalt Zuschüs­se. Bay­ern, Ber­lin, Bran­den­burg und Bre­men för­dern Coa­chings. Hes­sen, Nord­rhein-West­fa­len, Rhein­land-Pfalz und das Saar­land haben eige­ne Bera­tungs­pro­gram­me. Bran­den­burg unter­hält zudem einen Lot­sen­dienst. Das Exis­tenz­grün­dungs­por­tal des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums gibt einen Über­blick über die Län­der­pro­gram­me.  

Beratungszuschuss: Nach der Gründung

2022 gibt es noch ein För­der­pro­gramm des Bun­des für jun­ge Unter­neh­men, aller­dings nur solan­ge die Mit­tel rei­chen. Klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men, die nicht län­ger als zwei Jah­re am Markt sind, erhal­ten einen Zuschuss für eine exter­ne pro­fes­sio­nel­le Unter­neh­mens­be­ra­tung. Maxi­mal wer­den Kos­ten in Höhe von 4.000 Euro bezu­schusst. Die Höhe des Zuschuss reicht je nach Regi­on von 50 bis 80 Pro­zent. Bean­tragt wird der Zuschuss vor­ab und zwar beim Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le BAFA. Für die BAFA-För­de­rung zuge­las­se­ne Unter­neh­mens­be­ra­ter sind über die Initia­ti­ve „Deutsch­land star­tet“, einem Netz­werk von Gründungsberater:innen, zu fin­den.  

Coaches finden

Die Berufs­be­zeich­nung „Coach“ ist nicht geschützt. Jeder kann sich so nen­nen und so gut wie alles dar­un­ter anbie­ten. Daher ist Vor­sicht auf der Suche nach einem Coach gebo­ten. Expert:innen mit eige­ner Grün­dungs­er­fah­rung, etwa Unter­neh­mens­be­ra­ter:innen und Mar­ke­ting­be­ra­ter:innen, sind über den Ver­band der Grün­der und Selbst­stän­di­gen Deutsch­land zu fin­den und zwar nach Post­leit­zahl. Beim Deut­schen Bun­des­ver­band Coa­ching (DBVC), der Coa­ches auch zer­ti­fi­ziert, lässt sich die Suche zudem nach grund­le­gen­den Aspek­ten fil­tern, etwa nach Alter, Erfah­rung, Kom­pe­ten­zen und Ort. Sobald die Bera­tung geför­dert wird, sind meist nur bestimm­te Bera­te­rin­nen und Bera­ter zuge­las­sen. Dar­über geben ent­we­der die Coa­ches selbst Aus­kunft oder eige­ne Regis­ter der Geld­ge­ber. Bei­spiel: Die Bera­ter­da­ten­bank Bay­ern. Für För­de­rung zer­ti­fi­zier­te Berater:innen las­sen sich auch über die Initia­ti­ve „Deutsch­land star­tet“ finden. Übri­gens: Die meis­ten Coa­ches bie­ten ein kos­ten­frei­es Gespräch zum Ken­nen­ler­nen an. Dabei lässt sich prü­fen, ob die Che­mie stimmt – ein wich­ti­ger Fak­tor für die Zusammenarbeit.

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