• Selbstständigkeit
    Selbstständigkeit, ©Youngoldman/iStock

Selbstständig – so nebenher?

2022-03-31T12:31:37+02:0031. März 2022|

Fast jede zwei­te Grün­de­rin macht sich im Neben­er­werb selbst­stän­dig. Das Modell hat zwar einige Vor­tei­le, birgt aber auch Risi­ken. Courage-online.de erklärt, wor­auf Frau­en ach­ten müs­sen, die sich neben­be­ruf­lich selbst­stän­dig machen.

Von Gise­la Haberer

Die beruf­li­che Selbst­stän­dig­keit ermög­licht vie­len Frau­en erst­mals einen „maß­ge­schnei­der­ten Arbeits­platz“, beob­ach­ten Grün­dungs­be­ra­te­rin­nen der staat­li­chen För­der­bank KfW. Vie­le sehen sich dadurch end­lich in der Lage, ihre viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben als Mut­ter, Part­ne­rin, Haus­frau und Unter­neh­me­rin unter einen Hut zu brin­gen. Vor allem, wenn die Selb­stän­dig­keit sozu­sa­gen in Teil­zeit aus­ge­übt wird. Ist es wirk­lich so ein­fach? Die KfW, die das Grün­dungs­ge­sche­hen in Deutsch­land regel­mä­ßig ana­ly­siert, sieht tat­säch­lich eini­ge Plus­punk­te für Selbst­stän­dig­keit im Nebenerwerb.

Testlauf 

Trägt die Geschäfts­idee? Lässt sich damit aus­rei­chend Geld ver­die­nen? Bin ich über­haupt der Typ, um selbst­stän­dig arbei­ten? Die­se Fra­gen las­sen sich vor­ab kaum mit Sicher­heit beant­wor­ten. Durch eine „Teil­zeit-Selbst­stän­dig­keit“ lässt sich das aus­tes­ten. Für die­sen Weg ent­schei­den sich laut KfW Jahr für Jahr rund eine hal­be Mil­li­on Men­schen.  

Geringeres Risiko 

Klein anzu­fan­gen, kann Vor­tei­le haben. Denn dann ist die Wahr­schein­lich­keit höher, dass sich nöti­ge Inves­ti­tio­nen selbst finan­zie­ren las­sen. Damit blei­ben Grün­de­rin­nen unab­hän­gig von Ban­ken. Das finan­zi­el­le Risi­ko hält sich dann beson­ders in Gren­zen, wenn die Grün­dung im Neben­er­werb eige­ne Ein­künf­te aus dem Haupt­be­ruf abfe­dern. Lässt sich das eige­ne Geschäft allei­ne mana­gen, blei­ben auch Kos­ten, Ver­ant­wor­tung und Ver­pflich­tun­gen erspart, die eine Anstel­lung von Arbeits­kräf­ten mit sich bringt. 

Geringerer Zeiteinsatz 

Nach Beob­ach­tung der KfW ent­schei­den sich vor allem Müt­ter für eine „Teil­zeit-Selb­stän­dig­keit“ neben ihrer Fami­li­en­ar­beit. Doch Vor­sicht: Nicht umsonst gibt es das „Bon­mot“: „Selbst­stän­di­ge sind immer selbst und stän­dig tätig.“ Das­sel­be gilt häu­fig auch für Müt­ter. Schreit das Baby, kann sie nicht sagen: „Sor­ry, du bist jetzt nicht an der Rei­he.“ Lässt sich die Ver­füg­bar­keit für Fami­lie und für Beruf weder ab- noch begren­zen, kann der schein­bar „maß­ge­schnei­der­te“ Arbeits­platz auch zur kom­plet­ten Über­for­de­rung und zum Bur­nout füh­ren.  

Absprung wagen 

Grün­de­rin­nen, die ihren Unter­halt eines Tages kom­plett selbst­stän­dig ver­die­nen wol­len, dür­fen den Absprung aus der Teil­zeit nicht ver­pas­sen. Denn solan­ge nur ein Teil der Ener­gie ins Geschäft fließt, ist es oft auch nur begrenzt erfolg­reich. Wer zu lan­ge zu vor­sich­tig bleibt, stellt even­tu­ell dem eige­nen Erfolg ein Bein.  

Rechtliche Vorgaben 

Auch eine Grün­dung im Neben­er­werb geschieht nicht im rechts­frei­en Raum. Die selbst­stän­di­ge Tätig­keit mag zwar „nur“ in Teil­zeit aus­ge­übt wer­den. Doch arbeits- und (sozial)rechtliche sowie steu­er­li­che Vor­ga­ben müs­sen trotz­dem zu hun­dert Pro­zent beach­tet und erfüllt wer­den.  

Arbeitszeit 

Grund­sätz­lich dür­fen Arbeit­neh­me­rin­nen meh­re­ren Tätig­kei­ten nach­ge­hen. Doch darf pro Woche in Haupt­be­ruf und Neben­job ins­ge­samt nicht mehr als 48 Stun­den gear­bei­tet wer­den, so legt es das Arbeits­zeit­ge­setz fest. Die meis­ten Arbeits­ver­trä­ge schrei­ben außer­dem vor, dass der Chef oder die Che­fin der Neben­tä­tig­keit vor­ab geneh­mi­gen muss. Die Zustim­mung darf jedoch ver­wei­gert wer­den, wenn Ange­stell­te sich zum Bei­spiel in der­sel­ben Bran­che neben­be­ruf­lich selb­stän­dig machen wol­len. Machen sich Fest­an­ge­stell­te unge­neh­migt neben­be­ruf­lich selbst­stän­dig, ris­kie­ren sie ihre Kün­di­gung.  

Urlaubszeit 

Urlaub ist zur Erho­lung da. Urlaubs­ta­ge, die der Haupt­ar­beit­ge­ber bezahlt, dür­fen also nicht für neben­be­ruf­li­che selbst­stän­di­ge Tätig­keit miss­braucht wer­den. Dafür kann aber unbe­zahl­ter Urlaub genom­men wer­den. Chef oder Che­fin kön­nen Fest­an­ge­stell­ten frei­ge­ben, damit sie ihr ein eige­nes Büro für ihre geneh­mig­te neben­be­ruf­li­che Selb­stän­dig­keit ein­rich­ten kön­nen und ers­te Kun­den­kon­tak­te auf­bau­en. Dar­auf weist die Ver­brau­cher­zen­tra­le in ihrem Rat­ge­ber „Neben­be­ruf­lich selb­stän­dig“ hin. 

Freiberuflich selbstständig 

Vie­le Tätig­kei­ten las­sen sich frei­be­ruf­lich aus­üben, etwa bera­ten­de oder künst­le­ri­sche Beru­fe. Freiberufler:innen erbrin­gen eine Dienst­leis­tung auf eige­ne Ver­ant­wor­tung. Sie müs­sen kein Gewer­be anmel­den, zah­len kei­ne Gewer­be­steu­er und wer­den nicht Mit­glied in einer Indus­trie- und Han­dels­kam­mer. Eini­ge freie Beru­fe sind jedoch soge­nann­te Kam­mer­be­ru­fe, dar­un­ter juris­ti­sche und medi­zi­ni­sche. Sie bedür­fen dann einer Zulas­sung ihrer Kam­mer. Das Insti­tut für Freie Beru­fe berät Grün­de­rin­nen in Grup­pen und ein­zeln.   

Gewerblich selbstständig 

Wer neben­be­ruf­lich ein Gewer­be betreibt, zum Bei­spiel gewinn­ori­en­tiert mit Waren han­delt, muss dies beim Gewer­be­amt sei­ner Kom­mu­ne anmel­den. Die Kom­mu­nal­ver­wal­tung lei­tet die Anmel­dung dann an Finanz­amt, Indus­trie- und Han­dels­kam­mer oder Hand­werks­kam­mer und wei­te­re Behör­den wei­ter. Neben­er­werbs-Selb­stän­di­ge, die nur nied­ri­ge Umsät­ze und Gewin­ne erwar­ten, kön­nen sich bei ihrer Indus­trie- und Han­dels­kam­mer vor Ort nach Ver­güns­ti­gun­gen erkun­di­gen, etwa beim Mit­glieds­bei­trag sowie bei der Gewerbesteuer.

Handwerklich selbstständig 

Die Hand­werks­ord­nung legt fest, mit wel­cher Qua­li­fi­ka­ti­on Handwerker:innen selb­stän­dig arbei­ten dür­fen. In der Anla­ge A die­ser Ord­nung sind die Beru­fe auf­ge­führt, bei denen dafür der Meis­ter­brief vor­aus­ge­setzt wird, in Anla­ge B alle ande­ren. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le nennt zur Ori­en­tie­rung die Faust­re­gel: „Was Heimwerker:innen selbst machen dür­fen, kann auch ohne Meis­ter­brief als hand­werk­li­che Dienst­leis­tung ange­bo­ten wer­den.“ Wo Feh­ler lebens­ge­fähr­lich wer­den kön­nen, wie bei Elek­tro- oder Gas­in­stal­la­tio­nen, im Hei­zungs- oder Gerüst­bau gilt dage­gen die Meis­ter­pflicht. Details nen­nen Hand­werks­kam­mern und Innungen.

Steuer 

Bei Selbst­stän­di­gen kön­nen Umsatz‑, Ein­kom­men- und Gewer­be­steu­er anfal­len. Frau­en, die grün­den wol­len, soll­ten sich daher vor­ab bera­ten las­sen: steu­er­lich, aber auch juris­tisch. Denn schon die Wahl der Geschäfts­form – zum Bei­spiel Ein­zel­un­ter­neh­me­rin, Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts oder Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung – hat Fol­gen für Steu­er und Buch­füh­rung.  

Sozialversicherung  

Frau­en, die über ihren Haupt­be­ruf bereits gesetz­lich kran­ken­ver­si­chert sind, müs­sen von ihren neben­be­ruf­li­chen Ein­künf­ten kei­ne Bei­trä­ge abfüh­ren. Vor­aus­set­zung: Ihre Selb­stän­dig­keit ist wirk­lich neben­be­ruf­lich. Das bedeu­tet zum Bei­spiel, die Wochen­ar­beits­zeit liegt unter 18 Stun­den und die Ein­nah­men sind ein Extra.  

Neben­be­ruf­lich Selb­stän­di­ge sind nur in Aus­nah­me­fäl­len ver­pflich­tet, sich gesetz­lich ren­ten­zu­ver­si­chern. Zu den Aus­nah­men zäh­len künst­le­risch und jour­na­lis­tisch Täti­ge. Ab einem gewis­sen Ein­kom­men wer­den sie Mit­glied der Künst­ler­so­zi­al­kas­se (KSK), über die sie dann sozi­al­ver­si­chert sind. Die­se Pflicht bringt eine gro­ße Erleich­te­rung mit sich: Die KSK über­nimmt die Arbeit­ge­ber­an­tei­le für sie.  

Absicherung 

Neben­be­ruf­lich Selbst­stän­di­ge kön­nen sich auf frei­wil­li­ger Basis über die zustän­di­ge Berufs­ge­nos­sen­schaft gegen die Fol­gen von Arbeits­un­fäl­len absi­chern. Even­tu­ell brau­chen Selbst­stän­di­ge eine pri­va­te Berufs- oder Betriebs­haft­pflicht-Ver­si­che­rung, teils auch eine Ver­mö­gens­scha­dens­haft­pflicht, um sich gegen beruf­lich ver­ur­sach­te Haf­tungs­an­sprü­che abzu­si­chern. Bei gerin­gen Umsät­zen und bestimm­ten Tätig­kei­ten kann auch eine pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung genü­gen. Bevor Frau­en neben­be­ruf­lich selbst­stän­dig wer­den, gilt es also eine Rei­he von Fra­gen zu klä­ren. Sprich: Teil­zeit-Selbst­stän­di­ge soll­ten sich vor­ab so umfas­send bera­ten las­sen wie jede ande­re Grün­de­rin auch.

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