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Rund um die Geburt: Welche medizinischen Angebote zahlen Versicherungen?

2021-07-21T07:39:16+02:0015. Juli 2021|

 Eines haben gesetz­li­che Kas­sen und pri­va­te Ver­si­che­rer gemein­sam: Sie über­neh­men jede medi­zi­nisch not­wen­di­ge Unter­su­chung und Behand­lung wäh­rend Schwan­ger­schaft und Ent­bin­dung. Doch was fällt dar­un­ter? Lässt sich absi­chern, was über das Not­wen­di­ge hin­aus­geht? Courage-online.de erklärt die „Basics“ und die „Extras“.

Von Gise­la Haberer

„Aus­rei­chend, zweck­mä­ßig und wirt­schaft­lich“ soll die Gesund­heits­ver­sor­gung in Deutsch­land sein. So gibt es der Gesetz­ge­ber vor. Doch was heißt das? Dar­über dis­ku­tie­ren Ver­tre­ter und Ver­tre­te­rin­nen von Ärzt:innenschaft, Wis­sen­schaft, Kli­ni­ken, gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen und Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten im „Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss“. Die­ser „G‑BA“ passt sei­ne Emp­feh­lun­gen stän­dig an medi­zi­ni­sche Ent­wick­lun­gen und Erkennt­nis­se an. Für die ärzt­li­che Betreu­ung wäh­rend Schwan­ger­schaft und Ent­bin­dung hat er Richt­li­ni­en erar­bei­tet. Dar­an ori­en­tie­ren sich sowohl der Leis­tungs­ka­ta­log gesetz­li­cher Kran­ken­kas­sen als auch die Stan­dards der pri­va­ten Ver­si­che­rer. Die Mut­ter­schafts-Richt­li­nie des G‑BA ist sozu­sa­gen der „gemein­sa­me Nen­ner“ zur Ver­sor­gung Schwangerer.

Standards der Versorgung vor der Geburt

Grund­le­gen­de Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen über­neh­men gesetz­li­che Kas­sen wie pri­va­te Ver­si­che­rer in vol­ler Höhe. Die Gesund­heit der Mut­ter wird eng über­wacht. Dafür wird zum Bei­spiel das Gewicht kon­trol­liert und das Blut unter­sucht, unter ande­rem auf Infek­tio­nen, dar­un­ter HIV, und Schwan­ger­schafts­dia­be­tes. Seit 1. Juli 2021 ist auch die Unter­su­chung des Rhe­sus­fak­tor von Mut­ter und Kind vor der Geburt eine Kas­sen­leis­tung. Die Ent­wick­lung des Embry­os wird durch Tast- und Ultra­schall­un­ter­su­chun­gen über­wacht. Wäh­rend der gesam­ten Schwan­ger­schaft finan­zie­ren die gesetz­li­chen Kas­sen die Hil­fe einer Heb­am­me. Die Zah­lung des Mut­ter­schafts­gel­des ist kas­sen­über­grei­fend gesetz­lich geregelt.

 Grenzen für Vorsorge per Ultraschall

Ultra­schall kann die Kno­chen­bil­dung des Embry­os schä­di­gen. Seit Janu­ar 2021 sind daher 2‑D-Ultra­schall­un­ter­su­chun­gen, die nicht medi­zi­nisch not­wen­dig sind, ver­bo­ten. Erlaubt blei­ben drei 2‑D-Unter­su­chun­gen, die Kas­sen wie Ver­si­che­rer glei­cher­ma­ßen finan­zie­ren. Seit 2013 wird beim zwei­ten Ter­min auf Wunsch ein erwei­ter­ter Ultra­schall durch­ge­führt, der Kopf, Hals, Rücken, Brust und Rumpf des Fötus genau­er unter­sucht. Spezialist:innen dür­fen nur dann 3‑D-, 4‑D-Bil­der oder Fil­me des Fötus auf­neh­men, wenn der Nut­zen der Dia­gnos­tik die Belas­tung recht­fer­tigt. „Baby-TV“ zur Unter­hal­tung ist ver­bo­ten. Gesetz­li­che Kas­sen zah­len vor­ge­burt­li­che Dia­gnos­tik, etwa durch Unter­su­chung des Frucht­was­sers oder des Blu­tes auf Fehl­bil­dun­gen und Gen­de­fek­te wie Tri­so­mie 21 nur in bestimm­ten Risi­ko­fäl­len. Bei pri­va­ten Ver­si­che­rern muss der Tarif ent­spre­chend abge­schlos­sen werden.

 Extras gesetzlicher Krankenkassen

Der Stan­dard ist zwar bei allen gleich, doch dar­über hin­aus gewäh­ren eini­ge gesetz­li­che Kas­sen Extraleis­tun­gen, zum Bei­spiel zusätz­li­che Heb­am­men­ruf­be­reit­schaft, alter­na­ti­ve Heil­mit­tel, Nacken­fal­ten­mes­sung, Zahn­vor­sor­ge in der Schwan­ger­schaft, häus­li­che Kran­ken­pfle­ge, Haus­halts­hil­fen oder die Teil­nah­me von Vätern an Geburts­vor­be­rei­tungs­kur­sen. Wer­den­den Müt­tern steht die­ser Kurs ab der 24. Schwan­ger­schafts­wo­che regu­lär zu.

 Extras privater Versicherer

Pri­va­te Ver­si­che­rer sind in ihrer Tarif­ge­stal­tung frei. Der Spit­zen­ver­band der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung gibt in sei­nen Mus­ter­be­din­gun­gen Stan­dards vor. Jeder Anbie­ter kann dar­über hin­aus­ge­hen. Am bes­ten prü­fen pri­vat ver­si­cher­te Frau­en ihren Tarif, sobald sie einen Kin­der­wunsch ver­spü­ren. Wol­len sie mehr Leis­tun­gen als ursprüng­lich ver­ein­bart, ist ein inter­ner Tarif­wech­sel in der Regel am güns­tigs­ten. Die­ser ist aber meist nur vor Beginn einer Schwan­ger­schaft ohne Auf­schlä­ge mög­lich. Wird ein neu­er Tarif abge­schlos­sen, sind War­te­zei­ten ein­zu­hal­ten, bevor eine Leis­tung in Anspruch genom­men wer­den kann – bei einer Ent­bin­dung sind dies meist acht Monate!

 Leistungen bei der Entbindung

Schwan­ge­re kön­nen grund­sätz­lich frei wäh­len, ob sie ihr Kind zu Hau­se, in einem Geburts­haus oder in einer Kli­nik auf die Welt brin­gen wol­len. Kran­ken­kas­sen zah­len alle medi­zi­nisch not­wen­di­gen Behand­lun­gen. Bei pri­va­ten Ver­si­che­rern kommt es auf den Tarif an, ob auch Kos­ten für eine Ent­bin­dung zu Hau­se oder in einem heb­am­men­ge­führ­ten Geburts­haus über­nom­men werden.

 Emotionale Ausnahmesituation: Geburt

Den Ort ihrer Nie­der­kunft soll­ten Schwan­ge­re nicht nur nach finan­zi­el­len Aspek­ten wäh­len. Eine Ent­bin­dung ist emo­tio­nal geprägt. Unsi­cher­heit kann leicht zu Kom­pli­ka­tio­nen füh­ren. Daher ist eine wesent­li­che Fra­ge: Wo fühlt sich die Schwan­ge­re am sichers­ten? Man­che brau­chen die Nähe von Ärzt:innen und Hoch­leis­tungs­me­di­zin. Für ande­re ist Ruhe und eine kon­ti­nu­ier­li­che Eins-zu-Eins-Betreu­ung durch eine Heb­am­me wich­ti­ger. Das ist in Geburts­häu­sern oder bei einer Haus­ge­burt eher gege­ben. Braucht ein Neu­ge­bo­re­nes spe­zi­el­le medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung wird in der Regel der/die Baby-Notärzt:in geru­fen: Er/Sie kommt in Kli­ni­ken, Geburts­häu­ser und zu Hausgeburten.

 Leistungen nach der Entbindung

Zu den Stan­dard­leis­tun­gen gesetz­li­cher Kas­sen nach der Geburt gehört Roo­m­ing-in, also die Unter­brin­gung von Mut­ter und Kind in einem Zim­mer. Für pri­vat ver­si­cher­te Wöch­ne­rin­nen ist die Unter­brin­gung auf einer Pri­vat­sta­ti­on bezie­hungs­wei­se in einem Ein- oder Zwei­bett­zim­mer selbstverständlich.

 Extras der Klinik

Inzwi­schen bie­ten vie­le Kli­ni­ken auch Fami­li­en­zim­mer an. Die Kos­ten für die­se Unter­brin­gung sind weder über eine pri­va­te Zusatz­ver­si­che­rung noch über eine Voll­ver­si­che­rung kom­plett abzu­si­chern. Bestimm­te „Upgrades“ sind immer selbst zu zah­len, etwa die Über­nach­tung des Vaters im Fami­li­en­zim­mer. Je nach Ange­bot der Kli­nik las­sen sich zum Bei­spiel extra­gro­ße Bet­ten, Safe, Inter­net­ver­bin­dung oder eine bestimm­te Diät dazu buchen.

 Leistungen bei der Nachsorge

Nach der Geburt zah­len Kas­sen bis zu 26 Haus­be­su­che einer Heb­am­me regu­lär, wei­te­re auf ärzt­li­che Anord­nung. Auch nach einer Fehl­ge­burt besteht Anspruch auf Heb­am­men­hil­fe, etwa um sich Rat und Trost zu holen. Jun­gen Müt­tern wer­den Nach­sor­ge­un­ter­su­chun­gen und Rück­bil­dungs­gym­nas­tik finan­ziert. Bei pri­va­ten Ver­si­che­rern ist die Nach­sor­ge durch Heb­am­men eigens tarif­lich zu vereinbaren.

 Absicherung des Neugeborenen

Einer der wesent­li­chen Unter­schie­de zwi­schen gesetz­li­cher und pri­va­ter Kran­ken­ver­si­che­rung ist die Absi­che­rung von Kin­dern. Nur die gesetz­li­chen Kas­sen bie­ten die Fami­li­en­ver­si­che­rung: Dar­über wer­den unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen über einen Bei­trags­zah­len­den Eltern und Kin­der kran­ken­ver­si­chert. In der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung braucht jeder und jede eine eige­ne Police.

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